Ausgabe 
30.10.1898 Viertes Blatt
 
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Nr. 255

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Viertes Blatt._______Sonntag den 30. October___________________

Gießener Anzeiger

1898

Srt»sioprciL vtertrljthrlich 2 Mars 20 Pfg. monatlich 76 Pfg. mtt Bringerlohn.

vei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Annahme von Anzeigen zu brr Nachmittag« für b,n »lgenben Tag rrlchrrnenden Nummer bii Boom. 10 Ubr.

General-Anzeiger

Alle Anzeigen-vermiNlung-stellen de« In- und Äuilanbel nehmen Lnzeigen für dm Gießener Anzeiger mtgeg«.

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Amtlicher Theil.

G teste», 26. October 1898.

vetr.: Die Festsetzung bei durchschnittlichen Jahrei« arbeitlverdienfte! der io land- und sorstwirth- schaftlichrn Betrieben beschäftigten Personen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

lM die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.

Jo Gemäßheit bei § 3 Abs. 3 der Bekanntmachung Vrosth. Ministerium! del Jauern und der Justiz vom 80. Sep« tetnber 1890 (Regierunglblatt Nr. 40) hat eine Erneuerung der Festsetzungen des durchschnittlichenJahresarbeits- Verdienstes der tu land- und sorftwirthschaftlicheu Betrieben beschäftigten Personen im Jahre 1898 stutzufiadea.

Wir verweisen Ste zunächst aus unsere Bekavutwachuvg v im 80. März 1894 (Siebener Anzeiger Nr. 76) und braus« Magen Vie, nach Anhörung bei Geweinderathe! binnen 14 Tagen en uni zu berichten, ob bte in letztgenannter Bekanntmachung für Ihre Geweinben festgesetzten durchschallt- Ehen Jahrelarbeit» Verdienste eine Veränderung tu ber Zwischenzeit erfahren haben, in welchem Falle eine neue Berechnung mtt bem Gemeinberath aufzustelleu und uni vor- lilegen wäre.

Bei Ihrer Berichterstattung find selbstredend alle vier Kasten von Arbeitern, wie dieselben in unserer vorgenannten Bekanntmachung angeführt find, zu berücksichtigen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Der Verband Deutscher Electrotechneker hatSicherheit!« wrrschristen für electrische Starkstromanlagen" aulgearbeitet. b*te auf langjährigen Erfahrungen beruhen und so gefaßt find, daß eine unter ihrer Beachtung auigesührte electrische Vnlage in hohem Maße gegen Feuergefahr und Betriebs« ll.ifälle gesichert erscheint.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß nach Lnweisung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern künftig b-d Genehmigung von Baugesuchen für Errichtung oder Er- rxilerung von Gebäuden, in die electrische Starkströme ein« geführt werden sollen, die Bedingung zu stellen ist, daß diese Anführung unter Beachtung dieserSicherheitsvorschriften" ui geschehen hat.

Dieselben können bezogen werden von dem Verleger derselben. Julius Springer in Berlin N., Monbijou- patz 3, entweder in Broschüren-Form zum Preise von je 45 Pfg. bei Abnahme von 10 Stück,

v )er in Reichsformat (1 Bogen) zum Preise von je

Großherzoglichei kreilamt Gießen, v. Bechtold.

20 Pfg.

bet Abnahme

von 100

Stück.

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Gießen, den

28. October

1898.

Gießen, den 28. Ocrober 1898.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

tu die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.

Auf die vorstehende Bekanntmachung weisen wir Ste h rrmit besonders hin.

v. Bechtold.

Deutsche» Reich.

Berlin,28. October. Dal Staatlministerinm trat i arte Nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitz del Reich!« kLuzler! Fürsten Hohenlohe in seinem Dienstgebäude zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 28. October. Der »Rordd. «llgew. Arg. infolge wird sich der Reichskanzler Fürst Hohenlohe nedj Schtllinglfürst begeben, uw am Allerseelentage im Kreise Irner Familie am Grabe seiner verstorbenen Gemahlin zu »tUen.

Berlin, 28. Oktober. Dal Aeltesten-Lolleginm der Brrliner Kaufmannschaft hat den deutschen Handelltag ersucht,

die Frage über die geplante Verweisung der gesammteu preußischen Wasser«verwaltuug an da! Landwirth« schaftlmiuisterium auf die Tagel-Ordnung der nächsten Au!« schuh-Sttzung zu setzen, da auch außerpreußische deutsche In« tereffen dadurch berührt würden.

Berlin, 28. October. Dal bi! jetzt feststehende 8t* gebniß der Wahlmännerwahleu zum preußischen Abgeordnetenhause ist folgende!: 14 Freiconservative, 41 Eonservative, 47 Nationalliberale, 43 Lentrum, 9 frei­sinnige Vereinigung, 28 freifinnige volkspartei, 12 diverse Liberale.

Berlin, 28. October. Nach einer au! Topstadt ein­gegangenen telegraphischen Nachricht soll Hendrik Wttboi Anfang diese! Monatl in Gideon verstorben sein. Eine amtliche Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor.

Berli», 28. October. Zur Jerusalewfahrt bei Kaiser!. Donnerstag Abend ist da! Kaiserpaar unter Kanonendonner in Jaffa eingezogeu. Die Stadt, namentlich die deutsche Eolonie, war herrlich geschmückt mtt Fahnen, Lanbgewinden und Palmzweigen. Am Eingang der Eolonie waren die Schulen ausgestellt. Der deutsche Cousul hielt eine Ansprache. Der Kaiser dankte. Am Eingänge der eigentlichen Stadt, besonder! vor der militärischen Erziehung!- anstalt, standen die Zöglinge in langer Front. Abend! war die Stadt festlich erleuchtet- in den Straßen herrscht große! Meuschengewoge. Dle Weiterreise zu Pferde erfolgte Freitag früh 8 Uhr über Ramleh bi! zum Zeltlager Bad- tl-Wad. Die Ankunft in Jerusalem ist sür Samltag Mittag in Aulficht genommen. Alle! wohl, trotz tropischer H'tze. Die Nacht wurde im Zeltlager in der Nähe von Cäsarea zugebracht. Trotz 83 Grad Röaumur im Schatten ist dal i Befinden der Majestäten aulgezeichnet. Der Kaiser wurde während der ganzen Fahrt von der schaarenweife herbei« ; geströmten Bevölkerung in lebhafter Weise begrüßt. Bei Sarona wurden die Majestäten von den in der Ebene von Sarou ansäsfigen deutschen Lolonisteu herzlich bewillkommt.

Tranlvaol und da! deutsch - englische Ab« ' ton men. Al! gute! Zeichen für den Inhalt bei deutsch« i englischen Abkommen! muß el angesehen werden, daß in Tranlvaol eine ruhige und vertraueulvolle Haltung bewahrt wird. So schreibt dievolksstem": Daran ist kein Zweifel, daß von gewiffen deutschen Finavzkreisen die Regierung dahin zu bringen versucht wird, daß fie einen Druck auf die Repu« bitt aulübt zu den Zweck, gewiffe Couceffioueu zu Gunsten ! bei Golbbergbaue! zu erhalten. Ebenso zweifello! ist el, i daß man in deutschen Bantterlgrnppen die Hoffnung auf eine : vortheilhafte Anleihe hegte. Wir tannen aber aus Grund i von Berichten englischer Berichterstatter nn! nicht zu den ! Glauben ausschwingen, daß von der deutschen Diplomatie eine ! Frontveränderung in Bezug auf Südafrita erfolgt ist. Daß ! man in Berliner Regierunglkreisen verstimmt sein sollte über ' etne vermeintliche Preßagitation der Regierung von Tran!« ! vaal wegen bei deutsch englischen Abkommens, ist möglich. Doch der Widerspruch unsere! Gesandten gegen die Annahme, daß diese Agitation von verantwortlichen Beamten Tranlvaol! I aulgegangen träte, sollte volltowmeu genügen, um jeden i Argwohn zu beseitigen. In der That find die Beweise von Sympathie sür die Afritaner in den deutschen Preßorganen nicht selten, und in Pretoria schätzt man diese Beweise auf'! Höchste- dabei ist el undentbar, daß die Regierung zu Pre­toria fich der germanischen Preßorgane bedienen sollte, uw einen internationalen Vertrag zu bekämpfen, der unseren Staat in keiner Weise benachtheiligen kann, so lange Kaiier Wilhelm feiner südafrikanischen Politik weiter

folgt. Dr. Ltyd! hat natürlich auch in Europa zahl­reiche Gegner und hat vielfachen Wiberlpruch zu bekämpfen - er kann noch vielfache S'öße und Angriffe erwarten- aber E ne! ist sicher: er besitzt da! volle vertrauen der Regierung in Pretoria und weiß, wo! daselbst vorgeht. Der entschiedene Widerspruch gegen die behauptete traulvaalische Pteßagitarion in deutichen Zeitungen kann all ein ab'chlteßevdel Mittel angesehen werden, um jeden Argwohn in Berlin zu beheben, abgesehen davon, daß unsere Regierung wohl andere Sachen zn thun hat, all gegen ein deutsch.engliiche! Abkommen zu arbeiten, wobei unser Staat nicht! zu verlieren Hot.

Leipzig, 28. October. Der Landelverroth I- Proceß gegen den angeblichen Gärtner de Lock findet am 19. November hierselbft vor dem Landgericht statt.

9m» lauft.

Wie», 28. Oktober. Die »ristl in der Linken wird auf Seiten der Rechten oll ein für die Regierung an»

genehme! Sreigniß bezeichnet. Die Rechte ist der Meinung, die Regierung werde nunmehr den Forderungen der Jung­tschechen gegenüber krästig Stand halten können, da fie tat Nothfalle für den Aulgleich auf die Stimmen del verfoffungl- treueu Großgrundbefitze! rechnen könne.

Dien, 28. October. Da! Befinden der Wärterin Pecha ist wieder etwa! bester. Die Temperatur beträgt 38,4, Pul! 104, Athem 40. Trockener Husten ohne Aul­wurf. Die Blutungen im Rücken find stärker geworden. Da! Befinden der Wärterin Hoch egg er ist ein gute!. Dal Ohrenstechen bei derselben hat nachgelaffen. Da! Befinden der anderen Personen, welche unter ärztlicher Beobachtung stehen, ist gut.

Wien, 28. October. Wie der »Pol. Lorresp." au! Peter! bürg gemeldet wird, ist dal Resultat der Ver­handlungen bei Grafen Mura wiew in Wien ein voll- ständig zufriedenstellende!. Dal im Jahre 1897 zwischen Oesterreich und Rußland in Peterlburg zu Stande ge­kommene Einvernehmen sei durch keine seither aufgetauchten politischen Tagelfragen tangirt worden.

Wien, 28. October. Die Lhristlich«sociale Ber­einigung und die Deutsch-fortschrittliche Volk!* Partei beschloffen ebenfalll, ihre Vertreter au! der Llub- Obwänuer Lousereuz der Linken zurückzuziehen, jedoch mit den andern deutschen Oppofitionl-Parteien zum Zweck der nationalen vertheidigung in engerer Fühlung zu bleiben und ein Zu­sammenwirken der gelammten Linken, welche! niemall uoth« wendiger gewesen sei all jetzt, anzustreben. Särnmtliche liberalen Blätter besprechen mit Bedauern die eingetretene Ktifil, drücken aber die Hoffnung aus, daß trotzdem eine gemeinsame Organisation aller Parteien der Linken in allen nationalen und fortschrittlichen Fragen möglich sei.

Wien, 28. October. Der verband der Deutschen Bolkipartei beschloß am Donnerltag einstimmig, seine Vertreter au! der Obmänner Lonferenz der Linken zurück­zuziehen. Selbstverständlich wird die Deutsche volklpartei nach wie vor bestrebt sein, in allen nationalen Angelegen­heiten ein einige! vorgehen aller deutschen Parteien herbei- zuführen.

Wie», 28. October. Da im Allgemeinen Krankenhause kein weiterer pestverdächtiger Fall eingetreten ist und die Frist der ärztlichen Beobachtung der früheren verdächtigen mit dem 30. October abläuft, beschloß dal PermanenzcomiiL, von Montag ab den allgemeinen Verkehr und den vollen Dienst iw Allgemeinen Krankenhause wieder zu eröffnen, fall! nicht ein unvorhergesehener Zwischenfall eintritt.

Anläßlich der Pestfälle in Wien griff im öster­reichischen Abgeordnetenhause der christlich-sociale Gregorig den Professor Nothnagel heftig an. Der Uuterrichtlminister verwie! auf die große Bedeutung der bakteriologischen Forschung, welcher die medicinische Wiffenschaft die wichtigsten Fortschritte verdanke, sodaß er der Einschränkung derselben nicht da! Work reden könne. Er verwie! ferner darauf, daß die bacteriologischen Institute in den anderen Städten, wie Berlin, Peterlburg, Florenz, Liverpool, sich in der gleichen Lage wie da! Wiener befinden und daß fie in der­selben Weise arbeiten. Eine Verlegung diese! Institut! wäre nicht von großem Nutzen. All Generalredner erklärte Lueger, die Christlich« Sociolen seien nicht gegen die wissen- schaftliche Forschung, sondern gegen Mißbräuche, welche unter dem Deckmantel der Wiffenschaft getrieben werden. Redner wendete sich dagegen, daß die Kranken in den Spitälern zu Versuchszwecken benutzt werden, und spricht fich für Umge­staltung de! Allgtmeinen Krankenhause» entsprechend den Forderungen der Jetztzeit auf. Die Erörterung hatte ein stark antisemitische! Gepräge. Erwähnt sei noch, daß Dr. Ehiart hervorhob, die Mitglieder der österreichischen Aerzte-Expedition in Indien hätten bei den Eonsuln bei Deutichen Reiche! mehr Unterstützung gefanben, all bei ben eigenen.

Kascha», 28. October. Der Maschinenschloffer Pe- trovlki würbe wegen anarchistischer Umtriebe und wegen Drohungen gegen hochgestellte Persönlichkeiten ver­haftet.

Triest, 28. October. Die italienische Polizei hat den oll gefährlich bezeichneten Anarchisten Alfon! Nebu- stella verhaftet. Vei demselben wurde ein 15 Lentimeter langer, scharf geschliffener Nagel gefunden.

Rom, 28. October. Emgegen den beruhigenden offi­ziellen Meldungen berichten die in Erithrea stationirten O'fiziere, M en elik sei mit 100 000. IRann und 50 Ge­schützen im Anzüge gegen Ra! Mangascha. Di-iel große