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Nr 281 Zweites Blatt_______Mittwoch den 30. November
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frf4rlnt HgOt« mit luinabmt bei iP-mtagl.
Dir Wirgrnrr yemtfieeirittcr M<rbm 6'tn Änjtigr: Mtchrnllich oitrmal bngrlrzt.
Gießener Anzeiger
Nr»»ßS,reW Difrtrl|äbrh(l 2 2>latr.2O Ttfr monatlich 75 PfA. mit vrmgrrtotz«.
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Heneral-Nnzeiger
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Amtlichen Theil.
« ietze», 28 November 1898.
Bet» Die Bäcker-Jnuung zu Gießen, hier: Bllbung einer Zwang« Innung.
Das Groftherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeiftereieu der zum Amts' gerichtS-Beztrk Oteßeu gehörigen Landgemeinden des KreiseS.
Sie wollen bbnen acht Tagen ein verzeichniß der in Ihren Gemciuden vorhandenen Bäckermeister an un« einreichen. v. Bechtold.
Bekanntmachung.
8't Büdesheim (R et« Friedberg) ist die Maul« und Klauenseuche ausgebrocheu; Gehöstipeire wurde angeordnet.
Gießen, den 24 Novrwber 1898.
Großherzogliche« Rrcifamt Gießen.
____________________o. Bechtold.____________________
Bekanntmachung.
In der Obergaffe zu Alsfeld >ft in einem Gehöfte die Maut- und Klauenseuche ausgebrocheu und Gehöft- sperre angeordnet worden.
Gießen, den 26 November 1898. Grobherzogliche« KreiSamt Gießen. ___v. Bechtold.____________________
Bekanntmachung.
vom 8. bi« 13. Juni 1899 wird in Frankfurt a. M. die Jahr. Sausstellung der deutschen ßandwirthschafisgesrllschaft stattfinben. Die vogelsdergeg R ffe concurrirt mit sechs anderen Höhenviehraffen in elf Klaffen mit 20 Einzelpreisen im Benag von 2250 Mk.- außerdem werden au« den Ein- sätzen Preise für Sammlungen und Familien gebildet, deren Zahl und Höbe später bestimmt wird. Jede« Thier kann gleichzeitig eoacurriren al« E'nzelthttr, al« Thier einer Familie und einer Sammlung. Die ASstellung erfolgt durch den Zuchtverrin für den SreiS Gießen, «ine Tommi fion von Sachverständigen wird im Januar 1899 die Gemeinden bereisen und auf Grund der Änmclbungtn die schönsten Thiere auswählen und zufammenstellen. ®« können nur Thiere von Mitgliedern de« Krciszuchivrrein« oder eine« an ihn an- geschloffenen, anerkannten Z chtverein« in Betracht kommen. Ich bitte demgemäß, die Besitzer schö ter Thiere Vogelsberger
Raffe, mir alsbald und biS spätestens 15 Deeember d. I. die Meldungen, in welchin Ausneller unv Lh'ete näher zu bezeichnen find, einzureichen. Ich bemerke noch, daß den Ausstellern alle vöthigev Kosten für Trao«port, Wartung, Fütterung, Berficheruog, Gebühren von der veutschcn ßaub- wirthschaslSgesellschatt ersetzt werden und hoff', b ß die Zucht der Vogelsberger Raffe, die eben im neuen Aufschwung begriffen ist, fich in Frankfurt Anregung und Auerkennuag holen möge, und die Anmeldungen zahlreich eingehrn.
Die Herren Bürgermeister der beteiligten G mrinden ersuche ich, durch ortsübliche Bekanntmachung und mündliche Belehrung Vorstehende« zu verbreiten
Gießen, den 27. November 1898.
Der Direktor de« Zachtveretn« für den Krei« Gießen.
Boeckmann.________________
Bekanntmachung.
Der Ausschutz de« landw'rrhschastiichen Provinzialverein« von Oberheffen hat beschloffen, den Jahre«- beitrag von 5,20 Mark auf 3 Mark für die BereinSmitglieder herabzuletzeu, um jedem Landwirth und Jutereffenten den Beitritt zu ermöglichen. Für den Beitrag wird zugleich die Zeitschrift für die landwirthschaf tlichen Vereine de« Großherzoqthum« Hessen frei geliefert, die allwöchentlich am Samstag erscheint, eine Fülle von Anregung und Belehrung bietet und allgemeinen Anklang findet. Mehr wie je ist e« für die ßandwirthr nothwendig, sich in Vereinen zusammenzuschli-ßen und die vielfachen, ihnen gebotenen Bortheile zu benutzen. Ich empfehle dah-r den Beittitt zum 8ere;n und ersuche die Grohh. Bürgermeisteren de« Kreise«, diese Bekanntmachung ort«üblich zu publ'ciren. Die Erklärung de« Beitritt« kann bei dem Unterzeichneten oder dem Präsidenten de« Provinzialverein« erfolgen.
Gießen, den 24. November 1898.
Der Director de« landw. Brzirksverein« Gießen. ____________________v. Bechtold.____________________
Die Flucht Esterhazys.
Daß die Abfahrt de« famosen Major« Esterhazy von Antwerpen nach Amerika einer Flucht verzweifelt ähnlich steht, wird Niemand bestreiten wollen. Daß der Biedermann unter den Spitzen der französtschen Republik viele Gönner hatte, ging bereit« au« dem gegen ihn avgestrengfen krteg«gericht- lichen Proceffe hervor und trat noch deutlicher zu Tage, al« Esterhazy späterhin, trotzdem er augenscheinlich mancherlei auf dem Kerbholz hatte, ungeh udert Frankreich verlosten und fich nach England begeben konnte, um von da au« seine ^Enthüllungen^ in die Welt zu senden. Der ganze Verlauf der
Angelegenheiten D ey^u« und Efterhay ttt übrigen« bezeichnend für die j tz'gen Zustände in Fiankieich, und im Auslande bat man denn auch schon lange den E ndruck gewonnen nao oft der Ueberzeuzuog Lust gemacht, daß btt Republikanische R'gttrung an der Seine durchaus keine allzu stchere Gewähr biete für fhtete Durchführung bet Gerechtigkeit, wie fie doch da« Fundament jeder geordneten Staat«- leben« ist.
^Esterha,h nach Amerika unterwegs I* Die Pariser wüsten schö >e Augen gemacht Haven, al« haen diese K inde wurde. F'üher, im ganzen bi«herigen Verlaufe der D'ehsu«- Affaire. da nahm der weitau« g'ötzie Theil Partei für Esterhazy, und noch während der verschiedenen Phasen de« Zola P oeeffe« sahen wir, daß der Major Gegenstand iywpathischer Kundgebungen Setten« der Bevölkerung war. Heute hat die öffentliche Meinung bereit« eine Schwenkung gemacht; man blickt mißtrauisch auf Esterhazy, der fich in«belondere durch seine Enthüllungen da« Vertrauen der Franzosen verscherzt hat und gor viele von den L tzterrn können nicht begreifen, wie die Regierung fich den Biedermann hat an« den Fingern entgehen lasten. Selbst der Regierung sehr nahe stehende Personen fangen an, daran zu glauben, daß e« maßgebenden Ort« gor nicht ungern gesehen wird, wenn Esterhazy glücklich entkommt, und nöZichst ganz verschwindet.
Daß die Pariser anderen Sinne« geworden stad, kann man auch au« ihrer Stellungnahme zu der Affttre Picqaart entnehmen. Während dieser Osfizier bi«her wegen seine« E ntreten« sür Dnysu« gröblich in den Staub gezogen wurde, ist Picquart heute Gegenstand lebhafter Shwpathieb-zrug- ungen, und gegen die Behandlung, welche ihm die Militär- Verwaltung angedeihev läßt, wacht fich eine lebhafte Bewegung bemerkbar. Es ist nicht unmöglich, daß die Flucht Esterhazy« diese Kundgebungen noch intenfiver gestalten wird. Denn unleugbar liegt in der Abfahrt nach Amerika der Ausdruck eine« Schuldbewußtsein«, da« der Sache Detysu« nur förderlich sein kann.
Wie fich die Zola-Affaire nunmehr gestatten wird, die doch mit den Angelegenheiten Drehsu« und Esterhazy aus« Engste verknüpft ist, steht noch dahin. Vielleicht fleht Zola bald seine Zeit gekommen, zu welcher er wieder auf der Bestäche erscheint. Dann dürste die Ausnahme, die er Seiten« der Pariser Bevölkerung finden wird, flch wesentlich ander« gestalten, al« gelegentlich seine« letzten Proceffe«. Die Laffatiou de« Urtherl« gegen Drehsu« erscheint übrigen« ficher, sodaß auch die wir dieser Angelegenheit zusammenhängenden P oeeffe dadurch direkt berührt werden
(XX)
Feuillet»«.
Hirpubkik Liberia.
Von Dr. Br. Richard«.
(Nachdruck verboten.)
N cht nur in Afien, sondern auch in Afrika scheinen die Franzoien ungerechte Eroberungen wachen zu «ollen. Auf Faschoda im Süden folgt Liberia, die Neger Republik an der Pfeffer- oder Körnerküste Guinea«, denn wie verlautet sollen franzöflsche Expeditionen bereit« in da« Hinterland Liberia« eingedrungen sein. Dieser Küstenstrich hat seinen Namen von den hier fo häufig verkommenden Paradieskörvern und dem langen Pfeffer, waloghetta, zwei Arten von Amomom, die al« beliebtes GtwÜrz einen w chiigen Ausfuhrartikel bilden.
Diese freie Neger R publik verdankt ihr Entstehen der am 31. Decemder 1816 zu Washington gegründeten awert- kautschen So'.on'algesellschaft für freie Neger. Liberia erlangte rm Jahre 1847 feine Unabhängigkeit und werb nach nord- Qwenkanischrm Muster regiert, ß-berio nahm einen großen Aufschwung in neuerer Zeit, so daß die Anfang« nur au« einigen Tausend Negern bestehende R publik heute deren »ehr al« 800,000 zählt, darunter 20,000 eingewaudene au« Amerika. Die Hauptstadt ist Monrovia. Die Staat«lprache ist englisch und die Religion protestantisch. Liberia bildet einen christlichen Staat in e-cer Anzahl kleinerer und größerer Reiche, die bene gröbsten Fetilchiöwu« ergeben find. Auf Guinea liegen in nächster Nachbarschaft ber Körnerfusel die Reiche ber Aschon-i« und der Dahomeer, von denen man in letzter Zeit in Berlin und anderen Städten Vertreter und Vertreterinnen genugsam gesehen hat. Die nächsten Nachbarn Liberia«, mit denen fie in kngster Fühlung stehen, find die
Maudingo-Reger. Diese Mandingo Negrr haben heute wohl fast alle dem Fetisch-Dienst abgeschworen, aber merkwürdiger Weise neigen fie wehr dem Mo« iw zu al« dem Ehrikeuthum, wohl weil letztere« die Polyjamie nicht gestattet, der alle Neger auf Guinea zugethan sind. Während bet den Aichanti« und Dahomeern noch recht barbarische Gebrauche herrschen, so da« Verbringen von Menschenopfern ihren Götzen, der verkauf der Frauen und Mädchen durch den König, dem fie blinden Gehorsam leisten, find dagegen die Mandingo« der höheren Sultur sehr zugänglich. Sie sind lernbegierig und schätzen ihre Frauen wie dir Europäer- fie bctrachten Frau und Tochter nicht al« Lastthiere, sondern al« gleichberechtigt und zur Lettung de« Hausstände« bestimmt. Die Frauen find stet« gut gek eidet. Zu den Mandingo-Negero gesellen fich die Baffo-Neger, die gleichfalls sehr gesittet, fleiß g und haushälterisch find. Sie wohnen .n Dörfern von 2000 Seelen, die eigene Oberhäupter hoben. Der verkehr mit den die Städte bewohnenden und geradezu gebildet zu nennenden Negern macht seinen Einfluß geltend in jeder Beziehung. Die Hütten der vaffa- uud Mandingo vö.ker find meist geräumig und bequem eingerichtet- wäre ihre schwarze oder braune Haut nicht, könnte mau fie in Allem für gute, amerikanische Arbeiter hallen. Der Schulbesuch der fttnbcr ist in vielen Dörfern sogar gesetzlich geboten, gerade wie bei uns.
Der Handel ist zwar in Händen der Weißen, aber die nothwendigen Arbeiten besorgen nur b * Schwarzen. Da« Klima ist sür die Weißen nämlich höchst ungesund und e« kommen Zeiten vor, wo 30—40 pLt. von ihnen jährlich dahin- gerafft werden, weist durch typhöse F eber. Das Sltwa der Ps'fferküste ist nämlich sehr tropisch, in der trockenen Zeit 80—386 C, und selbst tu der Regenzeit 15—25°. Dtese Regenzeit dauert hier lehr lange, von Anfang Mai bi« Ende Oktober, nur daß fie in den Mona"n Jili nnd August
I schwächer ist. Durch diese lang andauernde, troplich-feuchte | Temperatur ist die Flora eine großartige zu nennen. Die . Urwälder haben bunte Feston« von Orchideea und Winden- gewächsen, wa« einen verblüffend schönen Eiadruck auf den Fremden «acht. Der Affenbrobbauw erreicht in die em Klima einen Durchmesser von 7—8 Merer. Der Baum ist so oft wehr dick el« lang. Die Höhe de« Stamme« erreicht meist höchsten« 5 Mir., zeigt aber baumdicke 20—22 Mtr. lange Arste, deren unterste meist durch ihre Schwere niedergedrückt, mit den Enden den Boden berühren, so daß der ganze Baum wie eine grüne, halbkugelförmige Maffe von 45 Mtr. Durch- meffrr erscheint.
Der Wollbaum erreicht eine Höhe von 80 Meter und einen Durchweffer von 15 Meter, so daß ein einziger Baum den diogeboiecea einen hundert Mann fcffeuden Kahn au« einem Stück liefert. Die Früchte der für die Eiugedoreven so wichtigen Oelpalwe bedecken oft fußhoch den Boden, so daß die Palme auch „Neger« greunb* heißt. Die Paradie«- fe ge oder Banane gedeiht gleichfalls vorzüglich, und ihre Früchte werden halbreif, gereift, roh, gekocht, gebraten oder als Brod zubereitet von allen Eingeboreueu gern genoffen. ' Bauave und Sokosfiucht find die segensreichsten Früchte der Tropenbewohoer, fie hängen während de« ganzen J-Hre« an den Bäumen und werden in jedem Grade ihrer Reife geuoffen.
Da« Hauptgeschäft ß berta« besteht in Kaffee-Umsatz. Der K.ffee von ßiberia steht mit dem Mocca Ssffee auf einer Stufe, und die Ernte ist eine sehr ausgiebige. Dtm Kaffee folgen al« Handelsartikel: Reis, Mai«, Indigo und Palmöl, welche« in ungeheuren Mengen nach Amerika geht. Sin lohnender Handelsartikel find auch getrocknete Fische, da Flüffe und Tee sehr fischreich find. An den Mündungen der Flüsse t» mmelt rS von Haifischen. Währcud die Bewohner


