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Gießener Anzeiger
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Amtlicher Tbeil.
Bekanntmachung,
betr,: Feldberetmgung in der Gemarkung Staufenberg.
In der Zeit vom 29. Januar l. I. bis einschließlich 4. Februar 1. I. liegen auf dem Amtszimmer Großh. Bürgermeisterei Staufenberg folgende Verzeichnisse, nämlich:
1. Das GeldauSgletchungSverzetchniß über den Zuviel- oder Zuwenig Empfang au Obftbaumwerth im 2. und 3. Feld,
2. das GeldauSgleichungSverzeichniß über den Zuviel- oder Zuwenig-Empfang au Geläudewerth im 3. Feld,
8. das Berzetchntß über die pro 1897 zu gewährenden Pachteutfchädigungen im 2. Feld,
4. das Berzetchntß über Entschädigungen für Nachtrag- lich abgetretenes Gelände zu Weganlagen rc.,
5. das Berzetchntß über die tu dte BereinigungSkaffe zu leistenden Vergütungen für nachträglich zugefallener Gelände in Folge von Weganlagen rc.
zur Einsicht der Betheiligteu offen.
Einwendungen hiergegen find bet Meldung des Ausschlußes innerhalb oben angegebener Frist bei Großh. Bürger- metsterei Staufenberg schriftlich etnzureicheu.
Friedberg, den 24. Januar 1898.
Der Großh. BeretnigungS-Lommiffär.
Dr. Göttelmauu, RegterungSrath.
Das Comptabilitätsgesetz.
DaS preußische Abgeordnetenhaus hat fich im Laufe dieser Woche mit dem EomptabtlitätSgesetze beschäftigt und dasselbe zur Borberathung einer Commission von 21 Mitgliedern überwiesen. Da daS Gesetz von größerer Bedeutung ist und eine analoge Borlage auch wieder dem Reichstage zugeheu soll, so ist eS wohl der Mühe werth, wenn wir uns an dieser Stelle eingehender damit befafieu.
Schon seit einer Reihe von Jahren find Wünsche nach dem Erlafie etue» solchen Gesetzes ausgesprochen worden, aber nur tm Reichstage hatte man diesen Wünschen uachge- geben, ohne daß bet den Berathungen etwas herausgekommen wäre. WaS nun dte Aufgabe betrifft, welche das Gesetz er-
füllen soll, so besteht dieselbe darin, daß die Normen festgelegt werden sollen, durch welche der Volksvertretung die Brfugntß grfichert wird, daS Budgetrecht auSzuüben und die Ausführung des Etats durch Prüfung der allgemeinen Rech- nung zu überwachen.
DaS Budgetrecht liegt freilich in der verfaffung und auch dte Eontrole der Ausführung deS Etats ist der Volksvertretung gesetzlich gewährleistet, aber es find doch vielfach Differenzen zwischen Parlament und Regierung entstanden, welche fich besonders um die Fragen drehten, wann Etats- Überschreitungen vorliegen. Hier ist nach langem Streite eine vorläufige Entscheidung dahin getroffen worden, daß für den Begriff der EtatSüberschreitung die in den einzelnen Titeln der Spezialetats enthaltenen Summen, soweit fie Gegenstand einer Beschlußfaffuog deS Parlaments gewesen find, maß- gebend sein sollen. Darnach bedürfte also jede Ueberschrettung deS Titels eines Spezialetats, auch wenn Ersparniffe an anderen Titeln desselben Etats gemacht worden waren, der uachträgltchen Genehmigung seitens der Abgeordneten.
ES ergeben fich übrigens noch eine ganze Reihe anderer Streitpunkte, so z. B. über die Frage, ob eine Verwaltung Naturalien und Jnveutargegenstände an eine andere Verwaltung übertragen kann, ohne sich de« Preis vergüten zu laffeu; oder ob dte Bewilligung von etat-mäßigen GehaltS- bezügeu für den Inhaber der betreffenden Stelle galt oder rveutl. auch de» Vertreter desselben.
Allen diesen Meinung-verschtedeuhelteo von vornherein vorzubeugen, ist daS EomptabilitätSgesetz bestimmt und es bildet somit eigentlich nur eiu<Ecläuteruug bezw. Ergänzung zu den in Betracht kommenden Bestimmungen der Verfaffung, durch welche der Volksvertretung daS Budgetrecht und die Eoutrolle über die Ausführung de» Etats gewährleistet>ird. Freilich war fchon jetzt tu allen Zweifel hervorrufenden Fällen ein bestimmter, ein für alle Mal geltender Ausweg etngeführt worden, aber gegen deffen GtlttgSeit ließ fich immer ankämpfen, nab eS war dringend erforderlich, daß diese Praxis ihre gesetzliche Sanktion erhielt.
Wie schon oben gesagt, ist der Gesetzentwurf im preuht- scheu Abgeordnetenhause einer Eommisfion überwiesen worden und r» ist zweifellos, daß er zur Annahme gelangen wird, wenn es auch bei dieser Gelegenheit zu lebhaften Toutroversen kommen dürfte. Insbesondere werden die Rechte der Krone, Zahlungen, die dem Staate geschuldet werden, uiederzuschlagen,
heftige Angriffe erfahren. Auf der einen Seite geht man von der Auficht auS, daß nur Geldstrafen, dte im Gerichts- oder Verwaltungswege verhängt worden sind, auf Grund de» der Krone zustehenden Begnadigungsrechts niedergeschlagen werden dürfen, auf der anderen Seite ist man davon überzeugt, daß dte Krone auch Zahlungen, welche an den Staat zu leisten find, erlaffeu kann. In dieser Beziehung bestimmt der § 18 des Gesetzentwurf«, daß die auf Grund königlicher Bestimmung nicht zur Eiuziehuvg gelangten Beträge in einer dem Landtage vorzulegenden Ueberficht summarisch dem Parlament mttgetheilt werden sollen. In den Erläuterungen hierzu heißt :6, daß die Krone unbestritten von jeher da» Recht gehabt und auch thatsächlich auSgrübt hat, auf dem Gebiete des staatlichen Vermögensrechts in einzelnen Fällen einen Erlaß etntreten zu kaffen, und daß die StaatSregieruvg stet» an der Anschauung festgehalten hat, dieses Recht habe durch die verfasiunpSurkuude keine Einschränkung erfahren und bestehe noch jetzt unverändert fort, wie eS vor dem Erlaß der Verfaffung bestanden habe.
Um diesen Punkt wird fich — wie gesagt — die Debatte hauptsächlich drehen, und eS ist nicht unmöglich, daß dte Regierung daS Zugeständniß machen muß, dem Landtage nicht nur ein summarische», sondern ein spectficirteS Berzeichniß der niedergeschlagenen Beträge zugehen zu kaffen. Tonst ist auf allen Seiten Geneigtheit vorhanden, da» LomptabtlitätS- gesrtz anzunehmen, wenn e» auch vielfach für Verbesserung»- bedürftig angesehen wird. (XX)
Deutsche» Reich,
Berit«, 27. Januar. Kaiser» Geburtstag ist in der üblichen Weise hier begangen worden. Schon vom frühen Morgen an waren die Linden stark belebt. Bor dem Gottesdienste begann die Galaauffahrt der hiesigen und fremde, Fürstlichkeiten. Nachdem der Kaiser die Glückwünsche seiner Umgebung de» persönlichen Dienstes, der Generale und Flügeladjutanten, der Kaiserin Friedrich, der hier anwesende« Fürstlichkeiten, der Prinzen und Prinzessinnen entgegen- genommen, fand um 10 Uhr Gotte-dienst im Königlichen Schlöffe statt, an welchem fich dte Gratulation-cour auschloß. Dieselbe wurde vom Grafen Lanza eröffnet, welche» der Kaiser in freundlichster Weise die Hand reichte. De» diplomatischen Corps folgte der BundeSrath, an der Spitze
Feuilleton.
Goldene Hochzeit.
Novellette von Agne» Schöbel.
(Fortsetzung.)
Ihr ganzes verfioffene» Dasein glitt an ihr vorüber, in feiner Einfachheit, mit seinen zehrenden Sorgen, seinem kärglichen Gewinn. Nur eines war heilig, erhaben und voll unvergänglicher Poefie darin gewesen: die Liebe zu ihrem Gatten, dte seine zu ihr. Andächtig faltete fie die Hände. Ihr Herz schwoll.
Und zu ihrer großen herrlichen Erinnerung machten die kleinen Enkelkinder eine drollige Musik. Sie trugen auf de» auSgespielten Lkavier harmlose Stücke vor, fie kamen in Verkleidungen augetrippelt, um Gedichte aufzusagen, Freunde hielten Reden, Fritz und Emmerich saugen frische Lieder.
Und da» alte Paar dankte für alle», fand alles wunder- schön und sah strahlend aus, wie vor 60 Jahren. In den Augen de» Mütterchens zeigte fich ein feuchter Schimmer, keine Thräneu, wett fie die fchon alle fortgeweint hatte.
Der greise Bräutigam erschien etwa» zerstreut, in Anspruch genommen von irgend einer Vorstellung. Er fuhr fich öfter durch da» volle schneeweiße Haar.
Und in kurzen Zwischenräumen ertönte das fröhliche Durcheinaudersummen der Stimmen, da» Erklingen der unter Hochrufen einander berührenden Gläser.
Immer weicher und wehmüthiger wurde die Stimmung der goldenen Brau. Sie griff nach der Hand ihre» alten Garten, während ein paar Blondköpfchen, die fie nie würde heranwachsen sehen, ihre Kuiee umdrängten.
„Väterchen!"
Gr fuhr zusammen.
„Ist Dir nicht gut?» lispelte fie ängstlich, „Du flehst so verstört au».*
,Gut, ganz gut, Rruatchen!*
Gr redete fie plötzlich mit dem Namen ihrer Jugend an,
den fie fast schon vergeffen gehabt unter dem Mutter- und Großmutternamen.
Sie rückte ein wenig näher.
„Wir haben un» doch immer alle» gesagt, Friedrich —*
„DaS nämlich ists, Renatchen. ,®u mußt nämlich wissen —" Er schluckt ein paarmal und über sein blanke», glatte» Geficht breitete sich Röthe an». „fcu mußt nämlich wissen, einmal — 'S ist freilich schon über die zwanzig Jahre her, — einmal, da hab ich Dir doch nicht alles gesagt. Hatte eS selber schon fast vergeffen, aber seit dem kleinen Anfällchen da drückt- mir fast da» Herz ab, ich könnte in» Grab steigen und hätte ein Geheimuiß vor Dir gehabt.*
Sie richtete fich steif auf.
„Sieh mal, Alte, heute, wo fie so viel Aufheben» von der halbhundertjährigen Liebe und Treue machen, da fitz ich wie so ein Dieb und Fälscher neben Dir, der Dinge einheimst, die ihm so recht nicht zukommen.*
Ihre Hand tastete zitternd nach dem Haar und verschob den Kranz ein wenig. Die jung gebliebenen Augen öffneten fich weit.
„Den heutigen Tag haben wir ja erlebt wie eine Gnade von oben, und so wirst Du sicherlich zum Verzeihen aufgelegt sein —*
Ihr wurde trocken im Munde. Sie beugte fich Über ihr Gla» und nickte mechanisch, so daß er fortfnhr:
„Sieh mal, Renatchen, einmal im Leben da bin ich Dir untreu gewesen* — er athmete auf, erleichtert von dem Geständniß. „Ist ja alle» lange her und die Amalie heute tobt —*
Ein scharfer, vibrirender Klang schnitt ihm da» Wort ab. Der Arzt der Familie hatte mit dem Messer sein Glas berührt und erhob fich nun zu einer Ansprache. E» wurde still.
„Meine verehrten Herrschaften! Unser Herr Pfarrer hat vor wenigen Stunden dem herrlichen Spruch, welcher unserem allgeliebteu Paare einst al» führend:» Wort a«f den Lebensweg mttgegebeu wurde, eine so tieffinnige und in die Ewigkeit hinübergreifende Ausdeutung gegeben, daß el mir
fast als vermeffenheit erscheinen will, wenn ich jenen Spruch jetzt mit dem Lichte de- Irdischen beleuchte. Mein: Herr- schäften, — wie in ein offenes Buch habe ich in da» Leben unsere» Jubelpaare» hineingeschaut —*
Der Bräutigam senkte die Augen.
„Drei Jahrzehnte lang bin ich al» Arzt in diesem Hause auS- und eingegavgen, in guten und bösen Tagen. Eine» fand ich stet» unerschüttert: die Treue diese» Paares!*
Er wandte fich zunächst an die Jubelbraut. Er rühmte ihr nach, da» Leben derb und kräftig angefaßt, aber e» doch durchsonnt zu haben mit der stillwärmenden Flamme ihre» treuen Liebe. Sr führte Beispiele an von ihrer Güte, ihrer Feinstunigkeit. ES fei ihr gelungen, in ein schlichteste» Dasein da» Blaue, da» Märchenhafte zu zaubern.
Und fie hörte zu unter einem Gefühl, al» habe sich eine eiskalte Hand auf ihr leben-warmeS Herz mit feiner fünfzigjährigen Liebe darin gelegt. Durch ihren Kopf flogen die Gedanken blitzschnell, wie seit Jahren nicht.
Sie erinnerte fich plötzlich an alle». Au die Amalie, eine Verwandte, die in» HauS gekommen, damal», als ihr Glück den Höhepunkt erreicht hatte, al» der erste Sohn geboren worden, Fritz, der Spätling, ihr Herzblatt. Sie erinnerte fich an die sonderbare Kälte zwischen der Fremden und ihrem Manne, die fie oft zu mildern gestrebt hatte.
Alle» zog fich lange vor den Augen der alten Frau. Gleich Irrlichtern schienen die gespenstig in» Tageslicht hinein- brennenden Flammen zu schwanken.
Und hier in dieser selben Wohnung warS gewesen. Die Amalie, ihr eigene» Widerspiel, und er, der Vater erwachsener Kinder, eine» kleinen Neugeborenen. Wie die Umriffe der Außendinge ihrem umflorten Blick, so verzerrten fich ihr die Linien seine» CharacterS. Dieses unbekannte Denken uub Fühlen ängstigte fie, das er, den fie geliebt und dem fie vertraut, so lange in fich verborgen. Vielleicht hatte er fie verspottet, während er ihr Liebe geheuchelt! Ein Fremder, der, von Geheimniffen erfüllt, neben ihr gegangen, erschien er ihr.
(Schluß folgt.)


