Ausgabe 
1.7.1899 Zweites Blatt
 
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barte Behörden für die Sistierte, die, einesteils als Frau v. Stein, anderenteils als Rtttergutsbesitzerin v. Brügge auftretend, recht respektable Hochstapeleien auf dem Gewissen hat. Als besonderes Merkmal der Raffiniertheit des Dämchens mag es dienen, daß sie ihr hiesiges Heim bei einer älteren alleinstehenden Dame aufgeschlagen hat, die als Mieterin beim Chef der hiesigen Polizeibehörde wohnt.

Vermischtes.

* Reichs-Wohnungsgesetz. Dieser Tage lief durch die Presse die (auch von uns gebrachte) Mitteilung, daß die Petitionskommission des Reichstags beschlossen habe, über eine an Reichstag und Bundesrat gerichtete Petition betr. Einführung eines Reichs-Wohnungsgesetzes, nach einer ab­lehnenden Erklärung des Regierungsvertreters, zur Tages­ordnung überzugehen. Hierzu ist zu bemerken, daß diese von Bielefeld ausgehende Petition in keiner Weise mit dem vor Jahresfrist in Frankfurt a. M. gegründeten Verein Reichs-Wohnungsgesetz", dem Männer aller Par­teien angehören, zusammenhängt, sondern von Vertretern einer politisch-konfessionell einseitigen Richtung herrührt. Die in letzterer Petition enthaltenen Punkte sind aus den Pro­grammforderungen desVereins Reichs-Wohnungsgesetz" herausgegriffen; außerdem könnte dieser Verein sich auch 'M deren Begründung -nicht einverstanden erklären. Der Verein Reichs-Wohnungsgesetz" sieht seine Hauptaufgabe überhaupt nicht in der Abfassung von Petitionen, sondern in der Einwirkung auf die Wähler, und dadurch auf die politischen Parteien, damit au§ letzteren selbst Initiativ­anträge für gesetzliche Regelung der Wohnungsfrage an die gesetzgebenden Körperschaften gelangen. Auch haben bereits namhafte Parlamentarier der bedeutendsten Parteien durch ihren Beitritt als Mitglieder des Vereins seinen Zielen zu­gestimmt. Der in obiger Petition gebrauchte NameReichs- Wohnungsgesetz" ist in Frankfurt a. M. zuerst geprägt worben. So dürfte denn der diesen Namen von Anfang an tragende Verein sich trotz Ablehnung der Bielefelder Petition, die nach Obigem unausbleiblich war, in seinen Be­strebungen um eine reichsgesetzliche Lösung der Wohnungs- srage in keiner Weise beirren lassen, und die Hoffnungen erfüllen, zu denen seine bisherige Entwicklung vollauf be­rechtigt.

* Durch den Wirbelsturm ist die Stadt New Rich­mond arg mitgenommen worden. Von 500 Häusern sind 300 vollständig vom Sturm und Feuer zerstört worden. Als ein Beweis für die ungeheuere Gewalt des Tornado wird in einem Bericht derNew-Aorker Staatsztg." erwähnt, daß zwei mächtige eiserne Geldschränke aufgehoben und einen ganzen Block weit mitgeführt wurden. Innerhalb weniger Häusergevierte lagen dutzende von Leichen, die meisten ohne Beine und Arme. Von einer Leiche war der Kopf wie mit einem scharfen Instrument abgetrennt. Alle, die in Kellern Zuflucht suchten, entkamen. In verschiedenen Fällen stürzten die Häuser über ihnen zusammen und sie wurden so begraben und gelangten in die Gefahr, zu ver­brennen, da durch die umgestürzten Feuerstellen und Oefen die Ruinen in Brand geraten waren. Ein großer Haufe Menschen, die gerade aus dem Gallmann'schen Zirkus ge­kommen waren, suchten in einem massiven Gebäude Schutz. Das Gebäude stürzte unter dem Anprall des Sturmes um und begrub sämtliche in ihm befindliche Personen. Der Geistliche Dr. Degnan von der Kirche der Unbefleckten Empfängnis beschreibt das Toben des Wirbelsturmes wie folgt:Ich stand um halb 7 Uhr mit meinem kleinen Neffen in der Veranda meines Hauses, das etwa drei Häusergevierte vom Omaha-Bahnhof entfernt ist, als ich auf Wolken am Horizont deutele, die auf einen nahen Cyklon deuteten. Im gleichen Augenblick hörte ich ein fürchterliches Getöse, als wenn 50 Lokomotiven zu gleicher Zeit einem Abhang hinauf­keuchten. Im Südwesten tauchte eine schwarze, mit der Spitze auf der Erde befindliche kegelförmige Wolke auf, und schon sah man in der Luft Bretter, Bettzeug rc. Herum­wirbeln. Ich befahl dem Jungen, schleunigst die Anwohner am Geleise der Bahn zu warnen, und schon rannte, rettete, flüchtete alles, was sich zu retten vermochte. Ich nahm sie und andere Leute meiner Gemeinde im Schulhause auf ober brachte sie in ben Keller meines Hauses. Sie flehten um Absolution, unb ich kniete nieber unb erteilte sie ihnen, während Haus um Haus rings um uns zusammenstürzte. Dann eilte ich hinaus unb würbe noch zweimal von herum- tyÄelnben Bretterstücken getroffen; bann war ber Sturm vorüber, ber alle Häuser an ber Hauptstraße zertrümmert hatte. Ich machte mich sofort an bas Rettungswerk. Es war schrecklich. Gott bewahre mich, wieber etwas Aehn- liches mitanzusehen, solchen Jammer, solche Hilferufe, solches Schmerzensgestöhn mitanzuhören! Die Verletzten schrien nach Absolution, unb ich erteilte sie ihnen, währenb ich mit ben Rettungsarbeiten beschäftigt war. Katholiken unb Protestanten beteten für sie." Ein Hanblungsreisenber Namens I. A. Carroll erzählt, vor bem Sturm sei bie Hitze so brückenb gewesen, baß man kaum atmen konnte unb es herrschte eine gerabezu beängstigenbe Stille. Auch nicht ein Gebäude an ber Hauptstraße sei stehen geblieben, ob­wohl sämtlich solib aus Stein erbaut waren. Der Pfab, ben ber Sturm in seiner Vernichtung nahm, sei wohl eine halbe englische Meile breit gewesen.

* Die im Jahre 1864 in Weimar gegrünbete Deutsche Shakespeare-Gesellschaft, bie sich seitdem burch ihre gebiegenen Veröffentlichungen einen Weltruf erworben, bereitet eben Lien 35. Banb ihres Jahrbuches vor. Aus bem reichen Inhalte dieses Bandes, der von Prof. A. Brandl und Dr. Keller redigiert wird, ist als bemerkenswert hervorzu­heben: Ausgabe des verschollenen Dramas von Richard II., das neben dem Shakespeareschen Stück gleichen Titels be­stand; neue Forschungen über Shakespeare und seine Zeit­genossen von Prof. Köppel in Straßburg, Prof. Saraziu

in Kiel, Prof. Schick in München, Prof. Schröer in Frei­burg, Prof. Stiesel in München, Dr. v. Wurzbach in Wien u. a.; Berichte über die Shakespeare-Leistungen ber Bühnen, besonbers ber deutschen, im Jahre 1898; Besprechung aller unser Wissen von Shakespeare förbernben Bücher unb Auf­sätze bes Jahres 1898. Das Jahrbuch ist im Laufe der Jahre zum Zentrum der Shakespeare-Studien in Deutsch­land geworden, und daher das unentbehrlichste Organ für jeden Shakespeare-Freund, -Darsteller und -Forscher. Die Mitglieder der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft erhalten das Jahrbuch gegen Entrichtung des 10 Mk. betragenden Jahresbeitrages als Vereinspublikation portofrei geliefert. Der Eintritt in die Gesellschaft erfolgt ohne weiteres durch Beitrittserklärung, zu deren Entgegennahme der Verlag des Jahrbuches, die bekannte Langenscheidtsche Verlags-Buch­handlung (Prof. G. Langenscheidt), Berlin SW. 46, befugt ist.

* Jede Vermehrung der Spannung der Haut an den Händen und Füßen oder an irgend welchen anderen Körper­stellen wird sofort durch die erschwerte Beweglichkeit empfunden. Ein Klavierspieler, dessen Hände aufspringen oder rauh werden, empfindet sofort und dauernd hierdurch eine Verminderung in der Beweglichkeit der Finger. Der Artist, der Akrobat, ber Gymnastiker, ber Kunstreiter werben bei Sprödigkeit ober Rauhheit ber Haut an Füßen unb Hänben bie gleiche Beobachtung wie ber Klavierspieler machen; solche Personen, benen es auf eine feine Beweglichkeit ber Finger unb Gliebmaßen ankommt, sollten deshalb fort- währenb bie größte Sorgfalt auf Erhaltung ber Elastizität der Haut verwenden. Zu solchem Zweck ist kein Mittel so geeignet, als Lanolin-Toilette-Cream-Lanolin, welches in allen denjenigen Fällen, wo die Haut trocken und spröde geworden ist, die natürliche Geschmeidigkeit der­selben wieder herstellt. Man findet das Lanolin Toilette- Cream-Lanolin, welches das beliebteste Schönheitsmittel ist, in allen Apotheken und Drogerien. Beim Einkauf achte man darauf, daß jede Tube oder Dose zur Garantie der Echtheit die MarkePfeilring" trägt.

* Die deutsche Kolonialschule Wilhelmshos zu Witzen­hausen ist ein in kolonialer und pädagogischer Hinsicht interessantes Unternehmen. Das Lehrziel geht dahin, in erster Linie praktische Wirtschafts- und Pflanzungsbeamte, Pflanzer, Landwirte, Viehzüchter und Kaufleute für die deutschen Kolonieen und überseeischen Ansiedlungsgebiete tüchtig und vielseitig vorzubereiten, damit sie möglichst in allen Sätteln gerecht werden. Mit der äußern technischen Ausbildung soll eine, den innern Menschen anfassende christlich - edle Erziehung Hand in Hand gehen, um den Schülern ein festes moralisches Rückgrat gegenüber den Gefahren der Fremde und besonders der Tropen zu ver­leihen. Dem Doppelzweck entspricht die getroffene Einrichtung der Anstalt; sie erhält ihren Charakter durch die Verbindung mit einem Gutshof und das Zusammenleben im Internat. Nachdem anfänglich an die Gegend des Mittelrheins gedacht worden war, ist nun bas recht günstig in ber Mitte Deutschlands, in ber Nähe bes Schnittpunkts ber Eisenbahn­linien Kassel-Berlin und Hamburg-Frankfurt gelegene hessische Städtchen Witzen hausen (3300 Einwohner) der Sitz der Schule geworden. Hier boten die Räume eines frühem Klosters der Lehr- und Verpflegungsanstalt eine Unterkunft, während eine unmittelbar daneben liegende Domäne als Gutshof gepachtet werden konnte. Günstige Boden- und Klimaverhältnisse, die einen vielseitigen Anbau auch von Wein, gestatten, die Nähe von Kassel mit Wilhelms- Höhe, Münden und Göttingen empfehlen das von den Bergen und Forsten des Kaufunger Waldes umrahmte Werrastädtchen aufs beste, abgesehen davon, daß bie Stadtgemeinbe viel Entgegenkommen zeigte. Jnbem bie Kolonialschule bie Gebäudereste eines gewesenen Klosters bezog, tritt sie in ben Kreis jener Kloster- unb Fürstenschulen, bie, wie in Schwaben unb Sachsen, ben alten Kulturbemf ber Klöster in neuer Weise fortsetzen. Im Jahre 1424, also in ganz später Zeit, war bas Kloster des hl. Wilhelm zu Witzenhausen gegründet worden, um schon 1530 vom Landgrafen Philipp aufgehoben zu werden. Der Grundriß der Anlage zeigt eckige Hufeisenform, die eine, südliche Langseite, einst bie Kirche, aber schon in früher Zeit verbaut, war bisher Sitz fürstlicher unb staatlicher Aemter, zuletzt ber Oberförsterei unb ber Kreiskasse. Dieser Flügel ist wenig oeränbert unb enthält jetzt unten Geschäftszimmer, Bibliothek, chemisches Laboratorium, oben bie Wohnung bes Direktors. Der schmälere Ouerbau wirb eingenommen von ber Küche und ben Zimmern ber jüngern Lehrer; ber zweite Langflügel mit kurzem Oueransatz an einem Enbe erfuhr beim Umbau die größte Veränderung. Die Gelasse zu ebener Erde, früher Refektorium und Kapitelsaal, mit gotischen Kreuzge­wölben und einfacher Säulendurchstellung waren zum Schaf­stall geworden, während in ben verübelen Räumen baritber Natten unb Mäuse ihr Wesen hatten. Nun ist bas Refek­torium wieberhergestellt unb bient als Speisesaal mit anstoßenbem Gesellschaftszimmer; ber Kapitelfaal ist in ben Hörsaal umgewanbelt Einstimmig ist bas Urteil, baß biefe Säle, mit ihren Säulen, Gewölben unb ber betoratioen Bemalung ber Nippen, Schlußsteine unb Nischen sich recht vorteilhaft ausnehmen. In ber Thai machen sie einen vornehm-wohnlichen Eindruck, dem sich bie Insassen gern hingeben. Es ist auf bie Wiederherstellung biefer Räume viel Gelb verwandt worden, unb man möchte wünschen, baß ber Staat, ber für bie gehäufte Kunst in ben Großstäbten (Monumentalbauten, Museen) soviel übrig hat, für einzelne Kunstwerke in ber Provinz, bie oft viel wirksamer unb vvlksbilbenber, namentlich in Lehranstalten, sind, auch etwas thun möchte durch einen unterstützenden Beitrag. In der ganzen Ausstattung (Schränke, Tische, Stühle, Thüren usw.) ist der gotische Stil eingehalten; dadurch erhalten die Zimmer der Schüler im obern Stock einen dem Ganzen entsprechenden Charakter. Es gibt 16 Schülerzimmer, von 1 bis 3 Schülern, je nach Pensionspreis, belegt. Die Zimmer sind den neueren Anforderungen entsprechend einge-

rrchtet und gut gelüftet. Centralheizung, Linoleumbelaq und Riemenböden, später vielleicht elektrisches Licht ober Acetylen, finb weitere Zeugen ber Neuzeit in ben alten Mauern. Der Schule gegenüber liegt ber Gutshof mit Betrieb von 137 ha, mit Obstanlagen unb Weinbergen; zwischen Schule unb Werra behnt sich ein großer Garten, in bem eine meteorologische Station eingerichtet ist. In den Hofgebäuden befinben sich auch bie Haubwerksstätten. Die Schule ist augenblicklich von 15 Schülern besucht; noch einige Aufnahmen stehen bevor; 30 Zöglinge können ange­nommen werben (Pension 10001200^); sie stehen in völliger Verpflegung ber Anstalt. Der Stunbenplan bieses Semesters ist so eingeteilt, baß von 7 bis 9 ober 10 Uhr jeben Tag Vorlesungen gehalten werben, zweimal in ber Woche von 9 bis 12 Uhr Unterweisung burch Hanbwerks- meister (Schmied, Schlosser, Schreiner, Zimmermann, Sattler) erfolgt. Tie Nachmittage sind im wesentlichen praktischer Arbeit in Feld und Garten oder botanischen, forstlichen, geologischen und landwirtschaftlichen Ausflügen gewidmet. Der Lehrkörper ber Anstalt besteht aus fünf Lehrern: Direktor Fabarins (liest in biefem Semester Kultur- unb Colonial­geschichte), Dr. Thiele, lanbwirtschaftlicher Verwalter (Pflanzenbau), Dr. Spieker (Chemie, Botanik), Dr. Albinger, Bücherwart (Volkswirtschaft, Sprachen, Turnen), Sonnenberg, Gartenmeister. Von ben Nachbaranstalten sind beigezogen die Herren: Oberforstmeister Weise-Münden, Geheimrat Professor Dr. v. Könen (Geologie), Geheimrat Professor Dr. Esser (Tierarzneckunde), Stabsarzt Arning (Tropen- hygieine), alle von Göttingen. Die Professoren Dr. Wohlt- mann-Bonn und Dr. Fesca-Berlin werden im August Kurse über Tropenkultur und -pflanzen halten. Die also einge­richtete und betriebene Kolonialschule hat zum Wahlspruch: Mit Gott für Deutschlands Ehr', Daheim und überm Meer!" Eigenartig, groß, vielseitig ist ihre Aufgabe; schwierig und doch wieder reizvoll für Lehrer und Schüler. Mögen die guten Wünsche, die ihr bei der Einweihung mitgegeben wurden, in Erfüllung gehen! Sie wird dann dem Vaterlande und seinen Kolonien zu Segen und Ehre gereichen.

* Ein ganzes Dorf in Brand geschoffcn. Ein interessantes, militärisches S ch a u s p i e l entrollte sich dieser Tage bei bem Dorfe Ridders. Zur Vergrößerung bes Lockstedter Lagers hat bekanntlich der Militärfiskus größere Strecken Landes, zum Teil noch mit Gebäuden besetzt, angekauft; hierzu gehört auch das obengenannte Dorf Ridders, das jetzt bereits von den Bewohnern verlassen ist. Um dieses Dorf dem Erd­boden gleich zu machen, rückten die Feld-Artillerie-Regimenter Nr. 9 und 24 aus dem Lockstedter Lager aus. Es begann eine Kanonade auf das willkommene Zielobjekt, die eine ehrende Probe von der Trefflichkeit unserer Artillerie ablegte. Mit dem fünften Schuß standen mehrere Häuser in Flammen, und als nun gar Schnellfeuer kommandiert wurde, brannte das ganze Dorf in wenigen Minuten lichterloh.

UmversMs Nachrichten.

Berlin. In der mediziniichen Fakultät der hiesigen Unt- verfität hat sich Dr. Ludwig Pick als Privatdozent für das Fach der Frauenheilkunde habilitiert.

Berlin. Vor einigen Tagen wurde hier ein Student der Medizin aus Guatemala zum Dr. med. promoviert. AlS Opponent« traten drei Doktoren aus Peru, Ch'le und Nicaragua auf Die Dissertation war ein Beitrag zur Theorie des Nervenprtnzips; der junge Doktor erhielt das Prädikat magna cum laude.

Heidelberg. Von hier wird derAllg. Ztg." berichtet: Die Baulichkeiten der hiesigen Universität haben sich schon längst alS zu klein erwiesen; namentlich fchlt es auch an einem wirklich großen Saal für öffentliche oder aus anderen Gründen sehr stark besuchte Kollegs. So mußte Kuno Fischer in diesem Semester seine Vor­lesungen in die Aula verlegen, weil das größte Auditorienzimmer die Hörer bei weitem nicht fassen konnte. Jetzt nun hat die Uni­versität ein in der Nähe liegendes Privatgebäude gepachtet, um darin neue Auditorienzimmer zu schaffen. Ob man mit diesem Notbehelf lange autzkommen wird, ist eine andere Frage; vi-lmehr dürfte der Staat über kurz oder lang daran gehen müssen, ein ganz neues all­gemeines Kollegiengebäude zu errichten, umsomehr als das bisherige den Anforderungen der Neuzeit nicht gerecht wird.

Straßburg. An der hiesigen Universität wurde der Privatdozent Dr. W. Sptegelberg zum außerordentlichen Profesior mit dem Lehrauftrag für Egypliologte beauftragt.

München. Bet dem am 26. ds. staltgehabten Stiftungs­fest unserer Universität wurde verkündet, daß den Preis für die Lösung der Aufgabe in der staatswirtschaftlichen Fakultät Oberst a. D. Ritter v. Renault aus München erhalten habe.

Leipzig. An der hiesigen Universität wurden der Privat« dozent der Rechte Dr. H. Triepel, der Privatdozent der Geschichte Dr. E. Brandenburg und der Privatdozent der Astronomie Dr. B. Peter zu außerordentlichen Professoren ernannt, Dr. Peter wurde auch die Stellvertretung des Direktors der Sternwarte übertragen.

Leipzig. Heber den hier verstorbenen Orientalisten Albert Socin wird folgendes mitgeteilt: Socin, der in Basel 1844 geboren war, studierte in feiner Vaterstadt, dann in Genf, Göttingen und Leipzig orientalische Sprachen und promovierte 1867 in Halle. Von 1868 vis 1870 lebte er im Orient, wo er wichtige Forschungen über arabische Dialekte, über datz lebende Syrische, sowie über kurdische Sprache machte. 1871 habilitierte er sich aq ber Universität Basel und wurde daselbst 1873 zum außerordentlichen Professor ernannt. In diesem Jahre unternahm er eine zweite wissenschaftliche Reife nach Syrien und Palästina, 1876 wurde er als ordentlicher Professor nach Tübingen, 1890 nach Leipzig berufen. Socin war der Gründer desDeutschen Palästinavereins", in besten Zeitschrift er Aufsätze veröffentlichte. Von ihm sind zahlreiche fachwissenschaftliche Schrift« erschien«.

Todesfall -----

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