Ausgabe 
29.7.1898 Zweites Blatt
 
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1898

Freilag den 29. Juli

Amts- und Anzeigebl«att fiw den lirets Gieszen.

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Annahme een Anzeigen zu bet Nachmittags für bett yriftnben tag erfcheinenden Nummer biß Merm. 10 Uhr.

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Waffrrverdräogvng von 85 Tonnen und eine 1 letstung von 1000 Pferdestärken, während die Geschwindigkeit auf 19 Seemeilen gestiegen war. Nach mancherlei, in Bezug auf die Geschwindigkeit, die Seetüchtigkeit und die Leitung des Torpedos, wie die Abschaffung der vorstehenden Bugrohre und Einführung der Unterwasser« und Breitseitlavcierrohre getroffenen Anordnungen ist daS moderne deutsche Torpedo- boot bet einer Länge von 49 Meter jetzt auf ein Deplacement von 155 Tonnen, auf eine Maschtuenletftuog von etwa 2500 Pferdestärken und eine Geschwindigkeit von 25 See­meilen tu der Stunde gebracht worden. Die Besatzung dieser Boote besteht aus 1 Offizier, 1 Deckosfizier, 4Uoterosfiziereu

das Verständuiß derselben,- wir werden später untersuchen wüffev, ob ein bloßrS Coptreu der Wirklichkeit schon als Kaustthättakeit bezeichnet werden kann.

Zuerst jedoch wollen wir uns überzeugen, ob der Be­griff des Nachahmens wirklich von dem Kunstschaffen uu- zerrrennlich ist. Ein Blick auf die Entwickelung der Kunst in den verschiedenen Zeiten und bei den verschiedenen Völkern wird uns bestätigen, daß fie wirklich immer und überall auf das Nachahmrn oder sagen wir lieber Nachbtlden der Natur (mit Einschluß des Menschen und seiner Werke) ausgegaugen ist. Da» wirkliche Leben mit seinen wechselnden Erscheinungen und Vorgängen bot und bietet immerfort eine unerschöpfliche Fülle geeigneten Materials dazu dar. Der Künstler braucht nurhiuetnzugretsen in daS volle Menschenleben": wo er es packt, ist es iutereffaut und reizt zur nachbtldendeo Dar­stellung. Dabei ist es zunächst gleichgiltig, welcher Mittel der Künstler fich bedient: sein Bestreben, die Natur täuschend

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gißte«.

Fernsprecher Nr. M.

ein genauer Beobachter der Wirklichkeit, bezeichnet in seinem Werke über die Dichtkunst daS künstlerische Schaffen als ein

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Deutsches Reich.

Berlin, 27. Juli. Als erste greifbare Folge der Reise deS Fürsten Ferdinand au den russischen Hof stellt fich die Rückkehr der emigrirteu bulgarischen Offiziere in daS Vaterland dar. Wie aus Petersburg gemeldet wird, treten dieselben mit dem Range in die bulgarische Armee

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Flöten und Harfen im Tanze drehen - v - aber die Weiber

Standen bewunderungsvoll vor den Wohnungen, jede betrachtend.

-Rr. 175 Zweites Blatt

Sodann schauen wir zwei Städte. In der einen geht festlich her, eS wird Hochzeit gefeiert. Die Braut wird beim Sche ue der Fackeln aus der Kammer geführt, der Hymenäus ertönt, während Jünglinge sich beim Schalle der

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ViertelMettch 2 Mark 20 Gig. menattidj 76 Gßg. mit vmegerlstz«.

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Die Gießener Wamilten »tLtter erben dem Anzeiger schentlich viermal beigelegt.

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nachzuahmev, Io daß der Schein der Wtk.ichkeit entsteht, ist daffrlbe, mag er nun als Bildner in Stein, Metall, Holz, Elfenbetn die Gestalten in voller Körperlichkeit uns vor Augen führen oder fie tu halberhabenrr Arbeit aus der Ebene heevortreten lasten- mag er al-Maler durch Zeichnung und Farbe aut der Fläche blühendes Leben hervorzauberu, mag er als Dichter durch die Kraft der Sprache unsere Phantasie erregen, uns im Geiste na» fernen Zeiten und entlegenen Orten entrücken und uns AlltS schauen lasten, was aus dem weiten Lrdeoruvde fich begibt.

Selbst die Musik, die innerlichste aller Küuste, ahmt die Wirklichkeit nach, nur daß sie nicht die Außenseite der Er- schetuuugen, sondern ihren inneren Kern, die Welt der Em­pfindungen und Stimmungen ergreift und zur Darstellung bringt. Daß auch der Baukunst die nachahmende Seite nicht fehlt, liegt auf der Hand- aber da fie nicht reine Kunst ist, sondern zugleich praktischen Zwecken und Bedürfuiffeu dient, dürfen wir sie hier zunächst bei Seite lasten.

Bezeichnend für die Fülle besten, was Ausgabe der Dar­stellung de» Künstlers werden kann, ist schon die bekannte Stelle des alten Homer (Ilias 18, 483 fg.), wo er von dm in Gold getriebenen Bildern spricht, mit denen der Gott der Schwiedekuust, Hephaistos, den Schild des Achilleus verziert. Was läßt uns der göttliche Künstler nicht alles auf der Rundung de» Schildes erblicken!

Drauf nun schuf er die Erd' und das wogende Meer und den Himmel;

Helios auch, unermüdet tat Lauf, und die Scheibe Selene'S, Drauf auch alle Gestirne . ..

und 10 Manu.

Weit größer als die Torpcdoboote find die Torpedo- divifionSboote (V-Boote), mit deren Bau im Jahre 1886 be­gonnen wurde und die als Führerschiffe der etnzelueu aus je sechs Booten bestehenden Torpedobootsdivifiouen fungirev. Ihre Länge stieg von 54 Meter im Jahre 1886 auf 64,6 Meter im Jahre 1898, ihre Größe von 250 auf 350 Tonnen, ihre Maschinenleistuug von 2000 Pferdestärken auf 5500 und ihre Geschwindigkeit von 20 auf 27,5 Seemeilen in der Stunde. An Besatzung führt ein Divifionsboot 4 Offiziere, 1 Ingenieur, 1 Arzt, 1 Zahlmeister, 2 Deckoffiziere, 10 Unter- offizierd und 26 Mann.

Im Ganzen besteht die deutsche Torpedoboot-flotte, ein- schließlich der ihrer Vollendung entgegeogehenden Boote, aus 10 Divifionsbooten und 85 Torpedobooten. Dazu kommen noch 20 alte, beziehungsweise veraltete Boote, die seiner Zeit al» Versuchsboote dienten. Das vorzügliche Material und die tüchtige Schulung der deutschen Torpedoflotte haben bet ausländischen Fachkennern größte» Lod und uneinge­schränkte Anerkennung gesunden. Hoffen wir denn, daß die geplante Neuerung fich sür die Au-gestaltung der deutschen Wehrmacht zur See vortheilhaft erweisen wird und der deutsche Torpedobootsbau auch in Zukunft die Stellung zu behaupten vermag, die er durch unablässige Arbeit, durch Fleiß und Geschicklichkeit fich im Wettstreit der Seestaattu zu erringen vermochte. M. N. N.

befürchten seien. , k _

Berlin, 27. Juli. Bon der rasch fortschreitenden Ent­wicklung der Kleinbahnen in Preußen grbm folgende Zahlen ein anschauliche» Bild. An Bahnen, welche dem Kleivbahngesetze vom 28. Juli 1892 unterstellt find, warm am «o«ga°g- 1893, allo ftlvsvlntkl Jahre nach dem Inkrafttreten bei Geletzel, 17 mit einer ©ifammtlänge mm 539 6 »Homeler Im Betriebe. Bil ,um 30. September 1895, also in l8/i Jahren, hatte sich die Zahl aus 40 mit einer Gesammtlänge von 2095 4 Kilometer verwehrt. Sie stieg bi» zum 30. September 1896, also in einem Jahre, auf 76 mit einer Gesammtlänge von 2811,2 Kilometer und di» zum 30. September 1897, also tu einem wetteren Jahre, auf 120 mit einer Gesammtlänge von 3948,4 Kilometer. In diesem einen letzten Jahre sind also nicht weniger al» 44 Kleinbahnen mit 1137,2 Kilometer Gesammtlänge de« Verkehr dienstbar gemacht, also beträchtlich mehr wie der Durchschnitt der fünf Jahre mit 24 Bahnen und rund 800 Kilometer Gesammtlänge. Die tu den gedachten sünf Jahren erreichte Gesammtau»dehuuvg der Kleinbahnen von nahezu 4000 Kilometern tritt aber erst in da» rechte Licht, wenn man erwägt, daß in sieben Jahren von Juli 1890 bis Juli 1897 au Nebenbahnen im Ganzen 2650 Kilometer, also im Jahre durchschnittlich 380 Kilometer, dem Verkehr übergeben worden find.____

ArisUnr-

Madrid, 27. Juli. Der König von Spanien ist au den Maseru erkrankt. Da» Fieber Ist 'ehr beträchtlich. m

Madrid, 27. Juli. Da» amerikanische Geschwader wird wahrscheinlich heute bereits mit dem Bombardement

Nachdem der Sturm eine» übertriebenen, nicht selten in unverständigen Naturalismus ausartenden Realismus wieder eiumal an uns vorübrrgebraust ist und bereits Beraolaffuog vorltegt, vor entgegengesetzten Einseitigkeiten zu warnen ich denke au einen blutleeren Symbolismus und eine phan­tastische, gemacht kindliche und darum vielfach uuächte Märchen- dtchtuug so dürfte es an der Zett sein, von Neuem den Werth von Realismus und Idealismus tu der Kunst zu erwägen und ihr gegenseitige» Bethältniß zu bestimmen. Wir werden dabet finden, daß es verkehrt tst, Idealismus und Realt»muS al» unvereinbare Gegensätze zu faffen, daß vielmehr auf der innigsten Bereinigung und Verschmelzung beider Elemente gerade das Wesen der Kunst, die ihren Namen verdient, beruht.

Wenn wir diese» Wesea der Kunst, über daS heutzutage so viel Unklarheit herrscht, näher zu erkennen trachten, so gibt uns der Name »Kunst" nur wenig Anhalt, denn er bezeichnet nur ein Können, dessen Art und Weise einer näheren Bestimmung bedarf- nicht jedes Können ist Kunst. Ebenso drücken wir unS sehr allgemein und unbestimmt au», wenn wir vou dem Schaffen etue» Künstler», seinen Schöpfi ungen reden, ähnlich wie die Griechen da» Wort »schaffen gern von der Kuvstthätigkett brauchen- wir ahnen, daß von einem besonder» intensiven Schaffen die Rede ist, erfahren aber noch nichts Näheres über die Art und den Inhalt erste Kunstphilosophe der alten Griechen, Aristoteles, *> Ans der jüngst von uns empfohlenenMonatsschrift für dramatische Kunst onb Litteratnr". Preis jährl. 10 M. Berlag von Ed. Aveaarius. Leipzig.

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| der angewandten Mittel und der Art, wie nachgeahmt wird. Der Trieb zur Nachahmung aber und die Freude au der­selben ist, wie er mit Recht bemerkt, dem Menschen an» geboren- er nennt diesen von allen Geschöpfen da» nach- ahmaogssüchtigste.

Gewiß hat Aristoteles hier ein characteristtsche» Merkmal der Dichtkunst wie aller Kunst Hervorgehoden, und die Folge­zeit har ihm Recht gegeben, wenn sie da» Wesen der Kunst tu die Nachahmung setzt. Nur ist auch dieser Begriff noch immer nicht bestimmt genug, denn nicht jedes Nachahwen tst al» ein künstlerisches Schaffen zu bezeichnen, sonst würde auch der Affe, nach dem Menschen da» nachahmuugssüchtigste Geschöpf, eine Kunst besitzen. Gerade die Bestimmung, was und wie tu der Kunst nachgeahmt wird, tst entscheidend sür

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Maschinen- | ein, den zur Zeit ihre tuzwtscheu avancirten Eollegeu etu- ' * nehmen.

Berlin, 27. Juli. Finanzlage des Reiches. Da« am 31. März abgelausene Rechnungsjahr hat 37»/, Millionen zur Tilgung der Retchsschuld ergeben, und das Jahr 1896/97 ,at gar 50 Millionen sür diesen Zweck zur Bersüguog gestellt. Rechnet man hinzu, daß tn betden Jahren zusammen außerdem die ReichShauptkaffe einen de« Reichsetat de» lausenden und des nächsten JahreS zu gute kommenden Ueberschuß von 54 Millionen Mark auswtes, so wird man nicht zweifelhaft darüber sein, daß die Finanzlage im Reiche ungewöhnlich gut tst. DieBerl. Pol. Nachr." glauben denn auch versichern zu dürfen, daß Steuererhöhungen au» Anlaß des Flotteu- gesetzesoder etwaiger neuer Militärsorderungen" uicht zu

Eine Wandlung im Torpedobootsbai».

Dft neuefttn, von amtlicher Seite b-ftLtigteu M-lbnog-u Uber Aeoderuugen im Bau von Torpedobooten laffrn er- kennen, daß der deutsche TorpedobootSbau au einem Wende- punkte steht. Die bisherigen Torpedoboote scheinen an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelavgt zu fein, da nun ab,r sie letztere au» taktischen Gründen, der immer steigenden Geschwindigkeit der großen Schiffe entsprechend, noch erhöht »erden muß, beabsichtigt die Marineverwaltung erheblich größere Torpedoboote zu bauen. Dann dürfte der Fall ein- treten, daß ein Unterschied zwischen den Torpedodivifions- booten und den Torpedobooten, wie er jetzt besteht, aushört nab an die Stelle der großen und kleinen Boote Torpedo- fahrzeuge eines TYPS treten.

Ein Vergleich der ältesten deutschen mit den neuesten Torpedobooten läßt erkennen, wie sehr man in den seit der Einführung des Torpedoboots tn die Flotte verfloffenen 37 Jahren bemüht gewesen tst, dte Torpedoboote zu oervoll- tommmn, um etne Hebung de» Werthe» dteser Waffe sür den Zugriff zu erzielen. Die ersten Torpedoboote sür dte deutsche Marine wurden im Jahre 1882 aus der Weserwerst tu Bremen gebaut. ES waren die sieben, jetzt als Wachtboote dienendenSchütze", »Flink', .Scharf", .Tapfer", .Kühn", .Vorwärts- undSicher- benannten Boote von 31,6 Meter -Länge mit einem Deplacement vou nur 57 Tonnen. Die Maschine entwickelte 500 Pferdestärken und verlieh den Booten tat Geschwindigkeit von 12 Seemeilen (22 Kilometer) tu der Stunde.

Die ersten bet der durch ihre Torpedoboote weltbekannt gewordenen Schichau-Werft In Elbing 1883 erbauten (8) Boote hatten bei einer Länge von 36,8 Meter schon eine

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Bekanntmachung.

Bor einiger Zeit find bei dem Postamt 1 Frankfurt a. M. nnb in einem Bahnpostwagen in Taffel drei Kaiser Wilhelm- Erinnerungsmedaillen etue ohne Band, dte anderen mit überzogenem Ordensblech gefunden worden.

Personen, welche Ansprüche auf dte Medaille erheben, wollen fich bet der unterzeichneten Behörde melden.

Gießen, den 26. Juli 1898.

Gießener Anzeiger

ZVzt Y* /Y AV* «Alle Anzetgen-Bermittlung-stellen »e» Je». UN» A-GackM

\ l L V V nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mW»

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