Ausgabe 
2.4.1899 Viertes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

S

Mht,

®ttnb

i

in

ig.

2^ LtH lani

» Seife |i H : besondns ein;

pachtend Pteifla ck I,.' i M Witkoji

MH 1WW in Siel«- >dnW elmWlmB I.

en auf dm fr p, zur EilM (nach auiwädi: 110Ui«A ui iich M*

tt-gS 11»'

int Aufta» I >, SttJaiud ic. 8otji*l enffltm

!t. W K- HaAZfy«.

chofts-W!' Ircb, W , P n W ien Schutzs*,

tten eeJd-Gewtone« 00000=1® ÄH ASH W

As en b0* njrtrA

». 78

Viertes WMt,

Sonntag den 2. April

189»

Amts- und Anzeigeblatt für den TLreis Gretzen

I

die

Alle Lnzeigen-Bkrnnttlung-stellen de» In- und Lu»iand«S nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen

JItkehien, Lrvedttion und Druckerei-.

Ach.sftr.ße Ar. 7.

*f Den Marschallstab tragen auch die preußischen ge­meinen Soldaten im Tornister, wie neuerdings das Beispiel des zum Inspekteur der am 1. April neu zu errichtenden Inspektion der Verkehrstrnppe ernannten Ober-Quartier- meisters Generalleutnant Bernhard Rothe, des Bruders unseres Staatsministers, beweist. Am 6. November 1844 geboren, trat Rothe als Musketier in das 4. hessische Regi­ment wurde 1864 Leutnant im hessischen Artilleriekorps

»en «n,eigen zu der nachmittag» für de» . el^ibm Ta, erscheinenden Nummer bi» vor«. 10 Uhr.

«drefie für Depeschen: Anzeiger Hieße».

Fernsprecher Nr. 51.

* Woher stammt der Osterhase? Wenn im Frühjahr Vvi lauen Südwinde wehen und dem Regiment des Winters ein jähes Ende bereiten, dann zieht ein geheimmßvoller Zauber durch die Natur, der durch verschiedene, uralte, symbolische, meistens noch aus der Heidenzeit unserer Vor­fahren stammende Gebräuche zum Ausdruck kommt. Das, schon um das Jahr 1200 Kinder mit buntbemalten Eiern beschenkt wurden, geht aus FreidanksBescheiden­heit" zur Genüge hervor. Die buntbemalten Eier sollen ohne Zweifel an die lebhaften Farben der aus dem Winter- schlafe erwachenden, sich neu verjüngenden Natur ermn^n, die nun ihr weißes Totengewand abgelegt hat. Das suchen nach den verborgenen Eiern soll das Suchen der drei Frauen nach dem auferstandenen Heiland bedeuten. Auch die im Verborgenen blühenden ersten Kinder Floras müßen mit Eifer gesucht werden. In manchen Gegenden Deutsch­lands finden auch Kampfspiele um die Eier statt, durch die der Kampf zwischen Frühling und Winter veranschaulicht werden soll. Da das Ei schon m frühester Zeit als Sinn­bild des erwachenden Lebens betrachtet wurde, so ist es sehr erklärlich, warum dasselbe zur Osterzeit als Sinnbild der neuerwachenden Natur gilt. Der Osterhase aber, der die bunten Eier legt, bezieht sich sinnbildlich auf die Frucht­barkeit der Frühlings-GöttinOstara".

Aezugsprei, mtrtdiälnUd) 2 Mark 20 Psg monatlich 75 Pf- aut Bringerlobn

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg vrerteltLbrlich

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Klätter sür hessische Volkskunde._________________

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 1. April 1899.

fctdnt ltgtich i jfi 1.3nat)mt de» Uontag».

ffi» Gießener Hy«l ItiuSrätier anh dem Anzeiger »»sprich viermal beigelegt.

Feuilleton.

Ksterglocken.

Von Willy Weber.

(Nachdruck verboten.)

Eigentlich hätte sie schon längst die Wohnung da draußen im btt Vorstadt aufgeben müssen schon der Zeitersparnis rtj^en, denn sie erlitt eine Einbuße, wenn sie sich viermal anlaqe je eine halbe Stunde in dem klapprigen Omnibus b.fcnaä dem Geschäft rädern ließ. Zudem bezahlte die $ Mion ihre Arbeiterinnen so gut, daß sie nicht so weit c utiirnt vom Atelier zu wohnen brauchten. Und noch dazu Qtairmb Reichel, die geschickteste, fleißigste, talentvollste unter aiDn ihren Kolleginnen!

Gertrud hatte an einen Umzug schon oft gedacht, aber nron sie dann zu Hause saß in ihrem schmucken Stübchen, nncr. ihrMätzchen" einen kunstvollen Triller vorsang, und nncn drüben bei Mutter Timpe schlanke Finger den Tasten s Är-rmütige Weisen entlockten, wurde ihr sofort die Un- niitzichkeit klar, diesen Familienkreis verlassen zu können. tOn) fic gehörte mit zur Familie, Mutter Timpe hatte f igtcri Kindesstatt angenommen, hatte sie erzogen und jeden JMn mit ihr geteilt. Mit Richard Timpe war sie auf- a laufen, sie war sein Kindermädchen, seine Gespielin, s kiil! Beschützerin gewesen, als eine schwere Krankheit ihn d«i Augenlichtes beraubt hatte, wurde sie seine Führerin U1ni) stete Begleiterin. Richard war musikalisch außer- adntlid) veranlagt, sein Gehör so ausgebildet, daß seine ihm die besten Hoffnungen machten. Das Studium echid.rrte Mittel, Gertrud half freudig aus und be- twnbexte die Fortschritte Richards mit einem Interesse, das i illki »as der Freundschaft weit hinausging.

.... Es war Frühling geworden nicht nur im Lande, im dem Gärten, in den Anlagen, auch in ihrem Zimmer, j Lohnen rankten an den Bindfäden vor den Fenstern $ Hon, der wilde Wein schickte junge Triebe in die milde J Äst, Schwalben strichen in schnellem Flügelschlage dicht an

Vermögens wurde. Da begannen für ihn so schwere Zelten, daß er sich mehr als einmal nach seiner Nulligkeit zurück­sehnte. Man begehrte seine That, er vermochte feine zu leisten, man rief nach seinem Rat er wußte feinen. Man machte sich seine Unerfahrenheit und Hilflosigkeit zu nutze, man spottete über ihn, verlachte ihn, betrog ihn. Da war er denn bald zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Menschen nichts taugten, daß es klüger und besser sei, für sich allein zu Hausen und sich abzuschließen von der Gesamtheit. . .

So wurde Herr Häberlein ein Einsiedler, ein Sonder­ling und ein Geizkragen dazu. Denn wer weiter keine Freude hat auf der Welt, dem gefallen immer noch die blanken Goldstücke, an deren Anblick er sich allabendlich er­götzen kann. Das besorgte Herr Häberlein sehr ost und er vergaß darüber alles, was um ihn her vorging. Und das war gar wenig Erfreuliches! In der Familie seiner Wirtin hatten Krankheit, Sorge und Not ihren Einzug ge­halten und arg gehaust. Die Frau focht den ungleichen Kampf durch, so lange ihr das möglich war, aber jetzt drohte sie zu unterliegen. Wenn ihr Herr Häberlein nicht aushalf, war sie wirtschaftlich ruiniert, und der war so

Sonnabend hatte sie ihm ihre Lage geschildert.

Warum nicht gar", hatte er geknurrt,und nun gleich hundert Thaler, - ich habe doch mein Geld nicht gestohlen!"

Er hatte eine schlaflose Nacht und als er am ersten Ostertag ans Fenster trat, schnitt er ein Gesicht wie zehn Meilen böser Weg. Da blitzte ihm der erste Strahl der Ostersonne ins Auge, herrliches Wetter draußen! Die Wirtin brachte ihm den Thee, sie hatte ganz verweinte Augen.

Fröhliche Ostern", hauchte sie mit matter Stimme.

Danke gleichfalls", antwortete er unwillkürlich. Daun that ihm das leid, Ostern hin, Ostern her, es war ein Tag wie jeder andere auch. Er ärgerte sich, datz Die Menschen sich von dem alten Zopf nicht befreien konnten. Was ging ihm denn der ganze Osterrummel an ... -

und nahm 1866 an dem Feldzuge gegen Preußen teil. Vom Oktober 1867 bis Juli 1869 zur Artillerie- und Ingenieur­schule nach Berlin und dann als Adjutant zur hessischen Division kommandiert, machte er den Feldzug gegen ftranb reich im Stabe des Prinzen Ludwig von Hessen mit. Nach dem Friedensschluß zum Großen Generalstabe kommandiert, wurde er 1872 als Oberleutnant im Artilleriekorps in die preußische Armee übernommen, im April 1874 zum Haupt­mann im Generalstabe befördert und kurz darauf zum Ver- messunasdirigenten bei der topographischen Abteilung ernannt. Im Jahre 1877 kam er zum Generalstabe der 29. Division und 1880 zu dem des 14. Armeekorps. Am 18. April 1882 zum Major befördert und 1884 in den Großen Generalstab zurückberufen, wurde er in diesem am 13. November 888 Oberstleutnant und Abteilungschef. Am 14. Februar 1821 wurde er Oberst und Kommandeur des Feldartiller,ereg,- ments Nr. 9 und, nachdem er als Abteilungschef m den Generalstab zurückversetzt war, am 18. Oktober 1824 Generalmajor. Am 6. Juni 1896 zum Oberquart,ermeister ernannt, wurde er zum Generalleutnant am 15. Juni vorigen Jahres befördert.

Vom Lande, 30. März. Vom ersten Haustier, dem Rin d, bis hinab zum nützlichsten des Hausgef l ügels, dem Huhn, treten die Bestrebungen zur Hebung und Ver- befferung der Zucht immer mehr zu Tage. Die Aufmerk­samkeit, mit der man diese Bestrebungen verfolgt und unter­stützt nebst den finanziellen Beiträgen, sie sind sehr wohl angebracht. Verbesserung der Viehzucht ist gleichbedeutend mit Verbesserung des landwirtschaftlichen Gewerbes überhaupt. In diesen Verbesserungsbestrebungen aber läßt sich von einem Haustier sagen, daß es bis jetzt das Stiefkind geblieben ist. Wir meinen die Kuh der Armen, die Ziege. Allerdings hören wir von eimelncn Gemeinden in Starkenburg, wie in Oberhessen, daß sich da Vereine zur Hebung der Ziegen­zucht gebildet haben, und daß von diesen Vereinen zur Hebung dec Ziegenzucht Ziegenböcke aus der Schweiz ange­schafft werden. Allein derartige Gemeinden bilden die Aus­nahme. In der Regel geschieht in den meisten Gemeinden zur Verbesserung der Ziegenzucht rein gar nichts. Der Bockhalter schafft sich einen- Bock an ganz nach seinem Er­messen, ob derselbe zur Hebung der Ziegenzucht oder zu deren Verschlechterung das Mittel ist, wer kümmert sich

der Mauer vorüber. In dem Nebenzimmer erklang eine schmeichelnde, lockende Phantasie, die plötzlich abbrach Frühlingsweisen!

Da klopfte es, leise, schüchtern, erwartungsvoll.

Herein!"

Richard öffnete die Thur. f

Fröhliche Ostern!" rief er, und in seinem Gruße lag etwas" das sie aufmerken ließ. Er war ein stattlicher, hübscher Mann, dieser blonde Künstler, sein Auftreten war so sicher und so zuversichtlich, daß niemand das Fehlen des Augenlichtes empfinden konnte.Fröhliche Ostern," lachte er nochmals und reichte ihr die Hand.Danke!" ant­wortete sie und schlug ein. Er trat zum Fenster, ohne ihre Hand freizugeben.

Weißt Du, Gertrud," sagte er, indem er feine toten Augensterne auf ihr Gesicht richtete, ..ich habe eine Freuden­botschaft : ich habe die Stellung in der königlichen Kapelle erhalten., wünsche ich Dir Glück," war alles, was Gertrud'zu antworten vermochte.

Ein Zug der Enttäuschung breitete sich über fein Go^.Jch glaubte, das würde Dir mehr zu Herzen gehen," meinte er mit matter Stimme.

Und ob es mir zu Herzen geht," fchluchzte sie auf; ihre schlanke Gestalt bebte, ihr Köpfchen sank an feine (Sdjulter. c§ murmelte er, und küßte ihre Stirn. Und" letzt horch ..." ein ganz zarter, metallener Ton zitterte durch die Luft, noch einer, ein Geläut . . . Es liegt noch in der Ferne; aber sie tonen naher und näher - unserer Liebe und unserer Hoffnung Oster­glocken!" * e

Dem armen Herrn Häberlein war so ziemlich alles im Leben fehlgeschlagen. Er hatte sich schon derart mit dem Schicksal, als eine Menschennull auf der Welt herum- Aulaufen, ausgesöhnt, daß es ihn ordentlich schmerzlich berührte, als er durch den Tod seines Onkels Besitzer eines respektablen

Armee mit neuen Schnellfeuergeschützen unmittelbar bevorsteht. . r,...

Petersburg, 31. März. In der hiesigen Universität wurde die Ordnung abermals gestört, sodaß die Uni­versität wiederum offiziell geschlossen werden mußte.

Deutsches Deich.

V-rlin, 31. März DemLokal-Anzeiger" zufolge ist iri Laken-Baden, wo der Reichskanzler r^ürst Hohen- l |Sh «heute seinen 80. Geburtstag feiert, als Gefchenk flhiftr Wilhelms bereits eine wertvolle Vase mit dem ö-ilbmi des Kaisers eingetroffen.

B-rlin, 31. März. Am 1. April wird die national; WMt Partei in der Kapelle zu Friedrichsruh am Grabe btel&Ärftcn Bismarck einen Kranz niederlegen lassen. T!«ik Schleife wird die Aufschrift tragen:.Dem großen Satumjlci in Treue und Dankbarkeit die 'nationalliberale Pßmliei Deutschlands.

ürrlin, 31. März. Die deutsche Gegnerschaft ;egen die anglo-amerikanische Verbrüderung inj ben Vereinigten Staaten von Nord-Amerika gewinnt ichchet mehr an Heftigkeit. Wie dasBerliner Tageblatt" a mi Ncw-York meldet, sind alle deutschen geselligen Ver- c tnigunqen, religiösen und politischen Gemeinschaften in Ukcaqv aufgefordert werden, Delegierte zu entsenden zu eimon Meeting am 17. April zwecks Bildung einer ständigen Oofgiini fation zum Protest gegen eine englisch-amerikanische Wttlmni.. Diese Organisation dürfte einen nationalen OÖktaÜter tragen, da die Persönlichkeiten, welche die An- r üüimg zu diesem Meeting gegeben haben, mit hervorragenden 'Ltvichch Amerikanern in New-Aork, Philadelphia, St. Louis, aroiwcjuifee, Buffalo und anderen Städten in Verbindung st-chm, um in diesen Orten ähnliche Organisationen ms L.ÄkN in rufen. ______________________

Ausland.

Wien, 31. März. Die Blätter sprechen bei Erörterung dl!m Samoa-Vorgänge vorwiegend die Ansicht aus, d :ui lwtz der durch das Bombardement verschärften Situation b'«flomftift auf diplomatischem Wege schnell werde bev n;ri(at nuerben können. .

»Untona, 31. Marz. Dir hl-sig- Anklag-kammcr hat qiechn, bic Anklage gegen die Anarchisten wegen des aimgrbli chen Attentats-Komplotts gegen den deutschen Kaiser

i6ttu8iurg?3Trmäri. In militärischen Kreisen wird »«tschc-rt, baß die Ausrüstung der gesamten rusfischen