Ausgabe 
30.1.1898 Drittes Blatt
 
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Sonntag den 30. Januar

Drittes Blatt

ftr. 25

Weßener Anzeiger

Heneral-Unzeiger

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Annahme von »«zeigen zu der Nachmittags für dm stlgniden Lag erfcheiuendeu Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Adresse für Depeschen: Aazeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

0 Mendorf i. tz Lda., 28. Januar. Der hiesige Lriegerverein feierte gestern Abend in Verbindung mit seinem Stiftungsfest den Geburtstag des obersten Kriegsherrn. ' Der Verein hat im abgelaufeuen Jahre einen Zuwachs von 20 neuen Mitgliedern erhalten und zeigt in Folge deffen in jeder Beziehung neues Leben.

x Londorf, 27. Januar. Heute Morgen wurden die Bewohner drr Rabenau durch den Brand eines Stroh« Haufens, welcher den Pächtern des hiesigen HofguteS gehörte und für 4500 Mk. versichert war, in Aufregung versetzt. DaS Feuer soll an vier Stellen angelegt worden sein. Auf­fallend ist, daß seit Jahresfrist drei ähnliche Brände in unserer Gegend vorgekommen find, im voriger Jahre einer ia RüddiugShausen, dieses Jahr ein solcher in WeiterShaiu und ein weiterer in Odenhausen. ES scheint fast, als kämen diese ruchlosen Thaten aus ein und derselben Quelle- umso wünscheuswerther wäre ein Erfolg der gewiß nicht auS- bleibenden gründlichen Untersuchung.

Universität». Nachrichten.

Aus Straßburg wird bericbtet: An der hiesigen Universität hat sich Dr. rned. R. Dreysus als Prtvatdocent für das Fach der inneren Medicin habililirt.

Der Senat der Untoerfität Berlin hat die Eingabe der Berliner Professoren, eine Staatsunterftützung für oolksthümltche Hochfchulcurse zu erbitten, abgelehnt.

In Leipzig hat sich eine allgemeine Studentenversammlun« mit der Lage der deutschen Studentenschaft in Oesterreich beschäftigt. Prof. Lamprecht sprach über den Gegensatz der Nationalitäten in der Ostmark in geschichtlicher Beleuchtung.

Im neuen preußischen Staatshaushalt werden vier neu« juristische Extra-Ordinariate, zwei in Berlin, je eins in Kiel und Greifswald gefordert mit Hinweis auf die bevorstehende Einführung de8 bürgerlichen Gesetzbuches.

Goldene Hochzeit.

Novellette von Agnes Schöbel.

(Schluß.)

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Literatur uwb ICtMefL

Berlin, 27. Januar. Sämmtliche Morgenblatter eonstaUre», daß derBurggraf" von Lauff, der gestern Abend als Fest Vor­stellung im Kgl. Schauspielhaus t« Anwesenheit de« Kaiserpaare« und des Königs von Sachsen zur Darstellung gelangte, kühl abge­lehnt worden ist. DieNeuesten Nachrichten" sagen, da« Publikum, daS in FesttoUette erschienen war, enthielt sich auS diesem Grunde der BeifallSäußerung. In derBoss. Ztg." heißt es, daS Publikum blieb lau und conventionell, wie sein AeußneS. Fritz Mauthner schreibt imTageblatt", nach dem dritten und fünften Acte gab es einigen Beifall und am letzten Ende. Nach dem Nachspiel rührte sich fast keine Hand. Die Zuschauer verließen das HauS in gedrückter Stimmung. DieVolkszeitung" conftatirt: Das Stück schlug die Gemüther in den Bann der Langeweile, und nur einige unerschrockene Männer rafften sich nach jedem Act zu einer spärlichen BeifallS- äußerung auf.

Das Lhteikreich. Bearbeitet von Dr. Heck, Paul Matschi», Pros. Dr. v. Martens, Bruno Dürigen, Dr. Ludwig Stady und E. Krieghoff. Erscheint in 120 Lieferungen zum Preis« von je 10 Pfg. und umfaßt ca. 140 Druckbogen mit 1455 Abbildungen

Landwirthschaftliches.

Winterliche ««beit im Obstgarten. Ist der Bode» offen, so können im Obstgarten mancherlei Arbeiten verrichtet werde». Man grabe um die Stämme herum sog. Baumscheiben ca. 80 big 100 Etm., damit Luft und Feuchtigkeit etndrtngen und die Boden- Nährstoffe aufschließen können. Auch kann gegen Ende Januar be­reits mit der Düngung begonnen werden. Man ziehe daz» am Traus der Bäume einen ca. 30 Etm. tiefen Graben und fülle dies« einige Male mit du:ch Wasser verdünnter Jauche. An Stelle deg Grabens kann man auch Löcher mit einem Erdbohrer bohren uno diese mit Jauche, Mist oder künstlichen Düngemitteln füllen. Wen» möglich, können auch Ende Januar schon Baumlöcher für spätere Pflanzungen auSgehobm werden, in deren Sohle die oberste Erd­schicht, besonder« die Rasenstücke geworfen werden. Man lasse daS Loch bis zur Pflanzung offen, denn der Witterungswechsel erschließ das Erdreich.

Sie war in einen fiasteren Abgrund gestürzt, eine große Kälte hüllte sie ein. Entflohen war ihr Glaube, ihre Liebe, ihre Hoffnung. Aus was sollte denn ihr Dasein fortan zielen, daS man heute eingesegnrt und geweiht hatte al« etwa« Hochheilige«, und das nicht« al« eine Lüge von der einen Seite, eine Enttäuschung von der anderen gewesen? Und wen sollte fie denn in der Ewigkeit finden, wenn nicht ihren Gatten?

Der Redner wandte sich diesem jetzt zu. Mit einem guten verlegenen Lächeln faß er da, während e« in ihm weinte, während eine nachträgliche Reue sein Innere« durch- schütterte.

Noch einmal erklang der wundervolle Spruch der ver- heißung die Stimme brach dem treuen Hau«freunde. Hohle« Husten erschallte von der Ecke der Alten. Ein unter- drücktes Kichern kam von den Tischen der unbesonnenen Jugend herüber. Dann wurden brausende Hochrufe laut, alle Stimmen mischten fich jauchzend der Höhepunkt des Feste« war erreicht.

Die alte Frau im Goldkranze griff nach ihrem Glase fie schlug ein paar Mal mit der Hand inS Leere, ein kleiner schwacher Hilfeschrei flog in den tosenden Jubel hinein und verhallte. ,, ,, . _ A

DaS Gefühl einer fürchterlichen, schnell wachsenden Ent- fernung zwischen ihr und dem alten Lebensgefährten über- wältigte fie. Ohne Halt und Stütze schien fie in den Raum geschleudert zu sein. Ihr Herz hämmerte noch zwei-, drei- mal, bann war e« todt wie die Liebe, die fünfzig Jahre darin gewohnt.

Der alte Mann neben ihr erkannte sofort, was geschehen. Er sprang auf, den Stuhl zurückstoßeud, und drehte sich taumelnd nm sich selber, wie Jemand, den man mit einer Keule vor den Kops getroffen hat.

Auf eiien Schlag verstummte da« fröhliche Summen, die lustigen grellen Vogelrufe der Allerkleinsten.

Kinder und Enkelkinder umdrängter», jäh aufgeschreckt, das greise Elternpaar schüchtern und die Aufreg«n, meidend hielten fich die zitternden Mütterchen zurück.

Der Manu mit den Goldblumen im Knopfloch war f» seinen Stuhl zurückgefallen. Die erste Vorstellung, welche nach dem Begreiftn durch sein erschrockenes Hirn glitt, war, daß zwei Hände fich für immer aus den seinen gelöst.

Er griff fich an die Schläfen. Er stöhnte. Eine dunkle Schan'that hatte er begangen in fern ablirgender Zeit und heute ereilte ihn dafür eine fürchterliche Vergeltung.

Stumm und erstarrt stand die Schaar der Nachkommen um die heilige Todte, die Abnsrau diese« Geschlechts. Niemand wagte zu weinen, die unwtffeuden Kleinen aus dem Boukett athmeten beklommen.

Der alte Hausarzt trat hinzu, räumte aber zugleich mit bebenden Lippen seinen Platz dem Priester. Der sprach leise und erschüttert Worte de« Friedens.Im letzten Glück dahiugegangen/ schloß er, und seine Stimme zitterte.

Da schlug in schwerem Fall der verlaßene Gatte zu Boden. Man mußte ihn aufheben und forttragen. In der Nacht kam dann der Tod ohne weitere Anfrage.

Man legte daS greise Paar zur Ruhe im vollen Schmuck der Jubelhochzeit, mit dem goldenen trügerischen Kranze, de« Sträußchen au« Papterblumen.

Und die Rede deS Priester« am Grabe, die Berichte in den Zeitungen hallten wieder von Lobpreisungen der fünfzig- jährigen Liebe und Treue, von dem laugen Glück und dem rührenden Ende der Beiden, die Hand in Hand hinüber­gegangen seien in die Ewigkeit, eins im Leben und ein« im Tode.

Für den Consumenten ift es nicht leicht, auS den viele» beut zu Taae angebotenen Fabrikaten etwas heraus zu finden, wa« seinen Zwecken entspricht. Schubfett und Wichse z. B. werden in so niderlci Art offerirt, daß der Consument tbalsSchlich nicht weh« weiß, was er verwenden soll. GentnerS Wichse und Gentner» Schahfett in rothen Dosen mit dem Kaminfeger dürften aber, roa® Qualität anbelangt, kaum von irgend einer anderen Marke erreicht werden und es wird daher das consumirende Publikum beim Ein­kauf wohl daran thun, diese Fabrikate stets zu bevorzugen. 951

ZXzugrprei» vierteljährlich

2 Mark 20 Pt, monatlich 76 Ptz. mit Bringerloh»

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pjg. vierteljährlich.

Bekanntmachung.

Der Geflügelzuchtvereiu Worm« beabfichtigt, mit der am 17., 18. und 19. April l. I. in WormS abzuhaltenden Ge- flügelauSstellung eine verloosung von Nutzgeflügel zu ver-

Bekanntmachung.

Der Gemeindevorsiand von Schotten beabsichtigt, mit dem am 6. Juni 1898 daselbst stattfindenden Bullen- und Zuchtviehmarkt eine Verloosung von Vieh, landwirthschast- lichen Maschinen und Geräthen, sowie HauShaltungSgegen- ständen zu verbinden, um die Mittel zu Prämiirungszwecken zu gewinnen. Das Großherzogliche Ministerium des Innern hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver- loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als

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IM lirthatang der Berre

4000 Loose, zu 1 Mark das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 Procent des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden find. Großherzogliches Ministerium hat zu- gleich den Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffen gestattet.

Gießen, den 26. Januar 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

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i jiaffau übertragen unÜ Zanschenhändler m

-nngungen bei obiger Fir^

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Haben.

D,S Grohherzogliche Ministerium beS Innern hat bte uachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung bieser Verloosung unter ber Bebingung ertheilt, baß nicht mehr al« 9000 Loose zu 30 Pfg. ba« Stück auSgegeben werben dürfen unb mindestens 60 Proeent beS Bruttoerlöse« auS bem verkauf ber Looie zmn Ankauf von Gewinngegenstänben zu verwenben finb.

Grohherzogliche« Ministerium hat zugleich ben Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet.

Gießen, ben 26. Januar 1898.

GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Stuhle.

Sie fühlte ihr Herz ganz leer werben, gleichsam olle« hinauSziehen, was al« Heiligstes barin gewohnt hatte. Orbe Mb eitel unb unnütz erschien ihr ba« versunkene Dasein, MUÜtz ihre ganze Zärtlichkeit, unnütz, baß fie Kinber geboren, Ibie wieber Kinber hatten unb fich vielleicht untereinanber belogen unb betrogen.

«In scharfer Schmerz stach durch ihr Hirn hin, wie sie ihn seit bem letzten Anfall nicht gefühlt. Sie tastete nach bem Kopfe, so bentlich fühlte fie e«, baß ber «ranz, ber darauf lag, au« Papier war!

Um ihre Lippen schwebte da« festliche Lächeln nur noch gleich einer Verzerrung Das Geficht ihrer Jugenb war jetzt ganz verschwunben unter Runzeln unb Falten.

Sie lehnte fich ein wenig zurück. Feierlich sah fie ben {heil golbener Flammen über ihrem Haupte schweben, die durch btt klare FrühlingSdämmerung stärker leuchteten.

®ei getreu bi« in ben Tob, so will ich Dir bte Krone dt« Lebens geben I"

Die Worte strahlten gleich ben Flammen, aber für die arme beraubte Alte hatten fie nicht Glanz, nicht Wärme »ehr.

-MtieeencheinimgeB, weicht gestattet »erben.

i wie l B. Bieichiacht, Bl* Gießen, ben 27. Januar 1898.

m Pellkea< no87i GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen.

Die herzwarmen Worte beß Redners fielen in ihre Ohren all schreiende Lügen. Sie hätte aufspringen mögen, ihm den Mund zuhalten mögen, unb sah machtlos, von Schwäche nnb Beschämung festg-bannt, in ihrem flieberbekränzten

M) DF. PW.

B'liebte Thc'-mischnnren höchster Kreise. Mk. 2.80 t r... t» nhagaok. 60 u.80 Pt löü

Bekanntmachung.

Der Verein für Vogel unb Geflügelzucht zu Offen­bach a. M. beabfichtigt, mit seiner am IS. bi« 18. April l. I. dort stattfinbenden GrflügelauSstellunq eine verloosung von Geflügel unb Gegenständen der Geflügelzucht zu verbinden.

GroßherzoglicheS Ministerium de« Innern hat die nach- (gesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 5000 Loose zu 50 Pfg. ba« Stück auSgegeben werben bürfen unb mtnbesten« 60 Proeent be« Bruttoerlöse« an« dem verkauf der Loose znm Ankauf von Gewinngegenstänben zu verwenben finb.

Zugleich ist ber Vertrieb der Loose im Großherzogthum

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