Dom Aünsö erq.
Jö.
A
Nicht neu ist der Gedanke, einen Aussichtsthurm auf dem uns so nahen Dünsberge, dem höchsten Berge unserer Gegend, zu errichten. Schon vor Jahren haben sich Männer gefunden, welche für die Durchführung dieses Planes sich interessirt haben und Mittel aufzubringen wußten, die diesem Zwecke dienen sollten. Durch die bevorstehende Inbetriebsetzung der Bieberthalbahn ist der Dünsberg uns so nahe gerückt, daß man die Zeit für gekommen hielt, das Project eines Aussichtsthurmes auf demselben seiner Verwirklichung näher zu bringen. E- hat sich ein au« Gießener und Wetz« larer Herren bestehender Ausschuß gebildet, der die Sache fördern wird. Um einen noch fehlenden Betrag von ca. 2500 Mark für diesen Thurmbau aufzubringen, wurden vor einigen Tagen Sammellisten in Umlauf gesetzt, und von der Opferwilligkeit der Bewohner unserer Gegend wird es abhängen, ob ein massives Bauwerk den Gipfel des vom Wald umkränzten Dünsberges zieren wird. Wir bemerken, daß Sammellisten vom Vorsitzenden des Ausschusses, Herrn Rentier E. Pistor Gießen erhältlich find. Wenn wir oben» stehend das zur Ausführung projectirte Bauwerk im Bilde unseren Lesern vorführen, so glauben wir, damit dem Unternehmen förderlich fein zu können.
Der untere viereckige Basaltstein-Sockel des Bauwerks ist in einer Höhe von vier Meter gedacht und erhebt stch hierauf der 9 Meter hohe runde Thurm, welcher aus hellen Derblendern mit Glasursteinen durchsetzt, ausgeführt werden
| soll und gewiß inmitten der grünen Umgebung vortheilhaft wirken wird. Zu dieser Höhe kommt noch die 1 Meter weiter ansteigende Brüstung, welche ebenfalls aus Verblend fleinen mit Sandsteindurchsetzung hergestellt wird. Der Thurm wird bestiegen mittelst einer Freitreppe bis Sockel- Höhe, woran im Innern sich eine Wendeltreppe entweder in Holz, ober beim Vorhandensein genügender Mittel, aus Lung- steinen hergestellt, anschließt. Zum Schutze des Baues soll ein al» Fahnenstange zu benutzender Blitzableiter angebracht werden. Der innere Sockelraum ist vorerst dazu bestimmt, dem Touristen Unterkunft und Schutz zu gewähren, wenn er vom Regen ober Unwetter auf der Spitze bes Berges überrascht wirb. Die auf bem Silbe neben betn Thurm sichtbare Schutzhütte, soll erst später ausgeführt werben. Wünschen unb hoffen wir, baß die Sammlung so reichlich ausfallen möge, baß der geplante Bau mitsammt ber Schutzhütte balb in Angriff genommen werben kann.
Die Verstaatlichung der Reichsdank.
(Fortsetzung.)
Mit Recht bars barauf hingewiesen werben, baß im Falle eine» Krieges bie Reichsbankbestänbe sich eine» größeren völkerrechtlichen Schutzes erfreuen werben, fo lange die Reichsbank kein Staatsinstitut wirb, fonbetn ben Character bes Privateigentums behält. Nach wichtiger erscheint bie Frage, was aus ben übrigen beutschen Notenbanken werben tollte, wenn bas Privilegium ber Reichsbank nicht erneuert würbe. Die Gefahr liegt nahe, baß auch biese Banken ihre Privilegien verlieren würben. Wenn aber auch ihr Wirkungskreis ein onberer unb beschränkterer ist als berjenige der Reichsbank, fo wirkt doch eine jede dieser Notenbanken in ihrem Lande aufs segensreichste, und eine solche Lücke würbe von ben Bundesstaaten aufs schmerzlichste empfunben werben. Vor Allem aber barf bie Deutsche Reichsbank nicht zum Spielball ber politischen Parteien werben, bie, je nachdem sie zu Macht unb Ansehen gelangen, versucht sein würben, sie für ihre Sonberzwccke auszunutzen. (Sehr richtig!) England und Frankreich wissen recht wohl, weshalb sie ihren Notenbanken den Character von Privatbanken erhalten und sie nicht zu reinen Staatsbanken machen. Deutschland würde durch Verstaatlichung seiner Reichsbank einen Schritt zurück machen, unb ber baraus erwachsend Zustand würde nur noch mit demjenigen in Amerika zu vergleichen fein. Endlich würde noch die größte Gefahr darin bestehen, daß die Reichsbank aufhören würde, eine ErwerbSgefellfchaft zu fein unb nur zu leicht zu einem Wohlthätigkeitsinstitut herabsinken könnte. (Sehr richtig!) Es ist ein gar nicht genug zu schätzender Vortheil, daß bie Bankleitung boch jetzt ben Actionären gegenüber so viel Verantwortlichkeit hat, baß sie gehalten ist, Verluste nach Möglichkeit zu vermeiden. Nichts schärst ben Sinn für eine gefunbe unb rationelle Bankleitung fo sehr als baß es auf ben Erwerb eines gewissen Erträgnisses ankommt. Nichts lähmt bie Umsicht unb Thatkraft fo sehr, als das Gefühl, nur Staatsmittel in Verwaltung zu haben zu dem Zweck, Wohlthätigkeit damit üben zu sollen. (Sehr richtig!) Und wie würden wir un» denn eine verstaatlichte Reichsbank zu denken haben? Recht nahe liegt ber Vergleich mit ben verstaatlichten Eisenbahnen. Die hierbei gemachten, für ben Staatssäckel so erfreulichen Erfahrungen ermuthigen dennoch nicht zu einer Wiederholung bei ber Reichsbank. Sollte biefelbe jemals in fo fiscalifchem Sinne verwaltet werden, wie die Eisenbahnen, mit dem ausgesprochenen Zweck, recht hohe Einnahmen für das Reich zu erzielen, so würden stch wohl Diejenigen am meisten beklagen, die heute die Verstaatlichung herbeiwünschen. (Sehr richtig!) Es liegt mir fern, mir ein Urtheil darüber anmaßen zu wollen, ob die vielen Unglückssälle, die die Staatsbahnen zu beklagen haben, zu vermeiden sind oder nicht, aber das kann ich denn doch sagen, ein Bankinstitut wie die Reichsbank
würde so viele Zusammenstöße und Entgleisungen nicht vertragen können, ohne in seinem Credit erschüttert zu werden. (Heiterkeit.) Ein vielleicht noch näher liegender Vergleich würde derjenige mit der Centralgenossenschaftskasse fein, wenn wir über deren Geschäftsergebnisse überhaupt etwas Nähere» wüßten. Es ist hier nicht der Ort und die Zeit, um ein» gehend über die Centralgenossenschaftskasse zu sprechen, aber da Herr Dr. Arendt, ebenfalls eine Autorität bei den Agrariern, schon den Wunsch ausgesprochen hat, daß der Geist der Centralgenossenschaftskasse auch in die Reichsbank einziehen möge, so muß ich doch sagen, daß, wenn die Kaffe fortfährt, ohne Realsicherheit zu 3 pCt. Geld auszuleihen, sie überhaupt keine geschäftliche Thätigkeit, sondern eine Wohlthätigkeit ausübt, und daß dann ihr Capital niemals ausreichend zu bemessen fein wird. Ich fürchte, daß diese» Institut früher oder später eine große Ueberraschung oder Enttäuschung bringen wird entweder dem preußischen Staate, falls derselbe das Capital nicht ä fonds perdu hergegeben haben will, ober ben Hunberttausenben von unterstützten Genossen, wenn bieselben zur Rückzahlung angehalten roerbeit sollten. Aber ich stehe längst auf bem Stanbpunkt, baß, wenn nur bie zahlreichen Unterstützten ihre Befriedigung barin fiuben, zu einem Zinsfuß, ber sonst für Darlehen gar nicht existirt, (Selb zu erhalten unb also gewissermaßen ein Geschenk anzunehmen, dieser Weg, die Unzufriedenen zu befriedigen, für einen so reichen Staat wie Preußen noch der allerbilligste ist, wenn dadurch nur erreicht werden könnte, daß die Unzufriedenen aufhören, den Handel, die Industrie und den Verkehr fortwährend von Neuem mit ihren großen und kleinen Mitteln zu beunruhigen und zu schädigen. (Sehr richtig!) Diese Beunruhigung und Unsicherheit auf wirth» schaftlichem Gebiete kostet der Allgemeinheit alljährlich Hunderte von Millionen. (Sehr richtig! Bravo!) Aber welchen vernichtenden Eindruck würde es machen, wenn die Deutsche Reichsbank nach ähnlichen Principien wie die Centralgenossenschaftskasse verwaltet werden sollte; wie würde das Vertrauen in den Statuts der Reichsbank erschüttert werden, wenn alljährlich auch für die Reichsbank neues Capital aus Reichsmitteln beantragt und eingezahlt werden müßte. Ich komme damit auf ein bisher noch nicht berührte» Thema. Wa» wird aus ber Reichsbank in kritischen Zeiten? In Zeiten der Gefahr verfügt bie Reichsbank über zwei große Aktiva, bie ihr über jebe Schwierigkeit hinweghelfen müssen. Zunächst über ihr starkes Wechsel-Portefeuille, welches fo einroanbßfrei unb liquibe sein muß, baß ihr aus bemselben täglich sichere Einnahmen zufließen. Sobann über ba» stärkste aller Activa^ über ein unbedingtes öffentliches Vertrauen. (Bravo!)
(Fortsetzung folgt.)
send prootasiiftifo ;?
Gießen, 28. Mm 1898.
* * Ernennung. Se. Kgl. Hoheit bet Großherzog haben Allergnädtgst geruht, ben Fmanzaspiranten Philipp Jünger au» Reiskirchen zum Rrgistraturaffistenten bei der Registratur de» Ministerium» der Finanzen zu ernennen.
• • OrdeuSBerleihuugeu. Se. Kgl. Hoheit der Groß- Herzog haben Aüergnädigst geruht: am 6. April dem Schullehrer August Rau zu Lindenstruth an» Anlaß feiner Pensionirung da» silberne Kreuz be» Verdienstorden» Philipps br» Großmüthigen, am 7. Mai dem Schullehrer Peter Göckel zu Rodheim v. d. H. au» Anlaß feine» 50jährigen Dienstjubiläums das silberne Kreuz be» Verdienstorden» Philipps des Großmüthigen zu verleihen.
• • Provinzial - biechenanyalt. In dem nicht-öffentlichen Theil der borgestrigen Sitzung der Stadtverordneten-Ver- fammlung wurde u. A. auch beschlossen, zur Erbauung einer Provinzial-Siechenanstalt für Oberheffeu da» städtische Gelände zwischen der Licherstraßc, der Fuldaer Bahn, bem alten Steinbacher Weg unb bem Niederdruck
haben immer be» Geleid be Stadt enau» gewe. Wann aach manchmal bie Böck bie Freunbschaft vollstennig verkannt unn Rippestimd anSgevhaalt hawe, so könnt un» be» wenig schinirn- am Oweub fein meern boq Widder vollzehlig engeje gange.
Däi Knickernzeid, so gern merr aach Knickern gefpillt hott, war boch fer un» Buwwe e Leiben»zeid, benn ohne Dreckpoote i» en ordentliche Bub vom Kn ckerucheßspille net haamkomme unn ba hott» in be Regel wa» abgefetzt.
In be Kleppernzeid war nix DerarbigeS ze beferchte, bagege aroet, wann wer be» Kleppern gar zu energisch bebriwe hott, kam» efdersch vor, baß merr von ungebilbte Mensche e paar au-gewischt oder e Deppe voll Wasser iwwern Kopp gefchiit krag.
In bie mufigalifche Periob von de Ktnnerspiele fällt aach bie Fawrigazion von Weibepeife, nun ben Giesser Bub hält Sich seh meege, der net au Frihjahrfchwenbe uff irjend eme Gckstaa ober uffere Laadedrepp gefeffe, fein Färzer gekloppt unn dazu gefunge hält:
»Saft, Saft, Weide......**
Wäi manchen Mensche Hammer mit unsere Weideschalmeie zur Berzweifelung gebracht!
Heut hahl äich» al» emal fer unmeeglich, baß wert so rickstcheSloS gege sei Mitmenschen fei könnt, unn boch hott merr heut noch sein Spaß braa, wann merr zerickdenkt an die Teene, däi merr bene Färzer entlockt hott, je schrecklicher die Teene, besto heeher bie Freud!
Ach/ wann äich noch an frühere Ostern denk! Uff alle Füll en Glanzpunkt im Läwe von jedem Gicffer Bub!
Do i» merr, sobahl be Haa» fei Uffwarbung gemacht hatt, mit feine Eier auSgrrickt zum Köppe nffs Kreuz, de Sinne-, Kerche-, ober Marktblatz.
Da war awer noch was ze seh!
Hunnerte von Bnwe, vom klaanste Hoselambe» bi» zum greeßte Elasfik, Alle» war vertrete, unn be Ruf: »Spitz nff Spitz unn......* (e Wort, baß sich heutzebag gar
kann gebildter Giesser Bub mehr erlaawe dhnt) iß dorch bie
Luft geschwerrt, baß merrsch uff'm Selderschberg geheerb hott. Da iß mehr wäi Aaner uffS Kreuz komme mit zwanzig Eier im Sack — unn hatt kaa Schaal wehr, wüt er haamging.
Kaam warn bie Ostern voriwwer, fo hatte bäi Giesser Buwwe schont wibber braa ze benke, die Kläwernbix in Ordnung ze beenge. HeerdeweiS ging» da enau» ins Kläwerngäßche unn in be Wald, die Bodanifirbix umgehenkt, unnerm Arm en Sigarrnkaste unn in be Säck noch e halb Dutzend Schachbele mit Luftlöcher,- mit Kläwern unn ganze Aest von Laab belade, iß wer zerickgekehrt unn beß ganze Hauß worb zu erc Kläwern Menascherie umgewanbelt. »Für Hunnerb gibt» e Et!" so hieß frieher- ob» awer wahr gewese iß, kann ich net sage, bann aich hab fer mei Kläwern fast immer nix als Wix tritt.
E gut bhaal von be fcheene Sommerzeid hott aach beß Solbätches spiele auSgrfillt. Dadran bedhaaligte sich damals net bloß die Hanne, sonnern aach äldere Buwwe, däi schont ttuß be Schul warn, unn eß war werklich e Bergntege, so e Knippelgard mit ihre Fahne, Drommete, blecherne Grosche- Prise, hölzerne Säwel unn Bohnestange oder Blasrohr als Gewehr» uff be Axel ausmarschirn ze seh. Da sinn viele Schlachte geschlnge worbe zwische Wolkegäffer unn Neustädter, FligrlSgäffer unn Linnegässer, Walldhörer unn Hinnergäffer, unn net immer sinn se uubludig verlaafe. Mir hatte bei unser Kompanie Docter unn Lazarethgehilfe, grab wäi beim richdige Milebär unn äich hatt beß Bergntege, bei em Reisemarsch iwern Felse unn be Galjrberg nach 'm Filesofewald be Blasterkafte ganz nllaa ze schleppe, bis äich selbst marob war.
Wäi hoch hat uns beß Herz geschlnge, wenn deß Grummet behnnm war unn merr borst uff bie GänSäcker, be Drach steihe lnffr!
Was hatt merr da um en Grosche fer e Drachleist gebettelt unn wo hott merr beß Köttel all uffgedriwwek En Bub ohne Drach unn e paar Punb Köttel war bazemal gar net gut denkbar unn von dem Umgang mit Drache scheint
merrsch auch her ze komme, daß e so mancher Gießer Bud von damals in seim spedere Läwe eß so gut verstanne hott, sich mit setm HauSdrach abzefinue unn Köttel nachzegewwe. Uan an drollige Sache hattß beim Drachsteihe nie gefehlt. Wenn so Mancher da enauß gedappt iß, der mit LeiweSkläfte fein Drach gehahle unn be Himmel aageguckt hatt, err m em Waffergrawe oder in de Wiffeck lag, fo war da» fer nrß e unbezahlbar Bergniege.
Wäi Alleß im Kinnerläwe net lang Stand hält, se könnt merr aach bie Zeit net erwarde, biß be Wtnber mit Schnee nun Ei» komme iß. Gab'ß emal en bichdige Schneefall, so käme au» alle Ecke unn Ende bie Bnwe ebbet* gefheemt, um sich bem Genuß be» Schiidbefahrnß zem erschte Mal ganz hizegewe. Jeb Miaut, wo merr sich dehaam ewrckstehle könnt, iß ba außgenutzt worbe, unn waß warsch ahm fo laab, wann» in bie Schul gekleppt Hot. Die Haapt« bummelblätz beim Schlidbefahrn warn da gewehnltch be Canzleiberg, be» Kreuz und die Sonn, de Junker'sch Garde, de Schulberg unn die Neuaalag, unn zwar zum Aerjer von de Bollezeidtener und sonstige Mensche, bäi kaan Sinn sersch Scheene hatte. Wann bie Wog zu war, ba worb sich nach uff be Lahn gebummelt, sonst awer nähme merr mit 'm Eis uff be Gänßäcker unn von be Backstaakaute in be Schwarzlach foxlieb.
Aach deß Schneebällwerfe, war friher noch zu be Lustbarkeibe ze rechne, weil die Mensche noch net fo abfenat warn, wäi alleweil, unn ließe sich aach emol Widder die Köpp werfe, ohne gleich uff die Bollezei ze renne.
Voriwwer sinn die sonnige Dage der Jugend, verrbei bie Spiele mit ehr'w unbeschreibliche Reiz, unn beß Läwc in seine nackte Werklichkeid hott schont gar Manche« von un» iwwel mitgespielt.
Awer bie Erinnerung an die Kindheit unn ehr unschuldige Freude soll merr sich bewahrn, bann bäi kann uns in alle beese Stuune dreeste unn manchen Helle Strahl irc unser Läwe werfe.


