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2.6.1899 Zweites Blatt
 
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Rt. 127 Zweites Blatt Freitag den 2. Juni 1SD9

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Deutsches Reich.

Vi rlin, 31. Mai. Nach der gestrigen Vorstellung im t7lWilb,ause geleitete der Kaiser den Erzherzog Franz Z^rdinand nach dem Hotel Bristol. Heute vormittag fCoitb im Lustgarten zu Potsdam im Beisein des Kaiserpaares t md zahlreicher Fürstlichkeiten die Parade über die Garnison Potsdam und später große Paradetafel im Stadtschlosse statt. Ufa 2 Ahr reiste das Kaiserpaar nach Kiel ab.

Berlin, 31. Mai. Der Großherzog und die >1 eoßherzogin von Baden sind heute vormittag in föhtl <'ngetroffen.

Berlin, 31. Mai. Von dem deutschen Forschungs- riWstnden Dr. Belck liegen aus Wan in Armenien Nach- '--chleil vor, daß am 1. Juni die gerichtliche Verhandlung S? gen bie an dem Angriffe auf Belck beteiligten Verbrecher xginntm würde.

Berlin, 31. Mai. Nach Erkundigungen an unter- u rcheter Stelle kann diePost" mitteilen, daß dort von c'Mr Forderung seitens des deutschen Konsuls an die k-dnamlche Regierung wegen des Baues einer Telegraphen- LWiie yiichts bekannt sei.

Stalin, 31. Mai. Die.Pläne zum Reichstags- Präsidialgebäude am Reichstags-Ufer sind sämtlich qcejkichmet. An und für sich würden dem Beginn des Baues Mder nisse nicht im Wege stehen. Man scheint die Grund- Minleg,ung indessen noch hinausschieben zu wollen. Jedoch f ')! bar im Etat genehmigte Bau der elektrischen Kraftstation dLunächst in Angriff genommen werden. Zu dem Zwecke ti bereits noch Material auf dem Bauplatze angefahren tworbtn:.

Berlin, 31. Mai. Der neue Bischof von Kulm I!fk. Amgustinus Rosentreter hat, wie nunmehr auch die ibfliefte Nummer desAmtlichen Kirchenblatles" mitteilt, c in venfloffenen Freitag die Verwaltung der Diözese Kulm riÜmixmmen. Zum Generalvikar ist der bisherige Kapitu- l Wvik«r und langjährige Generalvikar des hochseligen Bischofs 1l»r. Redner, Domkapitular Dr. Klemens Lüdtke, ernannt.

Berlin, 31. Mai. Der frühere General-Superintendent r.M Schleswig-Holstein, Jensen, ist nach langem Leiden gleite Nacht gestorben.

Ueber die Beteiligung der deutschen Industrie an tim Pariser Weltausstellung läßt sich jetzt, nachdem virrfügbare Raum vergeben und Neuanmeldungen nicht ? Mt angenommen werden, schon ein übersichtliches Bild eptitn. Aus zuverlässiger Quelle wird demKonfektionär" t meldet, daß die deutsche Maschinenindustrie in geradezu i'Msüinter Weise vertreten sein wird. Dieselbe wird in tum H.auptausstellung einen Flächenraum von einem Hektar (MWO Qu.-Mtr.) bedecken. Hierzu kommt noch eine c Spezialausstellung deutscher Maschinen in Vincennes und t Mubeiunt eine besondere Ausstellung für Eisenbahnen. L Mich hervorragend wird die chemische und die kunstgewerb­lich Industrie vertreten sein, ebenso dürften auch die Haupt- ilijritte der deutschen Textilindustrie auf der Ausstellung ehrwürdige Vertretung finden. Eine solche ist aber auch Ld-chaus nötig, da Länder, die keine so ausgebreitete Jn-

Feuilleton.

Ium 100. Jahrestage von Kavdns Schöpfung".

Am 19. März waren 100 Jahre verflossen seit der 4 cichn. öffentlichen Aufführung von Haydns OratoriumDie «Schöpfung". Dieser Aufführung gingen am 29. und :U. April 1798 zwei private im Fürstlich Schwarzenbergi- ' schn Palais in Wien voraus. Es wird gewiß interessieren, -MM Bericht über die Entstehung des Werkes und seine . rchm Aufführungen von einem Zeitgenoffen des Meisters 1 zu lernen.

»Tinen solchen giebt Albert Christoph Dies, ein Lanbfschaftsmaler, der sich auch als Komponist versucht hat md idurch den Bildhauer Anton G r assi Haydns persön- Ich Bekanntschaft machte, zu dem ausgesprochenen und bekannt gegebenen Zweck, dessen Lebenserinnerungen «ch persönlichen- Mitteilungen als Bausteine zu einer miherittischen Biographie aufzuzeichnen. Dies.machte seinen sftem Besuch bei Haydn am 15. April 1805 und wieder- W denselben in gemessenen Zwischenräumen während der äfften Jahre. Alles was Haydn ihm gelegentlich dieser W'.he anvertraute, hat Dies getreulich niedergeschrieben,

dustrie wie die deutsche besitzen, die größten Anstrengungen machen. So wird namentlich die Schweiz allem Anscheine nach auf der Ausstellung eine hervorragende Stellung ein­nehmen. Ein öffentliches Geheimnis ist es, daß fast alle Industriestaaten bei dieser Ausstellung von dem Gedanken geleitet werden, mit dem deutschen Wettbewerb, der in dem letzten Jahrzehnt den größten Fortschritt gemacht hat, zu konkurrieren resp. ihn zu übertreffen. Um so notwendiger ist es, die deutschen Industriellen immer wieder darauf hin­zuweisen, nur das Beste vom Besten auszustellen.

Dresden, 31. Mai. Hier sind heute 4000 Maurer nach vorausgegangener Versammlung in einen Lohn- Aus st and eingetreten. Die Zimmerer halten heute abend eine Versammlung ab, in welcher ebenfalls der Generalstreik proklamiert werden soll.

Ausland.

Wien, 31. Mai. Szell und Graf Thun wurden heute vormittag vom K <^i s e r in anderthalbstündiger Audienz empfangen. Der Kaiser gab den Wunsch zu erkennen, daß eine Ausgleichs-Basis gefunden werde. Infolge dessen ver­blieben die ungarischen Minister heute noch in Wien und werden nachmittags mit den österreichischen Ministern kon­ferieren. Alle Gerüchte von einer Ministerkrisis sind un­begründet.

Wien, 31. Mai. Das Drucker-Personal derDeut­schen Zeitung" ist wegen Aufnahme eines, nicht der sozia­listischen Organisation Angehörenden in den Aus stand getreten. Das Blatt kann daher nicht erscheinen.

Wien, 31. Mai. Die Entscheidung in der Ausgleichs­krise ist bisher nicht erfolgt. Bezeichnend für die Lage ist die Thatsache, daß die österreichischen und die ungarischen Minister, die in Wien weilen, während der letzten Tage miteinander in keinen persönlichen Verkehr getreten sind. Von weiteren Verhandlungen wird kein Ergebnis erwartet. Die Gegensätze sind unvermittelt, und an die Möglichkeit einer Verständigung wird nicht gedacht. Weder Graf Thun noch Herr v. Szell sollen ihren Standpunkt irgendwie ge­ändert haben. Nur die zu erwartende Entscheidung des Monarchen wird einige Klarheit in die Lage bringen. Je­denfalls muß irgend eine Entscheidung bald fallen, weil der ungarische Reichstag am Freitag zusammentritt und die für die Beratung des Ausgleiches bestimmte Tagung beginnt.

Wien, 31. Mai. Die deutsch-liberalen Landtags- Abgeordneten von Böhmen haben nun doch beschlossen, ihre Mandate nicht niederzulegen und sonach dem Beispiele der deutsch-nationalen Abgeordneten nicht zu folgen, die bekanntlich ihre Mandate niedergelegt hatten, weil sie es verschmähten, dieselben als Gnade und Geschenk der Tschechen weiter zu behalten. Dieser Beschluß wird, so schreibt man aus Deutschböhmen, in den deutschböhmischen Wählerkreisen einen Sturm der Entrüstung Hervorrufen und den Beweis erbringen, daß der weitaus größte Teil der Wählerschaften mit diesem Vorgehen ihrer Abgeordneten in keiner Weise einverstanden ist. In einzelnen Wahlorten, insbesondere dort, wo die Abgeordneten in den Wählerschaften fast gar

keinen Rückhalt mehr haben, wie z. B. in Saaz, Komotan rc. dürste es zweifelhaft zu großen Kundgebungs-Versamm­lungen mit unmittelbaren Aufforderungen zur Mandatsnieder­legung kommen.

Wien, 31. Mai. Die innerpolitische Lage ist auch heute unverändert. Wie in parlamentarischen Kreisen ver­lautet, soll Graf Goluchowsky neuerdings eine Vermittelungs- Aktion zwischen Thun und Szell eingeleitet haben.

Paris, 31. Mai. Die Anklagekammer hat beschlossen, das Urteil über den Antrag, betreffend die Freilassung Picquarts zu vertagen.

Paris, 31. Mai. Aus Creuzot wird gemeldet, daß die Delegierten des A u s st a n d e s gestern nachmittag vom Präfekten empfangen wurden. Sie setzten ihm ihre Forde­rungen auseinander, und der Präfekt gab die Versicherung, die Regierung davon zu benachrichtigen. Der Handels­minister begab sich gestern zum Kriegsminister, um mit diesem über die Lage zu beraten. Der Minister des Innern hat bereits angeordnet, daß Gendarmerie und Polizei-Ver­stärkungen nach dem Strikegebiet abgesandt werden. Gestern abend durchzogen die Strikenden die Straßen unter Hoch­rufen auf den Ausstand und unter Absingung revolutionärer Lieder. Die Zahl der Ausständigen beläuft sich auf über 6000. Man glaubt, daß der Ausstand im Laufe des heutigen Tages allgemein wird, und alsdann etwa 10,000 Mann ausständig sein dürften. Die Strikenden suchten gestern die Arbeitswilligen an der Arbeit zu hindern. Es entstand dabei zwischen den Strikenden und der Polizei eine Schlägerei, wobei zahlreiche Ausständige mit blanker Waffe verwundet wurden.

Aus dem Jahresbericht

des Großh. Hessische« Gewerbe-JuspektorS der Gewerbe-Juspektiou Gieße«

für 189S

(die Provinz Oberhessen umfassend) (Fortsetzung).

Ueb erarbeit.

Auf Grund des § 138a, Absatz 1 der Gewerbeordnung hat die untere Verwaltungsbehörde (Großherzogliches KreiS- amt) nur einer Fabrik Erlaubnis zur Beschäftigung von Arbeiterinnen über 11 Stunden an Wochentagen außer Samstag erteilt. Es betrifft dies eine Wollspinnerei, welche 7 Arbeiterinnen 14 Tage lang an Werktagen 12>/2 Stunden wegen außergewöhnlicher Häufung der Arbeit beschäftigen durfte.

Im ganzen sind demnach 147 Ueberstunden an Werk­tagen außer Samstags bewilligt worden. Das Bedürfnis nach Ueberarbeit ist im Berichtsjahre nicht groß gewesen und ist auch kein weiterer Antrag, als der angeführte, zur Kenntnis des Gewerbeinspektors gekommen. Uebertretungen sind, außer einem Falle in einer Feldziegelei, nicht gefunden worden. Ueberarbeit an Samstagen und Tagen vor Fest­tagen ist auf Grund des § 138a, Absatz 5 d. Gew.-Ord. von Großherzoglichen Kreisämtern in 2 Fällen gestattet worden.

ja, er hat auch aus den Taschenbüchern des Meisters Notizen zusammensuchen dürfen.

Gelegentlich des 28. Besuches, der auf den 21. No­vember 1807 fiel, kam das Gespräch auf die zweite Londoner Reise Haydns und auch auf dieSchöpfung". Es mag nun hier wortgetreu die Aufzeichnung folgen, die Dies von diesem Gespräch, das in eine ästhetische Erörterung ausläuft, gemacht hat:

Das Gespräch fiel auf die Schöpfung. Die erste Veranlassung zu diesem Werke gab Salomon in London. Da derselbe in so vielen musikalischen Unternehmungen bis dahin glücklich gewesen war, und Haydn nicht wenig zu diesem Glücke beygetragen hatte, so wurde seine Kühnheit zu neuen Unternehmungen immer größer. Salomon faßte den Entschluß, von Haydn ein großes Oratorium schreiben zu lassen und übergab ihm zu dem Endzweck einen schon alten Text in englischer Sprache. Haydn setzte Mißtrauen in seine Kenntniffe in der englischen Sprache, unternahm nichts, und reiste endlich am 19. August 1795 von London ab.

Haydn reiste dießmahl in der Absicht über Hamburg zurück, um C. P. E. Bach persönlich kennen zu lernen. Er kam zu spät; Bach war tobt, und von der Familie fand er nur eine Tochter am Leben. In Dresden besuchte er

Naumann, fand ihn aber nicht zu Hause. Ein weiblicher Dienstbothe war eben beschäftigt, die Zimmer zu säubern; Haydn fragte, ob Naumanns Bildniß nicht vorhanden sey; und auf die Bejahung ließ er sich vor dasselbe führen, um wenigstens im Bilde mit Naumann Bekanntschaft zu machen.

Haydn erinnerte sich erst wieder des englischen Textes, als, kurz nach seiner Ankunft in Wien, der Freyherr van Swieten zu ihm sagte:Haydn, wir möchten doch noch ein Oratorium von Ihnen hören!" Er belehrte den Freyherrn über die Lage der Sache, und zeigte ihm den englischen Text. Swieten erboth sich, eine abgekürzte deutsche freye Uebersetzung davon zu machen, die er auch, wie sie einmahl fertig war, so zu erheben wußte, daß unserm Haydn keine Wahl mehr übrig blieb und er sich ernsthaft vornahm, den deutschen Text zu bearbeiten. Hieraus ist zu sehen, daß alle diejenigen im Jrrthum waren, die über den Ursprung dieses Haydn'schen Werkes die Meynung äußerten, er habe es für London geschrieben.

Der Freyherr v. Swieten war ein großer Verehrer von Haydn und Mozart. Seine Kenntniffe erhöhten seine Geburt, und beyde unterstützten seine Neigung, so viel als möglich, die Musik zu erheben. Er war die Triebfeder, wodurch der hohe Adel oft angespornt ward, sich zu großen