kommenden letzten Jahr des laufenden Jahrhunderts, dem Jahr 1900, wie sie dasselbe in ihren Stempeln zum Ausdruck bringen sollten. Bekanntlich sind alle diese Stempel nur auf sechs Ziffern eingerichtet: zwei für den Tag, zwei für den Monat und zwei für das betreffende Jahr, also 26. 10. 99. Wie sollte es nun bei dem kommenden Jahr 1900 gehalten werden? Blos 00, das wäre doch zu unbestimmt gewesen, und die volle Jahreszahl 1900 hinein zu setzen hätte eine Neubeschaffung fast sämtlicher Stempel nötig gemacht. Aber was half es! Die letztere Maßnahme wurde aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt und das Ministerium entschloß sich demnach zu der amtlichen Bezeichnung „00" für das Jahr 1900. Analog diesem Beschlüsse gilt dann auch für die Jahre 1901, 1902 rc. die Bezeichnung 01, 02, 03 rc. Die Ansichtspostkarten- und Briefmarkensammler werden also die zum erstenmale ein» tretende Gelegenheit wahrnehmen können, ihren Sammlungen Postsachen mit dem eigenartigen Tagesstempel 1. 1. 00 einverleiben zu können, eine Gelegenheit, die sich bei der nächsten Jahrhundertwende nicht wiederholen dürfte, da man bereits jetzt mit dem Plane umgeht, die Briefmarken überhaupt abzuschaffen.
0 Freiensteinau, 27. September. Ein heiteres Jagddstückchen muß von hier aus berichtet werden. Der Mitteilhaber einer Jagdgesellschaft schoß kürzlich auf der Jagd hier in nächster Nähe unseres Ortes drei junge Gickel, (Dorfhühner) jedenfalls in dem guten Glauben, es seien Feldhühner. Aber wie erstaunt war derselbe, als ihm der Besitzer der jungen Hähne pro Stück 50 Pfennig abverlangte, welchen Betrag von 1 Mark 50 Pfennig unser Nimrod auch nölens volens bezahlen mußte. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott natürlich auch nicht zu sorgen.
? Vom höheren Vogelsberg, 28. September. Seit drei Wochen herrscht hier arges Regenweiter. Die Sommerfrucht ist noch glücklich nach Hause gebracht worden, vor Anfang dieser Witterung, sowie auch etwas Grummet. Das noch auf den Wiesen liegende Grummet ist infolge der Witterung gänzlich verdorben und ist als Futter unbrauchbar, höchstens noch als Streumittel verwendbar. Das noch auf dem Stand besindliche Grummet wird meistens grün nach Haus gefahren und muß schließlich noch abgehütet werden, da die Zeit verstrichen ist. Die Wiesengründe gleichen vielfach einem See. Mil dem Kornsäen ist begonnen worden, und ist das Korn auch bereits mitunter zur Hälfte ausgesät. Auch mit dem Ausmachen der Kartoffeln wird schon teilweise begonnen, ebenso sind auch die Stoppeläcker teilweise gestürzt.
Büdingen, 29. September. Heute vormittag um 11 Uhr fand im Nathaussaal die Eröffnung der Obst-Ausstellung statt. Eine stattliche Versammlung, die sich aus Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bruno zu Isenburg-Büdingen, Sr. Durchlaucht dem Prinzen Alfred zu Isenburg-Büdingen, aus Mitgliedern der Hohen und höchsten Behörden, sowie aus vielen Freunden des Obstbaues zusammensetzte, hatte sich eingefunden. Der Vorsitzende des Oberhessischcn Obstbauvereins, Herr Geheimer Regierungsrat l)r. Braden sprach die Eröffnungsworte, begrüßte die Gäste und endete mit durchdringendem dreimaligen Hoch auf Se. Königliche Hoheit den Großherzog. Hierauf wurde ein Rundgang vorgenommen, geführt von dem Ausstellungskommissär, Herrn Obstbaulehrer Reichest, Friedberg. Die Herren Ministerialrat Braun, Provinzialdirektor v. Bechtold, Geheimer Negierungsrat Schönfeld, Neichstagsabgeordneter Graf Oriola, Landtagsabgeordneter Bähr und alle Anwesenden sprachen sich lobend über die so schön gelungene und so außerordentlich reich beschickte Ausstellung aus. — Die 85 Aussteller aus den Kreisen Bedingen und Schotten haben prachtvolle Früchte geliefert. Es sind alle Sorten Aepfel ausgestellt, mit Leichtigkeit ist hier der richtige Name und der Verkaufswert zu sinden. Wie viel hochwertiges Tafelobst ist in unseren Landgemeinden vorhanden, das aus Unkenntnis nur als Kelterobst verkauft wird. Die Ausstellung ist täglich von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 6 Uhr geöffnet und wird nächsten Montag nachmittag um 4 Uhr geschlossen. Der Eintrittspreis beträgt 20 Pfg. ä Person.
Q Rimbach, 28. September. Abschiedsfeier. Gestern versammelte sich im Gasthaus zum „Deutschen Kaiser" eine stattliche Anzahl Personen, Damen und Herren, zu einer großartigen Abschiedsfeier zu Ehren der Familie Bern deck; die plötzliche und ganz unerwartet eingetroffene Nachricht, daß unser allverehrter Herr Rektor — wie der Vorsitzende des Kuratoriums der hiesigen höheren Bürgerschule, Herr Bürgermeister Trautmann, ausführte —- sein derzeitiges Domizil aufgeben und, einem Rufe Großh. Staatsregierung folgend, in wenigen Tagen nach Gießen verlegen werde, habe allhier ein lebhaftes Bedauern hervorgerufen , weil Herr Dr. Bernbeck es verstanden habe, während seines Hierseins sich die Liebe uud Achtung der Bevölkerung in hohem Maße zu erwerben. Mit der Bitte, daß die Familie Bernbeck uns allen ein freundliches An» denken bewahren möge, und mit dem Wunsche, daß der sehr geehrten Familie das künftige Heim zum Segen gereichen möge, brachte der Redner ein dreifaches Hoch auf sie aus. Mit bewegten Worten stattete nun Herr Dr. Bernbeck seinen Dank ab für die herzlichen Worte der Anerkennung und des Lobes, die ihm Herr Bürgermeister Trautmann gewidmet habe. Wenn er seiner Meinung nach auch eine solche Würdigung in ihrem ganzen Umfange nicht verdient habe, so dürfe er jedenfalls doch von sich behaupten, daß er vom ersten Tage seiner hiesigen Wirksamkeit an bestrebt gewesen sei, unbekümmert um konfessionelle, politische und soziale Verschiedenheiten, es nach Möglichkeit jedermann recht zu machen. Leid und Freud sei ihm widerfahren, ersteres vor allem durch den herben Verlust seines einzigen Kindes, Freude aber durch die allseitige Anerkennung seiner Bemühungen in der Schule, sowie durch das freundschaft
liche Verhältnis zu einzelnen Familien, das ihm seinen Abschied nun unsagbar schwer mache. Er schloß mit dem schönen Worte: „Wenn Menschen auseinandergehn, so sagen sie: Auf Wiedersehn!" indem er sein Glas leerte auf das Wohl der ihm für alle Zeiten ans Herz gewachsenen Gemeinde Rimbach. Daß ihm der Versuch, es jedem recht zu machen, Freundschaft und Kollegialität zu pflegen, in der Thal gelungen, bewies die ernste Stimmung, die sich der ganzen Gesellschaft bemächtigt hatte, und nicht minder die spätere Rede des Herrn Lehrer Schwarz von der höheren Bürgerschule. — Möge Herr Dr. Bernbeck auch in seinem neuen Wirkungskreise dieselbe Anerkennung, die Familie Bernbeck in ihrem neuen Heim dieselbe Freundschaft finden!
Mainz, 29. September. Ein abgefaßter Einbrecher. Vorgestern sah ein auf der Schillerstraße wohnender Theereisender in einer Wirtschaft der Hinteren Bleiche mit an, als der Wirt 1000 Mark in eine Schatulle hineinzählte und die letztere sodann in seine im ersten Stock liegende Wohnung trug. Als der Wirt gestern nachmittag nach seinem Gelbe sehen wollte, war die Schatulle mit samt dem Inhalt aus der verschlossenen Kommode gestohlen. Er machte sofort auf dem vierten Polizeibezirke Anzeige von dem Diebstahle und lenkte den Verdacht auf den Reisenden, welcher als alleiniger Gast vorgestern mit angesehen habe, wie er das Geld in die Schatulle gezählt habe. Der Schutzmann Boos begab sich in die Wohnung des Reisenden und traf diesen gerade, als er sich fortbegeben wollte. Der Reisende geriet sofort in Verlegenheit, als ihm von dem Schutzmann gesagt wurde, er müsse mit auf den Bezirk. Dort angekommen, sagte ihm der Schutzmann auf den Kopf zu, daß er das Geld gestohlen habe, und er möge es sofort herausgeben. Der Reisende gestand auch sofort, daß er sich Nachschlüffel zurecht gefeilt, die Wohnung des Wirtes damit aufgeschlossen, ebenso die Kommode und daraus die Schatulle mit dem Gelde gestohlen habe. Von dem Gelde hatte er auf dem Postamt des Bischofsplatzes 900 Mark nach Hamburg gesandt, sein Koffer war schon gepackt, er wollte gestern noch nach Hamburg abreisen, das Geld auf der Post dort erheben und nach Amerika abdampfen. 100 Mark hatte der Einbrecher noch in seiner Tasche, die gestohlene Schatulle sand sich in seinem Koffer vor. — Dem „M. A.", dem wir die. Nachricht entnehmen, wird hierzu noch gemeldet: Der fein gekleidete Geschäftsreisende heißt Johannes Samsz, ist 1869 in Rothenkirchen (Kreis Köln) geboren, reift für eine Frankfurter Firma und hat seit etwa sechs Wochen hier sein Domicil aufgeschlagen. — Betr. die Schloßkasernenangelegenheit erfährt dasselbe Blatt von zuverlässiger Seite, daß bereits einige Zeit vor der Anwesenheit des Kaisers hier in Mainz, Herr Architekt Eonrad Sutter, der Vater der Idee, ein Immediatgesuch an den Kaiser gerichtet hat, um seine künstlerischen Vorschläge gefördert zu sehen. Den seither nicht bekannt gewordenen Schritt haben wir durch einen Zufall erfahren. Conrad Sutter hat, wie der Erfolg zeigt, mit seinen Plänen zur Umgestaltung des kurfürstlichen Schlosses und zur Entfernung der Schloßkaserne, der Stadt Mainz einen hervorragenden Dienst erwiesen. Die Zukunft wird erst die Weitsichtigkeit dieser Planungen im vollsten Lichte erscheinen lassen.
Laubenheim, 28. September. Der Vertreter eines auswärtigen Elektrizitätswerks ist hier thätig, um Anschlüsse für ein zu errichtendes Elektrizitätswerk zu sammeln. Das Werk soll nicht allein für Laubenheim, sondern auch für einige Nachbargemeinden, sobald hinreichende Anschlüsse gemeldet sind, errichtet werden. Ferner besteht die Absicht, auch die elektrische Straßenbeleuchtung in allen angeschlossenen Gemeinden zur Ausführung zu bringen.
= Frankfurt a. M., 29. September. Mit dem Ablauf des Sommerhalbjahres beendigte die Werkmeister schule für das Maschinenwesen zu Frankfurt a. M., die in den Räumen der dortigen städtischen gewerblichen Fortbildungsschule untergebracht ist, ihren ersten JahreSkursuS. Die Prüfung der 3 Absolventen erfolgte vor einer Kommission, in welcher der Stadtschulrat den Vorsitz führte. 2 Abgehende erhielten das Gesamturteil „Gut", einer „Befriedigend". AuS der Bedeutung, die den Werkmeistern in der Kette der gewerblichen Arbeiter allseitig zuerkannt wird, ergibt sich auch die Notwendigkeit der Vermehrung solcher Bildungsanstalten. Mit der Förderung deutscher Technik gibt sie zugleich dem einzelnen die Möglichkeit zur Hebung seiner sozialen Stellung. Am 10. Oktober er. soll nun, wie durch ein Inserat bekannt gegeben wird, genannte Anstalt ihren 2 Semester währenden Unterricht von neuem beginnen. Sowohl in den einzelnen Stufen als auch in dem Endziel liegt dem Lehrplan der Unterrichtsstoff zu gründe, welcher vom Verein deutscher Ingenieure ausgewählt worden ist. Zur Aufnahme berechtigt eine gute Volksschulbildung und eine entsprechende 6jährige praktische Thätigkeit. Jedoch soll in diesem Jahre der letzte Punkt insofern eine versuchsweise Aenderung erfahren, als auch Schüler mit einer 4jährigen Praxis ausgenommen werden können.
Wiesbaden, 28. September. Fräulein Pauline von Scherfs ist heute morgen im Alter von 81 Jahren gestorben. Fräulein v. Scherff, welche seit vielen Jahren in Wiesbaden wohnt, war bekannt durch die Freundschaft, mit welcher Kaiser Wilhelm I. sic auSzeichnete. So oft der Kaiser nach Wiesbaden kam, nie versäumte er, der alten Dame seinen Besuch zu machen. Weniger bekannt dürfte es sein, daß Fräulein v. Scherff im Auftrage des alten Kaisers viele WohlthätigkeitshaNdlungen ausführte. Fräulein v. Scherff, eine Schwester des bekannten Generals und Militärschriftstellers v. Scherff, war in der hiesigen Gesellschaft eine gern gesehene, sehr beliebte Persönlichkeit.
Kirche und Schule.
Hamburg, 29. September. Der 20. deutsche Protesiantcn- tag beschloß folgende Resolution über die protestantische Bewegung in Oesterreich: Mitten in schweren nationalen Kämpfen hat sich unter den Deutschen Oesterreichs eine religiöse Bewegung erhoben, die in der evangelischen Kirche Befriedigung sucht. In Uebercinftimmung mit vielen anderen kirchlichen Gruppen und Richtungen begrüßt auch der 20. deutsche Protestantentag herzlich diese höchst beachtenswerte Bk. wegung und fordert die Gesinnungsgenoffen auf, den dezilschcn Protestanten Oesterreichs in dieser ernsten Zeil im Anschluß an den von Sllperinteudcnt Meyer-Zwickau geleiteten Hilfsausschuß thatkräfnge Teilnahme deutsch- evangelischer Bruderliebe zu erweisen.
Weimar, 29. September. Heute mittag erfolgte die Einweihung der neuerbauten englische Kirche. Der Großherzog traf zur Teilnahme von der Wartburg hier ein und begab sich nach der Kirche, an deren Eingang er von dein englischen Geistlichen R-*v. Walter, dem Vorsteher der englischen Kolonie Wyon und dem Konsul Moore empfangen wurde. Außer dem KulluSchef v. Pawel war als Vertreter der evangel. Geistlichkeit Kirchenrat und Generalsuperintendent Spinner erschienen.
Berlin, 29. Sept. Der anerkannt bedeilteiidste evangelische Missionar iv China, Ör. tbeol. Ernst Faber, ist am 26. September in Tsintau (Kiaut schon) gestorben. Er war ein ausgezeichneter Kenner der chinesischen ßitleratur und hat viele chinesische Bücher zur Ausbreitung des Christentums geschrieben. Seit 1865 in China thätig, stand er seit 1885 im Dienste des Allgemeinen Evangelisch-protestantischen Misfions- Vereins. Sein Tod ist ein schwerer Verlust nicht nur für den Verein und fein Werk, sondern auch für unsere deutsche Kolonie in China.
Bremen, 29. September. Die Eröffnung der 48. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner gewann, wie wir ergänzend noch nachtragen »vollen, einen eigentümlichen Reiz durch die musikalische Beigabe unter Leitung des Professors Kießling, glatte schon der meisterhaft gesungene Beethoven'sche Chorgesang die Herzen feierlich gestimmt, so ergriffen die drei altgriechischen Ton stücke noch mehr, nicht nur durch den musikalischen hohen Genuß, sondern vor aQem durch die für diese Versammlung so überaus wertvolle getreue Wiedergabe altklassischer Musik. Während es bis vor kurzein an gesicherten Proben altgriechischer Tonkunst fast gänzlich fehlte, hat ein glückliches Zusammentreffen innerhalb weniger Jahr mehrere wertvolle Funde beschert. 1883 veröffentlichte Ramsay das in Kleinasien auf einer kleinen Marmorsäule entdeckte Lied des Seikilos, ungefähr zur selben Zeit sand Wisseley in der Papyrus- fammhtng des Erzherzogs Rainer ein euripideischeS Chorfragmenl ans Orestes, und zehn Jahre später förderten in Delphi die von der französischen Akademie veranstalteten Ausgrabungen mehrere Steintafeln zu Tage, die als bedeutsamste Ausbeute einen an Apollo gerichteten Weihegesang der Athener darboten. Auf allen drei Urkunden nun findet sich neben dem Text auch eine znm Teil wohlerhaltene Notenschrift. Das Bruchstück des Euripides enthält außer den Singnoten eine Anzahl von Jnstrumentalzeichen. Während bei diesen die Deutung sehr zweifelhaft bleibt, bereitet bie Uebertragung der ersteren wenig Schwierigkeiten; doch macht die lückenhafte llebcrlieferung manche Ergänzungen notwendig. Die anderen Stucke haben im wesentlichen nur Singnoten. Beim ©eifilodlieb bars bas Verständnis als völlig gesichert bezeichnet werden, wie es denn auch ein unverstümmeltes Ganzes bildet. Vom Apollo- Hymnus, der sich nicht ganz wiederherstellen läßt, war ungefähr bie zweite Hälfte roiebergegeben. Diese drei Gesänge, von A. Thier- feldcr bearbeitet, wurden in der eröffnenden Versammlung zu Gehör gebracht und gaben eine volle Vorstellung von der altgriechischen Musik und ihrer Wirkung. Nur von der Harfe, die die Kithara ersetzt, und einem Holzblasinstrument begleitet, ergriffen sie durch die wunderbare Klangwirkung, die durch die Einfachheit der Komposition nur noch gehoben werden konnte. Tief erschütternd erklang aus dem Chorgesang des Orestes zu dem Chor die prachtvolle Sopraustimine des Fräulein Bethge, der Tochter eines Bremer Arztes, die in bereitwilligster Weise diese schwierige Partie übernommen hatte; das kurze Epigram- matikon des Seikilos fesselte nicht minder, und einen wahren Sturm der Begeisterung rief der Hymnus an Apollo hervor, der noch einmal wiederholt werden mußte. Sßeginnenb mit bem Vollchor, bann übergehend in den weihevollen Gesang weniger Stimmen, erschallt er am Schluffe wieder mit der vollen Wucht der Töne, und seine letzten Worte: Hell erklingt Flötenschall zum buntverzierten Lied gespielt golbncr Leier Saitenklang hallet, süß tönenb zu bem Lobgesaug. Aber bes Festes ganze Schar, attischen Stammes, betet an! riesen gewissermaßen bie Versammlung zur weihevollen Arbeit beS Geistes unb ber Wissenschaft in ben nächsten Tagen auf. Die Leitung ber Bremer Versammlung hat sich mit ber Darbietung bieser altgriechischen Tonstücke ein wahres Verdienst erworben.
Universitüts Nachrichten.
— Darmstadt, 29. September. Von ber Technischen Hochschul e. Die von der Abteilung für Architektur gestellte Preisaufgabe: „Aufnahme von gemauerten Ortsbefestigungen im Großherzogtum Hessen" wurde von ben Herren August Buxbaum, biplom. Architekt aus Langen-Brombach, stuck. Wilhelm Schwarz aus Ploen, stud. August Walbner aus Wasselnheim unb stuck. Albert Rein - Heimer aus Gebern bearbeitet. Die Arbeiten ber Herren Buxbaum unb Schwarz würben mit je einem Preise von 80 Mk. prämiiert. Herr Walbner erhielt einen Preis von 7u Mk. Sämtliche Arbeiten sollen als Ersatz für bie zu ben Prüfungen einzureichende Ausnahme gerechnet werben. Die von ber Abteilung für Jngenieurwes en gestellte Preisaufgabe: „Errichtung eines Wasserwerks in einer Stabt von 60,000 Einwohnern" würbe durch ben ©tubierenben Herrn Heinrich Ramsp eck aus Groß Gerau gelöst unb bemselben als Anerkennung für bie eingereichte Arbeit ein Betrag von 50 Mk. zuerteilt.
— Bonn. Der Abgang von ©tubierenben am Schluffe bes abgelaufenen Sommersemesters belief sich bis zum 25. September auf 541 (15 katholische Theologen, 41 evangelische Theologen, 222 Juristen, 126 Mebiziner, 137 Philosophen). Für ben Winter roirb auf einen Bestaub von 1900 ©tubierenben zu rechnen sein (im Sonimer betrug deren Zahl 2148). Die drei letzten Doktor-Promotronen vom vergangenen Semester verdienen insofern besondere Berücksichtigung, als zwei der neuen Doktoren Ausländer (1 Japaner und 1 Amerikaner) waren, unb ber britte sich als Spezialfach bie Musik erwählt hatte. Der Japaner, Kumetaro Sasao aus Shimonoseki in ber Provinz Yamaguchi, hatte, nachbem er in ben Lehranstalten Yamaguchi-Kotogakko in Yamaguchi unb Meizi Gukuin zu Tokio feine Vordilbung erhalten, zunächst am Auburn Theological Seminary zu Auburn theologische Stubien betrieben unb sich bann an der Columbia University sowie an den Universitäten Berlin, Halle und Bonn vorzugsweise der Philosophie zugewandt. Seine Differtation behandelte „accurate et acute“ das Thema: Prolegomena zur Bestimmung des Gottesbegriffes bei Kant. Das Rigorosum bestand er mit dem Prädikat magna cum laude. Mit nicht geringem Erfolge hatte Ross Granville Harrison aus Baltimore in Bonn sich ber Heilkunbe geroibmet. Mit guten Vorkenntnissen ungerüstet, hatte er nur ein Semester an ber Rheinischen Universität gebraucht, um mit summa cum laude ben beutschen Doktorhut zu erwerben. Fritz Volbach aus Wipperfürth bürste ber erste Doktor ber Tonkunst an ber Rheinischen Hochschule sein Nachbem er bem Stubium ber klassischen Philologie unb ber Jurisprubenz ben Rücken gewanbt, besuchte et das akademische Institut für Kirchenmusik in Berlin und war zugleich Zögling der Meisterschule für Komposition daselbst. Rach Professor Commers Tode wurde er als Lehrer für Musikgeschichte und gregorianischen Gesang an das erstgenannte Institut berufen und trat zugleich al« Komponist und Dirigent vor die Oeffentlichkeit Seit 1891 leitet et den Oratorienverein Mainzer Liedertafel und den Damengesangverein in Mainz Die Differtation des neuen Musikdoktors handelt von der „Praxi« der Händel-Aufführung".
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