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2.2.1899 Zweites Blatt
 
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Nr. 28 Zweites Blatt Donnerstag den 2. Februar

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(siebener Anzeiger

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-Q.7^etman.n Sudermann wurde am 30. September L&h zu Matziken in Ostpreußen geboren. Seine Eltern

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Fernsprecher Nr. 51.

Allgemeine Verbrüderung?

Der Sensationslust ist augenblicklich ein weites Feld -geöffnet. Wir erinnern uns noch des großen Aufsehens, welches in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres das sog. Friedensmanifest des Zaren machte, und glauben nicht zu Übertreiben, wenn wir sagen, daß die ganze Welt unter dem Eindrücke dieser Kundgebung stand. Welche Betrach­tungen im Laufe der Zeit bereits an dieses Ereignis ge- knüpst worden sind, wieviel Hoffnungen gehegt und im Entstehen wieder gestört wurden, haben wir zu beobachten reichlich Gelegenheit gehabt. Neue Blüten treibt jetzt die Kombination, an das Projekt der allgemeinen Abrüstung anknüpfend. Danach, soll in der Riviera eine Zusammen­kunft des deutschen Kaisers mit dem Präsidenten Faure geplant sein, welcher auch der König von Italien, der Zar und die Königin Biktoria beiwohnen würden. Der russische Kaiser wird dann höchstwahrscheinlich als Vermittler zwischen Deutschland und Frankreich walten. Das Bild, welches sich ms da zeigt, ist höchst beglückend, nur schade, daß es nicht in die Wirklichkeit übersetzt werden wird und lediglich ein Hhuutasiegebilde bleibt.

Wir haben schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, M die Gegensätze zwischen Frankreich und Deutschland milber geworden sind und daß heute bereits viele Franzosen ms dem Schmollwinkel heraustreten, in welchem sie über ein Vierteljahrhundert gestanden haben. Aber zu einem völligen Ausgleich ist die Zeit noch nicht gekommen, und es bnrf als völlig ausgeschlossen gelten, daß eine Zusammen­kunft des deutschen Kaisers mit dem französischen Staats­oberhaupt binnen kurzem stattfindet. Felix Faure würde kümn solchen Schritt wagen, da er doch noch zu sehr dem Einflüsse der französischen Chauvinisten unterliegt, und der Rutsche Kaiser hat wahrlich keinen Grund, dem Nachbar jenseits der Vogesen die Hand weit entgegenzustrecken. Das jetzige Verhältnis zwischen uns und Frankreich ist ja ganz Mäglich, besser als es vielleicht bei allzu intimer Freund- chaft sein würde.

Mit der allgemeineren Verbrüderung, von der Phantasten 'bereits redeten, wird es vorläufig wohl noch nichts sein, tine solche würde auch keineswegs eine Garantie sein für inen ewigen Weltfrieden, denn bekanntlich giebt es auch rilerBrüdern" viel Zank und Streit. Wir sind schon Mieden, wenn auf der demnächst zusammentretendenAb- ilfltlngskonferenz" die von Rußland unterbreiteten Vorschläge in geneigtes Ohr bei den Mächten finden und wenn ins- onbere den Grundsätzen der Humanität möglichst viel 1 spielraum gegeben wird. Eine Verbrüderung im Sinne euer Phantasten liegt nicht im Bereiche der Möglichkeit, rrchl aber eine Verständigung über die Mittel, die Kriegs- laJtfn zu mildern und die Schrecken des Krieges selbst auf E Mindestmaß herabzusetzen. ' (xx)

Aber der Bescheid, den er erst nach einigen Wochen erhielt, war wenig ermutigend. Als dann der Abgeordnete Rickert dasDeutsche Reichsblatt" gründete, wurde er auch auf Sudermann aufmerksam gemacht, und dieser war gerne bereit, in die Redaktion des genannten Blattes einzutreten. In demDeutschen Reichsblatte" veröffentlichte Sudermann in der nun folgenden Zeit eine größere Anzahl von Ge­dichten, Novellen und politischen Artikeln. Da er sich jedoch hierbei überanstrengt hatte, zog er sich ein Leiden zu, das ihn bald zwang, seine Stelle wieder aufzugeben. Von jener Zeit an erscheinen Sudermanns größere Arbeiten.

Im Jahre 1883 die NovelleDie Geschichte der stillen Mühle", und in demDeutschen Monatsblatt" ge­langten Erzählungen von ihm zum Abdruck, die später unter dem TitelIm Zwielicht" gesammelt erschienen. Im Winter 1884/85 arbeitete er an seinem ersten und besten Romane, anFrau Sorge", der, wie alle seine Werke, in dem Verlage von P. u. F. Lehmann, der später in die Cotta'sche Buchhandlung aufging, erschien, und der im Feuilleton desBerliner Tageblatts" zum ersten Abdruck gelangte. 1886 schrieb er die NovelleDer Wunsch", die mit derGeschichte der stillen Mühle" unter dem Titel Geschwister" vereinigt wurde. Im Jahre 1888 wardDer Katzensteg" vollendet, dem baldDie Ehre" folgte. Suder­mann lehnt sich in derEhre" an das bürgerliche Drama, das durchKabale und Liebe" begründet war, an, doch zeigt dieEhre" auch einen scharfen Stich ins Moderne. Da dieselbe einen riesigen Erfolg hatte, ging Sudermann mit großem Eifer an ein neues Stück aus der Berliner Gesellschaft:Sodoms Ende", das aber bei der betroffenen

Gesellschaft nicht den gleichen Erfolg wieDie Ehre" hatte. Zwischen diesen dramatischen Arbeiten veröffentlicht Suder­mann auch einen Roman, der den TitelEs war" führte, und der in derRomanwelt" herauskam. Auch waren mehrere kleinere Arbeiten von ihm, wie:Das Sterbelied", Petite maman,Das Recht der Jugend",Thea", Herbst und Jolanthes Hochzeit", in verschiedenen anderen Zeitschriften zum Abdruck gekommen. Alsdann machte sich Sudermann an sein bestes, lttterarisch wertvollstes Werk, an dieHeimat". In derHeimat" kehrt das gleiche Problem wie in derEhre" wieder, nur mit dem traurigen Ausgange, daß darin der Vater endet, aber auch die Selbst­herrlichkeit der Tochter geht dahin. 1895 kamDie Schmetterlingsschlacht", 1896Morituri1 undDas Glück im Winkel", und 1898Johannes" zur Erstaufführung, denen am 22. Januar dss. Js. Sudermanns dramatisches GedichtDie drei Reiherfedern" gefolgt ist, während ein neues Stück:Stein unter Steinen", nächstens erscheinen wird. Wird auch nur von einem geteilten Erfolge der drei Neiherfedern berichtet, so wird doch erst die Zukunft über den Wert oder Unwert des Stückes völlig entscheiden können.

Trotz alledem kann Sudermann ebensowenig wie Haupt­mann als der von der deutschen Bühne erwartete Messias gelten. Zweifellos sind beide erfrischende Elemente, die neue Stoffe gefunden und aufgeräumt haben mit manchem Bühnenschlendrian, aber das hinreißend Ueberwältigende ist ihnen bislang nicht eigen. Sudermann ist wohl als Vor­läufer, nicht aber als berufener Reformator der deutschen Bühne anzusehen.

Lokales und Provinzielles.

Darmstadt, 30. Januar. Bei dem nächsten Zusammen­tritt der ZweitenKammer derLandstände wird eine Petition der Bauaufseher-Aspiranten des Groß­herzogtums Hessen zur Verhandlung kommen, die darin gipfelt, daß weitere 22 etatsmäßige pensionsberechtigte Stellen geschaffen werden möchten. Es wäre den Petenten sehr zu gönnen? daß sich die Landftände diesem Wunsche anschließen würden und die Großh. Regierung um Schaffung dieser Stellen ersuchte. Daß sich diese Beamten heute in einer trostlosen Lage befinden, hat selbst die Regierung schon in einer Rückäußerung an den vierten Ausschuß der Zweiten Kammer zugestanden, konnte aber den damaligen Wünschen der Bauaufseher-Aspiranten, nämlich, daß die Kreisstraßen­meisterstellen staatlich würden oder dieselben nach der Reihen­folge der Anziennität auf Vorschlag der Negierung von dem Kreis zu besetzen seien, nicht nachkommen, da dies in die Selbstverwaltung der Kreise zu sehr einschneidet. Den jetzigen Wünschen der Petenten wird die Regierung wohl sicher nachkommen können, zumal die jetzt bestehenden 21 etats­mäßigen Stellen fast ausschließlich mit jüngeren Beamten besetzt sind und die auf Anstellung harrenden, mit denselben Funktionen betrauten und als nichtangestellte Beamte ver­wendeten Anwärter über 80 an der Zahl sind. Hierzu kommen noch ca. 120 nicht im Staatsdienst verwendete Anwärter, sodaß nur ein verschwindend kleiner Teil derselben es erleben wird, angestellt zu werden. Die große Zahl der schon seit langen Jahren bei jeder staatlichen Baubehörde verwendeten Aspiranten beweist, daß die Schaffung weiterer 22 etatsmäßiger Stellen ein in sehr mäßigen Grenzen ge­haltener Wunsch ist. Daß die Regierung der Sache näher treten wird, geht schon daraus hervor, daß sie gelegentlich der allgemeinen Begründung der Vorlage zum Gesetz betr. die Besoldung der Staatsbeamten im Jahre 1898, von dessen Wohlthaten die Bauaufseher-Aspiranten leider ver­schont blieben, wörtlich sagte:Als einen Fortschritt wird man es wohl bezeichnen dürfen, wenn an Stelle des bis­herigen Rechtszustandes, bei dem das Vorrücken des einzelnen Beamten im Gehalt von zufälligen Umständen, wie der Lebensdauer und Dienstfähigkeit der dienstälteren Beamten, abhing, ein System tritt, welches dem Beamten bei gewiffen- hafter Erfüllung seiner Dienstpflicht eine gesicherte Aussicht eröffnet, in regelmäßigen Zeitabschnitten bestimmte Gehalts­zulagen zu erlangen und in nicht zu weit vorgerücktem Dienst- und Lebensalter, zu einer Zeit, in der Stellung und Familie zumeist besonders hohe Aufwendungen erfordern, die höchste Gehaltsstufe zu erreichen." Die Regierung wird umsomehr ein Interesse haben, den Bauaufseher-Aspiranteu eine gesichertere Zukunft zu verschaffen, als sie ein Mit­anteil daran hat, daß sich diesem Beruf aus Unkenntnis

Deutsches Keich.

Berlin, 31. Januar. Der Kaiser fuhr heute vor­mittag bei dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, v. Bülow, vor. Von 10 Uhr an hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militär-Kabinetts, v. Hahnke, von 11 Uhr an denjenigen des kommandierenden Admirals v. Knorr.

Berlin, 31. Januar. Die Budget-Kommission des Reichstages setzte heute die Beratung der ein­maligen Ausgaben des ordentlichen Etats der Verwaltung des Reichsheeres bei Titel 93 fort und erledigte den Rest des preußischen Etats. Auch der sächsische Etat gelangte zur Erledigung. Im württembergischen Extra-Ordinarium wurde nur eine Aenderung vorgenommen, indem statt der für die Wiederherstellung des durch Brand beschädigten Garnison-Lazaretts in Stuttgart in den Etat eingestellten 147 000 Mark nur 10000 Mark als erste Rate bewilligt werden. Morgen gelangt der ordentliche Etat zur Be­ratung.

Berlin, 31. Januar. Im Abgeordnetenhause wurde heute der Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung, TitelMinistergehalt" weiter beraten. In der Debatte, welche sich hauptsächlich um die Landwirtschaft drehte, legte Minister v. Miquel ziffernmäßig dar, daß die Ausgaben für Landwirtschaftszwecke in höherem Maße gestiegen seien. Die Finanzverwaltung habe überall Bedacht genommen, die Landwirtschaft bei Aufbringung neuer Ausgaben zu schonen. Diese wohlwollende Haltung der Regierung sei fortdauernd, und so sei zu hoffen, daß die Notlage der Landwirtschaft beseitigt werde. Morgen Weiterberatung.

Ausland.

Wien, 31. Januar. Nach Meldungen aus Reichen­berg erhielt die dortige Staatsanwaltschaft den Auftrag, in ihren Amtsräumen doppelsprachige Aufschriften anzubringen.

Budapest, 31. Januar. Wie jetzt verlautet, soll die Bildung des neuen Kabinetts erst Ende Februar erfolgen.

Paris, 31. Januar. Die Liga der Menschen­rechte erläßt einen Protest gegen die Maßregel, welche von der Regierung gegen die Kriminalkammer getroffen worden ist. Gleichzeitig erklärt die Liga, es sei ihr ganz gleich, vor welcher Gerichtsbarkeit Dreyfus abgeurteilt würde. Sie sei überzeugt, daß die Unschuld Dreyfus vor jedem Gericht klar bewiesen werden muffe, wenn die Mitglieder dieses Gerichtshofes ohne Furcht das Urteil sprechen würden.

Sofia, 31. Januar. Die Fürstin von Bulgarien ist heute vormittag um 11 Uhr am Kindbettfieber infolge hinzugetretener Influenza gestorben.

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Feuilleton.

rmann Sudermann und seine Werke.

Von Hermann Lekisch.

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^chvn als Schüler hatte Sudermann gedichtet, die da- '^entstandenen Gedichte aber alsbald wieder vernichtet. fA». reifte in ihm der Gedanke, sich ganz der Schrift- zu widmen, und er sandte deshalb eine Novelle an JO f" ch Spielhagen, um dessen Urteil darüber zu erfahren.

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hatte seine Kinder zur protestantischen Kirche zurück-

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gie^rt Da der junge Sudermann sich sehr begabt zeigte, rivMe er auf die Realschule zu Elbing gebracht, woselbst en Die besten Fortschritte machte, dann aber durch den Rück- K der Vermögensverhältnisse seiner Eltern gezwungen e, eine Stelle als Apothekerlehrling anzunehmen. Hier W« er indes durch sein eifriges Selbststudium bald ».When, und es wurde ihm ermöglicht, wieder eine höhere öjile, und zwar das Realgymnasium zu Tilsit, zu be- Rtn; daselbst bestand er auch sein Abiturienten-Examen bezog darauf die Universität Königsberg, um daselbst Semester lang Philologie und Geschichte zu studieren.

-nterWen' -er 3ahre 1877 nach Berlin ging, war er genötigt. Kraul'^ ut,eill Studium weiter fortsetzen zu können, verschiedene Uehrerstellen, unter anderen eine bei dem Dichter Hans Rita anzunehmen. v