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Nr 5t Drittes Blatt.Mittwoch de» 1. März
1890
Gießener Anzeiger
General-Unzeiger
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Deutsches Deich.
M P C. Berlin, 27. Februar. Nach Annahme parlamentarischer Kreise dürfte die Militärverwaltung auf der Durchsetzung ihrer Forderungen für die Kavallerie mit minder starkem Nachdruck bestehen, als auf der, daß ihr bewilligt werde, was sie für die Infanterie begehrt.
M.P C. Wir erfahren aus München, daß man dort mit Bestimmtheit darauf rechne, daß, wenn die bayerische Kammer in die Beratung des Militäretats eintritt, die Frage der Errichtung eines bayerischen Senats beim Reichsmilitärgerichtshof ihre Erledigung bereits gefunden haben werde. Eine eventnelle Aktion des Centrums oder der Sozialdemokratie in der bayerischen Kammer, die den ausgesprochenen oder unausgesprochenen Zweck habe, Minister zu stürzen, werde lediglich dazu beitragen, die Stellung des Ministeriums zu befestigen.
Ausland.
Wien, 27. Februar. Bekanntlich ist die Stellung der Tschechen zum Dreibunde derart, daß es notwendig ist, die bezüglichen Aeußerungen aus jenem Bestandteile der österreichischen Regierungsmehrheit nicht außer Acht zu lassen. Aus diesem Anlässe schreibt man der T. R. aus Deutsch lwhmcu neuerdings: Unlängst sprach Herr Kramarz von dem „abgespielten Luxusklavier" und derlei Dingen. Nun hat er einen ihm ebenbürtigen Dreibundshasser gefunden, innb zwar in dem von der letzten Parlamentssitzung her be- lanttten Wiener Berichterstatter der „Narodni Listy", dem kaiserlichen Rate (!) Penizek, einem bei der Regierung Thun Kaizl sehr gut angeschriebenen und viel vermögenden Manne. Derselbe schrieb in dem Februarhefte der „Cesku Revue", dem „Stelldichein Platze" der tschechischen Politiker, einen Aufsatz über auswärtige Politik, in welchem er aus- cinandersetzt, daß zur selben Zeit, da sich eine aufrichtige russisch österreichische Freundschaft entwickele, sich die deutsch- österreichische trübe. Er erklärt, Preußen betreibe die Ausweisungen der „unschuldigen" österreichischen Polen und Tschechen mit einer „Rohheit, die keineswegs einer ersten Kulturnation, wohl aber der letzten unter den Menschenfressern würdig sei" (!). Weiter erklärt Herr Penizek, daß Kaiser Wilhelm selbst der Urheber dieser Ausweisungspolitik fei, und daß derselbe durch den deutschen Botschafter Eulenburg beim Kaiser von Oesterreich gegen Goluchowski und Thun wegen der Interpellation des Abg. Engel Klage fuhren ließ. Schließlich fragt der Verfasser den Grafen Goluchowski, ob es wahr sei, was in Wien öffentliches Geheimnis sei, nämlich daß sich Graf Eulenburg „anmaße", in der Aera Thun gegen dessen Politik die Rolle zu wiederholen, welche Prinz Reuß gegen Taaffe gespielt habe, und daß Eulenburg vertrauliche Beziehungen zur deutschen Opposition habe, ja daß er in die innere österreichische Politik, auch in den höchsten Kreisen eingreife (!). Weiter fragt er, ob es Goluchowski bekannt sei, daß Kaiser Wilhelm mit dem Sitltan einen ähnlichen geheimen Vertrag abgeschlossen habe, wie es der geheime Vertrag Bismarcks mit Rußland war. — In dieser Weise hetzen und schüren die Tschechenführer (und kais. R. Penizek ist, wie bemerkt, eine sehr einflußreiche Persönlichkeit) gegen die Deutschen und den Dreibund.
— Aufsehen erregende Schilderungen bringen schwedische Blätter über die Vorgänge in der Hauptstadt Finlands anläßlich der Kundgebung des Zaren über die Verfassungsänderung, welche das genannte Groß- fürstentum seiner Selbständigkeit betreffs der Wehrpflicht entkleidet. Der leitende Redakteur des amtlichen Blattes trat sofort von seiner Stellung zurück, da er niemals selber die betreffenden Aktenstücke veröffentlichen wolle. Die Mitglieder des Landtages suchten durch Vorstellungen beim Senate die Veröffentlichung zu hindern oder so lange hin- LUszuschieben, bis der Kaiser von der Derfassungswidrigkeit der Verfügung unterrichtet sei. Bürger von Helsingfors beschlossen in einer Versammlung eine in scharfen Aus- d-rücken abgefaßte Adresse, welche die Senatoren aufforderte, gemäß Pflicht und Eid ihre Zustimmung zur Veröffentlichung des Manifestes zu versagen und Maßregeln zur Verhinderung eines solchen Verfassungsbruches zu treffen. Sine Abordnung der Landtagsmitglieder an den Senat gab beeren früheren Vorstellungen erneuten Ausdruck. Mit Motzer Spannung sah man der Entscheidung des Senats entgegen, da man wußte, daß der russische General-Gouver- meur Bobrikow die größten Anstrengungen machte, die Senatoren durch Drohungen zum Nachgeben zu veranlaffen,
und man betreffs ihrer Widerstandskraft nicht sicher war. Bobrikow soll sogar gedroht haben, eine Weigerung des Senates zur Veröffentlichung des Manifestes mit Verkündigung des Belagerungszustandes und dem Einrücken russischer Gardetruppen in Finland zu beantworten. So gab der Senat nach, allerdings nur mit Stimmengleichheit, zehn gegen zehn, wobei die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag im russischen Sinne gab. — Ein anderes schwedisches Blatt enthält einen Bericht aus Helsingfors, in dem es heißt, nachdem der russische Kaiser abgelehnt habe, das Präsidium des finländischen Landtages zu empfangen, bleibe dem Landtage nichts anderes übrig, als die Weiterberatung der Militärvorlage zu verweigern. Die Unruhe im Lande nehme zu; die Bevölkerung beginne Trauerkleidung anznlegen. Größte Teilnahme mit dem Geschicke Finlands herrscht in Schweden und Norwegen, wo man jenes Land in weiterem Sinne zu Skandinavien rechnet. Rückhaltlos verurteilt die Stockholmer Presse aller Parteirichtungen das russische Vorgehen. Das Blatt „Nya dag- ligt Allehanda", welches dem Minister des Aeußern Grafen Douglas nahesteht, bezeichnet das Reskript des Zaren als „letzten Todesstoß gegen die altschwedische Kulturtradition Finlands". Selbst in den radikalen Kreisen Norwegens, wo bisher lebhafte Sympathien für Rußland vorhanden waren, ist ein völliger Umschwung in der öffentlichen Stimmung hervorgetreten. Man befürchtet, daß die russischen Rüstungen auf finnischem Boden geradenwegs eine Gefahr für die Unversehrtheit der skandinavischen Halbinsel bedeuten. In Kreisen, welche dem Steen'schen Kabinett nahestehen, trägt man sich mit dem Gedanken, eine Immediateingabe des Storthings vorzubereiten, laut welcher die Regierungen der drei nordischen Länder ersucht werden sollen, die Teilnahme- Erklärung zur bevorstehenden russischen Friedenskonferenz zurückzuziehen. — Der Lage der Dinge nach können alle diese Teilnahme-Beweise für Finland indes nur als rein platonische gelten, welche an der jetzt sich vorbereitenden Thatsache der völligen Russischmachung Finlands nichts zu ändern vermögen.
London, 27. Februar. In Marinekreisen versichert man, der Herzog von Jork werde in den nächsten Tagen das Kommando des australisch-englischen Geschwaders übernehmen.
Amerika. Im höchsten Grade unbehaglich ist die Lage der Nordamerikaner bei und in Manila. Die Nacht auf Donnerstag war, wie schon kurz erwähnt, eine Schreckensnacht. Die Philippiner brachten ihre häufig wiederholte Drohung zur Ausführung und steckten ganze Stadtviertel in Brand. Ein amerikanischer Offizier und drei Soldaten wurden von den Schüssen, die aus den Fenstern fielen, verwundet. Der Feuerwehr wurden fünfmal die Schläuche abgeschnitten. Vor der Stadt suchten die Insurgenten an verschiedenen Punkten die amerikanischen Vorposten zu reizen. Der Versuch, den äußersten linken Flügel bei Calucan zu durchbrechen, wurde durch ein heftiges Gewchr- und Arlilleriefeuer schnell verhindert. Mittlerweile hatten sich kleine Jnsurgentenhaufen zwischen die Stadt nnd die Vorposten gedrängt. Etwa 1000 derselben hatten sich verschanzt. Sie wurden allerdings geschlagen und hatten einen Verlust von 500 (?) Toten und Verwundeten; 200 (?) wurden gefangen genommen. Der amerikanische Verlust in den Gefechten vor Manila am Mittwoch und Donnerstag ist: vier Offiziere tot und einer verwundet, sowie neun Mann tot, 24 verwundet. Jetzt ist zwar die in Panik verfallene Stadt wieder ruhig und der Geschäftsverkehr wieder ausgenommen worden. Aber am Freitag beunruhigten Scharfschützen der Filipinos die amerikanischen Linien den ganzen Tag über, besonders in der Umgegend von Calucan. Auf Seiten der Amerikaner wurden dabei ein Leutnant und drei Mann verwundet und ein Mann getötet. Aus Washington werden sofort weitere Verstärkungen nach Manila geschickt, sodaß General Otis 30000 Mann unter sich haben wird. Es heißt, General Otis werde einen kräftigen Feldzug einleiten, um den Insurgenten einen solchen Schlag beibringen, daß dieselben sich unmöglich wieder erheben können. Zunächst aber erscheint die Lage der Amerikaner nicht unbedenklich. Schon neulich hatte der spanische General Rios mittelbar nach Madrid berichtet, die Nordamerikaner hätten alle vorgeschobenen Posten um Manila zurückgezogen, da die Truppen unfähig seien, den Buschkrieg gegen die Philippiner fortzusetzen. Die Regimenter der Generale King und Mac Arthur, die die Linie vom Pasig-Flusse bis Guadalupe besetzt hielten, hätten innerhalb einer Woche 35 Tote in den Vorpostengefechten verloren und gegen 50 Todesfälle durch Fieber zu verzeichnen. Außerdem erkrankten zwei
Drittel aller Mannschaften. Die Aufständischen gingen gegenwärtig auch viel vorsichtiger vor, indem sie jeden offenen Kampf vermeiden, dagegen die Nordamerikaner durch unaufhörliche Einzelangriffe ermüden. Sie verwenden teilweise auch rauchloses Pulver, wodurch ihre Verfolgung innerhalb der bewaldeten Gelände ganz unmöglich wird. General Rios glaubt deshalb, daß selbst die erwarteten Verstärkungen die Nordamerikaner nicht in die Lage versetzen werden, die Aufständischen aus der Umgegend von Manila zu vertreiben. — Dazu kommt nun noch, daß Admiral Dewey die Entsendung des Schlachtschiffes „Oregon" nach Manila erbeten hat. Dies überrascht in amtlichen Kreisen Washingtons, wo einige Besorg nis herrscht, ob Dewey nicht nach Mitteln suche, um einer möglicherweise bevorstehenden Intervention der europäischen Mächte auf den Philippinen zuvorzukommen. Man glaubt in Washington, daß bei den letzten Bränden viel fremdes Eigenthum zerstört worden ist, und daß einige Komman bauten der in den dortigen Gewässern stationierten fremden Kriegsschiffe erklären könnten, daß die Interessen ihrer Landsleute Schutz verlangen. Natürlich zielt diese nervöse Mutmaßung in erster Linie wieder auf das vielverlästerte Deutschland hin.
Vermischtes.
Friedrich Spielhagens 70. Geburtstag brachte gestern — so meldet man unterm 25. Februar aus Berlin — für den Jubilar Zeichen der Liebe, Verehrung und Anerkennung seines langen litterarischen Wirkens aus allen Schichten der Bevölkerung Deutschlands und des fernen Auslandes, Männer der Feder, Kunst und Wissenschaft, des politischen und werkthätigen Lebens fanden sich bei ihm ein, um ihn an diesem Tage aufrichtigen Herzens zu beglückwünschen. Auch die akademische Jugend fehlte nicht unter den Gratulanten. Unter den ersten, die gestern das 70jährige Geburtstagskind telegraphisch begrüßten, war Kultusminister Bosse. Die Einladung auf Sonntag zum Spielhagen-Banket hat Dr. Bosse wegen Ueberhäufung mit parlamentarischen Geschäften und wegen seines Gesundheitszustandes dankend abgelehnt. Die Stadt Charlottenburg hat beschlossen, zu Ehren Spiel- Hagens für eine der neuen Straßen Charlottenburgs dem Kaiser den Namen Friedrich Spielha genstr aße vorzuschlagen. Das k. Schauspielhaus ehrte Spielhagen mit einer Aufführung seines Dramas „Liebe um Liebe". Der greise Dichter hat den anstrengenden Tag vortrefflich überstanden. An dem Festbanket, das am Sonntag ihm zu Ehren vom „Verein Berliner Presse" und der Litterarischen Gesellschaft veranstaltet wird, nehmen gegen 600Personen teil.
* Jung-Amerika. Ein hübscher, aufgeweckter Junge spaziert vor einigen Tagen in den Laden eines New Dorker Drogisten. „Ich möchte sechs Pfund Zucker, zu vier Cents das Pfund, haben," lieft er von einem Zettel ab. „Schön" entgegnete der Verkäufer, „das macht vierundzwanzig Cents." „Elf Pfund Reis, zu sechs Cents das Pfund." „Sechsundsechzig Cents." „Sechs Viertel Bohnen, zu sechzehn Cents das Quart." „Sechsundneunzig Cents." Und in dieser Weise geht es fort: Drei Pfund Stockfisch zu soundsoviel, vier Pfund Thee, fünf Büchsen Tomatos, sieben Büchsen eingemachte Birnen und zum Schluß sagt der Junge: „Geben Sie mir die Rechnung über alles." Der Kommis stellt die Rechnung aus und gibt sie dem Besteller mit der Frage, ob seine Mama ihnl das Geld mitgegeben habe oder ob der Betrag ungeschrieben werden solle. „Meine Mama Hut mich gar nicht hergeschickt," sagt der Junge triumphierend, sobald er die Rechnung in der Hand hat, „es ist blos meine Rechenaufgabe, die ich mir doch von irgend jemand machen lassen wollte".
* Ein bejahrter Papa. In Appenzell lebt gegenwärtig der 84jährige X. Inanen, dem kürzlich seine zweite Frau das zweite Söhnlein geschenkt. Als seine älteste Tochter die silberne Hochzeit feierte, beging er sein goldenes oder 50 jähriges Hochzeitsjubiläum. Von den 14 Kindern erster Ehe leben noch 8; ferner hat er 46 Enkel und 36 Urenkel. Inanen erfreut sich einer guten Gesundheit, ist heiter und tanzt noch wie ein junger. Sein ältester Sohn ist nun 60 Jahre alt; dessen jüngster Bruder wurde am 4. Februar d. Js. geboren.
* Eheschließungen auf Helgoland. Im Jahre 1898 sind auf der Insel Helgoland insgesamt 230 Eheschließungen vollzogen worden, wovon 17 auf einheimische und 210 auf auswärtige Brautpaare (mit Befteiung vom Aufgebot) entfielen. Außer diesen 227 Brautpaaren wurden noch 3 Paare auf Helgoland kirchlich getraut, nachdem sie


