Ausgabe 
1.12.1899 Erstes Blatt
 
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1809

Freitag den 1. Deeember

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Erstes Blatt.

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Alle Anzetgen.Berw't»lungSstellen deS In- nnd AuSlande- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen«

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Redaktion. Expedition und Druckerei:

Schutstraße Ar. 7.

Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen.

vormittags 9 Uhr ab.

Gießen, den 29. November 1899.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Frhr. Schenck.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hesßsche Zandwirt, Klätter für hessische Volkskunde.__________________

1. Bericht über die Thätigkeit des Vereins.

2. Verwertung von Tier-Kadavern im Interesse der Landwirtschaft. Referent: Herr Kreisveterinärarzt May in Friedberg.

Laubach, den 22. November 1899.

Der Präsident

des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen Friedrich Graf zu Solms-Laubach.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße».

Fernsprecher Nr. 51.

daß Kaiser Franz Josef nicht schon längst dmch ein Macht­wort die unwürdige Behandlung der größten Nation seines Reiches beseitigte, aber man muß berücksichtigen, daß es in einer vielsprachigen Monarchie ein schweres Amt ist, die Zügel zu führen, es jeder Nation recht zu machen und bei keiner anzustoßen. Vielleicht hat sich Franz Josef von der Ministerschaft des Grafen Thun mehr versprochen, als dieser leisten konnte; es fehlte ja bei der Kabinetts- ibernahme durch den Grafen Thun nicht an Stimmen, welche schon damals die Wünsche der Deutschen in Er- üllung gehen sahen. Aber man hatte sich doch arg ge­täuscht. Hoffentlich erleben die Deutschen nicht auch jetzt wieder eine Enttäuschung durch den (trafen Clary, der in dem gegenwärtigen innerpolitischen Wirrwarr die Unterstützung der Deutschen nötig hat und ihnen deshalb Zugeständniffe machen muß. Unsere Landsleute mögen auf der Hut sein und sich alle Zusagen schriftlich geben lassen!

Ein Umschwung in der innerösterreichischen Politik?

Gießen, den 30. November 1899.

In der letzten Zeit war wieder stark die Rede davon, daß das jetzige österreichische Kabinet im Wanken begriffen sei. So unglaublich klang diese Meldung nicht, denn die innerpolitischen Zustände unseres Nachbarreiches sind immer noch derart, daß es für jeden Staatsmann em großes Wagnis bedeutet, die Verantwortlichkeit der Regierung auf sich zu nehmen. Wir haben unsere Leser über die Ent­wickelung der Dinge in Oesterreich fortgesetzt auf dem laufenden erhalten, so daß wir heute nicht weit zurück­zugreifen brauchen. Nur das wollen wir nochmals betonen, daß die Behandlung, welche im letzten Jahrzehnt den Deutschen Oesterreichs zuteil wurde, weder der Würde und der Stellung dieser Nation noch derjenigen der Regierung entsprach und zum weitaus größten Teil die Schuld an der schwierigen Lage trägt. Jetzt endlich scheint die Re­gierung anderen Sinnes geworden zu sein und umkehren zu wollen! Bekanntlich sind die Badeni'schen Sprachen­verordnungen vor kurzem aufgehoben worden, und die Sprachenfrage für Böhmen und Mähren befindet sich gegenwärtig in der Schwebe. Nun hat sich der öster­reichische Ministerpräsident Gras Clary dahin ausgesprochen, daß die Sprachenverhältniffe nur uuter Mitwirkung der deutschen Parteien geregelt werden sollen, daß dieselben also auch unter Berücksichtigung der berechtigten deutschen Wünsche ihre Erledigung zu finden haben. Das ist immer­hin ein Zugeständnis, welches die Hoffnung zuläßt, daß die Deutschen jetzt die längste Zeit an die Wand gedrückt und vergewaltigt worden sind.

Es war eine schwere Periode, welche hinter unseren HandSleuten in Oesterreich liegt und sie oft in Konflikt brachte zwischen ihrer Loyalität gegen den Herrscher und Pflichten gegen sich selbst. Man hat sich oft gewunder/.

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1.05

1.15

Deutscher Reichstag.

112. Sitzung vom 29. November. 1 Uhr.

Das Haus ist ungemein schwach besetzt.

Tagesordnung: Antrag Agster und Genossen nebst Antrag Lenzmann und Genossen. Beide Anträge enthalten das Ersuchen um baldige Vorlegung eines Reichsberggesetzes.

Abg. Sachse (Soz) begründet den Antrag damit, daß unter den verschiedenartigen einzelstaatlichen Berggesetzen die Bergleute vielfach schwer benachteiligt würden. Angesichts der schweren Arbeit des Berg­mannes müßte das Maximum der Arbeitszeit auf 8 Stunden festgesetzt werden, im Jnteresie des Familienlebens und im Interesse der Knapp­schaftskassen. Das Ueberschichtenwesen sei ganz zu beseitigen, ebenso die Sonntagsarbeit. Wie sehr die Knappschaftskassen interessiert seien, zeige deren Krankheitsstatistik: im Bochumer Verein ftien jährlich 50 Prozent aller Mitglieder erkrankt, in Altenburg sogar 81 Prozent, in Bayern 63 Prozent. Dabei zeige sich in allen Bezirken eine erschreckende Krank­heitszunahme! Etn ganz besonders schreiender Mißstand seien die Ab­züge. Ganze Hunde Kohlen würden dem Begmann nicht angerechnet, wenn der Steiger sehe, daß Steine im Hunde seien oder daß dieser nicht voll sei. Charakteristisch sei ferner die Unfallstatistik für den Bergbau. In den verschiedenen Distrikten Deutschlands sei sie weit ungünstiger, als im Auslande, speziell England. Dort sei die Unfallziffer im Fallen, bei uns in unablässigem Steigen. Redner verbreitet sich alsdann aus­führlich über die Mangelhaftigkeit der Ventilations- und sonstigen Sicher­heitsvorrichtungen und geht schließlich auf die bergrechtlichen Verhältniffe im Auslande näher ein.

Präsident v. Frege bittet den Redner, sich auf Deutschland zu beschränken.

Abg. Sachse (Soz.) fährt fort, er beabsichtige, darzulegen, wie sich in Frankreich und in Belgien die Arbeiterdelegierten bewährt hätten. Der deutsche Verein für bergbauliche Interessen wolle freilich von der­gleichen nichts reiften. Schließlich geht Redner noch auf die Knapp- schastskassenverhältnisse ein, und bemerkt, daß ein Reichsgesetz unbedingt dringend nötig sei. (Beifall bei den Sozialdemokraten)

Präsident v. Frege: Der Herr Abgeordnete hat 3 Stunden ge­sprochen, um seinen Antrag zu begründen. (Unruhe links, Glocke des Präsidenten.) Das Wort hat nunmehr der Abg. Beckh zur Begründung des Antrages Lenzmann.

Abg. Beckh (frf Vp.) führt aus, es hätten sich so viel Uebel- stände in den Verhältnissen des Bergbaubetriebes eingeschlichen, daß eine reichsgesetzliche Regelung unerläßlich sei. Er bitte um Annahme des Antrages.

Abg. Hilbek (nl.) bemerkt, seine Freunde würden gewiß einer reichsgesetzlichen Regelung zustimmen, wenn eine entsprechende Vorlage vorgelegt werde. Aber sie meinten doch, daß den Landesbehörden Rechte vorbehalten bleiben müßten. Redner sucht nun die verschiedenen Klagen des Abg. Sachse zu widerlegen und betont schließlich, daß die Antragsteller und deren Freunde immer nur die Pessimistenbrille auf- fcfttcn*

Abg. Hitze (Centr ) erinnert daran, daß eine Resolut on im Sinne der vorliegenden Anträge schon im Bürgerlichen Gesetzbuch beantragt und angenommen worden fei. Für richtig halte das Centrum, daß beim Wechsel der Arbeitsstätte der Arbeiter nicht seine Ansprüche an die Kasse verliere und so seine Freizügigkeit beeinträchtigt sehe. Schon des­halb sei eine reichsgesetzliche Regelung nötig.

Nunmehr erfolgt die Vertagung.

Morgen 1 Uhr: Fortsetzung der Beratung der Gereerbenovelle.

Schluß 5*/, Uhr. ______

Bezugspreis vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bcingcrlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

hörenden Mitglieder vom 15. auf den 12. Dezember ver­legt worden.

In der 14er-Kvmmissivn des Reichstages wurde heute die Beratung des entscheidenden § 6 des Tele­graphenwegegesetzes fortgesetzt. Es wurde eine Sub- kommission gewählt, die heute abend zusammentritt. § 8 gelangte mit unwesentlichen Aenderungen zur Annahme. Morgen Fortsetzung.

Der Präsident des Reichstags, GrafBallestrem, hat Einladungen zu einem Glase Bier auf den 12. De­zember abends in die große Wandelhalle des Reichstages ergehen lassen.

Nachdem im Bundesrate heute die letzten Teile des Etats erledigt worden sind, wird derselbe dem Reichstage sofort zugehen und voraussichtlich morgen daselbst zur Verteilung gelangen. Dem Bundesrate ging heute ein Gesetzentwurf über die KvnsulargerichtS- barkeit zu.

Der Regierungspräsident zu Potsdam, Graf Hue de Grais, soll, wie verlautet, beabsichtigen, seinen Abschied zu nehmen.

Die preußischen Feuerversicherungs-Ge­sellschaften sind, wie aus New-York telegraphiert wird, im Staate New-York wieder zugelassen.

Die Meldung derVoss. Ztg.", der Botschafter der Vereinigten .Staaten von Amerika wolle feines vorgerückten Alters wegen in den Ruhestand treten, findet derKreuzzeitung- zufolge in diplomatischen Kreisen keinen Glauben. Mr. White erfreut sich voller geistiger und körperlicher Frische.

Der kleine Kreuzer(Kormoran" wird die bisher vorgesehene Reise nach den Marschall-Inseln zunächst nicht antreten, sondern vorläufig in Samoa bleiben. Der Aufenthalt in Samoa wird voraussichtlich nicht länger wie bis Mitte Januar dauern.

Beim Reichskanzler Fürsten Hohenlohe findet heute abend aus Anlaß der Anwesenheit des fran­zösischen Staatsrates und Generaldirektors der indirekten Steuern, Delatown, und des Direktors im ftanzösischen Handelsministerium, Chandäze. ein Diner statt, zu welchem u. a. der französische Botschafter, Minister v. Miquel und die Staatssekretäre Graf v. Posadowski und Freiherr v. Thielmann Einladungen erhalten haben.

Nach hier eingetroffenen Meldungen ist der Jaguar" in Begleitung des gecharterten Dampfers Kudat" mit dem Gouverneur v. Bennigsen und einer starken Schutztruppe an Bord Mitte Oktober in Jalait (Marschall Inseln) ein getroffen. Von dort gedachte die ganze Expedition in einigen Tagen nach den (Karolinen aufzubrechen und in erster Linie die Insel Kusaie anzulaufen.

Der Reichstagsabgeordnete Adolf Jacobsen, der im Reichstage als Hospitant der Freisinnigen Volkspartei den Wahlkreis Schleswig-Eckern­förde vertritt, hat sich gevötigt gesehen heute beim Amtsgericht I in Berlin den Konkurs zu beantragen. Herr Jacobsen ist ebenso wie der in Konkurs ge­ratene Sozialdemokrat Agster, der als geisteskrank eine Nervenheilanstalt aufsucht, nicht gesonnen, sein Mandat niederzulegen. Vielfach ist die Annahme verbreitet, daß der Konkurs eines Reichstagsabgeordneten den Verlust des Mandates nach sich ziehe. Das ist aber nicht der Fall Die Verfassung bestimmt nur, daß Personen, die sich im Konkurs befinden, nicht wählbar sind; sie enthält aber keine Bestimmung, wonach das Mandat eines Abgeordneten, der erst nach der Wahl in Konkurs geriet, erlischt. Wahr­scheinlich wird sich die Geschäftsordnungs-Kommission des Reichstages mit den beiden Fällen zu beschäftigen haben.

Die Washingtoner Meldung, wonach die Regierung der Vereinigten Staaten ihre Zustimmung zu dem englisch-deutschen Vertrage über Samoa ab gelehnt haben soll, wird derNord. Ztg." als un­richtig bezeichnet. Vielmehr stimme die Unionsregierung diesem Vertrage zu, sodaß es sich nur um die Erledigung von Formalitäten handelt, die sich aus der Notwendigkeit ergeben, den formellen Ausgleich, der zwischen Deutschland, England und den Vereinigten Staaten unterzeichnete« Samoa-Akte und der zwischen Deutschland und England abgeschloffenen Konvention herbeizuführen. Sachliche Mei­nungsverschiedenheiten beständen dagegen nicht.

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unter Nr 82 « dir

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr.: Vorträge über Obstbau.

Der Obstbautechniker des Oberhessischen Obstbauvereins, Herr Metz aus Friedberg, beabsichtigt, die nachstehend^be- zeichneten Orte des Kreises Gießen zu besuchen, um Vorträge

letzten Orten werden nach Schluß der Ver­sammlung einige Aepfelbäume gratis verlost.

Den Herren Bürgermeistern resp. Obmännern der betr. Ortsgruppen gehen noch besondere Mitteilungen zu. Prak­tische Unterweisungen an den darauf folgenden Tagen von

Montag, 4.

Dienstag, 5.

Mittwoch, 6.

Donnerstag, 7.

Freitag, 8.

Samstag, 9.

Sonntag, 10.

17.

An beiden

Erscheint täglich mit Ausnahme de« Montags.

Die Gießener Mamilleuv tätter werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. November. Das Kaiserpaar verließ heute morgen kurz vor 8 Uhr Sherneß an Bord der Hvhenzvllern". Bei der Abreise von Port Viktoria über­mittelte Kaiser Wilhelm dem Obersten seines Dragoner- Regiments 300 Pfund Sterling für die Frauen und Kinder der Unteroffiziere und Mannschaften des Regiments.

DiePost" stellt fest, daß die Gerüchte, die seiterzeit von einer seitens des Offizierkorps des eng­lischen Royal-Dragoner-Regiments gegen das Bild des deutschen Kaisers begangenen un- ehrerbietigen Handlung durch dieBlätter ging, völlig unbegründet sind; es habe sich nicht das Geringste ereignet, was den Anlaß zu derartigem Gerede hätte geben können. ,

Die Sitzung der Kommission für Arbetter- statistik ist auf den Wunsch der dem Reichstage ange-

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Ausland.

Wie«, 29. November. Die Eröffnungssitzung der österreichischen Delegation wird morgen abend

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über Obstbau zu halten: Sonntag, 3. Dezember, in !

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Zur diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung ehre ich mich die Vereinsmitglieder hierdurch auf Montag den 4. Dezember d. I., vormittags 11 Uhr, in das HotelGroßherzog von Hessen" in Gießen ergebenst einzuladen. Gegenstände der Verhandlung werden sein:

Lich, Vortrag nachm. 4 Uhr. Nieder-Bessingen, abends 8 Uhr. Ober-Bessingen, Röthges, Queckborn, Hattenrod, Albach, Steinbach, Großen-Linden,