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Berlin, 30. Juli. In der Naumann'schen „Hilfe" erschien kürzlich ein Artikelchen, das int Anschluß an das „Deutsche Wochenblatt" einige sensationell klingende Fragen aufwarf. Es hieß da: Es scheint hinter den Kulissen etwas vorgegangen zu sein, was darauf schließen läßt, daß des alten Bismarck Gedächtnis bei Hofe doch nicht in dem hohen Ansehen steht, wie es nach offiziellen Aeußerungen scheint, und daß des jungen Bismarck Hoffähigkeit zumeist davon abhängt, wie weit er von der Feier des Andenkens seines Baters lassen will. Der neue Herausgeber des „Deutschen Wochenblattes", Arwed Ritter, schreibt in der neuesten Nummer: „Wir fragen laut und öffentlich: Fand die Bestattung des Schöpfers deutscher Einheit entsprechend seinem Testamente statt? Wir fragen weiter: Ist es richtig, daß in der „Gedanken und Erinnerungen" zweitem Bande uns siebzig Seiten unterschlagen wurden? Wir fragen dann, und hierauf fordern wir die Antwort: Hat man versucht, vom jetzigen Besitzer des Grundes, auf dem des großen Bismarck Ruhestätte sich befindet, die Zusage zu erhalten, daß dieser Wallfahrtsort dem deutschen Volk verschlossen wird? Beruht auf seinem Zögern mit der Antwort das Rätsel von Travemünde?" — Eine Antwort wird auf diese Frage wohl kaum erfolgen. — Die „Berl. Neuesten Nachr." erwidern darauf: Die Antwort kann nur lauten: Durchweg heller Unsinn! Die Bestattung des Fürsten Bismarck ist seinem letzten Willen entsprechend ausgeführt worden. Daß der Hamburger Reichswahlverein dabei Spalier bilden würde, hat der Verewigte allerdings nicht voraussehen können. Weder im zweiten noch im ersten Bande der „Gedanken und Erinnerungen" ist irgend etwas „unterschlagen", am allerwenigsten 70 Seiten. Schreiber dieses hat die „Gedanken und Erinnerungen" vor ihrer Veröffentlichung gekannt und ist daher in der Lage, die Frage beantworten zu können. Alle an der ersten Drucklegung von 1893 vorgenommenen Aenderungen und Streichungen rühren von dem allein dazu berechtigten Verfasser selbst her. Der „jetzige Besitzer" von Friedrichsruh, d. h. Fürst Herbert Bismarck, hat erst jüngst den Abordnungen der deutschen Hochschulen den Zutritt zur Grabkapelle gestattet, ebenso für die nächste Zeit, laut den darüber bekannt gewordenen Zuschriften, verschiedenen größeren Vereinigungen u. a. dem Alldeutschen Verbände. Von einer „Verschließung des Wallfahrtsortes" ist also keine Rede. Das „Rätsel von Travemünde" endlich hat nirgends anders bestanden als in dem Kopfe einiger Lübecker Reporter und allenfalls derjenigen Redaktionen, denen die Sensation über alles geht und die sich mit der absoluten Haltlosigkeit einer so auf das Geratewohl hin aus der Luft gegriffenen Kombination noch immer nicht abfinden können. Es wird nachgerade Zeit, diese krankhaften Insinuationen von der Tagesordnung abzusetzen.
Lokales und Ursoinfielles.
t. Lich, 31. Juli. Gestern fand bei günstiger Witterung das Stiftungsfest des hiesigen Turnvereins statt. Das damit verbundene Schauturnen wurde durch die Vorführungen der Damenriege unter Leitung des Herrn Turnlehrers Langsdorf eröffnet. Die mit Sicherheit und Eleganz ausführten Gruppen-Stabübungen und Reigen legten ein beredtes Zeugnis ab für den echt turnerischen Geist, welcher die jugendliche Schar beselt und für den Fleiß und die Tüchtigkeit der leitenden Kraft, welcher es gelungen, in so kurzer Zeit so schöne Leistungen zu erzielen. Lebhafter Beifall der Zuschauer war der Lohn. Die Hebungen der in zwei Riegen angetretenen Preisturuer (am Reck, Schwingel, Barren, Weitsprung und Steinstoßen) fielen zur Befriedigung des Freundes vom Turnsport aus. Steht der hiesige Verein auch nicht mehr auf der Höhe, deren er sich in der Mitte der 80er Jahre rühmen durfte, so kann er doch mit guter Zuversicht auf seinen jungen und jüngsten Nachwuchs blicken. Hoffentlich hält er, was er verspricht. Am Abend fand in der Turnhalle der gut besuchte Turnerball statt, der die Vergnügungslustigen bis zum frühen Morgen zusammenhielt.
x Grimberg. 31. Juli. Gestern veranstaltete der hiesige Schützenverein sein diesjähriges Haupt-Preisschießen. Um V23 Uhr bewegte sich ein aus hiesigen und auswärtigen Schützen bestehender Zug unter Vorantritt des Musikvereins vom „Englischen Hof" aus nach der „Neu- mühle", woselbst sich die Schießstünde befinden. Das Wetter klärte sich nachmittags auf, und von allen Seiten, besonders von Grünberg und Laubach, sowie aus den übrigen benachbarten Ortschaften strömten Gäste herzu, um in den schattigen, recht idyllisch gelegenen Gartenanlagen der Neumühle den herrlichen Klängen des Musikvereins zu lauschen, während sich die Schützen mit löblichem Eifer dem Vergnügen des Schießens widmeten. Für den heutigen zweiten Tag werden noch eine größere Anzahl auswärtiger Schützen erwartet, und wird der Musikverein wiederum durch Konzertieren zur Unterhaltung der Festteilnehmer beitragen.
n. Reichelsheim i. d. W., 30. Juli. Heute fand im Vormittagsgottesdienst durch Herrn Pfarrer Fischer hier die Einweihung unserer neuen Glocke statt. Nach der Weihe ließ sie allein und dann im Verein mit ihren älteren Schwestern zum erstenmale ihre Stimme ertönen. Unser Geläute ist jetzt auf den Dreiklang e—g—b gestimmt. Die neue Glocke wurde in Apolda durch die Gebrüder Ulrich gegossen und wiegt 1000 Pfund. Der 29. Vers aus dem 22. Kapitel des Propheten Jeremias „O Land, Land, Land höre des Herrn Wort", ist als einzige Inschrift auf ihr angebracht. Sie kostet 1000 Mk. Die Gießer haben sich aber verpflichtet, die alte gesprungene Glocke, die ungefähr das gleiche Gewicht hat, in Zahlung zu nehmen und das Pfund mit 65 Pfg. zu berechnen, sodaß unsere Ausgabe für die neue Glocke nicht hoch ist. Die alte Glocke war hier ^^bichelsheim auf der „Gänsweide" gegossen und dazu nach alten Aufzeichnungen anderthalb Klafter Holz verwendet worden. Sie trug die Inschrift „In Gottes Namen bin ich
gefloffen, Friedrich Wilhelm Otto aus Gießen hat mich gegossen vor die Borgeschaft Reichelsheim anno 1786". Ferner sind auf ihr die Namen des damaligen ersten Beamten (Reichelsheim war nassauische Amtsstadt), des Pfarrers und der beiden Bürgermeister verzeichnet.
n. Alsfeld, 30. Juli. Als Beweis für das Sinken des Bodenwertes auf dem Land in unserer Gegend, verdient registriert zu werden, daß in Heidelbach in voriger Woche ein 172 Morgen großes Gut mit schöner Hofraite versteigert wurde, auf das ein hiesiger Geschäftsmann das Höchstgebot mit 35500 Mk. eingelegt hatte. Rechnet man die Hofraite nur zu 10000 Mk. — und das ist sie wie man zu sagen pflegt, unter Brüdern wert — dann kostet das Gelände noch 25500 Mk., der Morgen mithin rund 148 Mk. Das Gut hat aber durchaus nicht geringwertigen Boden; es umfaßt vielmehr 120 Morgen Acker und 52 Morgen Wiesen in guter Lage, darunter große Parzellen. Der geringe Erlös ist einfach auf die Unrentabilität zurückzuführen, die ihre Ursache in dem Mißverhältnis zwischen den hohen Betriebskosten und den niedrigen Preisen der Produkte hat.
Darmstadt, 1. August. Zu Ehren des Herrn Medizinalrat Dr. Vogt-Butzbach, der 25 Jahre das Amt eines Schriftführers bei der Kriegerkameradschaft „Hassia" bekleidet, fand am Samstag seitens der Präsidialmitglieder ein Festmahl in den Räumen der „Vereinigten Gesellschaft" statt, zu dem alle Mitglieder des Präsidiums erschienen waren. Herr Oberstleutnant Cramolini überreichte dem Gefeierten die Geschenke des Landesverbandes, nämlich eine silberne Jardini4re mit Rosen gefüllt und einen Kupferstich „Die Kaiserproklamation in Versailles". Der Jubilar sprach in bewegten Worten seinen Dank aus.
Vermischtes.
* Eine amüsante Geschichte von einem gebratenen Papagei macht gegenwärtig in Moabit die Runde. Ein dort wohnender Beamter hatte seiner Frau schon seit langer Zeit einen Papagei als Geschenk in Aussicht gestellt. Die Suche nach einem sprechenden, aber nicht zu teuren Grün- rock zog sich in die Länge und hatte dieser Tage ihren Abschluß gefunden, indem der zärtliche Gatte ein Prachtexemplar dieser exotischen Vögel für 60 Mk. erstanden hatte. Dem Vogelhändler hatte er Auftrag gegeben, den Papagei in den Vormittagsstunden abzuliefern. Nun bekam aber der Beamte den Besuch einer schlesischen Nichte, die in ihrem Heimatsdorfe wohl Kartoffelgraben, Heuen, Spargelstechen rc., nicht aber einen Papagei kennen gelernt hatte. Kurz und gut, als der Hausherr gegen 3 Uhr nach Hause kam, fand er sein Weibchen in Thränen aufgelöst vor. Das Rätsel war bald gelöst. Frau X. war zur Markthalle gegangen, und während ihrer Abwesenheit war der Papagei in einem Bauer der ländlichen Nichte präsentiert worden. Diese betrachtete den ihr unbekannten Vogel mit staunenden Blicken und fragte den Ueberbringer, ob das Federvieh fürs Mittagessen sei. Die Antwort „Na, selbstredend" nahm sie für bare Münze, und da sie ihrem Tantchen eine Arbeit abnehmen wollte, so machte sie mit dem Krummschnabel kurzen Prozeß; sie drehte ihm den Hals um, rupfte das herrliche Gefieder aus, nahm Eingeweide rc. heraus, und legte den 60 Mk.-Vogel, nachdem sie ihn gehörig „gesengt" und auch sonst zugerichtet hatte, in die mit Butter belegte Bratpfanne. Als sich dann die ersten Bratgerüche zeigten, kehrte die Hausfrau heim und — der Besuch mußte noch abends die heimatlichen Gefilde wieder aufsuchen.
♦ Von Moltkes Grabmal in Creisau. Die letzte Ruhestätte des großen Schlachtendenkers, dessen Andenken mit der Einweihung des Kaiser Wilhelm-Gedächtnisturmes auf dem großen Schneeberge wieder wachgerufen wird, ist auch in diesem Jahre, wie der „Breslauer Gen.-Anz." zu melden weiß, das Ziel vieler Pilger aus aller Herren Ländern. Zahlreiche, zum Teil noch frische Kränze bedecken den Sarg des großen Toten, darunter ein Kranz des Offizierkorps des Generalstabes, ein Kranz der Stadt Schweidnitz, einzelne von Privatpersonen, ehemaligen Kameraden und Freunden des Heimgegangenen. Die Ruhestätte liegt nach seinem Wunsche auf einer mäßigen, mit ernsten Nadelbäumen bestandenen Anhöhe, von der eine Lichtung den Ausblick ins Reichenbacher Thal eröffnet. Das Innere der prunklos gehaltenen Kapelle weist im Hintergründe die Statue des segnenden Christus auf, mit der Umschrift: „Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung". Auf dem Fußboden stehen drei große eichene Särge. Rechts von dem des Feldmarschalls ruht die Gattin, links die Schwester. Eine andere noch lebende greife Schwester wohnt im freundlichen Bergschloß von Creisau. Die Grabkapelle ziert über dem Eingang das Moltkewappen mit den 3 Wachteln. Dichtes Gerank von Trauerrosen und Goldregen umflicht in stimmungsvoller Weise die stille Gruft. Von hier aus führt ein kurzer Weg südwestlich nach dem Lieblingsplätzchen des Feldmarschalls mit einer einfachen Ruhebank unter einer mächtigen Kiefer. Vor dem Besucher liegen hier das Eulengebirge, die Leut- mannsdorfer und Weistritzer Berge mit den Ortschaften Wirischau, Ludwigsdorf, Leutmannsdorf, Weistritz u. a. m. Arn Fuße der Anhöhe fährt die Schweidnitz-Frankensteiner Bahn. Der Besuch des Gruftberges ist jedem in entgegenkommendster Weise gestattet.
* Kostbare Katzen. In Amerika kommt die Katze immer mehr in Mode, und zwar, wie immer, mit einem Stich ins Extravagante. So hat im letzten „Cat Show" (Katzen-Ausstellung) in New Jork eine Finanzgroße eine prächtige Angorakatze ausgestellt, für die vergeblich 25000 Frs. geboten wurden. Frau Vanderbilt besitzt eine Katze, für die sie 7500 Frs. bezahlt hat, und andere reiche Amerikanerinnen wollen es ihr gleichthun. Auch die Engländer, schreibt die „Roumaine", machen die Mode mit, und Lord Dufferin, der frühere Gesandte in Frankreich, hält in seiner Wohnung ein Dutzend Katzen. Der Rekord aber gebührt Mr. Sam Woodiwis, der eine prächtige und außergewöhnlich große
Katze mit sehr langem Haar besitzt, die den Namen Xenephon trägt und von Kennern auf 60 000 Frs. geschätzt wird.
* Von unfern Schutztruppen, und zwar aus Westafrika, sind eine ganze Anzahl abgelöster Mannschaften kürzlich mit dem Woermannschen Dampfer „Lothar Bohlen" nach Hamburg zurückgekehrt. Von der von demselben Dampfer am 24. Mai d. I. in Swakopmund gelandeten Ablösung sind leider einige Leute verunglückt. Ein mit 15 Mann besetztes Boot kenterte, und drei Mann (Gernulla, Dr. Hintz und Jork) fanden in den Wellen ihren Tod. Die Leichen der Verunglückten wurden später aus dem Wasser gefischt und mit militärischen Ehren auf dem Friedhöfe zu Swakopmund beerdigt.
* Einen weisen Ausspruch leistete sich kürzlich ein Dorfältester in einer nahe bei Rothenburg a. T. belegenen Gemeinde. Dort wurde in der Gemeinderatssitzung vor einiger Zeit darüber gesprochen, daß vom Bezirksamt ein Auftrag ergangen sei, im Orte einen Sammelweiher anzulegen, damit derselbe im Fall eines entstehenden Brandunglücks nicht an Wassermangel leide. Einer der Dorfältesten bemerkte hierzu: „Dos is ganz unnöti, dos Geld kann ma er- spar'n, mer därf nor a poor Tog vorher den Bach ftemma (aufstauen)!"
UniverstMs Nachrichten.
— Göttingen. Dem Prtvatdozenten in der philosophischen Fakultät unserer Universttät Dr. Georg Wentzel ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden.
— Würzburg. Dem Professor der Anatomie Dr. Philipp Stöhr wurde am 27. dS. Mts. von seinen Hörern eine Ovation bereitet. Die Veranlasiung dazu war ein ungerechtfertigter Angriff, den ein antisemitischer BauernbundS-Agitator gegen Stöhr als derzeitigen Vorsitzenden der Prüfungs-Kommission, in der „Neuen Bayerischen LandeSzettung" gerichtet hatte.
— München. Als Prioatdozent der Philosophie an der hiesigen Universität wurde Dr. Dyroff aus Damm bei Aschaffenburg zugelaffen. Seine Habilitationsschrift betraf „Demokritstudten". Die Antrittsvorlesung handelte von dem „PlatontSmuS in der Philosophie des Mittelalters".
— München. Die „Münch. Post" berichtet: Der Sanitätsoerband München stellte für seine weiblichen Mitglieder als Aerztinnen Frau Dr. med. AdamS-Lehmann und Dr. med. Gräfin Friederike Geldern-Egmond an.
— Genf. Professor Dr. Leon RevillioS, der kürzlich von seinem Lehramte an der hiesigen Universttät und alS Direktor der Klinik für innere Medizin zurückgetreten ist, wurde zum Honorarprofessor der Genfer Universttät ernannt.
— Wien. An der hiesigen Universttät wurde der Oberst a. D. Heinrich Hartl, ordentlicher öffentlicher Profeffor der Geodäsie an der philosophischen Fakultät zum Ehrendoktor promoviert.
— Zürich. Der erst feit zwei Jahren als Professor für Physiologie neben Justus Gaule an der hiesigen Hochschule wirkende, früher in Leipzig thättge Professor Dr. Max v. Frey (geb. 1852) hat einen Ruf als Ordinarius an die Hochschule in Würzburg angenommen, woselbst er den in Ruhestand tretenden Physiologen Fick ersetzen wird. Von dm zahlreichen Arbeiten FreyS nennen wir die Schrist „lieber die Einschaltung der Schwellkörper in das Gefäßsystem", die „Untersuchungen über den Stoffwechsel isolierter Organe", „Heber den Leitungswiderstand des menschlichen Körper«" und die „Untersuchung des Pulses und ihre Ergebnisse in gesunden und kranken Zuständen".
— Bern. Zum Rektor unserer Hochschule ist der Professor für Geographie Dr. Eduard Brückner gewählt worden.
Meratur, Wissenschaft und Kunst.
— Looff, Friedrich Wilhelm, weil. Herzogs. Sächsischer Schulrat und Gymnafiatdirektor a. D., Allgemeines Fremdwörterbuch, enthaltend die Verdeutschung und Erklärung der in der deutschen Schrift- und Umgangssprache, sowie in den einzelnen Künsten und Wiffenschaften vorkommenden fremden oder nicht allgemein bekannten deutschen Wörter und Ausdrücke mit Bezeichnung der Abstammung, Aussprache und Betonung. Vierte vielfach vermehrte Auflage, besorgt von Dr. Fr. Ballauff. Lieferung 1. (DaS Werk ist vollständig in zwölf Lieferungm ä 5 Bogen; Preis der Lieferung 50 Pfg.) Langensalza, Hermann Beyer & Söhne. ES ist eine unverkennbare Thatsache, daß der Deutsche vor allen Völkern der Erde berufen und befähigt ist, fich auch in das auf fremdem Boden Erwachsene zu vertiefen und es fich zu eigen zu machen. Dieser Zug des deutschm Wesens hat einen, man kann fast sagen nachtelligm Einfluß auf unsere Sprache ausgeübt: sie hat eine reiche Zahl von Sprachelementen der Kulturvölker des Altertums wie der Neuzeit meist unverändert in sich ausgenommen. Es ist rein unmöglich, daß ein jeder au? dem Volke, der da AnteU nimmt an den Fortschritten von Kunst und Wiffenschaft, an politischen, sozialen und Mdustriellen Bestrebungen, alle die Sprachen erlernen kann, aus denen die ihm bei jeder Gelegenheit aufstoßenden Fremdwörter entnommen sind. Für jeden, der eine sprachwissenschaftliche Bildung sich nicht erwerben konnte, der sich aber doch hineingestellt sieht in die Strömungen wissenschaftlichen Lebens, wird somit ein gutes und vollständiges Fremdwörterbuch zu einem unabweisbaren Bedürfnisse. Aber auch der wissenschaftlich Gebildete wird oft genug in die Lage kommen, fich in einem solchen Aufschluß suchen zu muffen. Dem nicht hinweg,uleugnenden Bedürfnisse will daS angezrigte Fremdwörterbuch abhelfen. Der Verfasser ist bemüht gewesen, in demselben möglichst vollständig die Erklärung derjenigen Wörter und Ausdrücke zu geben, welche im gewöhnlichen Leben und in den einzelnen Künsten und Wissenschaften Vorkommen. Den Verlegern aber erschien es eine Ehrenpflicht, jedes Hindernis zu beseitigen, das der allgemeinsten Verbreitung deS Werkes fich in den Weg stellen möchte, und auS diesem Streben heraus ist die vorliegende billige Lieferungsausgabe entstanden. Sie darf Anspruch darauf machen, daß sie einzig dasteht, daß keines unserer zahlreich erschienenen Fremdwörterbücher bei gleichem Preise gleiches bietet. Möge sie darum recht Dielen willkommen sein. Die Lieferungen werden in 14tägigen Zwischenräumen ausgegeben, sodaß nach 6 Monaten sich daS Werk vollständig in den Händen brr Abnehmer befindet.
— In dem bekannten Mtttelbach'schm Verlage in Leipzig — dem die deutsche Radfahrerschaft schon so manche schöne und gut« Karte verdankt, wir erinnern hier nur an die berühmte Straßenprofilkarte für Radfahrer in 82 Blatt — ist soeben eMe ganz neue, prächtige, vielfarbige Karte deS deutschen Reiches und der angrenzen' den Länder erschienen unter dem Titel: Hauptroutcnkarte von Mittel-Europa. Die Karte soll besonder« zur Ueberficht dienen und wird deshalb für Kontor nnd Reise, vorzüglich aber für Radtouren sehr gute Dienste leisten. Sie ist M 1:1,500,000 und zeigt in schöner, ungemein deutlicher Darstellung alles Wissenswerte: alle bemerkenswerteren Orte, die Eisenbahnen und Flüsse, alle Hauptstraßen, die wichtigeren Neben- und Verbindungsstraßen (mit Entfernungs-Angaben in Kilometern), die Reichs- und LandeSgrenzm sind koloriert u. f. w. u. f. w. Der Preis der sehr sauber gedruckten Karte ist 4 Mk., aufgezogen aus LeMwand in elegantem Karton 5 Mk., doch kann man auch die einzelnen vier Blätter A 1 Mk. beziehen (Blatt 1 nw., 2 no., 3 sw., 4 so.). Zu haben ist dieselbe in jeder Buchhandlung, oder auch direkt von Mittelbachs Verlag in Leipzig.


