Mittwoch den 1. März
1909
Zweites Blatt
Nr. 51
Amts- und Anzeigeblatt für den Web Metzen.
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Rebattion, Txprdition und Drurterei:
Schntstraße Ar. 7.
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Annahme een «njtigen zu der nachmittag- für den Agenten lag erscheinenden Nummer bi- norm. 10 Uhr.
Adresse für Depeschen: Anzeiger ch letze».
Fernsprecher Nr. 51.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Klätter für hessische Volkskunde.__
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ZSerngsprel, vierlrljährlich 2 Matt 20 Psg. Monatlich 75 Psg. mit Bringersohn.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich.
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ihren Dank für ehrende Kundgebung am Sonnabend ausspricht. ,
Die Beratung des Etats der Verwaltung der elsässisch-lothringischen Reichseisenbahnen wird fortgesetzt. .
Abg. Hauß (Els.) empfiehlt Petitionen um Gehaltsaufbesserung für verschiedene Beamtenkategorien.
Abg. Riff (Els.) hat den gleichen Wunsch, namentlich zu gunsten der Telegraphisten.
Abg. Werner (Antis.) plaidiert für Besoldungs- erhöhungen für Betriebssekretäre und Telegraphisten.
Minister Thielen entgegnet, die Klasse der Betriebssekretäre stehe auf dem Aussterbeetat, an die Eisenbahn- telegraphisten ferner würden nicht so hohe Anforderungen gestellt wie an die Telegraphisten der Reichspostverwaltung.
Abg. Bueb (Soz.) verweist auf die erhebliche Mehr- einstellung von Zugführern, Lokomotivführern und Weichenstellern im vorliegenden Etat. Da doch selbstverständlich ein so starker Mehrbedarf nicht gerade in diesem einen Jahre eingetreten sein könne, sei das der beste Beweis, daß in den Jahren zuvor in ungebührlicher Weise notwendige Stellen mit Hilfskräften besetzt worden seien, und zwar mit unzulänglichen. , t
Minister Thielen stellt dies in Abrede. Für normale Verkehrsverhältnisse reiche die Zahl der Angestellten aus, für besondere Umstände werde Rat geschaft aus dem Anwärterpersonal, das aber ebenfalls qualifiziert sei.
Bei einem weiteren Teil beklagt Abg. Heuß (Els.) den Mangel an Betriebsmitteln.
Bei den einmaligen Ausgaben hat die Kommission eine erste Rate von 400,000 Mk. gestrichen für Anlage einer elektrischen Zentrale in Mülhausen.
Geh. Rat Wacker zapp ersucht um Bewilligung.
Nach längerer Debatte entscheidet sich das Haus, gemäß dem Anträge der Kommission, für Streichung des Postens.
Die Kommission beantragt schließlich zu diesem Etat noch eine Resolution, betr. Abänderung von Uebel- ständen auf dem Güterbahnhofe und in Folge von Niveau- Uebergängen in Straßburg und Colmar.
Die Resolution wird angenommen.
Der Etat des Rechnungshofes wird debattelos erledigt.
Beim Etat des Reichsschatzamts bemängelt Abg. P ach nicke (frs. Vg.) eine preußische Verfügung, wonach für eine gewisse Kategorie des Veredelungsverkehrs im Bereiche der Textilindustrie die sonst dem Veredelungsverkehr gewährten Vergünstigungen aufgehoben worden seien. (Es handelt sich dabei um Wollgarneinfuhr).
Schatzsekretär v. Thielmaun entgegnet, ein Ausgleich sei schon im Wege, indem der Bundesrat die Gründe, welche die Hamburger Zollverwaltung leiten, dem preußischen Finanzminister mitgeteil hat.
Der Etat wird genehmigt.
Beim Etat derZölle und Verbrauchssteuern, Titel-Zölle, klagt Abg. Schwerin-Löwitz (Kons.) über Schädigung der Reichskasse durch nichtbräuchliche Anwendung des Abfertigungsverfahrens bei Export von Mehl, indem auf minderwertiges Mehl dieselbe Vergütung gezahlt werde wie auf gutes. Welche Maßregeln gedenke die Regierung zu ergreifen, um diesem Mißstande zu begegnen. Unser ganzes Vergütungsverfahren sei falsch, weil es keine Rücksicht nehme auf die Verschiedenwertigkeit der ausge- führten Mehle.
Schatzsekretär Thielmann führt aus, hier liege eixe außerordentlich verwickelte Frage vor. Das Gesetz mache keinen Unterschied zwischen hochwertigen und geringwertigen Mehlen. Er, Redner, sei bereit, gemäß den Wünschen des Landwirtschaftsrats, einen Weg zu finden, um die Verschiedenheit der Typen zu berücksichtigen. Daß die Reichskaffe geschädigt worden sei, dafür liege ein Beweis nicht vor.
Nunmehr vertagt sich das Haus auf morgen 1 Uhr. Fortsetzung der Etatsberatung.
Schluß 6 Uhr.
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Deutsches Reich.
Berlin, 27. Februar. Die Reichstags-Kommission für das Invaliditäts-Versicherungs- gesetz setzte heute vormittag ihre Beratungen fort. § o, der von der freiwilligen Versicherung handel, wurde ausgesetzt. Die §§ 9 bis 11, die den Gegenstand der Versicherung betreffen, wurden mit allen gegen drei Stimmen angenommen.
ß-rscheiul täglich »ik Ausnahme des MontagS.
Di« Gießener y»ml(i<nß(ätt<r werden dem Anzeiger wbchentlich viermal beigelegt.
bruai l"9, . Silberrente Solvente liefen
Die Wllttnhailstt und das Detail-Geslhast.
Zu dem Preis-Ausschreiben des „Hamburger Fremdenblattes" über das Thema: „Wie können sich die, bislang zumeist in Läden und Lagerräumen betriebenen Klein- und Mittel-Geschäfte gegenüber den Warenhäusern und Warenbazaren helfen, und welche Reformen sind im eigenen Geschäftsbetriebe ratsam, um die selbständigen Betriebe im Handel, in der Industrie und im Gewerbe zu erhalten?" waren bis zum 1. Februar 122 Bewerbungs-Artikel eingelaufen. Von diesen schieden als völlig ungeeignet sofort aus 44, von den übrigen 78 nach sorgfältiger Prüfung abermals 18, so daß 60 Preisausschreiben zur ernsthaften Bewerbung verblieben.
An dem Preisrichteramt beteiligten sich außer der Redaktion des Blattes zehn Herren der verschiedensten kauf- mLnnischen Branchen, die durch Beruf und Lebensgang besonders geeignet erschienen, die Mängel im Detailgeschäft ur'o die Sorgen des Detaillisten zu kennen.
Auf die engere Wahl gelangten von den obigen 50 Artikeln 20, von denen ein kleineres kaufmännisches Komitee, bestehend aus drei Herren des ersten Warengrossistenstandes und dem Chefredakteur des Blattes, zwei zur kllqsten Wahl brachten, die das genannte Blatt veröffentlicht. Wir entnehmen daraus als für unsere Leser lehrreich
Was kann der Kleinhandel und das Mittelgeschäft aus gedachter Bewegung lernen, für sich als Richen ziehen und zur eigenen Gesundung anwenden?
1) Man etabliere sich nur mit genügendem Kapital, m. Verhältnis zum Umfang des zu gründenden Geschäfts.
2) Man etabliere sich nur mit genügenden Sach- kenntnissen, besonders im Ein- und Verkauf.
3) Man etabliere sich in keiner Branche, die man inicht versteht.
4) Man kaufe und verkaufe möglichst gegen Bar. Man vermeide Accepte und Tratten; sind diese nicht ganz zu umgehen, so sorge man unbedingt für prompte Einlösung. L Ä .
5) Man vermeide die Außenstände bei den Kunden .Md versuche wenigstens diese durch Monatsrechnungen inzutreiben. mx
6) Man nehme jede Offerte höflichst an. Man prüfe alles, auch die Muster neuer Fabrikanten, und kaufe taS Beste.
7) Man prüfe beim Einkauf seine Vorräte.
8) Man kaufe nur gute Waren und Qualitäten.
9) Man braucht nicht alle Artikel und Waren zu laufen, weil sie „billig" sind. Die Hauptfrage muß sein, sind die Waren für ihren bestimmten Zweck auch geeig net?
10)^Man hüte sich vor dem Einkauf von „Partien". Er qiebt ein irreguläres Lager, und die Kunden werden nach unb nach der Ansicht, daß alles „Partie" und „billig" jein muß. rr „ .
11) Gute Waren müssen stets einen angemessenen Preis losten! , r
12) Man lasse sich bei jedem Auftrage eine genaue Abschrift des Bestellten geben. Man prüfe Ziel, Quan- lum, Preis und Lieferzeit und andere Abmachungen.
13) Man habe beim Einkauf kein blindes Ver- lrauen zum Lieferanten. t
14) Man sei beim Empfange der Waren fein khikaneur, kein Nörgler. Ein jeder Lieferant meidet Idiese und kann auch Kunden entbehren.
15) Man reguliere seine Warenschulden der Abmachung entsprechend, und unterlasse unbegründete Abzüge.
16) In größeren Städten bringt man es möglichst zum Spezialgeschäft; an kleineren Plätzen find Sortimentsgeschäfte mit genügender Auswahl geeigneter.
17) Man halte auf fleißiges, tüchtiges und anständiges Personal und bezahle dieses anständig.
18) Man vermeide, Lehrlinge zu nehmen, die durch niedrige Bildung oder körperliche Gebrechen sich nicht für btn Beruf eignen.
19) Man sorge für anständige und zweckentsprechende S«schäftslokale und einige Bequemlichkeiten für die ‘buben. ,p , . . , . , . ,
20) Man halte auf gut und wechselnd dekorierte, saubere aufenster und gute Beleuchtung derselben.
21) Man verkaufe mit nicht zu hohem Nutzen. Bersonders Konsumartikel sind billig zu verkaufen, hiier gilt es unbedingt: „Großer Umsatz, kleiner Nutzen." Bcrstes und sicher wirkendes Mittel gegen die Konsumvereine!
22) Man mache sich zu eigen, daß der Verkäufer für die Kunden da ist, und nicht umgekehrt.
23) Man bediene einen jeden höflich und bestimmt.
24) Man lasse sich, auch einem lästigen Kunden gegenüber, nicht zu unpassenden Bemerkungen hinreißen.
25) Man habe keine verschiedenen Verkaufspreise für gleiche Waren.
26) Man vermeide Reklameartikel und bekannte Waren, die von den Warenhäusern unterboten werden.
27) Man leiste in seiner Bran sie etwas durch Auswahl und Preis.
28) Mau gewähre an Vereinsmitglieder feine Extra- Rabatte. Jeder Kunde mit barem Gelde hat das Recht, gleiche Vorteile zu haben. m .
29) Man vermeide Lagerhüter. Der erste Verlust ist stets der beste.
30) Man halte darauf, sein Lager mehreremale im Jahre umzusetzen, und ferner auf musterhafte Ordnung in seinem Geschäft und in seinen Büchern.
31) Man mache unbedingt wenigstens alle zwölf Monate Bilanz.
32) Man mache genügende Abschreibungen bei der Inventur. Der eventuelle Schaden kommt bei der nächsten Inventur wieder herein. .
33) Man richte seine Ausgaben, besonders den Privatgebrauch, nach seinen Einnahmen und seinem Gewinn ein.
34) Man fei pünktlich und passe auf, so lange man ein Geschäft hat. Der Detaillift enthalte sich, so lange sein Geschäft offen ist, möglichst des Besuches des Wirtshauses. Ist er unverheiratet, so mache er seine Mittagszeit im Restaurant kurz ab.
35) Man unterschätze keinen Konkurrenten, sondern suche von diesen zu lernen. An den Schwächen seiner Konkurrenz helfe man seine eigenen bekämpfen.
36) Man spreche nie gering oder viel über seine Konkurrenz, wodurch man oft, unbewußt, nur Reklame für diese macht!
37) Man spreche nicht immer über schlechten Geschäftsgang, besonders den Kunden gegenüber. Das verstimmt und untergräbt die Sicherheit des Kunden.
38) Man sei nicht hochfahrend gegen Lieferanten und breche keine sich sonst bewährt habenden Verbindungen wegen geringer Differenzen, besonders wenn man auf „Kredit" angewiesen ist. Am besten ist, wenn man sich niemand gegenüber verpflichtet fühlt.
39) Man kann von länger bestehenden Verbindungen in der Notlage ein weit größeres Entgegenkommen erwarten, als von neuen Lieferanten: lasse sich aber nicht abhalten, auch neue Offerten auf ihren Wert zu prüfen.
40) Man hoffe nicht immer auf bessere Zetten. Bringt eine Handlung keinen Gewinn, so suche man nicht die Schäden in der Zeit oder gar „schlechtem Wetter", sondern nur allein in der Veranlagung und Handhabung seines Ge- schaftes selbst^ ruf)ig feinc Branche und Artikel,
wenn sie Verlust bringen. Eine jede Branche ist ehrlich und ^pjftQn annonciere viel oder garnicht! Für Mode- und Saison-Artikel aber unbedingt zur Saison und zum Ausverkauf! Man mache viel Reklame für Artikel und Gelegenheiten, die die Firma im wetteren Kreise bekannt ^43)^Man sorge für Referenzen, die genügende und ausführliche Auskunft geben können.
44) Man sei ..praktisch" in jeder Form, und rechne nickt auf ein sogenanntes „Glück"!
45) Man erwarte vom Schicksal nicht mehr, als man (eIbft46)gkn s-i zusrieden! Ein jeder hat seine Schwierig- fpitcn etwas mehr oder weniger.
471 Man verlang- von seinem Geschäft keine größeren Einnahmen, als dieses anch im Verhältnis zum Umsange uÜd eigenen Betriebskapital und -,g-n-r Leistung bringen fan48) Man ergänz- sich rechtzeitig durch jüngere Kräfte' Auch die Jugend mit ihrerThatkraft. srlschen und modernen Ansichten hat eine Berechtigung, und bring, das Unternehmen ebensalls zum sicheren Ziel.
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43. Sitzung vom 27. Februar. 1 Uhr.
President Graf Ballestrem verliest zunächst em von der Packetfahrt-Aktien-Gesellschaft in Hamburg eingegangenes Schreiben, in welchem dieselbe dem Reichstage
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1 Lz 11 0 I |l I v-zJW II .21/ III 1^ I nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.
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