Ausgabe 
29.9.1898 Drittes Blatt
 
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1898

Donnerstag den 29 September

Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Zlnrts- und Zlnzeigeblntt für den Tiveis Gletzen

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

2 normalen HP,

Mannheim.

Allk Anzeigrn-BermiNlung-stkllen M I«- und AuAlaabes nkhmrn Lnzrigrn für brn (Siebener Lnzriger cntgegm.

»anahme von Anzeige» zu brr Nachmittag« für beu folgenden Tag erscheinenden Nummer btS Bonn. 10 Uhr.

Rtbaction, Lxpebition und Druckerei:

Ach»tllratze Ar. 7.

floh tn voller Auflösung nach einem Verlust von 600 Tobten. Die Verluste auf exyptischer Sette betragen 87 Tobte und 89 verwundete. Bon den englischen Offizieren ist keiner %v tödtet oder verwundet.

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Wtilt.

Dieser gedachte nicht, seine Erholungszeit durch eine so nnan- genehme Arbeit sich beeinträchtigen za lafien. Er richtete daher unter dem 8. August rtneu Brief an Busch, io welchem ich folgende Stellen finden: Sie haben augroschetoltch keine richtige Vorstellung von «einem Gesundheitszustand und meinem Ruhebedürfatß; denn sonst wären Sie nicht der Eiu- zege, der mir Ruhe mißgönnt, während der Kaiser, da« Reich und alle Beamten fie respeettren. Möglicherweise haben Sie auch keine Ahnung von der Schwierigkeit der Aufgabe, die Sie mir zumuthen .... d« kann nicht überraschen, daß Ihre Folgerungen mit den Thatsacheu nicht überetnsttmmeo, odaß, weau Sie dieselben veröffentlichen sollten, ich ge- zwuogeo sein würde, fie anzufechten und zu widerlegen. 6« tudru fich da zahlreiche schwere sachliche Jrrthümer, Brr« wech«lullg von Scherz und Trust .... Bet Allem was tch jemal« in Ihrer Gegeuwart zur Unterhaltung metner Gäste bet Tisch gesagt habe, oder tu meinen vier Wänden, oder wa« Sie au« uveoutrolirbareu Erzählungen dritter Personen zusammeogestrllt haben, nehmen Sie an, daß tch dabet immer meine inneren Gefühle mit derselben Gewiffenhaftigkeit zum Ausdruck gebracht hätte, mit der mau al« Zeuge vor Gericht unter Eid aussagen mag. Bei der Pedanterie, mit der Sie verstreute Bruchstücke au« Unterhaltungen ausnutzen, dürfte ein Mann ta meiner Stellung keinen Augenblick aufhörev tn der formellsten Weise zu sprechen und auf osficielleu Stelzen zu gehen. Alle«, wa« Sie z. B. über «ein verhältniß -um Ehristenthum und zur Judeufrage sagen, ist nicht nur von monströser Indiskretion, sondern auch durch und durch falsch. Wenn tch Alles das brieflich richtig ftelleu wollte, müßte ich eigentlich Ihr ganze« Buch noch einmal schreiben.

Rr. 228 Drittes Blatt

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Tluilouö.

Wie«. 27. September. Die Regierung beabfichtigt, die erste Lesung der ungarischen Ausgleich-Vorlage bereits auf die FrettaaSfitzang de- Abgeordnetmhauses zu setzeu.

Genf. 27. September. Ja der vorletzten Nacht ent» stand eine große Feuersbrunst in der Pappdeckelfabrik von Wondelge«. Wegen unzureichender Hilfe ist die ganze Fabrik ein Raub der Flom«en geworden. Der Schaden beträgt mehrere hunderttausend Franc«. Durch die Ent­zündung etnkS Theerfaffes, welches in der Nähe eines Ofens stand, soll der Brand zum AuSbruch gekommen sein.

Senf, 27. September. Nachdem die Untersuchung gegen Luechent und defien Mitschuldige bi« auf wenige neben­sächliche Umstände abgeschloffen ist, wird die Staatsanwalt­schaft die Hauptverhandlung für Ende October ausrtzen. Die Verhandlung findet im Asfiseuhof-Saale statt, wo alle ge­meinen Verbrecher abgeunheilt werden.

Pari«, 27. September. Ja Rrgteruagskreiseu befürchtet man, daß die Mrlitärpartei nunmehr zu den verzweifelsteu Schritten ihre Zuflucht nehmen w"rd, um die Revision noch im letzten Augenblick zu verhindern.

Pari«, 27. September. Eine Gruppe von «ehreren hundert Personen begab fich gestern Abend vor das Local de-Pettte tRepubHqae* und von dort nach derAurore", wo fie Hochrufe auf Brisson, Janrö« undLlLmenceau, auf die Republik und auf dir Revision auSbrachtev. Ob­gleich Alle« rnhig verlief, zerstreute dennoch die Polizei die Kuvdgeber, weil Drwoustrotionen auf öffentlichen Straßen in Pari« verboten find.

Pari«, 27. September. »Peilte RLpublique" berichtet, daß tn dem gestrigen Ministerrathe beschloffen wurde, dem General Zurltnden eine Rüge zu erthetleu, weil er al« Militär-Gouverneur von Pari« die ministeriellen Befehle in der Picqaart-Angelegenheit nicht au«geführt habe.

Paris, 27. September. Die Mitglieder der spanisch- amerikanischen Fri, den« - Eommissiou find gestern Abend hier eingetroffen. Die Sitzungen sollen am nächsten Montag beginnen. Der Minister de« Auswärtigen, Delcaffö hat den Eommtsston««irgliedern einen Saal des Auswärtigen Amtes zur Verfügung gestellt. , , t .

Loodon, 27. September. »Daily Mail" berichtet, daß Lord Salisbury fich nach Pari« begeben wird, um dir dort statifiadenden Verhandlungen bezüglich Faschoda« bester überwachen zu können.

Afrika. Der Sadanfeldzug. Kitchever Pascha ist nach Omdurman zurückgekehrt, nachdem er in Faschoda und Sobat Posten zurückgelaffeu hat. Außer mit dem Dampfer der Derwische, welcher gekapert wurde, haben keine weiteren Kämpfe stattgesuodrn. Eine von Kaffala au« entsandte Streit- macht unter dem Befehl des Obersten Parsous hat am 22. September nach lebhafte«, drei Stunden währendem Kampf Düref besetzt. Der Feind in Stärke von 3000 Mann

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DieR. Saarbrücker Ztg." schreibt unter« 23. Sept.: Der deutsche Boifchafier in Pari« verhaftet! Mobilmachung! Kriegserklärung!" Aehnliche Gerüchte schwirrten gestern in Saarbrücken und St. Johann von Mund zu Mund und fingen an, beunruhigende und erregende Kreise zu ziehen. Woher diese unglaublichen Mären stammen, ist rüthselhast. Siner erzählte e« dem andern, bi- da» Erzählte immer un* heimlichere Formen annahm. Dieser oder jener sprach von Telegrammen, diean der Bahn" angeschlagen worden sein sollten. Bestimmtes wußte jedoch Niemand zu sagen. Etwas Licht in die Dunkelheit bringt nun folgende Meldung der Lothringer Ztg.", sie schreibt:Seit einigen Tagen lausen in einem gewissen Th eile der Bevölkerung die unglaublichsten Nachrichten über Ultimatum, Abbestellung der Manöver und noch viele« mehr um. Bon Mund zu Mund werden dann solche Gerüchte immer mehr übertrieben und furchtsame Ge» müther in Angst gejagt. Leider laffen sich auch nochandere Leute" durch solche Gerüchte verblüffen, und e« thut noth, öffentlich zu erklären, daß alle diese Gerüchte jeder Begrün­dung entbehren." Dazu bemerkte dieForbacher Zeitung": ,.E« scheint sich hier um eine systematische Hetze zu handeln. Agenten haben den ganzen Lothringer Grenzbezirk und Metz in Aufruhr gebracht, zum Theil durch gefälschte Telegramme, wonach unser Kaiser an Frankreich ein Ultimatum gestellt habe, keinesfalls die Revision de« Dreyfus-Proceffe« zuzulaffen, weil ja sonst de« Kaisers Briefwechsel mit Dreyfus an« Tageslicht käme, was ums Himmelswillen vermieden werden müsse. Und es giebt auch wirklich noch Dumme genug, die diesen Unsinn glauben. So versichern die Metzer Blätter!" Man darf wohl nicht fehl gehen, wenn man die ganze Bewegung als Schwindel bezeichnet. Die Alarm­gerüchte sind eben nur aus Erörterungen über die Dreyfus- Bewegung entstanden, und durch das Colporttren von Mund zu Mund haben diese einen ungeheuren, beunruhigenden Um- fang angenommen.

Kölner Textilftmd. Man schreibt derFrkf. Ztg.-: In der letzten Woche wurde in St. Cunib ert bei Eröffnung der Reliquienschreine ein sehr kostbare«, reich gemustertes Gewebe au« dem 4. bi« 6. Jahrhundert gefunden. E« zeigt mit einigen Variationen die Ornamentik de« berühmten Ge­webe« am St. Ambrogio-Schrein in Mailand. Auf dunkel- blauem seidenem Hintergründe sind in goldgelber und röthlich brauner Farbe tn großen Kreisen saffanidische Reiter in symmetrischer Stellung abgebildet. Sie jagen Löwen, die ein Thier erwürgen. Hunde und kleine Jagdchiere füllen die Zwischenräume. Ein palmenartiger Lebensbaum bildet die Mitte. Zwischen den Kreisen sind reiche Rosetten angebracht. Leider benutzte man da» sehr gut erhaltene Seidengewebe wieder zur Einwickelung der Gebeine de» Hl. Kunibert, an= statt dazu ein modernes kostbares Gewebe zu nehmen. In St. Ursula in Köln sind ähnliche Reliquienhüllen aus der- selben Zeit unter Glas in der goldenen Kammer ausgeMt. Eine photographische Aufnahme wurde gestattet, die im nächsten Monate von Herrn CanonicuS Schnütgen pubncirt wer­den soll.

»tn boshafter Witz w rd in englischen Blättern über den bekannten Professor Wilson von der Universität zu Sdioburg erzählt. An de« Tage, an dem der Genannte die Nachricht erhielt, daß er zum Ehren Leibarzt der Königin ernannt worden sei, erschien am schwarzen Brett feines Hör» {aale« folgende Ankündigung: .Professor Wilson benachrichtigt die Studenten, daß er Ehren Leibarzt der Königin geworden tfi.* Der Professor mußte fich bald daranf auf kurze Zeit au« dem Hörsaale entfernen, und al« er zurückkehrte, fand er unter seiner Snküadtgung die finnigen Worte:God save the Queen.

Oh diese Ansichtskarten! .Also Sie waren am Wendel- stein, find Sie da recht müde geworden?" »Oh nein, ich habe nur den Schreibkrampf bekommen!"

Baterforgen. , . . Die Knaben machen Eine« doch mehr Sorgen, alÄ ein Mädchen! Sehen Sie, mein Sohn ist jetzt fechSundzwanzig Jahre alt und erst Lieutenant, meine Tochter ist nrunzehn und bereit« Frau Majorin!"

Druckfehlertenftl. . . . Uud nun sah der Graf, wie sein Rittergut unter den Hammer kam. (Schloß folgt.)

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Die Veröffentlichungen Moritz Buschs.

Wir haben schon in unserer politischen Wochenschau dem Bedauern darüber Au»druck gegeben, daß Fürst Bi«marck keine authentischen Memoiren hinterlassen hat. Da«, wa« Busch in einem großen englischen Blatte über den Altreichs­kanzler dringt, darf auf die Bezeichnung.Memoiren" keinen Anspruch machen, e« ist nur darauf berechnet, den Geldbeutel Buschs zu füllen und der Sensationslust eines gewissen Publi- kums Genüge zu leisten. Daß von einem Theil der Presse die angeblichen Aeußerungen Bismarcks über hochstehende Personen mit großem Behagen wiedergegeben werden, darf nicht weiter Wunder nehmen, ist es doch dieselbe Presse, welche zu Lebzeiten des Fürsten immer von dem , Herzog von Lauen- bürg" oder von der alten Schartekenkiste sprach und so gern eine Gelegenheit ergreift, um den Altteichskanzler in den Augen der Welt herabzusetzen. Der Größe Bismarck« wird dadurch aber nicht der geringste Abbruch gechan. Sein Frei- muth ist zu bekannt, al« daß man erwarten konnte, Bismarck» Kritik werde vor irgend einer Person Halt machen; aber wir sind der festen Ueberzeugung, daß er sich zu einer bewußten Unehrerbietigkeit niemal« hinreißen laffen konnte. Wer da gehört hat, mit welch' rührender Zärtlichkeit er von feinemalten Herrn" sprach, der wird erkennen, daß die Worte, welche ihm Busch zuschiebt, niemal« in dem Sinne gebraucht worden sind, wie sie der Verfasser der Veröffent» lichungen gedeutet wiffen will. E« hieße die Größe Bismarck« herabsetzen, wollte man ihm zutrauen, er habe alle Verdienste um die Einigung Deutschland« für sich allein in Anspruch nehmen wollen.

Daß die Publikationen Busch« besondere« Aufsehen er* regt haben, kann nicht behauptet werden. Im Allgemeinen hat man die Mittheilungen des Londoner Blatte« ziemlich kühl aufgenommen, wa« schon daraus hervorgeht, daß sich nur eine recht mäßige Kritik daran geknüpft hat. Mag man auch im Auslande, d. h. in dem Deutschland wenig freund- lichem Ausland eine gewisse Schadenfreude empfunden haben, uns kann die« sehr katt lassen. Schon daß Busch die Ver- Lffentlichungen in einem englischen Blatte bringt sagt genug und beweist, daß seine arbeiten nicht den Zweck haben, uns Deutschen ein Bild von demAlten im Sachsenwalde" zu geben, daß ihn nicht ein patriotische« Verlangen getrieben chat, den Millionen von Verehrern Bismarck« einen Einblick ju gewähren in da« intime Leben de« Verstorbenen. Mag die Reihe der Busch'schcn Enthüllungen auch noch so lang ffein, die ersten Proben haben un« den Beweis geliefert, daß die Erwartungen, welche man wohl hie und da gehegt hat, fich nicht erfüllen werden. Alle Versuche aber, da« Andenken des großen deutschen Staatsmannes zu verunglimpfen, sollen abprallen an der Liebe und Verehrung, welche da» deutsche Volk seinem unvergeßlichen Bismarck widmet xx

DeutfdH* Reich.

Berlin. 26. September. Die deutsche überseeische Auswanderung im August 1898 bezifferte fich auf ins- gesammt 1917 Personen (gegen 2210 im Augast 1897); da­von entfielen auf Bremen 874 (876), auf Hamburg 729 (877) Personen. Ueber andere demsche Häsen (Stettin) wurden im verflossenen August keine (tm August 1897 33) deutsche Auswanderer befördert. Auf Antwerpen ent- fielm 227 (354), auf Rotterdam 87 (70) deutsche Aus­wanderer. Au« deutschen Häfen wurden im August 1898 neben den vorgenannten 1603 deutschen Auswanderern noch 7050 Angehörige fremder Staaten befördert. Davon gingen Über Bremen 4836, Hamburg 2221.

Berlin, 26. September. Die Deutsche Kolonial» gefellschaft will im Herbst dieses Jahre« versuchen, in AuSbach, Bvchvtt, Lüstrin, Delmenhorst, Detmold, Emden, Fulda, Guben, Insterburg, Konstanz, Lehe, Memel, OelS, Pirna, Schweidnitz, Schwedt a. d. O., Sonneberg, Saar- gemünd, Tarnowitz, Wandsbeck und Wurzen neue Abtheilungen zu begründen.

Leipzig, 27. September. Das Reichsgericht ver- nrthellte den Wirth Peter Mindorff auS Servier« wegen Lande«verrath zu fünf Jahren Zuchthaus, Ehrverlust au gleiche Dauer und Stellung unter Polizeioufficht.

Bismarck« Urtheil über Busch. Mehrfach ist schon darauf hingewieseu worden, wie Moritz Busch in seiner berüchtigten neuesten Veröffentlichung gelegentlich fich selbst da« Urtheil spricht. So erzählt er selbst: I« Laufe de« Juli 1883 habe der Leipziger Verleger Grünow die Correcturbogen von Busch« Werk »Uafer Reichskanzler an den Fürsten zur Durchsicht gesandt. Damir fuhr et and (fort, a!« fich der Kanzler nach Kisfiogen begeben hatte.