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1.9.1899 Erstes Blatt
 
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Prozeß Dreyfus.

Rennes, 30. August.

Die heutige Sitzung wurde um 6 Uhr 40 Minuten eröffnet. Als erster Zeuge wurde Paul Heyer, Direktor -er Ecole des Charles verhört. Derselbe erklärte, er habe bereits zweimal seine Ansicht über das Bordereau vor dem Schwurgericht und vor dem Kassationshofe abgegeben. Er habe in dem Bordereau nicht die Schrift Esterhazys er­kannt, er könne aber nicht versichern, ob dieselbe von der Hand Esterhazys herrühre, bis er das Original in Händen gehabt. Aus dem ihm vorgelegten Original glaubt er ver­sichern zu können, die Handschrift Esterhazys wieder zu er­kennen. Zeuge unterzieht dann das System Bertillons einer scharfen Kritik und drückt die Meinung aus, man könne sich auf die Aussagen Bertillons nicht verlassens

Hierauf wird Professor Molliniöre von derselben Schule verhört. Auch er zieht dieselben Schlüffe aus der Untersuchung, wie man sie an der Hand des Bordereaus feststellen konnte und weist dabei auf die Wichtigkeit ver­schiedener Vergleichs-Schriftstücke hin und macht die Mit­glieder des Kriegsgerichts auf den viel besprochenen Satz aufmerksam: Ich reise ins Manöver, der auch in anderen Briefen Esterhazys vorkommt. Einer der Richter fragt den Zeugen, ob er nicht vor dem Kassationshofe gesagt habe, Esterhazy habe seine Schrift nach der Publikation des Bor­dereaus verändert, um den Verdacht von sich abzulenken. Muliniere erwidert, er habe das allerdings gesagt. General Mercier erhebt sich und fordert, daß der Brief eines Herrn Grenier (eines Bekannten Esterhazys) verlesen werde, in welchem erklärt werde, warum Esterhazy seine Schrift ver­änderte. Der Brief wird verlesen. Man glaubt im Saale zuerst, der Brief werde Esterhazy irgendwie entlasten. Das Erstaunen ist daher allgemein, als der Brief statt dessen nur konstatiert, daß Esterhazy seine Schrift wirklich ver­ändert hat. Die Schrift, die früher eckig gewesen, ist rund geworden. Labori sagt, das bekräftigt doch, wenn ich recht verstehe, die Aussage des Professors Molliniöre. Wenn Esterhazy seine Schrift nach 1894 verändert hat, geschah es, weil er vorhersah, daß er verfolgt werden würde. Ge­neral Mercier erwidert, er habe seine Aussage gemacht, um in diesem Punkte die Aussage Molliniöres zu bestätigen.

Professor Giry stimmt dem Urteil der beiden Zeugen zu und erklärt, es bestehe zwischen den Handschriften von Dreyfus und Esterhazy eine gewisse Aehnlichkeit. Eine genaue Analyse jedoch zerstöre diesen ersten Eindruck und lasse eine Menge Verschiedenheiten erkennen. Auf eine Frage Laboris bemerkt Zeuge, daß eine Veränderung der Handschrift Esterhazys seit 1894 nicht besonders deutlich hervortrete. Labori fragt hierauf: Hat General Mercier vorhin sagen wollen, Esterhazy hat seine Schrift so ver­ändert, daß sie sich von der Schrift des Bordereaus ent­ferne oder daß sie sich ihr nähere. General Mercier ent­gegnet, ich habe gesagt, daß sich die Schrift Esterhazys dem

Feuilleton.

Jrankfurter Brief.

Ortginalbericht für denGießener Anzeiger".

(Nachdruck verboten.) Egmout im Opernhause. Frankfurt an Festabenden. Goethe im Schneider'schen Kuustsalon. Die Anfichtspostkarte.

Dr. M. So wie die lokalen Verhältnisse eben liegen, kann eine Festvorstellung im richtigen Stil nur im Opern­hause stattfinden. Die Komparserie, welche einGötz" oder Egmont" benötigen, kann sich auf der Bühne des alten Schauspielhauses schlechterdings nicht entfalten. Und doch ist das Opernhaus nicht der geeignete Platz für das ge­sprochene Drama, mag auch die Akustik noch so gut sein. Intimere Wirkungen können da nicht wohl aufkommen. Alle Szenen natürlich, die auf den Straßen in dichtem Volks­gewühl spielen und die Menschen in hellen Haufen auftreten lassen, finden daselbst viel Spielraum. Anders ist es jedoch bestellt um die Bilder im kleinen, knappen Rahmen, zu welchen z. B. alle die Auftritte gehören, die fich in der Wohnung Clärchens abspielen.

Es war übrigens ein wunderschönes Ensemble, das dieser Festvorstellung, zu ihrem mächtigen Eindruck verhalf. Der von Emil Claar gedichtete, die Gefühle der Hörer aufwärts ziehende Prolog, den Frl. Charlotte Boch sprach, und daslebende Bild" mit den Charaktertypen aus

Bordereau genähert hat. Labori verbeugt fich gegen Mercier. | Es tritt jetzt eine Pause ein. Während derselben verlautet, daß morgen zeitweilig die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden soll, weil ein Teil der technischen Diskussion dies erfordere.

Nach der Pause wird Picot, Mitglied des Instituts de France verhört. Er soll über eine Unterredung aus­sagen, die er mit einem fremden Militär-Attachs gehabt hat. Picot erzählt, er habe im Mai die Ehre gehabt, in einem befreundeten Hause den österreichischen Militärattache, Obersten Schneider zu treffen. Regierungs - Kommissar Carriörs fährt wütend auf: Soll das Diskretion sein? Ich protestiere im Namen der Regierung und des Staates gegen die Indiskretion des Zeugen. Picot fährt fort: Der Attache einer fremden Botschaft, wie er sich also ausdrücken werde, habe es als seine Gewissenspflicht betrachtet, laut die völlige Unschuld Dreyfus zu proklamieren. Er habe weiter die Haltung der französischen Offiziere scharf ge- mißbilligt, welche das Wort anderer Offiziere hätte in Zweifel setzen können. Der betreffende Militärattache habe ferner gesagt, daß Esterhazy ein Hauptbetrüger sei. Von den im Bordereau aufgezählten Dokumenten käme nur dreien wirklicher Wert zu, die Nummern 1, 3 und 7. Ihm, dem Zeugen, sei es ausgefallen, daß der Attachö mit größter Bestimmtheit immer nur von der Wassergrenze, nie von der Wasserluftgrenze gesprochen habe, und er habe sich gefragt, ob man in Hypothesen Über dieses Wort nicht weiter ge­gangen sei, als möglich war. DerAttachö habe wiederholt dieWert- losigkeit der Dokumente Nr. 2 und 4. betont. Mit Esterhazy habe man nichts weiter zu thun haben wollen, so habe der Attache be­merkt, weil er ein Betrügersei. Zu derselben Zeit, als der Betrug aufgedeckt worden sei, habe Esterhazy Schritte unternommen, um sich Eintritt in das Ministerium zu verschaffen. Auf ein neues Angebot Esterhazys habe der fremde Abnehmer mit der bekannt gewordenen Rohrpostkarte geantwortet (Petit bleu) und sich selbst gesagt: Nein ich kann entschieden keine Verbindung mit* dem Manne eingehen. (Bewegung). Zugleich habe er den Rohrpostbrief wieder zerrissen und in den Kamin geworfen. Wie die Papierfetzen aus dem Kamin wieder herausgekommen, das könne er, Zeuge, nicht sagen, denn der fremde Militär-Attache habe ihm darüber nichts mitgeteilt. General Roget bittet ums Wort. Er sagt, zu Picot gewendet: Was hält der ehrenwerte Zeuge von einem fremden Militär-Attachö, welcher imFigaro" in einem sensationellen Dementi ableugnet, ein Dokument ge­schrieben zu haben und hinterher sagen muß, daß er es doch geschrieben habe. Picot antwortet, er habe die Unter­redung wiedergegeben, wie er sie gehört habe, einen Kom­mentar füge er nicht hinzu. General Roget: Wenn hier Zeuge Picot behauptet, die Unterredung habe im Mai ftatt- gefunben, so bemerke ich, daß im Mai die Enquete der Kriminalkammer stattfand. Ich überlasse dem Kriegsgericht, daraus den gehörigen Schluß zu ziehen. Es folgt die Ver­nehmung des Artillerie-Generals Deloye. Damit beginnt

Goethes Dramen half die Stimmung sehr glücklich vor­bereiten. Dekorationsmaler und Kostümschneider hatten ihren rühmlichen Anteil an der prächtigen Inszenierung. Für stilvolle Dekorationen ist Wien noch immer die hervor­ragendste Theaterstadt. Die neuen Stücke werden größten­teils von Berlin bezogen, aber das Gewand läßt man sich von den Künstlern kommen, welche die Hosburg an der Donau versorgen, wenigstens ist das der Fall mit den Kulissen. Frankfurter Garderobiere hatten indessen die Kostüme für denEgmont" geliefert. Die Worte, mit welchen Schneider Jetter" seine Freunde auf das neue Hofkleid des Grafen, das ganz nach spanischem Schnitt sei, aufmerksam macht, gewannen dadurch thatsächlich einen doppelten Sinn, denn das Kostüm, welches Herr Barthel trug, war wirklich von ausgesuchter Noblesse.

Als wir uns von der Egmont-Vorstellung, der wir freilich nicht bis zum Schluß beiwohnen konnten, zum Bahnhof begaben, war es schwierig, sich durch die von Menschen überfüllten Straßen hindurchzuwinden. Der Regen hatte aufgehört, und man konnte wieder in aller Gemächlichkeit die reiche, stellenweise höchst sinnige Illumi­nation bewundern. Das WortGemächlichkeit" paßt freilich für eine solche Promenade nicht ganz. Gemächlich und gemütlich ist es nach 10 Uhr abends auf den Frankfurter Straßen auch nicht mehr. Dasalte Frankfurt", für das diese Bezeichnung gelten durfte, zieht sich immer mehr vor demmodernen", großstädtischen zurück, wird von diesem

die technische Diskussion des Bordereaus. Zeuge wiederholt seine Aussage vor dem höchsten Gericht, wonach das Be­gleitschreiben nur von einem Artillerie-Offizier herrühren könne. Er behauptet, das 12 Centimeter Geschütz, wovon das Begleitschreiben spricht, sei das kurze haubitzenartige, obschon dies nicht gesagt fei und daß Dreyfus es habe kennen können, ebenso wie die Wasserluft-Bremse, welche in dem Begleitschreiben gemeint sein müsse. Dreyfus erklärt, er habe das 12 Centimeter-Geschütz zweimal im Kasernen­hofe gesehen, doch sei es niemals in seiner Gegenwart ab­gefeuert worden. Regierungs-Kommissar Carriöre verliest jetzt ein Schreiben des Kriegsministers, welcher ankündigt, daß er weitere Schriftstücke für die Dreysus-Sache schicke, aber den Ausschluß der Oeffentlichkeit verlange.

Der Gerichtshof beschließt, morgen eine geheime Sitzung stattfinden zu lassen. Um 11 Uhr 50 Minuten schließt die heutige Sitzung.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. August. Die Beförderung des Kriegs­ministers v. Goßler zum General der Infanterie wird dem Vernehmen nach am 1. September, dem Tage der großen Herbstparade über das Gardekorps, erwartet. Mit seiner Beförderung dürfte gleichzeitig diejenige des General­leutnants v. Stülpnagel, kommandierenden Generals des 5. Armeekorps, erfolgen.

Berlin, 30. August. Korvettenkapitän Gühler vom Reichsmarineamt ist zum Marineattach« bei der Gesandt­schaft in Tokio, und Kapitänleutnant v. Rebeur-Pasch - witz, bisher Marineattachö bei der Gesandtschaft in Tokio, zum Marineattachs bei der Botschaft in Washington er­nannt worden.

Berlin, 30. August. Wie diePost" erfährt, beruhen die Nachrichten, welche von einer ernsteren Beschädigung des KüstenpanzerschiffesAegir" gelegentlich seines Zusammen­stoßes mit einem englischen Handelsdampfer sprechen, auf Uebertreibung. Es handelt sich vielmehr lediglich um eine Eindrückung einiger Platten des Schiffskörpers an dem un- gepanzerten Bug desAegir", deren Reparatur nur kurze Zeit in Anspruch nehmen wird.

Berlin, 30. August. Beter anenbeihilf en. Nach­dem durch das Gesetz vom 1. Juli d. I. die zur Gewähr­ung laufender Beihilfen an ehemalige Kriegsteilnehmer bestimmten Summen eine derartige Erhöhung erfahren haben, daß die hervorgetretenen Ansprüche in weitgehendster Weise befriedigt und von ganz wenigen Ausnahmen ab­gesehen, sämtliche in den Listen notierten Anwärter berück­sichtigt werden konnten, ist auf die Bereitstellung weiterer Mittel zu dem angegebenen Zweck nicht zu rechnen. Es sind daher einer höheren Orts ergangenen Anweisung zu­folge alle weiter eingehenden Gesuche auf Bewilligung der in Rede stehenden Beihilfen einer besonders sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Jedenfalls sind die Erfordernisse aufgesogen. Vielleicht hat es seine letzte große Rolle in diesen Goethe-Tagen gespielt, und eine spätere Generation muß sich erst wieder künstlich zu ihmhintasten. Am Tage finden wir es noch amRömerberg" um denHirschgraben" herum, aber der Abend gehört der breiten Kaiserstraße, auf welcher der Verkehrslärm dem der Berliner Friedrichs- straße bald nicht nachstehen wird.

In sehr sinniger Weise hatte der Sch neid er' sch e Kunst salon an Goethe gedacht, indem er seine Erker mit den duftigen, farbentiefen Aquarellen schmückte, die H. Hendrichs zum Goethe'schenMärchen mit der Schlange" gemalt hat. Der Thüringer Hendrichs, der die Spuren der deutschen Sage mit Vorliebe ver­folgt, hat in diesem Cyklns den Stimmungsgehalt der schlichten Goethe'schen Dichtung so treu zum Ausdruck ge­bracht, wie anderswo die gewaltige Poesie des Wagner'schen Naturmythus.

Bis in die späten Abendstunden hinein schrieen Händler ihreDenkmünzen" undAnsichtspostkarten" aus. Mit letzteren blühte der Handel wie noch nie, pflanzte sich sogar in Straßen fort, die dem Brennpunkt der Festlichkeiten ferner lagen. Viel verlangt wurde die als offiziell abgestempelte Karte, welche im Farbendruck den jungen Goethe zeigt, nach einem im Besitz des Hochstifts befindlichen Bilde. Infolge der Nachfrage war der Preis dieser Karte, -die am Samstag für 25 Pfg. zu haben war, am Montag auf 50 bis 70 Pfg. gestiegen!