Ausgabe 
30.11.1898 Erstes Blatt
 
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Interview «h einem augenblicklich hier weilenden russischen Schriftsteller, worin dieser erklärt, daß alle Diejtatgen, welche glauben, daß die Abrüstnngs'Borschläge des Zaren aufrichtig geweint seien, Thoren wären. Der einzige Zweck Rußland« sei, Zett za gewinnen. Wer ander« glaube, kenne die politische Lage Rußland« nicht.

Pari«, 29. November. In der gestrigen Sitzung der spanisch-amerikanischen Frieden«.Commission Haden die spanischen Vertreter folgende amerikanische Bedingungen an­genommen: Aufgabe der Philippinen und de« Sulu-Archipel« gegen eine Entschädigung von 20 Millionen Dollar«. Amerika bringt durch Kauf alle Karolinen Inseln in seinen Besitz. Die die cubanische Schuld betreffenden Punkte sind noch nicht entschieden.

Pari«, 29. November. Dreyfu« hat an den Advo- toten Demange telegraphirt, er bettachte ihn auch weiterhin al« seinen Vertheidiger. Infolgedeffen gab der Secretär Labori'«, Hild, seine geplante Reise nach Cayenne auf.

Pari«, 29. November. In der gestrigen Kammer- sitzuug interpkllirte der Deputirte Bo« die Regierung über die Verweisung P-cquart« vor ein Kriegsgericht, bevor der LaffationShos sich über die DreysuS - Angelegenheit au«, gesprochen hat. Polncarö, der im Eabinet Dupuy im Jahre 1894 Minister war, erklärte, daß General Mercier im Jahre 1894 ungerecht gehandelt habe, indem er Dreyfu« gerichtlich verfolgen ließ, ohne die übrigen Minister davon zu unter­richten. Driyfu« fei vier Tage verhaftet gewesen, ohne daß weder Dupuy noch ein anderer Minister davon Keontniß gehabt hätten. Pomcare sagte, die Mitglieder de« EabtuetS Dopvy im Jahre 1896 hätten keinen anderen Beweis von der Schuld Drtyfu« gehabt, als da» Vorderean. Frtyclnet bekämpfte den Antrag und sagte, dir Regierung müffe sowohl die bürgerliche a'S auch die militärische Rechtsprechung respectireu. Miuifterprästdent Dupuy erklärte, daß sich dir Regierung aus eine Vertagung drS Verfahren« gegen P quart nicht einlaffen werde, weil die politische Gewalt kein Recht habe, sich in die Entscheidung der Justiz rinzu- «ischen. Die Regierung erklärte sich schließlich mit einer Tagesordnung einverstanden, in welcher ihre Erklärung ge­billigt und Respect vor dem Prinzip der Trennung der Be- walten ausgesprochen wirb. Diese Tagesordnung wurde in später Abendstunde mit 437 gegen 73 Stimmen angenommen. Dafür haben schließlich sowohl die meisten Anhänger Poir carL» wir die Freunde Eavatgnae« gestimmt. Wie e« heißt, er­hielten die Führer der rad'calen Gruppen die Versicherung,

Stock, 5 Ztmmer mit Veranda, zu oer« mtetben. Zu begehen am 1. Februar.

Näheres Schiffenbergerweg 24, U.

11813] Aür Sausieute. Französische Eorrefponden» reip. Konversation schnell und sicher. Lis. u. P. P. 11813 a. Erp.

Großwarbei», 29. Norember. Gestern hier uad in der Umgebung eia furchtbare« wobei ein Bauer durch Blitzschlag getödtet verwundet wurde.

Beissel, 29. November. Der Soir

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der EaffatioaShos weide die Vertagung de« Pirduart-Prozeffeß veraulaffeu.

P-ri«, 29. November. Die sämrer ichen Blätter bc- sprechen die gestrige Sammersitzung. Der socialistische Abgeordnete Jaurü» schreibt in sewer ,Pettt JRcpubUque*: Die Erklärungen Poioc-» werden tm ganzen Lande etvrn tiefen Widerhall Hervorrufen. ®a« bleibt nun noch von den Erklärungen de« GenernlstabeS und den gemäßigten Au«- laffungeu der Geoeralstad» Preffe. Welche Freude sür un«, gleich von der ersten Stuatea aa da» R chtige erhofft zu habrn. Die ,CantetneN sag», tm Namen ter soeialtsttschrn Gruppe haben wir in der Kammer erklärt, daß t< nöthig und gerecht ist, den Prozrß P quart zu vertagen. Außer der Meinung einiger D« putirrer, welche ministeruller sind al« die Minister «elbst. Haden wir keine Opposition ongrtroffeu. Der Krteg«mlnifter und der M'nisteipräfldent ladin nicht einmal die Vcr-aguag dtScvtlrt. E.ffagnoc schreibt in der Auloritb: Die «iltkärtsche Ungerechtigkeit Hot nunmehr ihr Ende erreicht. Die Armee ist geschützt. .Fig-no" sagt: Die aestrige Interpellation wird daS Resultat gehabt tabko, herbeizuführen, daß der Proeeß Pieqvart nicht erledigt wird, bevor der EoffattonShos über da« RevifiovSverfahreu im Dnyfu« Proc'ß sich au«grsprochen hat. ,euroti* sagt, wir hatten gestern einen neuen Birg zu verzeichnen. Da« endgültige Resultat ist nunmihr nicht mehr zweifelhaft, viele Blatter, welche b »her nicht unserer Meinung waren, sorderu heute die Vertagung de« Ptcqaan> Proccffe«. Der difimtive Bieg rückt immer näher Hera''- Da« Verbrechen gegen Picquart kann nicht mehr durchgesührt werden.

Loudon, 29. November. Sri«pi hat in eine« hiesigen Blatte folgende Avfichteu ausgedrückl. Die Antt Anarchisten. Looferenz führt zu ktiuem Resultat, ersten« «eil England sein Asylrecht nicht rückgängig machen wird und zweiten« weil alle Nationru infolge der zu ergreiseudeu Eollretiv- Maßregeln gezwungen werden, do« Eingreifen fremde Polizeibehörden zu erlauben.

London, 29. November. Einem Gerücht zufolge ist Zola hier eingetroffen.

London, 29. November. ,Da'l Wall* thrilt mit, der Borstzeude de« Pariser CaffatiooShofe«, Löw, habe einem Redakteur tu einem Interview Folgende« erklärt: Wir sind zwar nicht unfehlbar, aber ich kann Ihnen sagen, daß wir Alle« rhuo werden, wa« tu meuschltchrn Kräften steht, um'dte DrtyfuS-Angelegenhrit auf dem Wege der Gerecht^- leit zu schlichten. Wenn wir io langsam vorgehen, daun ge­schieht r« nur, um jeden Jrrthum zu vermeiden.

Madrid, 29. Rooember. Die Nachrichten über den FrtevenSschluß, resp. die Bedingungen deffelbeu, Hai in der hiesigen Becölkeruvg einen schlechten Eindruck hervor« gerufen.

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Neueste Nachrichten.

Depesche» M Bur«» »Herold^.

Berlin, 29. November. Die ^National-Zeitung" schreibt, e« wird erwartet, daß die Lippe'sche Angelegenheit noch vor der Eröffnung de« Reichstage« vom Bunde«rath erledigt werden wird. Ueber die Grundlagen der nach einer osstctellen Avkündiguug erzielten Verständigung ist auch an Stellen, die in dieser Angelegenheit bisher wohl unterrichtet waren, bi«her nicht« bekannt. E« besteht aber die Auffaffuag, daß die Entscheidung sachlich im Sinne Derer ou«fallra werde, welche da« Recht der Lippe-Detwoldischen Laude«gesetzgebung zur Entscheidung über die Erbsolgefrage vertreten haben. Von einer nach der Angabe verschiedener Blätter obwaltenden Absicht, im Reiche eine Instanz zur Entscheidung von Thron- folgestreitigkeiten zu schaffen, ist au unterrichteter Stelle nicht« bekannt.

Wien, 29. November. Die Vorlegung de« Budget« für 1899 wird nächste Woche tm Parlament ersolgen. Wie von informirter Seite versichert wird, soll der gelammte

Ziehung vom 20. bis 21. Tecemder. i

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Die zur Erweiterung der Räume für den Physikunterricht in dem Gymnasium dahier nötbige Weiß- Kinderarbeit, sowie Herst-llung von buchenen Pa quet R^emen-Vöden und sonstigen Schreinerarbeitrn werden hierdurch unter Hinw.i« auf den Ministerialerlaß vom IS^Junt 1893 zur Vergebung auf dem Submission«- weg ausgeschrieben.

Die Ausführungsdedinzungen und Acbeitsbeschreibungen liegen in un­serem ilmtelocal »ur Einsicht offen, und können letztere, mit Vordruck zu dem bezü lichen Angebot»vermet k versehen, daselbst zum Selbstkosten preis in Empfang genommen werden.

Angebote sind bi« tum 8. De- eember 1. Js., Vormittags IO Uhr, versiegelt und mit ent­sprechender Aufschrift portofrei an un« abiugcben.

Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Gießen, den 28. November 1898. Großh Hochbauamt.

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«tetzen, 29. November. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 1.101.20, Hühnereier per St. 710 2 St. 00 -00 Ä, Enteneier 2 St. 0000 A. Gänse-

eier per Et. 1113 stäse 1 St. 58 stäsematte per St. 8 Erbsen per Liter 20 4, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar

X 0.000.60, Hühner per St. X 1.001.20, Hahnen per Stück X 0.901.40, Enten per St. X 1.802.60, Gänse per Pfund X 0.460.56, Lchsenfletlch per Pfd. 6874,$, Kuh- und Rindfletsch &Pfd. 4658 X Schweinefleisch per Pfd. 6876 Schweine- b, gefallen, per Pfd. 80 >Ä, Kalbfleisch per Pfd. 6466 imelfletsch per Pfd. 5000 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.00 bi« 6.50 X, Weißkraut per St. 1020, Zwiebeln per Etr. X 5.005.50, Milck per Ltter 16 4

Dauer der Marktzeit von 8 Uhr Morgen« bi« 2 Uhr Nach­mittags. Während der ersten 8 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.

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den Unterzeichnt ten ein^ureichen.

Emil Fischbach,

Nachlaßverwolter.

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