Hig.
8
^066
Ht. 231 Fünftes Blatt.
Sonntag den 1 October
1S9£
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
rnrrtfijährlid) 2 Mark 20 P«, monatlich 75
mit Vringerlvd»
Hei Postbezug 2 Mark 50 P', nitrtf(i8brli4
ISc »njtnzen.Vermrttlun,«stellen fct» In- nnl
Bfbm<n ÄnjHgen für den «'«jener Anzeiger ent,^»-
tA»n4
crt Infiu^er bei
84« ««jener
»•fbm itm Snzeizer
vierwal
idpSeft
« x n e k» r mr Anzeigen zu der nachmMags für Hb evtyevien Iq «rNjeinenben 9hnnmtr bis vor». 16 Uhr
Anrts- und Anzeigeblatt für den Tlveis Gieszen.
■tbehUn, Expedition und Druckerei:
Ach,kstr«tze Nr. 7.
Gratisbeilagen: Gießener FamilienblSttrr, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.
Adresse für Depeschen: Anzeiger $U|r* Fernsprecher Nr. 5L
Vermischtes.
* Berlin, 29. September. Bei der hiesigen Getreide- und Bankfirma A. A sch er hat ein Angestellter Namens Zerkowski Unterschlagungen verübt. Der Defraudant ist flüchtig. Die Höhe der Unterschlagungen wurde nach dem „Berl. Tagebl." an der Börse auf 30 bis 40 000 Mk. geschätzt und sollen durch Verluste an der Fondsbörse verursacht sein.
* Breslau, 29. September. Gutsbesitzer Titze in Schmolitz, Kreis Neisse, verletzte im Wahnsinn seine Gattin durch zwei Schrotschüsse lebensgefährlich, worauf er sich durch einen Schuß in den Mund selbst tötete.
* Kempten, 29. September. JustizratBöhm (Augsburg) ist heute in Oberstaufen gestorben.
* Köln, 29. September. An der Unglücksstätte in der Wolfs st raße wurde heute mittag die Leiche des Stuckaturers Bodenbach zutage gefördert. Der anwesende Arzt Dr. Schmitz gab seine Meinung dahin ab, daß der Tod durch Ersticken eingetreten sei, auch zeigten sich schwere Schädelverletzungen. Die Räumungsarbeiten werden eifrig fortgesetzt, und man hofft, im Laufe des Tages die beiden letzten Verschütteten bergen zu können. Der Minister des Innern hat telegraphisch Bericht über den Unglücksfall eingefordert. — Der HauSeinsturz bildete in der gestern abend ftattgehabten Stadtverordnetensitzung den Gegenstand lebhafter Diskussionen, wobei von den verschiedensten Seiten die Ergreifung entschiedener Maßnahmen gefordert wurde, um eine Wiederholung solcher Katastrophen unmöglich zu machen. Polizeibaurat Rückert konstatierte, daß bei diesem Bau Verstöße gegen die Regeln der Baukunst in nicht unerheblichem Maße vorgekommen seien, und zwar solche, die bei der polizeilichen Prüfung und Abnahme nicht zu erkennen waren. Nach dem Plane mußte eine neue Mauer aufgeführt werden. Der Bauleiter benutzte indessen eine alte Mauer, verklebte diese um einen halben Stein, um die Mauer auf die richtige Stärke zu bringen. Der Stadtrat wählte eine viergliedrige Kommission zwecks eingehender Untersuchung. In den von dem Unglück betroffenen Familien herrscht große Not, weshalb bereits allgemein die Mildthätigkeit einsetzt.
* Heidelberg, 28. September. Kaum ist der Fall des jetzt emeritierten Gymnasialdirektors Dr. Uhlig ein wenig in den Hintergrund getreten, so verlautet nach der „Fft. Ztg." als ein sicher verbürgtes Faktum, daß gegen den Lehrer am hiesigen Gymnasium und zugleich Privatdozent an der Universität Dr. Baumstark die Beschuldigung erhoben worden ist, wiederholt einem Bäckerburschen bei dessen Rundgange in der Morgenfrühe aufgelauert und ihm unzüchtige Handlungen angesonnen zu haben. Dr. Baumstark hat bereits, nachdem- sein Benehmeu Gegenstand der polizeilichen Untersuchung war, Heidelberg verlassen.
* Mannheim, 29. September. Heute wurde der Restaurateur Benkler wegen Kindesmordes verhaftet. Er hat das neugeborene Kind seiner Stieftochter getödtet. Benkler ist selbst der Vater des Kindes.
* Sondershausen, 29. September. Der frühere Bürgermeister und jetzige Postvorsteher Sickel in Schernberg wurde unter dem Verdachte großer Wechselfälschungen verhaftet.
* Gehren (Thüringen), 29. September. Bei dem Langenwiesener Bahnübergang verunglückten fünf in einer Lowry zur Arbeitsstelle fahrende Bahnarbeiter dadurch, daß die Lowry entgleiste. Zwei Arbeiter wurden überfahren und tödtlich verletzt, die drei übrigen schwer verwundet.
* Löwenberg (Schlesien), 29. September. Bei einem Kaufmann kaufte der Friseurgehilfe Hoffmann Munition für ein Teschin. Beim Probieren der Patronen entlud sich die Waffe; die Kugel drang dem zufällig im Geschäftslokal anwesenden Ofensetzmeister Sämann in den Kopf. Sämann starb bald darauf. Der Thäter stellte sich selbst der Behörde.
* M. Gladbach, 29. September. DaS neue mit einem Kostenaufwand von rund 200000 Mk. erbaute evangelische Krankenhaus wurde heute mittag festlich ein-
ar ins.
feg mb mäfeige greife, rter Weise jufneiwt ju n stehen mir zur Seite
tugesW
7054
v. 0.
bet//-
V <**
»ME MiiMs •
Stein*®8
% 4 W’ 7011 ÄST ckkiiht. .
LÄ. N&
Knaöen-KüWn, iüdefdk», Acker- möge eii’« 7058 Fangmann-...
A Qualität« füc Dam«. He-re»
V eingettoffen.
A. Fangmami
Lokales und Provinzielles.
Hungen, 30. September. Obschon die Ziehung der gelegentlich der Landwirtschaftlichen Ausstellung veranstalteten Lotterie am 18. l. MtS. stattgefunden und die Ziehungslisten bereits längst veröffentlicht sind, stehen noch eine ganze Anzahl Gewinne, die nicht abgeholt sind. Darunter befindet sich ein auf Nr. 1845 entfallener bedeutender Gewinn.
Darmstadt, 29. September. Beisetzung — Silberhochzeit. Ein großes und ansehnliches Trauergefolge war es, das gestern nachmittag 3 Uhr auf dem städtischen Friedhöfe die freue Lebensgefährtin des Herrn Prälaten D. Habicht zu Grabe geleitete, die ihm nach fast fünfzigjähriger Ehe durch den unerbittlichen Tod nach schwerem Leiden entrissen wurde. Wir bemerkten unter den Leidtragenden u. a. Ihre Exc. die Herren Staatsminister a. D. Dr. Finger, Wirkl. Geheimerat D. Goldmann und Justizminister Dr. Dittmar, sowie zahlreiche Räte der Ministerien und andere hohe Beamte. Die Mitglieder und Beamten deS Oberkonsiftoriums waren, mit Herrn Präsidenten Buchner an der Spitze, in corpore erschienen, ebenso fast vollzählig die evangelische Geistlichkeit von Darmstadt und Umgegend; auch eine Reihe hessischer Dekane, namentlich ans Oberhessen, sowie mehrere Professoren aus Friedberg waren zu dem Leichenbegängnis herbeigeeilt. Die ergreifende Grabrede hielt Herr Pfarrer Dingeldey über den Text. Jes. 64, 4: „Ich will euch tragen bis ins Alter." — Unter herzlichster Anteilnahme weiter Verwandten- und Bekanntenkreise begingen heute, wie die „N. H. V." melden, Herr Oberkonsistorialrat D. Walz und Frau das schöne Fest der Silbernen Hochzeit.
* Darmstadt, 29. September. Gestern nachmittag fand im oberen Saale der „Vereinigten Gesellschaft" in Gegenwart der hohen Präsidentin des Vereins, der Prinzessin Ludwig von Battenberg die ordentliche General-Versammlung des A li ce - Frauen - Vereins für Krankenpflege im Großherzogtum Hessen statt. Im Namen der Präsidentin wurde dieselbe von Herrn Geheimerat El g e nro d t eröffnet, welcher alsbald den Hauptbericht über die beiden letzten Berichtsjahre verlas. In seinem wird als ein besonders erfreuliches Ereignis die Erbauung des Pflegerinnenheims bezeichnet, das den Verein in den Stand setzen wird, die Zahl der Pflegeschwestern zu erhöhen. Der Bericht gedachte mit Ausdruck des Schmerzes des Hinscheidens dreier höchst verdienstvoller Mitglieder, des Oberrechnungsrates Dr. v. Wedekind, der Frau Kommerzienrat Merck und der langjährigen Vizepräsidentin, Frau Geheimerat Strecker, an bereit Stelle Frau Staatsminister Rothe getreten ist, und sprach allen Freunden und Gönnern des Vereins für die zuteil gewordene Unterstützung Dank aus. — Der Schatzmeister Herr Steuerrat Dr. Lauer erstattete, wie der „D. A." berichtet, die Rechnungsablage. Im Jahre 1897 betrugen die Einnahmen und Ausgaben 101,343 Mk. bezw. 104,136 Mk. ks wurde für Krankenpflege verausgabt: in den beiden Berichtsjahren 30,917 Mk. bezw. 31,649 Mk., denen an Einnahmen gegenüberstehen 20,464 Mk. bezw. 22,281 Mk., sodaß eine Mehrausgabe von zusammen 19,821 Mk. verbleibt. — Nach dem von Herrn Regierungsrat Best verlesenen Bericht der Vorsteherin des Alicehospitals und der Pflegerinnenschule blieben am Schluß des Jahres 1898 61 Schwestern und 16 Lehrpflegerinnen. Die Thätigkeit der Schwestern erstreckte sich auf alle Stationen außer Mainz und Friedberg; im Alicehospital wurden im Jahre 1898 846 kranke verpflegt. Die „Krippe" verpflegte 1897 42 und 1898 44 Kinder. Nach Verlesung des Berichts wurden vvn der Präsidentin 11 Schwestern die Anstellungsdiplome überrecht. — Sodann verlas der Schriftführer Herr Regierungsrat Lest noch eine Reihe von Berichten der Zweigvereine des -licefrauenvereins für Krankenpflege. Im ganzen ist eine Zunahme von Zweigvereinen zu konstatieren. — Den Be- ncht des Komitees für Waisenpflege verlas Herr Kreisrat i- P. v. Zangen. 21 Kinder wurden seitens der Bürgermeisterei in ländliche Pflege untergebracht; unter Pflege {tauben im ganzen 120 Kinder, 66 Waise und 44 in städtischer Pflege. — Herr Regierungsrat v. Hahn verlas dei, Bericht des freiwilligen Erziehungsbeirats für schulent- lvffene Waisen zu Darmstadt. D. A.
Fulda, 29. September. Hier fand ein Aufsehen er- ngmder Mord statt, indem ein 18jähr;ger Mensch, namens Lunkard, einen 19jährigen jungen Mann, namens Levi, auf offener Straße ohne jede Veranlaffung erstach.
Cronberg, 29. September. Die Kaiserin Friedrich wird sich morgen von Schloß FriedrichShof aus nach Wiesbaden begeben, um dem gegenwärtig dort anwesenden Großfürsten Konstantin von Rußland einen Besuch abzustatten. Im Anschluß hieran beteiligt sich die Kaiserin an einem Diner der morgen in Wiesbaden tagenden Versammlung der Delegierten des „Verbandes deutscher Krankenpflegeanstalten vom Roten Kreuz" und wird sodann der Nach mittagssitzung der Versammlung im Kasino beiwohnen.
geweiht. Der Plan ist von dem hiesigen Architekten Herrmann entworfen und ausgeführt worden. Das Haus entspricht allen modernen Anforderungen der Hygienie.
* Bremen, 29. September. Als Ort der 4 6. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner wurde Straßburg gewählt, gg
Stuttgart, 29. September. Gestern wurde in Anwesenheit des Königs, des Ministerpräsidenten Mittnacht und des Staatsrats Balz die Bahn von Kirchheim nach Oberlenningen feierlich eröffnet. Der König wurde auf allen Stationen von der Bevölkerung mit stürmischen Hochrufen begrüßt.
* Rosenheim, 27. September. Eine edle That während der Schreckenstage. Infolge der Waffer- katastrophe am Mittwoch, dem 13. September war auch die städtische Badeanstalt in Rosenheim sehr schwer betroffen worden und mußten die Bewohner des rings vom reißenden Wasser umgebenen Hauses die unteren Räumlichkeiten ausräumen. Diese waren mittels Kahn auch außerhalb beschäftigt, um bereits fortschwimmende Gegenstände noch zu retten. Der verheiratete Schwimmmeister Herr Winter und der Zimmerherr hatten eben in einem Kahn verschiedene Möbelstücke aufgefischt. Als die beiden Männer um die Ecke des Hauses biegen wollten, kippte der Kahn um und die Jnsaffen stürzten in den schon vier Meter tiefen, reißenden Fluß. Der Zimmerherr war des Schwimmens unkundig und klammerte sich an den Hals des Schwimmmeisters Winter an, wodurch beide in höchster Lebensgefahr sich befanden. Auf die Hilferufe der beiden Männer sprang die 19 jährige Tochter des Schwimmmeisters, Frl. Anna Winter in den Fluß und schwamm den Bedrängten zu Hilfe. Die beherzte Tochter des Schwimmmeisters rettete mit höchster Anstrengung und eigener Lebensgefahr zuerst den Vater. Als der Vater gerettet war, benützte sie schnell einen Kahn, den ihre Mutter losgemacht hatte und fuhr zur Rettung des zweiten 93er» unglückten, der inzwischen sich an einem Pfosten anklammerte und gerade noch in das Schiff gebracht werden konnte, als der Pfosten vom Hochwasser fortgeriffen wurde. Durch die schnelle mutvolle Entschlossenheit rettete das junge Mädchen zwei Menschenleben und gebührt demselben für die mutvolle, energische und ebenso beherzte That der Rettung die rückhaltloseste öffentliche Anerkennung und Belobung.
* Zürich, 29. September. In einem hiesigen Hotel ersten Ranges wurden einer daselbst logierenden Dame Pretiosen im Werte von ca. 10000Franken entwendet. Von der Thäterschaft hat man noch keine Spur.
Wer und Marine.
Der neueste, soeben erschienene Band von„Moltkes Militärischen Werken", die der Große Generalstab herauSgiebt, enthält die „Kritischen Aussätze zur Geschichte der Feldzüge von 1809, 1859, 1864, 1866 und 1870/71". Er beginnt mit dem Aufsatze über den „Feldzug 1809 in Bayern", den Moltke im Jahre 1859 verfaßte. Sein damaliges Urteil über den Feldzug 1809 und insbesondere über die Anordnungen der beiderseitigen Führer, des Erzherzogs Karl imd Napoleons, hat sich auch nach den neuesten Veröffentlichungen als durchaus zutreffend erwiesen. An zweiter Stelle folgt der Aufsatz über die „Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859", der, kurze Zeit nach Beendigung des Feldzuges am 15. Juli 1859 nicdergeschrieben, bezeugt, ein wie richtiges Bild sich Molke bereits damals von dem Verlaufe der Schlacht machte. Besondere Beachtung verdient die „Kurze Ueberficht des Feldzuges 1864 gegen Dänemark", die er am 12. Januar 1875 dem Kriegsarchiv des Generalstabes als „Anhalt für die amtliche Geschichtschreibung" überweisen ließ und in der ersten Hälfte des Jahres 1881 nochmals durchsah. Die weiter mitgeteilten „Betrachtungen über das Gefecht von Trautenau am 27. Juni 1866 und über die Kämpfe des V. Armeekorps bei Nachod, Skalitz und Schweinschädel vom 27. bis 29. Juni 1866" enthalten die Darstellung der Gefechte in großen Zügen. Die Bedeutung der den Band beschließenden „Kurzen Darstellung der Ereignisse vom 15. Juli bis 17. August 1870", die teilweise wörtlich für den Text des Gencral- stabswerkes benutzt wurde, beruht im wesentlichen darin, daß sie den besten Einblick gewährt, wie der Feldmarschall selbst die Berhältnisie im großen und die Bedeutung der Einzelhandlungen in ihnen unter dem noch frischen und unmittelbaren Eindruck des Erlebten und Empfundenen aufsaßte und beurteilte. Daneben sind die mehrfachen AnsichtSäußcrungcn über operative und taktische Verhältnisse mit Rücksicht auf die Stelle, von der sic ausgehen, von hoher Bedeutung, wie z. B. die Aeußerungen über die Aufgaben der drei Armeen, die Verwendung der Kavallerie, den Führereinfluß in der Schlacht, die Zusammensetzung des Großen Hauptquartiers. 4 Uebersichtskarten, 5 Pläne, 9 Skizzen und 2 Hand- Zeichnungen Moltkes, getreu nach den Originalen mit den Handschrift- lichen Bemerkungen des Feldmarschalls nachgebildet, bereichern den Band.
Wer erkrankt ist, der muß vieles entbehren, was er in gesunden Tagen mit Vorliebe genossen hat. Dazu gehört z. B. auch der Bohnenkaffee. Nun besitzen wir aber in Kathreiners Malzkaffee ein wertvolles diätetisches Ersatzgetränk von hohem Wohlgeschmack, dessen Genuß der Arzt auch dem Patienten erlauben kann. Kathreiners Malz- kaffee ist nach patentiertem Verfahren mit Geschmack und Aroma des Bohnenkaffees versehen, dessen aufregende Eigenschaften er aber nicht besitzt. Hervorragende Hygieniker und Aerzte haben den gesundheitlichen Wert von Kathreiners Malzkaffee in lobenden Urteilen anerkannt und ihn als Kaffee-Ersatz, wie Kaffee-Zusatz angelegentlich empfohlen.


