700jährige Bestehen des Hauses Wittelsbach durch den Freigerichter Bund aufgerichtet wurde.
Von der Zinne des Turmes genießt der Wanderer einen großartigen Rundblick. Zu unseren Füßen das lachende Mainthal mit dem glänzenden Strom und seinen zahlreichen Dörfern und Städtchen, dort winken in der Nähe die sieben Türme von Seligenstadt herüber, und südwestlich erheben sich in blauer Ferne die Berge des Odenwaldes, von denen der Otsberg bei Groß-Umstadt am deutlichsten sichtbar ist. Im Sonnenglanze sind im Westen Hanau und Frankfurt zu erkennen, die Taunusberge aber haben sich in weiße Schleier gehüllt und zeigen sich nur in schwachen Umrissen, dafür sind im Norden die Berge des Vogelsbergs und der Rhön um so besser sichtbar. Unser Blick weilt lange auf dem am Fuße des Hahnenkamms sich hinziehenden Kahlgrunde mit seinen zahlreichen Mühlen und Ortschaften, und wendet sich dann ostwärts nach den waldbedeckten Höhen des Hochspesiarts, wo da und dort ein Dörfchen oder ein Kirchlein aus dem Waldesgrün hervorschaut.
Man muß dies schöne Landschaftsbild immer und immer wieder anschauen, und so ungern man von hier oben scheidet, wo frei die Lüfte wehen, so müssen wir doch an den Abstieg denken, da der Tag sich inzwischen geneigt hat, und wir wählen deshalb den bequemen Weg nach dem Markt- flecken Alzenau, den man in einer guten halben Stunde erreicht. Hier rauscht die reißende Kahl zwischen den Gärten und Häusern des Ortes hindurch, die alte Burg Alzenau blickt finster ins Thal hinab, und in den Weiden und Pappeln am Uferrand flüstert der Abendwind.
Mit einem Maß Bayrisch endigen wie die heutige Wandernng.
* Madame Limousin. Aus Paris schreibt man: Im hiesigen Hospital de la Pitiä ist am 21. September vergessen und verkommen eine Abenteuerin gestorben, deren Namen vor 12 Jahren in aller Mund war: Madeleine Limousin oder Limouzin. Damals begann die Reihe der Skandale, die seitdem nicht aufgehört haben, Frankreichs öffentliches Leben zu vergiften und seinen Ruf im Auslande zu kompromittieren: Der Ordensschwindel, die Panama- Affaire, der Boulangismus, die Dreyfusgeschichte. General Gallifet hat das Wort ausgesprochen, der „Zwischenfall" sei erledigt. „Zwischenfall" ist ein recht euphemistischer Ausdruck für den Skandal, der Jahre lang die Welt beschäftigt hat. Aber möge er Recht behalten, möge die Dreyfus-Affaire und mit ihr die ganze Serie entehrender „Zwischenfälle" abgeschlossen sein, denn viele solcher Krisen kann Frankreich nicht mehr überstehen. Die Limousin war die Seele des Ordensschwindels, in welchen der General Caffarel und der Schwiegersohn des Präsidenten der Republik, Wilson, verwickelt waren, und der Grevys Sturz herbeiführte. In der Avenue Wagram unterhielt eine verwachsene, nicht mehr junge, vermögenslose Frau, die von ihrem Manne geschieden war, einen Salon schlimmster Art. Nichts an ihr war bemerkenswert, als ihre Prozeßsucht, ihre Neigung und ihre Befähigung zur Jntrigue. Trotzdem gelang es ihr, einflußreiche Leute, Senatoren, Deputierte, Militärs an sich zu locken, und vermöge dieser Verbindungen neben ihrem eigentlichen Gewerbe bald einen gewinnbringenden Handel mit Bändern der Ehrenlegion und anderen Auszeichnungen einzurichten. Die Affaire des Brigade-Generals Caffarel, der wegen Ehrlosigkeit aus der Armee ausgestoßen wurde, brachte die Sache an's Tageslicht. Der Senator Graf d'Andlau war beteiligt und entfloh. Einen unerhörten Umfang aber nahm der Skandal an, als es sich zeigte, daß
auch der Schwiegersohn Grävys in den unsauberen Schacher verwickelt war. Vergebens suchte der Präsident der Republik ihn zu retten: Wilson wurde verurteilt, Gr6vy dankte ab, und die Limousin wanderte ins Gefängnis. Nach Jahren tauchte sie wieder auf, richtete in Montrouge ein „Cafö" schlechten Rufes ein und lebte in beständigen Rechtshändeln und Abenteuern. Dazwischen mischte sie sich wieder in die Politik und gründete ein Blatt, „Le Justicier", um gegen ihren ehemaligen Freund Wilson zu wühlen, der sie gerichtlich verfolgte. In der Boulanger-Geschichte spielte sie eine noch unaufgeklärte Rolle. Endlich mußte sie ins Ausland flüchten, wurde aus Luxemburg ausgewiesen, weil sie ihre Miete nicht bezahlen konnte, und war seitdem so gut wie verschollen. Aber sie intriguierte weiter. „Wenn Carnots Präsidentschaft abgelaufen ist, werde ich noch eine Rolle zu spielen haben", pflegte sie selbstgefällig zu sagen. Niemand weiß, wann sie wieder in Paris aufgetaucht ist. Man hatte sie völlig vergessen, bis man ihren Tod im Krankenhause erfuhr und so aufs neue an dieses Abenteuerleben erinnert wurde. Von den übrigen in den Ordensschacher verwickelten Personen lebt fast niemand mehr. Grevy ist gestorben, der General Caffarel ebenfalls, Graf d'Andlau starb in Amerika, wohin er sich geflüchtet. Nur Wilson, der gegen das Urteil appellierte und zwar freigesprochen wurde, aber gebrandmarkt blieb, zählt nicht nur zu den Lebenden, sondern auch wiederum zu den Deputierten des französischen Volkes. Und noch einer lebt: der junge Advokat, der seinerzeit Madame Limousin vor dem Zuchtpolizeigericht verteidigte: Marcel Habert, der Deputierte und Freund Därouledcs, der sich jüngst vor dem Staatsgericht in's Ausland geflüchtet hat.
Alice-Schule.
Beginn des Wintersemesters Dienstag den 10. Oktober, Aufnahme der Schülerinnen morgens 9 Uhr. Unterricht in Hand- und Maschinennähen, Stopfen, Flicken, Sticken uno Kleidermachen, sowie der modernen Hand- arbeiten, als Schnitzen, Brandmalerei u. s. w. Mündliche Auskunft vom 25. September an durch die Oberlehrerin L. Möser, Gartenstraße 30
Schriftliche Auskunft jederzeit. 6553
Münchener Beginn des nächsten 4monatlichen n all ■ Kursus 6388
Brauer-Akademie. 2. November 1399.
Magistrat, geu. Privat-Institut. Prospekte durch Dr. Doemens, München.
Kroßherzogtiche Jach schule
für KIfenöeinschniherei und verwandte Heweröe.
Kunstgewerbliche Fachschule mit Lehrwerkstätten zu Erbach i. O.
Beginn des Winterhalbjahres 2. Oktober 1899.
Unterrichtet wird von vier Fachlehrern und zwei Hilfslehrern. Gründliche fachmännische, praktische und theoretische Ausbildung von jungen Leuten in den gesamten Zeichen- und Modellierfächeru, sowie in Werkstätten für Elfenbeinschnitzer, Holzbildhauer, Drechsler und Ciseleure.
Die Anstalt enthält eine Vorklaffe und zwei Fachkurse.
Die Vorklaffe hat einjährigen Lehrplan: Planimetrie, Projektionszeichnen, Schattenkonstruktion, Beleuchtungskunde, Architekturzeichnen, Or- namentzeichnen, Figurenzeichnen, Fachzeichnen und Skizzieren.
Die Fachkurse haben je einjährigen Lehrplan: Figuren- und Or- nameutmodellwren, Figurenzeichnen, Aquarellmalen, Fachzeichnen und Entwerfen (in alten und modernen Stilen), Gewandstudien, Aktzeichnen, Perspektive.
Außerdem finden Vorträge statt über Anatomie, ornamentale Formenlehre und Stilkunde, Materialienkunde, Technologie, Konstruktionslehre und Kostenvoranschläge.
Gewerblicher Abendfortbilduvgsuuterricht im Winter von 7l/,—91/2 Uhr, als Einzelnfachunterricht für alle Handwerker und Gewerbetreibende.
Kaufmännischer Fortbildungsnuterricht im Winter von 5—7 Uhr abends. Buchführung, Kalkulation, Wechsellehre, GesetzeLkunde, Rundschrift, Geometrie, Algebra u. s. w.
Der Unterricht wird durch eine reiche Modell- und Vorbildersammlung, sowie gut ausgestattete Werkstätten unterstützt.
Das Schulgeld beträgt 15 Mark im Halbjahr.
Unbemittelten Schülern kann die Entrichtung des Schulgeldes nachgelassen, sowie Auswärtigen der Besuch der Schule durch einen Unterstützungsbeitrag erleichtert werden. Bei Gesuchen um Gewährung der einen oder anderen Art dieser Erleichterungen werden neben der Vermögenslage des Schülers auch die Vermögensverhältnisse der Heimatsgemeinde oder das Vorhandensein geeigneter Stiftungsmittel in Betracht gezogen.
Anmeldungen und Gesuche sind an die Unterzeichneten zu richten, welche weitere Auskunft erteilen.
Schulprogramm kostenlos.
Erbach i. O., 20. September 1899.
I>er Vorsitzende des Aufstchtsrats: Ker Hrotzh. Kauptkehrer:
Stegmüller, Bürgermeister. Klein.
Gewerbeschule Gießen
unter Oberaufsicht Großh. Centralstelle für die Gewerbe stehende Iachschuke für Kandwerker aller Aerufszweige, insbesondere für Wauhandwerker. Anfang des Winter-Semesters: 23. Hktoöer 1899.
Schluß: Gude März 1900.
Nähere Auskunft über Lehrplan, Programm rc. durch die mit- unterzeichnete Schulleitung. 6384
Der Aufsichtsrat: Die Schulleitung:
L. Hehligenstaedt. Traber.
Real- und Handelsschule
(Fenstonat) in Marktbreit a. Main.
Die Reifezeugnisse berechtigen znm einjährig-freiwilligen Dienste.
Gute Verpflegung, strenge Aufsicht, Nachhilfe. 6888
Gesunde, freie Lage, schöne Schlafzimmer, Badezimmer, 2 große Spielplätze, Park, elektrisches Licht rc. rc. — Aufnahmsalter 10 bis 16 Jahre.
Prospekte durch J. Damm, Rektor.
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Gegründet 1838. DRorftn Vermögen r
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Gothaer JebensversscherungsbanK.
Versicherungsbestand am 1. September 1899: . 706^ MMEN Mark. Bankfonds am 1. September 1899 .... 247Vs n n Dividende im Jahre 1899: 30 bis 137 Prozent der Jahres-Normal- 60 Prämie — je nach dem Alter der Versicherung.
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