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Nr. 281 Erstes Blatt. Mittwoch den 30. November 1898
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Deutsche» Reich.
StrmfUbt, 28. November. Seine Röaiglhbe Hoheit der Herzog von Sacbsen - Loburg und Gotha haben heute vormittag dir Rückreise nach Loburg angetreteu.
— Ihre Königlichen Hoheiten der Grobherzog und die Grobherzogin haben sich heute vormittag nach Wie»« Haden begeben nub »erden im Laufe del Nachmittag» hierher zurückkehren Im Gefolge befinden fich die Hofdame Fretin vou Rotsmanu und Oberftallmeister Freiherr Riedesel zu Eisenbach.
— Ihre Kaiserlichen Hoheiten der Großfürst und die Großfürstin Sergiu» vou Rußland nahmen heute bas Luncheon bei Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Priu« zesstn Ludwig von Battenberg ein. Höchstdiesrlben werden nächsten Mittwoch dir Rückreise nach Moskau antreten.
Berlin. 28 November. Der Reichskanzler, die Minister und Staat»seeretä»e waren am gestrigen Sonntag der Lin« ladnng de» Eisenbahnministet» v. Thielen zu einem Bierabend gefolgt.
Berlin. 28. November. Die „Volks Zeitung* veröffentlicht heute Abend einen Erlaß de» Staatssekretär» v. Podbiel»ki. Der Erlaß beschäftigt fich mit den vet« häUniffeu der Beamten, mit den Pflichten der Vorgesetzten und im Besonderen mir der Art, wie mit Nachgeordneten Beamten zu verkehren ist. Danach erwartet Herr v. Pod- bielski, daß in Zukunst vor der Verfügung einer jeden leben»« länglichen Anstellung auf die gesawwtt dienstliche und außer« dienstliche Führung der Beamten oder Unterbeamten zurück gegangen und die Verleihung der Unkündbarkeit von den Ergebviffen einer sorgfältigen Prüfung de» gesommteo dienstlichen und auhrrdienstlicheu Verhalten» abhängig gemacht weroe. Weiter wird in dem Erlaß die Nothwendigkeit au»« gesprochen, daß Beamte oder Unterbeamte, die fich nach ihrer Führung oder nach ihren Leistungen für den Postdienst nicht geeignet zeigen, früher al» bi»her au» dem Dienst eutlaffeu werden, damit sie sich leichter eine« anderen Beruf widmen können, al» die» bei einer Entlaffang in späterem Alter der F^ll sei. Wo e» gilt, uvlantere und ungeeignete Elemente von dem kaiserlichen Postdienst fernzuhalten, «Affen strenge Gerechtigkeit gegen die Untergebenen nnd wohlwollende Fö.derung ihrer Jntereffen gepaart sein. Der schriftliche Verkehr der Vorgesetzten mit ihren Beamten sei auf da» Mindeste zu beschränken und e» wüffe fich der schriftliche wie der mündliche Verkehr in einer da» Ehrgefühl nicht verletzenden Form bewegen.
Berlin, 28. November. Zu der Bläitermeldung, daß die Errichtung eine» baherischenSenat» bei dem obersten Reich»-Militärgericht nur versuch»weise für fünf Jahre gelte, erfährt die „Post*, daß hiervon an nnterrichteter Stelle Richt« b«kaust sei. vielmehr gelte e» al» selbstverständlich, daß in dem bayerischen Senat bei dem Reich»«Militärgerichr eine dauernde Einrichtung zu sehen fti
Berlin. 28. November. Dem Reich «tag wird zugleich eit de« Etat eine Vorlage über die Erhöhung der Frieden»- Präsenz de» deutschen Heere» zugehen, welche am 1. Octo« der 1899 in Kraft treten soll, wie verlautet, soll der Ent« Wurf vornehmlich begründet werden durch den Hinwei» auf die Erhöhung der Präsenzstärke in den benachbarten Reichen und auf die Erfahrungen im jüngsten spanisch-amerikauischen Kriege, in drm die mangelnde Bereitschaft die schlimmsten Folgen gezeitigt habe. Audererseit» sei in absehbarer Zeit auf eine Verwirklichung de» rusfischen Abrüstuug»vorschlage» nicht in rechnen.
M.P.C. Berlin, 28. November. In der lippeschen Frage macht sich eine entschiedene Abnahme der bi»her bestandenen Spannung geltend. In welcher Weise die Angelegenheit schließlich erledigt werden wird, darüber ist zur Zeit noch nicht« zu sagen. ES gilt inbeffen nicht für unmöglich, daß Lippe-Schaumburg von Preußen veranlaßt werben dürfte, den Antrag, den e» beim Bunbeörathe gestellt hat, zurück- zuzieben.
M.P.C. E» wirb nunmehr al» feftstehenb betrachtet, baß zum Präfidenten be» Reichstag» der Frhr. von Hertlivg gewählt werben wird.
M.P.C. Ja den Blättern ist die Rede davon gewesen, daß zur Begrüßung be» Kaiser» in Pot»bam auch die Staat» sekretäre anwesend gewesen wären. Die» trifft nur auf diejenigen zu, die gleichzeitig Staat-Minister find.
MP.C. In der Protektorat«frage wird eine EvrykUka de» Papste» erwartet, durch welche bestätigt werdeu würde, daß diese Frage au» der Zahl der actuelleu auf ab« fehbare Zeit auöicheidet. Deutschland wird fich jedenfalls da» Recht über feine Angehörigen, gleichviel welchen Be«
kenntniffe» sie find, einen Schutz auSzuüben nicht nehmen laffen. Eia Protektorat über die Lhristen im französischen Sinne ist von ihm nicht erstrebt worden und wird niemal» voa ihm erstrebt werden.
— Der Etat für da» Auswärtige Amt 1899. Der Etatentwurf für da» Auswärtige Amt auf da» Rech« uuugßjahr 1899 weist 778 750 Mk. Einnahmen (5500 Mk. mehr al» 1898) beim Auswärt-gen Amt und 25,500 Mark (wie im Vorjahre) bei der Eolonialverwaltung nach und fordert an fortdauernden Au»gaben: 2152180 Mk. (103000 Mark mehr al» 1898) für da» Auswärtige Amt, 7 891 700 Mark (868,650 Mk. mehr al» 1898) für die Gesandtschaften und Lonfulate 1659 143 Mk. (160500 Mk. wehr al» 1898) für allgemeine Fond», sowie 299 169 Mk. (9293 Mk. mehr al» 1898) sür die Eolonialverwaltung, im Ganzen 12002192 Mark (641 443 Mk. «ehr al» 1898). Die einmaligen AuS« gaben bez ffrrn sich auf 16 645 110 Mark (5 850428 Mark mehr al« tm Vorjahre), darunter 16462110 Mk. für die Eolonialverwaltung, bei welcher znm ersten Male Verwaltung»« kosten im Schutzgebiete von Neu Guinea auftreten, nachdem zufolge eine» dem Reichstage zur Annahme empfohlenen vertrage» die Lande«hoheit über da» der Nm Guinea-Eompagnie in verlin durch kaiserliche Schutzbriefe vom 17. Mai 1885 und 13. Dtc-rnber 1886 zugesprochene Schutzgebiet vorn Reiche übernommen werden soll. Die Mehrung bei den einmaligen An»gaben ist vorzugsweise bedingt' durch den Ansatz höherer verwalrung-kosten sü: da» ostafrikanische und sü)« westafr kanische Schutzgebiet, welch- fich für 1899 auf 5985 500 Mark beziehungsweise 6 970000 Mark, do» heißt auf 2 180300 Mark beziehungsweise 2369 400 Mark höher belaufen al» im Jahre 1898. Unter den 183000 Mark einmaligen Ausgaben für da» Auswärtige Amt (ohne Eolonialverwaltung) finden fich Gruuderwerbnog«kl.ften für EonfulatS- gebände, Subventionen für die zoologiichen Stationen in Neapel und Jst.ieu nab eine Beihilfe zur Förberung alter- thnmswiffenschaftltcher Arbeiten in Aegypten. Auf die Steigerung der fortbauerndru Ausgaben find von besonderem Einfluffe die um 150 000 Mk höhere Dotiruug de» Fond» zur Unterstützung deutscher Schulen und anderer vaterländischer Unternehmnrigen tm ÄuSlande, die Gewährung eine» höheren Aversurn» für da» Archäologische Institut und deffen Secre« tatiate in Rom und Neapel, die Erhöhung der sächlichen und vermischten Ausgaben, der Zugang von neuen Eonsulaten in Prag, Sao Paulo, Bahia, Hankau, Santa Eatharina, Curt« tiba und neuer Geueralcousulate tu Stockholm, Kopenhagen, Ehristiania, Bueno»«Ayre» ucb in Athen, endlich eine nicht unbeträchtliche Personalvermehrun- beim Auswärtigen Amt selbst.
Ausland.
Graz, 28. November. Au vielen Orten Steiermark» wurde gestern Nacht zwischen 1 Uhr 20 Min. nnb 1 Uhr 30 Min. ein starke», mehrere Strunden anhaltende» Erdbeben verspürt.
Triest, 28. November. Der gestrige Sirocco verursachte einen so hohen Wellenichlag und eine solche Springst ath, wie fie schon lange nicht vorgekommen ist. Da» Meer- waffer erreichte in vielen Straßen Meterhöhe. Kellerräume und Waaren-Magazine waren stark beschädigt. Der Tramdahn- verkehr war stundenlang eingestellt.
Snilimtf, 28. November. Bei der gestern tm großen Stadrichloffe abgehalteveo BiSmarck-Gedenkfeiet, zu der kein RegierungSoertreter erschienen war, führte der vice- dürgermetster Dr. Wenin den vorfitz. Die von dem Schrift- steller washian gehaltene Denkrede, sowie eine Rede auf den deutschen Schulverein wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Die Feier schloß mit dem Abfingen der Wacht a« Rhein.
No», 27. November. Die Anti - Anarchisten. Eouferenz hat beschloffen, fich bei ihren nächsten Be- rathnngev an die fünf Punkte de» von der ttalieuischen Regierung anfgestellten Programm» zu halten.
Pari», 27. November. Die republikanischen Gruppen be» Senats vereinigten fich, nachdem fie gesonderte Berath- ungen abgehalten, zu einer gemeinsamen S 0 n u t a g s i tz u n g, tu bet bet Samstag von den Bureau» biefer Gruppen ge- thane Schritte bet« Ministerrathe gutgeheißen wurde. Der Sitzung wohnten etwa 80 Senatoren an. Um 5 Uhr Nachmittag» wurde die Sitzung vertagt, um de« Senator Barbey die Möglichkeit zu geben, den Minister be» Innern Dupuy aufzusuchen nnb die Antwort bet Regierung einzuholen. Senator Barbrh begab fich am Nachmutag tm Auftrage bet republikanischen Gruppen beß Senate» zu einet Besprechung mit den Ministern be» Innern Dupuy, be» Kriege» Frtycinet
und der Justiz Lebtet in der Angelegenheit eine» »nfschnb» de» Erscheinen» Plcquart» vor dem Kriegsgerichte. Minister- Präsident Dupi y erwiderte, et habe beschloffen, am Montag in bet Deputirtenkarnrner eine denselben Gegenstand betreffende Interpellation zu beantworten, nnb er bitte daher den Senat, die Antwort, welche er, Dnpuh, morgen geben werbe, abzuwarten. Rachbern Barbey fich entfernt hatte, stellten bie drei Minister die morgen in der Kammer abzugebenden Erklärungen fest. Man glaubt, die Regierung werde erklären, fie bleibe habet, auf dem von ihr vom ersten Tage ab eingenommenen Standpunkte zu beharren, nämlich bet Entscheidung, der Justiz Achtung zu verschaffen und an bet Trennung der gesetzlichen Gewalten festznhalteo. In politischen Kreisen spricht man bavon, in den WandelgSngen bet Kammer verlaute heute von folgenber Lösung: Der EaffationShof würbe die Actenstücke in Sachen P quartS einfordern; da» Kriegsgericht könnte bann ohne diese Schriftstücke nicht tagen und müßte fich nothgedrnngeu vertagen. Diese Lösung, welche eine Intervention bet Regierung au» bem Spiele läßt, würbe günstig aufgenommen werden. Die verbreitete Nachricht, e» sei für heute ein Ministerrath tinberufen, ist unrichtig. — Eine vom Pariser Miliiärgouveroement Herstammeode Note besagt Folgende»: General Zutlinden erklärt ausdrücklich die Andeutungen ge- wiffer Morgenbläiter für falsch, welche dahin gehen, er sei bet feinen vorgehen in bet P cqaart-Affaire durch Anweisungen gedeckt, bie ihm bet Präsident der Republik eriheilt habe- vielmehr habe et weder Vorschriften über sein Verhalten noch sonstige Nachrichten vom Staatsoberhaupt ober von der Regierung erhalten, sonbern fich batanf beschränkt, nach dem Gesetze zu verfahren nnb einzig feinem Gewiffen zu folgen. M. N. N.
Pari», 28. November. Dem „Echo be Vari»* zufolge erhielt Madame Dreyfn» folgende» Telegramm ihre» Gatten: Ich freue mich mit Euch Allen. Meine Gesundheit ist gut sowohl moralisch tote physisch.
Pari», 28. November. Die gestrige Protest-Versammlung unter bem Borfitz von Pressens- und Mornard nahm eine Tage»orbnung an, in welcher Präsident Fante für bie verhafinog PicqrattS verantwortlich gemacht wird. Die Tagesordnung beschuldigt wettet den Generalstab, fich in offene Oppofition gegen bie Gesetze zu stellen nnb fordert da« Parlament auf, vom Geoetalstabe zu verlangen, daß er bie Gesetze beachte, unb Picquart freizulaffen. Die Tagesordnung erklärt bet Regierung, baß, wenn da» verbrechen gegen Picquart wettergefübrt werde, bie revolutionären Socialisteu entschlossen seien, alle Mittel zur Verhinderung be» verbrechen» auzuwendeu. Die TageSorboung schließt mit ben Worten: „ES lebe Picquart unb bie Justiz nnb Freiheit."
Spanien. „Um damit zu räumen*, scheint jetzt in Spanien bie Losung bezüglich bet Colonien zu lauten. Angeblich hat bie spanische Regierung beschlossen, nunmehr keine einzige bet vetschiebeuen, Spanten noch verbleibenden Jastln zu behalten. Die Karolinen, die Ladroaen unb wahrscheinlich auch bie kanarischen Inseln werben bet rneistbieteoben Macht flberlaffen werden, um so bet inneren Finauzuoth aus- zuhelfen. — Die Unterzeichnung be» Frieben»vetttage» dürfte übrigen» erst in einigen Tagen erfolgen.
Madrid, 27. November. Zur politischen Lage wirb dem „Hamb. Lotre'p* geschrieben: „Wir stehen an einem schweren aber entscheidenden Wendepunkt. Mit der Wirthschast de» alten Sagasta kann e» nicht weit ergehen. Die Bauern stad unruhig geworden, nnb da» ist bei einer etwaigen Latlistenerhebnog von großer Bedeutung. Aber nicht blo» bet kleine Mann ist empört! Die heimkommevbeu Offiziere stob gezwungen, ihre Familien um Unterhalt zu bitten, ba man fie webet in Cuba noch hier bezahlte. Ist e» nicht verzeihlich, wenn diese Männer, bie Beruf»solbaten find, solcher Wirthschast müde werden unb fich irgenb einem Namen zu- wenben, bet ihnen Rettung au» ihrer zum Th eil seht traurigen Rothlage verheißt? Wenn bie Regierung nicht schnell Ernst macht und nach bet unvermeiblicheu Preisgabe der Philippinen Frieden schließt, so haben wir noch vor bem Frühjahr wieder Prouunciamevto», die Republik ober — Don Carlo». Und ob da» Letzte da» Schlimmste wäre, wer vermag e» heute zn behaupten? vielleicht ist die Herrschaft eines Manne», der Beweise seiner Thatkraft geglben hat unb ein echter Spanier, obenbrein auch bet vorberchtigte Erbe ist, vorzuziehen der unmännlichen, unentschiedenen, wankenden Haltung, die Herrn Sagasta zu jedem entschloffenen Schritt unsähig macht." ES ist ein greifet Staatsmann, bet biese Ansichten äußerte. Er steht mit seiner Meinung nicht allein. Der Regierung bleibt kein Ausweg «ehr. Der Friede muß gemacht werden, so


