Ausgabe 
2.7.1899 Viertes Blatt
 
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Sonntag den 2. Zuli

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Zlintr- und Anzeigeblatt für den Areis Gietzen

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Alle Anzeigen-VermittlungSstkllen bt8 In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegm.

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Redaktion, Expedition und Druckerei:

Sch»kstraße Ar. 7.

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die Beschlußfähigkeit des Hauses feststellen. Als sie aber einen zweiten Namensaufruf über das Protokoll verlangte, ignorierte der Präsident ungehörigerweise den Antrag ; dies führte zu großen Lärmscenen, da die zahlreich erschienene Rechte durch Beifallklatschen, Geschrei und Heulen die Redner der Obstruktion zu übertönen suchte. Der Radikale de Felice und seine Freunde stürzten zum Ministertisch, überhäuften den Präsidenten der Kammer mit Vorwürfen und verlangten den Namensaufruf. Der Präsident hob die Sitzung auf. Nachdem dieselbe wieder ausgenommen war, erklärte der Präsident sein Verhalten unter dem Protest der Sozialisten. Als der Präsident, während die Sozialisten den Namensaufruf verlangten, in die Tagesordnung eintrat und die Mehrheit sich zu der Urne begab, um eine geheime Abstimmung über eine kleine Vorlage zu beginnen, stürzte die extreme Linke in den Halbrund. Es folgte ein heftiger Faustkampf. Die Konservativen stürzten sich hauptsächlich auf de Felice, Costa und Bissolati, der niedergehauen wurde. Der Marineminister erhob den Sessel, um den Ministertisch zu schützen. Ueber 100 Abgeordnete beteiligten sich am Kampfe. Die Tribünen wurden geräumt.

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Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Luuahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Kälter für hessische Volkskunde._________________

Nr. 153 Viertes Blatt.

Bezugspreis vierleljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mir Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Ausland.

Brüffel, 30. Juni. In der Kammer war die Ob­struktion seitens der Linken bedeutend gemäßigter als in den vorausgegangenen Sitzungen. Gegen Ende der Sitzung gab der unabhängige Abgeordnete Theodore, der in Brüssel von den Katholiken und Liberalen in der Stichwahl gewählt wurde, folgende Erklärung ab: Ich spreche nicht nur im Namen der Katholiken, sondern auch der Liberalen der Stadt Brüssel und erkläre die Regierungsvorlage für un­annehmbar. Ich fordere den Ministerpräsidenten auf, nach­zudenken und die Vorlage entweder zu vertagen oder ganz zurückzuziehen. Nach dieser Rede erklärte der Minister­präsident Van der Peereboom: Angesichts der friedlichen Dis­positionen, welche ich heute seitens der Abgeordneten der Linken feststellen kann, schlage ich vor, die Sitzung zu unter­brechen, um den Abgeordneten der verschiedenen Parteien Zeit zu geben, sich untereinander zu verständigen und sich wieder auszusöhnen. Der Abgeordnete Lorant bittet den Vorsitzenden, die Sitzung nicht zu unterbrechen, sondern gänzlich aufzuheben. Van der Peereboom willigt hierin ein unter dem Beifall der gesamten Linken, worauf die Sitzung bis nächsten Dienstag vertagt wird.

Brüffel, 30. Juni. Die heutige Haltung des Minister­präsidenten wird in den Wandelgängen der Kammer da­hin ausgelegt, daß die Regierungsvorlage vertagt werden wird. In diesem Falle würde die Ruhe in Brüssel sofort wieder hergestellt sein. Das SozialistenblattPeuple" er­scheint heute abend mit schwarzem Trauerrand und einem Leitartikel über die gestrigen Niedermetzelungen mit der Ueberschrift:Die Mörder".

M.P.C. Vereinigte Staaten. Auf Befehl des Marme- Departements sollen alle Leutnants zur See, die irgendwie abkömmlich sind, sobald wie möglich mit dem Torpedo- wesen und elektrischen Anlagen bekannt gemacht werden, um eventuell später die im Bau begriffenen Torpedoboote übernehmen zu können.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 1. Juli 1899.

* Zum Schützenfest. Das erste Blatt der heutigen Nummer' 153 des Gießener Anzeigers haben wir al4 Festnummer erscheinen lassen. Wir glauben sowoh unseren verehrl. Abonnenten, wie den zahlreich erwarteten Gästen angesichts des Schützenfestes mit der besonderen Zu­gabe eine kleine Aufmerksamkeit aus Anlaß des 17. Ver­bandsschießens erweisen zu dürfen, und bitten um freund­liche Aufnahme der Festnummer. Für Nichtabonnenten ist die Nummer, soweit der Vorrat reicht, um 10 Pfg. käuflich. ... ~, r

*. Aus dem Großh. Ministerium, Abteilung für Schul- anqelegenheiten. Seine Königl. Hoheit der Großherzoc, haben Allergnädigst geruht, am 30. Ium den Vortragenden Rat in der Abteilung für Schulangelegenhelten des Ministerium« des Innern, Geh. Oberschulrat Dr. Heinrich Eisenhuth, zum Ministerialrat in diesem Ministerium und Vorsitzenden von dessen Abteilung für Schulangelegen­heiten, den Direktor des Neuen Gymnasiums zu Darmstadt, Ludwig Nodnagel, zum Vortragenden Rat in der Abteilung sür Schulangelegenheiten des Ministeriums des Innern unter Verleihung des Charakters alsGeheimer

Deutsches Deich.

Berlin, 30. Juni. Während der heutigen Sitzung der Kanal-Kommission hatte Minister v. Miquel in einem Zimmer des Abgeordnetenhauses mit dem Chef des Civil- Kabinetts v. Lucanus eine Unterredung, die sich auf die Annahme der Kanal-Vorlage bezog. Zu dieser eingehenden Konferenz hatte Herr v. Lukanus sein Erscheinen vorher angesagt. Derselbe begab sich noch heute mittag nach Travemünde, wo er mit dem Kaiser Zusammentreffen wird.

Berlin, 30. Juni. Die viel besprochene Korektur der Aeußerung des Reichstagspräsidenten gegenüber dem Abgeordneten Rösicke, welche der stenographische Bericht der Sitzung vom 21. Juni aufweist, rührt, wie festgestellt ist, von einem Beamten des Reichstages her, welcher inzwischen eine Rüge erhalten hat.

M.P.C. Mit Spannung wird der innerpolitischen Entwickelung in den nächsten Wochen entgegengesehen. In weiten politischen Kreisen neigt man der Annahme zu, es werde sich ein Wechsel der Scenerie auf der Negierungs­seite vollziehen. Bevor der Kaiser seine Nordlandsfahrt antritt, wird er, wie es scheint, eine Besprechung mit dem Fürsten Herbert Bismarck haben. In Anknüpfung an die bezüglichen telegraphischen Meldungen wird in den Blättern die Möglichkeit erörtert, daß Fürst Bismarck dazu ausersehen sei, preußischer Minister des Innern zu werden. Wir möchten dies nicht ohne weiteres glauben. Der älteste Sohn des ersten Reichskanzlers hat sich fast immer nur mit aus­wärtiger Politik beschäftigt, er würde sich im Ministerium des Innern kaum behaglich fühlen. Etwas anders aber ist es, ob er nicht dazu berufen sein könnte, das Reichsamt des Innern zu übernehmen, und daß Graf Posadowsky der un­mittelbare Nachfolger des Herrn von Bötticher (Fürst Herbert Bismarck würde dann der zweite sein) Minister des Innern würde. Zu den wichtigsten Aufgaben der Reichsverwaltung in den nächsten Jahren gehört die Vorbereitung der Er­neuerung der Handelsverträge. Hieran ist in gleicher Weise das Auswärtige Amt wie das Reichsamt des Innern be­teiligt. Das Auswärtige Amt hat eine besondere handels­politische Abteilung. Zwischen diesem und dem Reichsamt des Innern bestand von jeher eine gewisse Eifersucht. Wir wissen nicht, ob dieselbe in neuerer Zeit gewachsen ist, möchten es aber fast daraus entnehmen, daß der Staatssekretär des Innern Graf Posadowsky vor kurzem sicher nicht ohne Grund im Reichstag die Bemerkung machte, der Schwerpunkt für die regierungsseitige Vorbereitung handelspolitischer Maßnahmen liege im Reichsamt des Innern. Dadurch, daß Fürst Herbert Bismarck das letztere übernähme, ließen sich die Reibungsflächen zwischen den beiden Ressorts verkleinern. Fürst Herbert war früher selbst Staatssekretär des Aeußern und kennt Verhältnisie und Personen im Auswärtigen Amt sehr genau. Außerdem würde durch die Ueberuahme des Reichsamts des Innern durch ihn jeder Grund entfallen, noch weiter die Behauptung aufzustellen und zu fruktifizieren: es bestehe ein scharfer, handelspolitischer Gegensatz zwischen der Spitze des Auswärtigen Amtes und der des Reichsamts des Innern. Zur Zeit begegnet man nicht selten der Meinung, Graf Bülow sei ein Beschützer der antiagrarischen, Graf Posadowsky ein solcher, der agrarischen Bestrebungen. Daß Graf Posadowsky für die Verwaltung des Ministeriums "des Innern der Befähigung nicht ermangele, werden auch seine Neider und Gegner nicht bestreiten können. Er hat selbst als Landeshauptmann der Provinz Posen eine geraume Zeit an der Spitze der Selbstverwaltung eines sehr wichtigen Teils des Ostens der Monarchie gestanden und ist bei aller seiner Geneigtheit, die deutsche Landwirtschaft zu heben, keineswegs das, was man unter einem einseitig konservativen reff), hyper- agrarischen Ostelbier versteht. Er würde in die Verwaltung . des außerordentlich wichtigen inneren preußischen Ministeriums einen frischen und stählernen Zug bringen. Die Blütezeit der Landräte freilich, welche ihren Verwaltungsbezirk auf mehrere Monate im Jahre verlassen, um in Berlin Parlamentarier zu sein und sich mit sonstigen Streben zu befassen, wäre dann voraussichtlich vorbei.

M.P.C. Wie wir aus Rom erfahren, ist das Befinden des Papstes ein solches, daß die Aerzte beste Hoffnung haben, der jetzige Inhaber des Stuhles Petri werde seines hohen Amtes noch geraume Zeit walten können.

Frankfurt a. M., 30. Juni. DieFrankf. Ztg." meldet aus Rom: Nachdem ein Abgeordneter in der Kammer den Antrag eingebracht hatte, die Diskussion des Dekretes der politischen Maßnahmen auf 15 Sitzungen zu be­schränken, begann oie extreme Linke heute mit der Ob­struktion. Zuerst ließ sie durch namentliche Abstimmung

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Erscheint tigkich wir Ausnahme des Montags.

Die Gießener 9f«ÄiKie«ir6tter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

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Oberschulrat, den Direktor des Gymnasiums zu Mainz, Georg Weihrich, unter Belassung in seiner gegen­wärtigen Dienststelle zugleich zum außerordentlichen Mit- flied der Abteilung für Schulangelegenheiten des Ministeriums )es Innern, unter Verleihung des Charakters alsGe- -eimer Oberschulrat", zu ernennen. Mit Allerhöchster Genehmigung Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs ist der Rat bei der Provinzialdirektion Starkenburg, Regie­rungsrat Wilhelm Best zu Darmstadt, mit Wahrnehmung der Funktionen eines Vortragenden Rates in der Abteilung für Schulangelegenheiten des Ministeriums des Innern beauftragt worden. Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde das Referat über die Landesuniversität und die Technische Hoch­schule, soweit es nicht Seiner Exzellenz dem Staatsminister Rothe Vorbehalten ist, dem Ministerialrat im Ministerium des Innern und Geheimen Staatsrat im Staatsministerium Krug von Nidda übertragen.

** Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 23. Juni dem Pfarrverwalter Lic. theol. Dr. Wilhelm Diehl zu Hirschhorn, Dekanat Erbach, die evangelische Pfarrstelle da­selbst zu übertragen, und den evangelischen Pfarrer Wil­helm Eger zu Hainchen, Dekanat Büdingen, zurzeit in Darmstadt, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen.

** Ruhestandsversetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 28. Juni den Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt, Professor Dr. Hermann Vorhauer, auf fein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste, in den Ruhestand zu versetzen.

Ordens Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, zum 10. Juni dem 1. evangelischen Pfarrer Otto Heinrichs in Gedern aus Anlaß der Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen zu verleihen.

Auszeichnungen. Seine Königliche Hoheit der G r o ß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 30. Mai den Arbeitern Johann Fischbach und Wilhelm Grävenbruck zu Mainz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: Für treue Arbeit" zu verleihen.

Ernannt wurde am 23. Juni der Gardesergeant Martin Scherf aus Darmstadt zum Kanzleidiener an der Landes-Universität.

** 17. Verbands-Schießen des Badischen Landes-Schutzen- Vereins und des Pfälzischen und Mittelrheinischen Schutzen- bundes. Die gestern abend von der hiesigen Sängerver. einigung vorgetragenen Lieder in der Fe st Halle legten Zeugnis ab von einer vortrefflichen Schulung und Liebe zur Sache. Die Festspielgruppen konnten leider nicht alle gestellt werden, da die Kostüme erst abends spät zur Ver­fügung standen und zum Anprobieren derselben nur em Raum zur Verfügung stand, worin immer nur eine Gruppe, höchst erschwerend, ihre Kostüme finden konnte. Es werden nur noch Gruppierungen am Tage vorgenommen und die Kostüme alle in Ordnung gebracht werden, so daß am Diens­tag Abend die Aufführungen in kürzester Zeit vor sich gehen können. Die immerwährenden Anstellungen und die schließ­liche Lichtentziehung der Werkführer der Elektricitätsfirrna Buchner empfand man höchst unangenehm.

* * 17. Verbands-Schießen des Badischen Landes Schützen- Vereins und des Pfälzischen und Miltelrheiuischen Schutzen- bundes. Bei den gestrigen Probeaufführungen benutzten einzelne im Publikum die Bänke zum Daraufstehen. Wenn solches schon mit Rücksicht auf die Hinternsitzenden vermieden werden sollte, so wolle man vollends während der Festtage, an welchen die Bänke mit Leinen überzogen sind, das Be­steigen derselben unterlassen.

Ehrengabe« zum Schützenfest. Man schreibt uns: Im gestrigen Blatte ist ein Fehler bezüglich der Fest-Ehren­gaben unterlaufen. Nicht die Gießener KriegervereiNiguug, sondern die Kriegerkameradschaft Gießen hat eine Festgabe gestiftet.

* * Ein besonderes Postamt ist auf dem Schutz enfe st- platze errichtet worden. Ueber die Schalterstunden und dienstlichen Verrichtungen erfahren die Leser des näheren aus der Bekanntmachung des Postamts 1 im zweiten Blatt der heutigen Nummer. ..

* * Berichtigung. In dem Berichte über die Uni­versitätsfeier in voriger Nummer wolle man unter den Namen der mit den akademischen Preisen ausgezeichneten Herren lesen : G. Sch mahl aus Worms, statt ^chmall.

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