Ausgabe 
1.9.1899 Zweites Blatt
 
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Freitag den 1. September

Zweites Blatt

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Der Schluß des preußischen Landtags.

Wie wir bereits gemeldet haben, ist der preußische Landtag am Dienstag geschlossen worden. Wer da erwartet hatte, daß der Schlußakt über den Rahmen des Alltäglichen oder Ungewohnten hinausgehen, und noch irgend etwas Sensationelles bringen würde, der wurde gründlich ent­täuscht. Freilich fügte der Ministerpräsident der Verlesung der Königlichen Botschaft noch eine Erklärung des Staats­ministeriums hinzu, aber auch diese enthielt nichts Außer­gewöhnliches: den üblichen Dank für den vom Landtag be­wiesenen Fleiß und ein Bedauern wegen der Ablehnung der Kanalvorlage. Auch die Ankündigung der Wiedereinbringung des Kanalentwurfs in der nächsten Session ist recht sanft und vorsichtig gehalten:Die Regierunghofft auf eine Verständigung in der nächsten Session."

Wenn wir einen Rückblick werfen auf die verflossene Tagung des Abgeordnetenhauses, so erkennen wir, daß außer der Kanalvorlage noch verschiedene andere Gesetzentwürfe gescheitert sind. Die Regierung hatte dem Landtage ein Volksschullehrer-Reliktengesetz zugehen lassen, doch ließ sich zwischen dem Herrenhause und dem Abgeordnetenhause eine Einigung nicht erzielen, sodaß das ganze Gesetz zu Falle kommen mußte, was in Anbetracht der zeitgemäßen Reformen, welche die Regierung anstrcbte, sehr zu bedauern ist. Ein negatives Resultat haben auch die Beratungen über die Organisation der Polizei in den Berliner Vororten ergeben. Trotzdem die Sache an und für sich nur ein lokales In­teresse hatte, spielte bei der Beratung doch die Parteipolitik eine große Rolle. Ohne Entscheidung ist das Schicksal des Gemeindewahlrecht-Gesetzentwurfs geblieben. Unsere Leser werden sich erinnern, daß dieser bei der Erledigung der Kanalvorlage mit in die Wagschale zu fallen bestimmt war, da das Zentrum sein Votum über den Kanal nach dem Ausfall der Wahlreform richten wollte und bestrebt war, die letztere zuerst zur Beratung zu bringen. Das gelang be­kanntlich nicht, und wer weiß, inwieweit der Ausfall der Kanalberatung davon abhängig gewesen ist.

An positiven Ergebnissen der abgelaufenen Session ist zu nennen die Erledigung der Einführungsgesetze zum Bürgerlichen Gesetzbuche, welche noch im letzten Augenblick erfolgte, um die Einführung des großen Gesetzeswerks zum 1. Januar 1900 überhaupt zu ermöglichen. Große An­feindung beim Zentrum erfuhr das Gesetz über die Heilig­haltung des Karfreitags, und es hätte wahrlich nicht viel gefehlt, so wäre eine Verständigung gar nicht zustande ge­kommen. Auch im Laufe der letzten Session hat wieder eine Besserstellung einzelner Beamtenklassen vorgenommen werden können, womit die Neuordnung der Beamtengehälter ihren Abschluß gefunden hat. Ebenso hat der Gesetzentwurf wegen der Pensionierung der älteren Richter nach den Plänen der Regierung zur Durchführung gelangen können.

Halbe Arbeit ist nur gemacht worden bei der Umgestaltung des Medizinalwesens, wenngleich die Errichtung von Ge­sundheitsämtern und die anderweitige Ordnung der Dienst- stellnng der Kreisärzte immerhin einen Fortschritt bedeutet. Ob die Einführung der ärztlichen Ehrengerichte auch in den Kreisen des Aerztestandes Anklang finden wird, muß erst die Erfahrung lehren; bekanntlich war der von den in Betracht kommenden Fachgeuossen dem Plane entgegen­gesetzte Widerstand ziemlich erheblich.

Alles in allem genommen hatte der Ministerpräsident Fürst Hohenlohe recht, wenn er die Session eine arbeits­reiche nannte, aber man kann nicht behaupten, daß die Ergebnisse über das Mittelmaß hinausragende sind. Der nächsten Session bleibt es Vorbehalten, die so dringend not­wendige Klärung zu bringen. (xx)

Deutsches Keich.

Berlin, 30. August. Der Kaiser hörte heute früh von 9 Uhr ab die Vorträge des Chefs des Civil-Kabinetts, v. L u c a n us und des Chefs des Admiralstabes der Marine, Kontre-Admiral Bendemann.

Berlin, 30. August. Auf das von dem Katholiken­tage in Neisse an den Kaiser abgesandte Huldigungs­telegramm ist nachfolgende Antwort eingegangen:An den Präsidenten Spahn, Potsdam, 29. August. Der Kaiser lassen Ew. Hochwohlgeboren ersuchen, der 46. General­versammlung der Katholiken Deutschlands Allerhöchst Ihren Dank für den Huldigungsgruß auszusprechen. Auf Aller­höchsten Befehl: Lucanus, Geh. Kabinettsrat."

Reisepläne des Kaisers. Im Anschluß an den Jagdaufenthalt des Kaisers bei dem Hofjägermeister Grafen Thott zu Skabersjö bei Malmö (Südschweden) wird sich der Herrscher zur Herbstpürsche nach Rominten begeben. DieHohenzollern" bringt den Kaiser am 28. September bis nach Neufahrwasser, von wo aus er nach Rominten mit Sonderzug fährt. Sollte sich bis dahin die gegen­wärtige Unpäßlichkeit der Kaiserin vollständig gebessert haben, so wird die hohe Frau ebenfalls auf einige Wochen nach Rominten übersiedeln. Anfangs Oktober wird der Rominter Aufenthalt für einige Tage unterbrochen werden, da der Kaiser sich nach Langfuhr und dann voraussichtlich auch nach Zoppot zur Teilnahme an der Einweihungs- feierlichkeit der neuen evangelischen Kirche zu begeben ge­denkt. Der Kaiser führt bekanntlich u. a. auch den Titel einesGrafen von Hohenstein". Die Grafschaft Hohenstein im Landbezirk Nordhausen feiert nun am 12. November dss. I. die Jubelfeier ihrer 200jährigen Zugehörigkeit zu Brandenburg-Preußen, indem Kurfürst Friedrich III., der nachmalige erste Preußenkönig, am 12. November 1699 wieder von der Grafschaft Besitz ergriff, nachdem sein Vater, Kurfürst Friedrich Wilhelm, den Grafen Johann von Sayn-

Wittgenstein mit der Grafschaft belehnt hatte. Aus Anlaß dieser Jubelfeier findet in Nordhausen an dem Gedenktage ein großer Festakt statt, an welchem der Kaiser in seiner Eigenschaft als Graf von Hohenstein teilnehmen dürfte.

Berlin, 30. August. Die Abwesenheit des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe von Berlin ist zunächst auf acht Tage berechnet. Ob sich Fürst Hohenlohe von Werki nach Aussee begeben wird, um seine dort in der Sommerfrische befindliche Familie zu besuchen, ist noch zweifelhaft. Ent­schließungen dieserhalb sind noch nicht getroffen.

Berlin, 30. August. Finanzminister Dr. Miquel ist von seiner Erkältung wiederhergestellt. Er widmet sich den laufenden Geschäften in vollem Maße. Ob er die beab= sichtigte Erholungsreise zu seiner Schwester antreten wird, ist zurzeit wieder unsicher geworden.

Berlin, 30. August. Wie dieNational-Zeitung" erführt, ist in Berlin an amtlicher Stelle über das angeb­liche Auftreten der Pest in Paris nichts bekannt.

Berlin, 30. August. Im Anschluß an die zur Abwehr der Pestgefahr eingerichtete gesundheits - polizeiliche Kontrolle der Seeschiffe und die erlassenen Einfuhrverbote sind, wie dieNordd. Allgem. Ztg." vernimmt, weitere Vorsichtsmaßregeln in die Wege geleitet worden.

Der Realschuldirektor Dr. Pfeffer in Baden hat gegen das freisprechende Urteil des Schöffengerichts im badischen Schulprozeß" Berufung eingelegt. Die Ange­legenheit wird also vor der Strafkammer in Karlsruhe noch­mals verhandelt werden.

Die Gemeindewahlrechtsreform. Die preußische Staatsregierung hat in der 24. Kommission des Abgeordnetenhauses, wie aus dem soeben ausgegebenen Bericht dieser Kommission hervorgeht, ihre künftigen Ab­sichten bezüglich des Gemeindewahlrechts klar und deutlich erkennen lassen. Der Vizepräsident des Staatsministeriums Dr. von Miquel hat in zweiter Lesung eine Erklärung dar­über abgegeben: Durch die gegenwärtige Geschäftslage des Landtages sei das Zustandekommen des Gesetzes in dieser Tagung allerdings ausgeschlossen, aber die Regierung wisse jetzt, was die einzelnen Parteien wollten. In der nächsten Tagung werde die Regierung eine neue Vorlage machen. Er stellte als erstes Erfordernis und Voraussetzung einer Regelung des Kommunalwahlrechts den Grundsatz auf, daß eine Stabilität in den Gemeinden hinsichtlich des Wahlrechts eintrete; man dürfe nicht den Krieg aller gegen alle ent­fesseln. Die plutokratischen Verschiebungen im Wahlrecht der Gemeinden feien durch staatliche Gesetze herbeigeführt worden, deshalb sei es auch Aufgabe des Staates, seiner­seits durch allgemeine Gesetze die üblen Folgen für das Gemeindewahlrecht wieder zu beseitigen. Man könne viel­leicht in gewissen Fällen für eine einzelne Frage den Ge- meinden eine Autonomie gewähren, aber auch hierbei müsse ein gewisser stabiler Zustand hergestellt werden; ein per-

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Kungersnöte und ihre Veranlassungen. Eine volkswirtschaftliche Studie zur Hungersnot iu Rußland uud Indien.

Von Heribert von Hiller-Sternberg.

(Nachdruck verboten.)

Als das seit 20 Jahren ununterbrochen rüstende Ruß­land vor Jahresfrist die Wahrung des Weltfriedens zur Devise seiner Politik machte, fragte man sich erstaunt, welche Gründe das während 3 Jahrhunderten von Eroberung zu Eroberung stürmende Zarenreich bewegen konnten, die durch das zwar als Urkunde nicht existierende, nichts destoweniger aber zur Doktrin gewordene Testament Peters des Großen vorgezeichneten Bahnen zu verlassen.

Jeder wirkliche Kenner Rußlands weiß, daß eine der Hauptursachen dieser ungewohnten Friedfertigkeit, die nun schon seit einer ganzen Reihe von Jahren große Teile des Landes heimsuchenden Hungersnöte sind, welche die inneren Kräfte des Hundertmillionenreiches lahmlegen, und es seinen Machthabern zurzeit nicht als thunlich erscheinen lassen, einen europäischen Krieg zu beginnen. Die weitausgedehnten Ebenen der südrussischenschwarzen Erde" wären unter normalen Verhältnissen im stände, Brotgetreide für mehrere hundert Millionen Menschen zu schaffen. Wie aber die Verhältnisse jetzt liegen, ist es in vielen Teilen nicht einmal fähig, die eigene, ziemlich spärliche Bevölkerung zu ernähren,

und zu Tausenden verlassen die Bauern die undankbare, heimatliche Scholle, um sich in Sibirien, im Kaukasus und in anderen Gegenden des Riesenreiches eine neue Heimstätte zu gründen.

Der Umstand, daß in dem unter völlig anderen Ver­hältnissen befindlichen Britisch-Jndien ebenfalls seit einigen Jahren das hohlwangige Gespenst des Hungers ein regel­mäßiger Gast ist, legt es nahe, nach den Ursachen dieser betrübenden volkswirtschaftlichen Erscheinung zu forschen, und die Frage aufzuwerfen, ob nicht auch wir Zentral­europäer einmal von ähnlichen Notständen heimgesucht werden können.

Bitterer Nahrungsmangel ist, trotz aller Vorkehrungen der öffentlichen und privaten Wohlthätigkeit, ein Uebel, welches in unseren Großstädten immerhin alljährlich eine ganze Anzahl Menschen in den Tod treibt, und gewisse Berg­distrikte Deutschlands man denke nur an die Weber ;m schlesischen Eulengebirge, an die Bewohner der Eifel, des Westerwaldes, des Spessarts -u. s. w. sind von der Natur so stiefmütterlich bedacht, daß die chronische Knappheit der Nahrungsmittel häufig genug den Charakter eines ernst­lichen Notstandes annimmt. Indes beschränkt sich die Kalamität doch auf engere Grenzen, und die jetzt in Deutsch­land blühende Generation hat keine ernstliche Hungersnot im größeren Maßstabe mehr miterlebt.

Leute, die 50 bis 60 Jahre zurückdenken können, wissen aus ihren Jugenderinnerungen freilich anderes zu erzählen. Eine Reihe von Mißernten trieb in den 40er Jahren den Preis des Getreides zu einer Höhe, die es seitdem nie

wieder erreicht hat, und in Oberschlesien, wo die Not am größten war, und die Bevölkerung in ihrem polnischen Schmutz auf einer unglaublich niedrigen Stufe der Er­nährung und Lebensführung überhaupt stand, raffte der Hungertyphus die Darbenden zu Tausenden hinweg. Schlimmer noch war es in Irland, wo die englischen Land- barone systematisch Ackerland zu Wiesen und Auen für ihre Hetzjagden umgestaltet hatten. Die Bevölkerung, die sich feit Anfang des Jahrhunderts ungewöhnlich schnell vermehrt hatte, sah sich, als auch die Kartoffel mißriet, vor die Wahl gestellt, Hungers zu sterben oder auszuwandern. Im Jahre 1846 allein fielen dort über 300,000 Personen der Hungers­not zum Opfer, und die Auswanderung, welche in den seitdem verflossenen 50 Jahren kaum einmal gestockt hatte, brachte die damals über 8 Millionen Einwohner zählende unglückliche grüne InselErin" auf jetzt 4i/t Millionen zurück.

In früheren Jahrhunderten war die Hungersnot ebenso wie die Pest ein ständiger Gast in Europa. Immer wieder berichten uns die alten Chroniken von den grimmigsten Hungersnöten im Verein mit den unaufhörlichen Kriegen und Fehden, in denen sich Europa verblutete, wie von einer Alltäglichkeit. Es ist auch gar kein Zweifel, daß die steten Kriegswehen, bei denen der Landmann nicht hoffen konnte, zu ernten, was er gesäet hatte, schließlich dem Bauer den Ackerbau verleideten. Erwiesenermaßen war obendrein in den letzten 4 Jahrhunderten des Mittelalters das europäische Klima so gewaltigen Schwankungen unterworfen, wie sie heutzutage glücklicherweise nicht vorkommen. Jahrelange