Ausgabe 
31.12.1898 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Gesetzentwurf, der für alle Volksschulen Niederösterreich» die Leutsche Unterrichtssprache festsetzt, nicht die Kaiser­liche Genehmigung erhalten. D<r genannte Landtag hat nun soeben von Neuem deoseiben Gesetzentwurf dringlich und ein­stimmig angenommen, und zwar ohne Erörterung. Nur der Antragsteller, Dr. Kott, ko, sprach zur Begründung und be­tonte, daß die tschechischen Umtriebe in Niederösterretch be­deutend zugenowmen haben, und vermiet auf die anmaßende Sprache Wiener Tschechen.

Budapest,29. December. Die AbgeordvetenhauS- sitzuu g nahm heute einen äußerst stürmischen Verlauf. Graf Albert Aponyi erklärte fich in längerer Rede mit den Aut- führungen Horantzktt über Ba> ffy vollständig einverstanden. Banffy habe fich derartige Inkorrektheiten zu Schulden kommen lasten, daß die Opposition mit Recht seine Demission fordern könne. Unter furchtbarem Lärm antwortete Bavffy, für feine Verfügungen übernehme er die volle Verantwortung. Trotz der gegen ihn ^gerichteten Hrtze werde er auf seinem Posten verbleiben und nicht dulden, daß die Minorität durch solche verwerfliche Mittel zur Geltung gelange.

Graz. 29. December. Die deutsche Volktpartei in Steiermark beschloß eine Kundgebung, in welcher alle deutschen Abgeordneten aufgefordert werden, im Reichstage eine energische Opposition und Obstructiov für so lauge wieder aufzuuehmen, bit die Spracheu-Verordnuvgen wieder zurück­gezogen werden.

Paris, 29. December. Noch hat sich die öffentliche Meinung kein bestimmtes Uriheil über die sonderbare Er­nennung des Senators EonstauS zum Botschafter bet der hohen Pforte gebildet. AlS ein Cowpliwent für den Sultan kann seine Wahl kaum aufgefaßt werden, denn nach den Berlkumduugeo, die SovstauS nie widerlegt hat, bleibt immer etwas an seiner Persönlichkeit hängen. So dürste trotz der Preßfreiheit EonstauS eS eigentlich nicht ruhig hiunehmrn, daß heute der Jatraofigeaut den Sultan auffordert, während der Audienz des neuen frauzöfischru Botschafters sein Silber­zeug in Sicherheit zu bringen. Irgend einen Grund muh indeffeu doch die Regierung haben, ihn dem Sultan zuzn- schickeu; und da kommt denn heute derGauloiS" mit einem laugen Artikel, worin der Nachweis versucht wird, daß in Konstantinopel bei den bevorstehenden Verwicklungen ein hand­fester Manu und kein bloßer Berufsdiplomat uothweudig sei. ES scheint also, als wolle Frankreich am Bosporus kräftiger auftreten und das Beispiel Deutschlands nachahmen. Derselbe Gedanke findet fich merkwürdiger Weise in einem Figaro- Bericht aus Konstantinopel, der die Audienz deS dermaligeu Ministers Bourgeois beim Sultan behandelt. Nach dem Sturze des CabinetS Briffon hat fich Bourgeois durch eine Balkanreise der DreifuSfrage entzogen, und schon als Minister verstand er fich auf die Kunst, gelegentlich zu verschwinden. Auf der Balkauhalbinsel besuchte er Serbien und gelaugte schließlich auch zum Sultan, der ihm den Großcordon deS OSmauie Ordens verlieh, einen türkischen Teppich schenkte, und ihm ein Frühstück in demselben K o»k auftischen ließ, in dem er den deutschen Kaiser empfangen. AuS feiner laugen Unterhaltung mit dem Sultan hat Bourgeois verlauten lasten, daß jener den Franzosen sehr entgegen kommen wolle, er würde fich sehr wundern, wenn dieses Eatgegeukommeu in Worten fich nicht bald in Thaten umsetzen werde. Daß in Konstantinopel Seitens Frankreichs etwas geschehen wüste, wenn es nicht seinen früheren Einfluß ganz einbüßen wolle, war auch die allgemeine Anficht der Franzosen, die fich dort zn einem Festmahl um den ehemaligen Premierminister Bourgeois vetsammelien. Bourgeois scheint also in Konstanti­nopel eine gewiffe Rolle gespielt zu haben.Köln. Ztg."

London, 29. December.Moruing Post" meldet auS Kairo: Der Bau der sudanesischen Eisenbahn von Khartum nach Sobat wurde diese Woche in Angriff genommen. Die zu bauende Strecke ist 276 Meilen lang.

London, 29. December.Daily Mail" berichtet auS Petersburg, daß gleich in den ersten Monaten des neuen Jahres der Zar dem König Humbert einen Besuch abstatten wird. Der Zar wird über Wien reisen und bei Lieser Gelegenheit auch dem Kaiser Franz Josef einen Besuch abstatten.

London, 29. December.Daily Mail" meldet auö PetterSburg, die rusfische Regierung habe eine gewiffe Anzahl Beamten in die kreteusische Verwaltung ein- treten laffen.

London, 29. December. AuS JohanuiSburg wird gemeldet: Das BlattRandpost", das Organ des Präsidenten Krüger, veröffentlicht einen Artikel über die Wahrschein­lichkeit eines Krieges mit England, worin erklärt wird, England bereite fich zu einem neuen Angriff gegen Transvaal vor. Sollte der Krieg auSbrechen, so sei daS Schuld derjenigen Gruppen der Bevölkerung, welche offen die Vurkn-Reaieruvg tadeln.

Allmählich kommen die Pläne zur Regelung der Verwaltung aus Kreta an den Tag. Der Präsident der Nationalversammlung, Sphakianakis, unterbreitete dem Obercommissar Prinzen Georg ein Programm, nach dem die Nationalversammlung in zwei Monaten einberusen werden soll, um die von dem Executivcomits ausgearbeiteten Gesetz­entwürfe zu beraten. Prinz Georg soll die Mitglieder der Regierung aus der Mehrheit der Nationalversammlung wählen, welche alsdann innerhalb fünf Jahre nicht mehr einberufen werden soll. Das Programm findet lebhaften Widerspruch. Von wem, wird nicht gesagt. Auf alle Fälle aber liefert die Meldung wieder einen Beleg dafür, daß die Herstellung einer gesetzlichen Ordnung auf der Insel noch große Schwierigkeiten bietet und daß die ernste Miene, mit der Prinz Georg seine Vaterstadt Athen verließ, ihre Be- rechtigung hatte._____________________________________

Locales und provinzielles.

Gießen, den 80. December 1898.

* Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben mittelst Allerhöchster Eutfchließurg vom

28. December l. I. gnädigst geruht, den Dr. jur. Corneliu» Freiherrn von Hehl zn Herrnsheim in WormS zum Hofjanker zu ernennen.

Ordens-Verleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergoädigst geruht, am 16. November dem Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär deS Innern, Staatsminister Grafen Dr. v. PosadowSky- Wehner in Berlin, daS Großkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen, an demselben Tage der Lehrerin Elise Wötze zu Hechtsheim aus Anlaß ihrer Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift Für langjährige trene Dienste", am 26. November dem Schullehrer W lhelm Hasselbanm zu Eberstadt, Kreis Gießen, auS Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums daS Silberne Kreuz der Verdienstordens Philipps deS Großmüthigen zu verleihen.

AuS dem Serichtttdieust. Durch Entschließung Großherzoglichm Ministeriums der Justiz wurde der Groß« herzogliche GerichtSaffeffor Dr. Fuhr in Ortenberg vom 1. k. MtS. an bis auf Weiteres mit Wahrnehwurg der Dienstverrichtungen eines dienstauffichtführenden Amtsrichters bei Großh. Amtsgericht Hungen beauftragt.

Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 15. Derember wurde der GerichtSaffeffor Theodor Beilstein in Gießen zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Grünb:rg zu- grlaffen.

* Kirchliche Dienstnachrichten. Am 27. Oktober wurde dem Pfarrer Heinrich Litzendorf zu Gundheim die katho­lische Pfarrstelle zu Sörgenloch, Decanat Nteder-Olm, dem Pfarrer Bernhard LeSker in Darmstadt die katholische Pfarrftelle zn Münster, Decanat Dieburg, mit Wirkung vom 1. December an, übertragen.

Erledigte Lehrerstellen. Erledigt find: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Egelsbach, Kreis Offenbach. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Undenheim, KreiS Oppenheim. Mit der Stelle ist Orgautsteudieust verbunden. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- mrindeschule zu Ober-Ingelheim, KreiS Bingen. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrrrstelle an der Gemeindeschule zu HeideSheim, KreiS Bingen. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstrlle an der Gemeindeschule zu Büdesheim, KreiS Bingeu. Mit der Stelle kann Orgonisteudienst verbunden werden. Sämmt- lich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemeffenden Gehalt.

Dienstnachrichten. Am 9. November wurde dem Geometrrgehilfrn Peter Döß aus Bubenheim das Patent als Gecimter 2. Klaffe für den Kreis Alzey ertheilt. Am 16. November wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach Erbach auf bk Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu EberSberg, Kreis Erbach, präsentirte Schullehrer Conrad Lust zu Hammelbach für diese Stelle bestätigt- au demselben Tage wurde dem Schullehrer Wilhelm Muth zu Crainfeld eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Leiselheim, KreiS WormS, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Leonhard Ihrig zu Leiselheim die Lehrer­stelle au der Gemeindeschule zu Crainfeld, KreiS Lauterbach, übertragen- an demselben Tage wurde der von dem Herrn Prinzen Albrecht zu SolmS-Braunfels auf die erste Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Muscheuheim, KreiS Gießen, präsentirte SchulamtSaSpirant Carl Günther auS Lanzeuhain für diese Stelle bestätigt- am 19. November wurde dem SchulamtSaSpiranten Philipp Balz auö West­hofen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Buben­heim, KreiS Bingen, an demselben Tage wurde dem SchulamtSaSpiranten Georg Fey aus Darmstadt eine Lehrer­stelle an der Semeindefchule zu Ober-Rawstadt, KreiS Darmstadt, au demselben Tage wurde der Schulamts- aSpirantln Margarethe Kempf aus Mainz eine Lehrerinneu- stelle an der Volksschule zu Mainz, am 30. November wurde dem SchulamtSaSpiranten Heinrich Kammer aus Bettenhausen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu TretS 6. d. Lda., KreiS Gießen, übertragen- an dem­selben Tage wurde dir provisorische Lehrerin an der Höheren Mädchenschule zu Offenbach Julie Stamm zur Lehrerin au dieser Schule, unter Belaffung in der Kategorie der Volks- schullehrerinneu, ernannt- am 7. December wurde der von dem Herrn Grafen zu Usenburg und Büdingen in Meerholz auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Himbach, KreiS Büdingen, präsentirte SchulamtSaSpirant Friedrich Frey mann auS Ober-Schmitten für diese Stelle brstäiigt- am 10. December wurde dem SchulamtS­aSpiranten Ferdinand Wolf auS Nidda eine Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Geilshausen, Kreis Gießen, an dem­selben Tage wurde dem SchulamtSaSpiranten Adolf Petri auS Friedberg die 2. Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Hain-Gründav, KreiS Büdingen, am 14. December wurde dem SchuSamtSaSpiranteu Wilhelm Knöpper aus Dorf- G.ll die Lehrerstrlle au der Gemeindeschule zn Weickartshain, Kreis Gießen, übertragen.

Zum Bortragscurs für praetische Laudwirth in Gießen (4 bis 7. Januar 1899). Um den Teilnehmern eine raschere Verbindung vom Bahnhof zuSteinS Gartens", wo der VortragScurS vorau-fichtlich stattfindet, zu ermöglichen, ver­kehren au den vortragStagen außer den gewöhnlichen Omni- buffen noch Extraomnibusse direct zwischen Bahnhos undSteinS Garten" zu bestimmten Zügen. Wie wir hören, wird auch in Gießen ebenso wie bei dem letzten vor- tragScur» in Darmstadt die damals überaus beifällig aufge­nommene Einrichtung getroffen werden, daß die Nachmittage der vortragStage für die DiScussion frei gehalten werden, sodaß auch hier wieder den Theilnrhmern Gelegenheit gegeben wird, über besonders intereifireude Fragen durch die an­regende Form der DiScusfion Auskunft zu erhalten und fich auSzufprechcn.

Diebstahl. Ja einem Haufe an den Bahnhöfen

bettelte gestern Vormtttag rin HandwerkSbursche, und nahm i beim verlaffeu des Hauses eine Hose mit.

Desertirt. Am Biaduet in der Frankfurterstraße wurde gestern ein Packet gesunden, daS die vollständige Kleidung eines Soldaten des hirfigen Regiment» enthielt.

* Besttzvechsel. Herr Mechaniker Schmidt verkaufte sein am SelterSweg belegeneS Haus aa Herrn Messerschmied Reinig für 70 000 Mk. DaS seitherige Reiuig'sche HauS ging an Herrn Schirmfabrikant Levy für 30 000Mk» über.

* * Die Beleuchtung der Persoueuvagen 8. Klasse älterer Bauart soll auf den preußischen StaatSvahuen verbessert werden. Alle Wagen dieser Art, bei denen eine Lampe zur Beleuchtung mehrerer Abtheile dient, sollen derart ein­gerichtet werden, daß in jedem Abtheil eine besondere Lampe fich befindet. Die Arbeiten sollen innerhalb der nächsten drei Etatsjahre ausgesührt werden.

Postkarten. Es ist nicht überall gestattet, Ansichts­postkarten, d. h. von der Privatindustrie hergestellte Post­karten, im AuSlaadSverkehr aufzuliefern. Eine Reihe von Ländern loffru nur die von der eigenen Verwaltung herauSgegebenen Postkarten zur Versendung zu. Hierzu find fie nach dem Weltpostvertrage berechtigt. Die darüber han­delnde Bestimmug lautet:Die von der Privatindustrie her- gestellteu einfachen Postkarten und Postkarten mit bezahlter Antwort find zum internationalen Verkehr zngelaffeu, vor­ausgesetzt, daß die Gesetzgebung deS AufgabelaudrS eS gestattet". (Reglement Art. 15). Gegenwärtig find zum internationalen Verkehr Privatkarteu noch nicht zugelaffen in: Argentinien, Bolivien, Bulgarien, Chile, Republik Columbien, Guatemala^ Republik Honduras, Japan, Cougostaat, Montenegro, Mexiko, Nicaragua, Niederländisch-Jndieu, Niederländisch Guyana, Britisch.HonduraS, Cypern, Goldküste, Lagos, Gibraltar, Hongkong, Mauritius, Britisch-Westindien, Falklands-Inseln, BermudaS-Jnfelu, Sarawak- und FidjiJnselu. von den aufgesührten Ländern läßt Mexiko Privatpostkarteu im innere« Verkehr zu. Einzelne Länder laffen im Wege der Privat- Industrie hergestellte einfache Postkarten zu, nicht aber Post­karten mit Antwort- eS find dies Cauada, Ceylon, Griechen­land, Italien, der Oranje-Freistaat, Serbien und die Ber­einigten Staaten von Amerika.

Worms, 29. December. Gestern vormittag vereinigte» fich, derWorms. Ztg." zufolge, die Bürgermeister und Betg eo r deren aus dem Kreise WormS mit dem Herr« KreiSrath Dr. Kayser zu einer gemeinsamen Sitzung int SiadthauSsaale. ES wurden gemeinsame Gemeindeangelegen- heiten zur Sprache gebracht, so über gemeinsame Kranken- verficheruug, Feuerlöschwesen, Arbeitsnachweis, Fleischbeschau, Errichtung von OrtSbaupläneu re. Die Berathungeu nahmen die Zeit bis Nachmittags 2 Uhr in Anspruch, worauf fich die Theilnehmer, ca. 60 au der Zahl, zu einem gemeinschaftlichen Mittag'ff;n in denAlten Kaiser" begaben.

Mrss bet i fflt ble 6eU»

Vor 151 Jahren, am 31. December 1747, erblickte zu Molmerswende imHalberstädt'schenGottfried August Bürger das Licht der Welt. Er war eine hochbegabte Dichternatur aber ein regelloses Leben, gedrückte Verhältnisse, Armuth und Nahrungssorgen stürzten ihn kummervoll und früh ins Grab. Am ausgezeichnetsten und bekanntesten sind feine Balladen und Romanzen. Durch feineLeonore" gewann er die ganze Nation. Er starb am 8. Juni 1794 in Göttingen.

vermischtes.

Lübeck, 28 December. Der Senat hat beim Bürger- auSschuß die Einführung einer Fahrrad st euer und die Herstellung von Fahrradwegen beantragt. Im Allgemeinen soll für jedes Rad eine Steuer von 10 Mk. erhoben werden. Fahrräder, die fich im Besitz oder in der Benutzung von ge­werblichen Arbeitern befinden, deren Jahreseinkommen 1200 Mk. nicht übersteigt, sollen mit 5 Mk. besteuert werden. Die Kosten für die Herstellung von Fahrradwegen sind auf 55,800 Mk. veranschlagt.

* Dresden, 26. December. DaS chemische Untersuchung»- amt der Stadt DeSden hat in seinem BerwaltuugSbericht über den Werth gewiffer Geheim- und Heilmtttel sehr lehrreiche Aufschlüffe gegeben. Nach den Feststellungen der genannten städtischen Behörde hatScegerS Haarfärbemittel", das zum Preise von 3 Mk. die größere Flasche verkauft wird, mit Verpackung, Arbeitslohn u. s. w. einen Werth von 35 Pfg. -H. Alemann» Begetable Bäthing PreparedS", die als Mittel gegen Gicht und Rheumatismus augepriesen werden, bestehen au» spanischem Pfeffer und geschälter Kastanie. Ein Schächtelchen wird mit 3 Mk. verkauft, in Wirklichkeit hat jedoch daS Präparat einen Werth von 6 Pfg. und mit Schachtel und Arbeitslohn 15 Pfg., einen Heilwerth besitzt daS Mittel nicht. Die SalbeEruol", die erfrorene Glieder und Frostballen heilen soll, wird mit 9 Mark für die D/,-Literflasche bezahlt, die Herstellungskosten betragen 45 Pfg. Ein vom Untersuchungsamt nicht näher bezeichnete» Mittel, da» schnelle» Trocknen durchnäßter Wände bewirken sollte, wurde mit 15 Mk. für 100 Kilogramm verkauft. Der Herstellungswerth war 6 Mk., seine Wirkung gleich Null.

Die Zahl der im deutschen Reiche Praxis ausübenden Aerzte ist, nach dem Medicioal-Kalenber (Aug. Hirschwald, Berlin), vom September 1897 bi» September d. I. von 24,393 auf 25,178 gestiegen, also um 785 oder etwa 3 pCt. Preußen zählte -ulrtzt 15,104 (gegen 14 582 im Jahre 1897), Bayern 2702 (2612), Sachten 1880 (1786), Baden 960 (977), Württemberg 862 (824), Elsaß Lo hringen 758 (702), Hessen 655 (655), Hamburg 632 (518), Mecklenburg- Schwerin 259 (260), Braunschweig 230 (234), Sachsen- Weimar 202 (195), Oldenburg 142 (158), Anhalt 136 (140), Bremen 136 (132), Sachsen Coburg Gotha 104(101); alle anderen Staaten zählen weniger als je 100 Aerzte.