Ausgabe 
2.4.1899 Erstes Blatt
 
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** Feuerwache. Vom 2. Osterfeiertag an, bezieht die Gießener freiwillige Feuerwehr jeden Sonntag nachmittag Brandwache im Turmhaus am Brand von nachmittags 3 bis abends 8 Uhr.

* Auszeichnung. Auf der im März d. Js. in Berlin stattgefundenen großen Ausstellung für Nahrungsmittel, Gastwirtschafts- und Hotelwesen erhielt die Firma H. Schlink u. Co. in Mannheim die höchste Auszeichnung:Goldene Medaille" für ihre Palmin-Ausstellung zuerkannt.

** Hundeseuche. Die seit Monaten in Süddeutschland grassierende Hundeseuche scheint auch in Gießen eingeschleppt worden zu sein und hat bereits eine Reihe zum Teil wert­voller Jagd- und Luxushunde hinweggerafft. In der Regel erkranken die Hunde unter den Anzeichen von Mattigkeit, verminderter Freßlust und gehen in wenigen Tagen zu Grunde. Nach den Sektionsbefunden der hiesigen Veterinär­anstalt ist der Erreger der Krankheit ein Bazillus, der in den Eingeweiden seinen Sitz hat, und einmal im Körper, kaum zu beseitigen ist. Da jeder Verkehr zwischen den Vierfüßlern zur Weiterverbreitung der Seuche beiträgt, dürfte das beste Vorbeugungsmittel darin bestehen, daß die Hundebesitzer ihre Tiere nicht umherlaufen lassen.

** Für Huudebefitzer. Das in Feld und Wald spazieren gehende Publikum möge gerade zur gegenwärtigen Früh­jahrszeit aufmerksam gemacht sein auf die Klagen, die allerorten seitens der Jagdpächter über den Unfug, die Hunde frei laufen zu lassen, erhoben werden. Während der Wildstand in unserer Gegend sich in den letzten Jahren durch Schonung und Pflege in erfreulicher Weise gehoben hat, und der Spaziergänger mehr als früher die Natur am Wild belebt sieht, giebt es immer noch Leute, die auch in der Satz- und Nistzeit rücksichtslos ihre Hunde umherlaufen lassen und hierdurch die Reviere beunruhigen, gar manches Junghäschen aber auch auf's Gewissen nehmen. Wir verweisen auf die dahingehende Bekanntmachung Groß- herzogl. Kreisamts, welche die gesetzlichen Vorschriften in Erinnerung bringt. In einem Falle, in dem vor einiger Zeit ein Jagdpächter einen revierenden Hund tötete, hat die Staatsbehörde die Strafverfolgung abgelehnt, weil der­selbe mit Recht sich des Jagdschädlings erwehrt habe. Es sei noch bemerkt, daß Feldwege und Waldschneisen nicht zu denöffentlichen" (ausgesteinten) Verbindungswegen gehören, auf denen Hunde unangeleint geführt werden dürfen.

* Militärsahrkarken. Vom 1. April gilt nach der neuenMilitär-Transport-Ordnung" auch für beurlaubte Einjährig-Freiwillige der Tarifsatz von 1,5 Pfg. für das Kilometer 3. Wagenklasse. Für dienstlich reisende Militärpersonen mit Ofsiziersrang ist das Personenkilometer von 5 aus 3 Pfg., für Mannschaften vom Feldwebel ab­wärts (3. Wagenklasse) von 1,5 auf 1 Pfg. herabgesetzt. Für beurlaubte Mannschaften bleibt der bisherige Satz von 1,5 Pfg. per Kilometer 3. Wagenklasse bestehen.

Pr. Steinbach bei Gießen, 30. März. Am zweiten Ostertage 1839 suhr zum erstenmale das Postwägelchen von Gießen nach Nidda, und im Hause des damaligen Ortseinnehmers Johann Kaspar Gerhard, im späteren Gast­hauszur Post" in Steinbach, ward eine Posthaltestelle errichtet. Seit den verflossenen 60 Jahren ist die Post­verwaltung in demselben Hause und derselben Familie ge­blieben, und der jetzige Postagent Herr Georg Gerhard, der im Jahre 1867 als Postbeamter vereidigt wurde, ver­waltet nunmehr seit 32 Jahren in Treue und in Ehren sein Amt. _________________________________________

Aus der Zeit für die Zett.

Vor 259 Jahren, am 2. April 1640, starb zu Ham­burg der beste Lyriker des 17. Jahrhunderts Paul Flem­ming, als geistlicher Sänger am bekanntesten durch das Lied:In allen meinen Thaten", das er vor seiner persischen Reise schrieb, die er als junger Arzt im Gefolge einer Ge­sandtschaft unternahm, welche der Herzog von Holstein nach Persien gehen ließ, um Handelsverbindungen anzuknüpfen. Der Dichter wurde am 5. Oktober 1609 zu Hartenstein im Vogtland geboren.

Vor 50 Jahren, am 3. April 1849, wurde dem König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone ange­tragen. Es war ein großer geschichtlicher Moment, als 30 Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung als Ueberbringer einer Gabe erschienen, die Deutschlands Ein­

heit, Macht und Größe begründen sollte. Der König gab jedoch eine ausweichende Antwort und lehnte kurz darauf die angetragene Krone ganz ab, weil sie ihren Ursprung in einer revolutionären Bewegung hatte.

Vor 20 Jahren am 4. April 1879, starb zu Berlin Heinrich Wilhelm Dove, einer der größten Physiker der Neuzeit, im Volke genanntDer Wettermacher". Er ist von hervorragender Bedeutung für die Elektrizitätslehre und Optik, sowie epochemachend auf dem Gebiete der Meteorologie. Eines seiner berühmtesten WerkeDas Gesetz der Stürme" wurde vielfach übersetzt. Dove hielt die Gedächtnisrede auf Alexander von Humboldt, deffen Orden pour le merite fortan seine Brust zierte. Er wurde am 6. Oktober 1803 zu Liegnitz geboren.

Auszug aus den Standesamtsregistern der Stadt Gießen.

Alnfgebote.

März: 28. Dr. Franz Volvard, Assistenzarzt zu Gießen, mit AgneS Ida Elisabeth TönnieS zu Schöneberg bet Berlin. 30. Wilhelm Heinrich Ernst Dogi, GaSwerk-Dtrektor zu Bad-Nauheim, mit Henriette Karoline Bergen hterselbst.

Eheschließungen.

März: 25. Johann Heinrich Stein, Schuhmacher dahier, mit Luise Schneider hterselbst. 25. Friedrich Earl Christian Marx, Lackierer dahier, mit Katharine Hainer hterselbst. 25. Hetnrtch Philipp Julius Junker, Bauschretber dahier, mit Margaretha Gürnblein Hierselbst. 29. Ludwig Schäfer, LaboratoriurnSdtener dahier, mit Katharine Bodenroder zu Oppershofen. 29. Georg NicolauS Lettner, Schneider dahier, mit Margarethe Philippine Mohr hterselbst.

Geborene.

März: 20. Dem Hauptsteueram's-Assistent Georg Hanstetn eine Tochter, Emma Elise Antonte. 23. Dem Milchhändler Naftali Charak ein Sohn, Leon, und eine Tochter, Hedwig. 23. Dem Trichinenschauer Wilhelm Schmitz ein Sohn. 25. Dem Vorarbeiter Leo Hügel eine Tochter, Josefine Marie. 25. Dem Packmeister Malbäus AlthauS eine Tochter, Minna Katharine Anna Dorothea. 25. Dem Taglohner Kaspar Christ eine Tochter, Marie Franziska. 26. Dem Taglöhner Ludwig Pfeiffer ein Sohn. 27. Dem Schreiner Heinrich Flach eine Tochter.

Gestorbene.

März: 25. Wilhelm Michel. 3 Jahre alt, Sohn von Loko­motivheizer Johannes Michel dahier. 25. Georgine Hirschfeld, geb. Lony, 67 Jabre alt, Wittwe von Schloffermeister Pdilipp Hirschfeld dahier. 25. Margarethe Katharine Marie Hofmann, 2 Monate alt, Tochter von Taglöhner Johannes Hofmann dahier. 26 Hermann Schwalb, 77 Jahre alt, Rentner dahier. 26. Sufanne Wilhelmine Lindenstruth, 4 Jahre alt, Tochter von Oekonom Wilhelm Ltnden- struth dahier. 27. Karoline Schmidt, geb. Euler, 66 Jahre alt, Wittwe von Schuhmacher Friedrich Schmidt dahier. 28. Johanna Noll, geb. Vössing, 32 Jahre alt, Ehefrau von Packmeister Johannes Noll dahier. 28. Margarethe Ramstock, 5 Jahre alt, Tochter von Uhrmacher Carl Ramstock dahier. 29. Sophie Seifert, geh. Schmidt, 72 Jahre alt, Ehefrau von Lokomotivführer a. D. Karl Seifert dahier. 29. Peter Ott, 69 Jahre alt, Lackierer dahier. 29. Martin John, 69 Jahre alt, Knecht von Beienheim. 29. Anna Maria Hamel, geb. Schubert, 52 Jahre alt, Ehefrau von Installateur Wilhelm Hamel dahier. 30. Johannes AlthauS, 59 Jahre alt, Spengler von Altenschlirf.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Matthäus gemeinde.

Den 25. März. Johann Heinrich Stein, Schuhmacher zu Gießen, und Luise Schneider, Tochter des NagelschmtedS Friedrich Schneider zu Reddighausen.

Denselben. Friedrich Karl Christian Marx, Lackierer zu Gießen, und Katharine Hainer, Tochter des verstorbenen Glaser« Johannes Hainer III. zu Storndorf.

JohanneSgemetnde.

Den 25. März. Hetnrtch Philipp Julius Junker, Bauschreiber zu Gießen, und Margaretha Gümbletn, Tochter des Amtsgertchts- dienerS Heinrich Gümbletn zu Gteßen.

Getaufte.

MarkuSgemetnde.

Den 25. März. Dem Brauer und Wtrt Jakob Müller ein Sohn, Ludwig Wilhelm, geboren den 8. Februar.

Den 26. März. Dem Schreiner Philipp Haun eine Tochter, Wilhelmine Luise, geboren den 8. Januar.

Den 31. März. Dem Taglöhner Heinrich Borschel ein Sohn, Julius WUhelm, geboren den 4. Januar.

LukaSgemetnde.

Den 26. März. Dem Unternehmer Heinrich Weimer ein Sohn, Otto Ignaz, geboren den 2. März.

Denselben. Dem Lokomotivheizer Josef Sauer eine Tochter, Elise Kunigunde, geboren dm 3. März.

Neueste Meldungen.

Depeschen deS BureauHerold".

Köln, 1. April. Der Kölnischen Zeitung wird al London gemeldet: Der Southamptoner Vergnügung: dampfer Bella mit 185 Passagieren und 35 Mar- Besatzung an Bord ist am Donnerstag nachmittag uniti gegangen, 10 Minuten nachdem er auf die Casquets-Felin nördlich der Insel Iuerscy im Nebel aufgefahren war Etwa 100 Personen, darunter sämtliche Frauen und Äinbn wurden gerettet. Man befürchtet, daß die übrigen Personen ertrunken sind.

London, 1. April. Die bis jetzt bekannten Einzelheit^ über den Untergang des englischen Dampfers Bella stimmen alle darin überein, daß der Dampfer mit großer Schnelligkeit gefahren ist, nämlich mit 18 Knoten in der Stunde und daß der Dampfer kurze Zeit nach dem Vuf stoßen auf den Felsen gesunken ist. Mehrere Gerettete tx klärten, viele Passagiere hätten sich auf einen 'SRb'otVroayn gerettet, der sich an Bord befand und der sich auf dem Wasser gehalten hatte. Der Kapitän ist auf feinem Posten gestorben. Seine Frau forderte ihn vergebens auf, sich zu retten. E: erwiderte ihr, dies sei unmöglich. Man fuhr während 10 Minuten in dichtem Nebel, ohne daß der Kapitän Befehl,gab, die Schnelligkeit zu vermindern. Er glaubte vielmehr, n»i einige Minuten im Nebel zu bleiben und war eben in Begriff, Befehl zu geben, als die Katastrophe ftattfank. Die Panik war nicht sehr groß. Die Frauen und Kinvv wurden sofort in Boote gebracht und dann erst rief be: Kapitän, rette sich wer kann. In diesem Augenblick erfolgt aber schon die Explosion der Kessel, und einige Sekundei später war der Dampfer verschwunden. Der Dampfer halt meistenteils Bewohner von London an Bord. Es ist jtß festgestellt, daß die Zahl der Vermißten 89 betrüg! 90 Personen wurden gerettet. Der Kapitän und beinah alle Offiziere sind mit untergegangen.

Wien, 1. April. In Hofkreisen hat das von einen süddeutschen Blatte verbreitete Gerücht von der angeblicher Wiedervermählung des Kaisers von Oesterreich einen pein lichen Eindruck gemacht. Es wird erklärt, daß eszva mindesten als taktlos zu bezeichnen sei, dem Kaiser vorilk» lauf des Trauerjahres für die verstorbene Kaiserin tue solche Absicht unterzuschieben.

JohaoneSgemeinde.

Den 26. März. Dem Station« assistenten Carl Borchers Tochter, Karoline Elise Johanna Henriette, geboren den 17.

Den 31. März. Ein unehelicher Sohn, Fran, Alkert QefJz- den 24. März.

Beerdigte. MartuSgemeinde.

Den 28. März. Georgine Htrfchfeld, geb. Lony, Wit»« l, verstorbenen Schloffermeister- Philipp Htrfchfeld, 67 Jahre all «2 den 25. März.

Denselben. Hermann Schwalb, Rentner, ein Witwer, 78 alt, starb den 26. März.

Denselben. Karoline Schmidt, geb. Euler, Witwe bd »- storbeven Schuhmachers Friedrich Schmidt, 63 Jahre aU, stark L 27. März.

Den 31. März. Johanna Noll, geb. Dösfing, Ehefrau U Packmeisters Johanrns Noll. 32 Jahre alt, starb dm 28. Mir»

Denselben. Sophie Seifert, geb. Schneider, Ehefrau dr-üok». motioführerS i. P. Karl Seifert, 72 Jahre alt, starb dm 29.

LukaSgemeinde.

Dm 31. März. Peter Ott, Lackierer, 70 Jahre alt, stnl> h» 30. März.

JohanneSgemetnde.

Den 26. März. Rostne Größer, geb. Lang, Eheste u Rentners Philipp Größer, 66 Jahre alt, starb dm 24 März

Verkehr, Land und Volkswirtschaft.

Gieße«, 1. April. Marktbericht. Auf dem Heun-« Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.901.10, Hühnern, per St. 67 4, 2 St. 1011 Enteneier per St. 67 eier per St. 1112 Käse 1 St. 68 H, Käsematte per tzl. 34 Erbsen per Liter 20 H, Linsen per Liter 30 H, Tauben per && X 0.901.20, Hühner per St. X 1.201.80, Hahnen per X 1.302.00, Enten per St. X 1.902.40, Gänse per X 0.000.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6874 H, Kuh- und Rindflr^ per Pfd. 6264 3v, Schweinefleisch per Pfd. 6072 Schwn» fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 60-«s 4 Hammelfleisch ver Pfd. 6070 H, Kartoffeln per 100 Kilo 5.60 hi 6.50 vN., Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Etr. X 8.00-,« Milch per Liter 16

Dauer der Marktzeit von 8 Uhr Morgen« biS 2 Uhr M mittags. Während der ersten 8 Stunden der Marktzeit darf a Umherziehen nicht feilgeboten werden.

(ihiipfelihiiirtcu

Statt. Schlachthaus.

Freibank. 2720

Dienstag den 4. April:

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