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Nr. 2vl Erstes Blatt.Sonntag den 28. August
1898
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Amtlich«» Lbeil,
Gefunden: 1 Portemonnai mit Inhalt, 1 Granat« brache, 1 Uhrkette, 2 Medaillen, 1 filb. Kreuz, 2 Taschen- meffer, 3 Paar Handschuhe, 1 Taschentuch, 1 Schürze, 1 Kinderschuh, 1 Notizbuch, 1 Hat, 1 Geldstück, 1 Hunde- maulkord und 1 an-gestopfter Habicht.
Gießen, den 27. August 1898.
Großherzogliche« Polizeiamt Gießen. Muhl.
Die Fernsprechgebühren.
Herr v. PodbielSkt hat bekauatlich zugesagt, daß unter den Zweigen seiner Verwaltung, welche einer gründlichen Reform unterzogen werden sollen, sich auch da« Fernsprech- wlseu btstaden wird. Schoa seit einer Reihe von Jahren mußte der Vorgänger de« jttz'gev Postchef«, Herr v. Stephan, wünsche auf Herabsetzung der Fernsprechgebühren über sich ergehen losten, und keine Rrich«tag«sesfion verging, io welcher oicht Herr v. Stephan die Rücksicht auf die allgemeine Finanzlage auslpielte, um die Versagung der Gebührenermäßigung zu begründen. Dena wenn die Retch«postverwalrung gegen ein solche« verlangen sich bisher hartnäckig gesträubt hat, so dürfte die Ursache hierfür wohl nicht darin zu suchen sein, daß fie dea bestehenden Taris für nicht verbesserungsbedürftig hält, sondern darin, daß fie keine Aussicht hat, bei der Finanz- Verwaltung bi 5 Reich« mit einer einfachen Schmälerung der Reichseinnahmen durchzudriogeu. SS ist ja richtig, daß einer Gebührenherabsetzung eine Vermehrung der Anschlüsse auf dem Fuße folgen würde, aber die Sache liegt bei der Fernsprech- verwaltuug so, daß die einmaligen Ausgaben für die Herstellung neuer Leitungen erheblich steigen und den Reichsetat ungünstig beeinflussen würden, von verschiedenen Seiten, auch aus Abgeordnetenkreisen, ist nun zwar angeregt worden, die Ausgaben für den Bau neuer Leitungen auf das Extra- ordinär um zu übernehmen und durch Anleihen zu decken, doch würde die« schließlich nur einer Verschleierung der entstandenen Mehrausgabe gleichkommen. S« bleibt stet« zu berücksichtigen, daß die Telephoulettungen Betriebsmittel find, welche in da« Ordinartum de« Etat« gehören.
Eine einfache, gleichmäßige Herabsetzung der Fernsprech- gebühren dürfte voraussichtlich ein frommer Wunsch bleiben, an besten Verwirklichung bte Verwaltung kaum denkt. Wohl aber ist eine Reform möglich, welche dem GerechrigkeitS- nnb BilligketrSgesühl Zugeständuiffe macht und den Gebühren- satz nach den geringeren oder umfangreicheren Leistuugen aormirt. Wir denken hier weniger an die Zahlung für jede« einzelne Gespräch, wie fie von zahlreichen Seiten in Vorschlag gebracht worden ist, da bis jetzt noch jede Handhabe • fehlt, um nach dieser Richtung hin die Leistungen leicht und sicher sestzustellen, und das .Zählen" der Gespräche jede« J Thetlnehmer« einen unverhLltmßmSßtgen statistischen Apparat tn Anspruch nehmen würde. Aber man könnte, bi« eine noch I gerechtere vertheilung der Gebühren nach Leistung und 1 Gegenleistung etugesührt wird, nach dem GefichtSpunkte ver- - fahren, daß, je größer die Zahl der Theilnehmer ist, mit denen ein Aogeschloffener innerhalb derselben Stadt sprechen kann, da« von ihm zu bezahlende Fixum um so höher sein muß. Wir Haden Orte mit Tausenden von Angeschloffenen and solche mit kaum einem halben Hundert, und e« erscheint
nicht gerecht, daß in den letzteren die Gebühren eben so hoch sind wie in den ersteren, wo die Sprechgelegenheit hundertfach vorhanden ist.
Auch in dem nun bald zusammentretendrn Reichstag wird die Frage der Reform der Fernsprechgebühren sicherlich berührt werden - vielleicht kommt mau dabei auf die von uuS geltend gemachten Grundsätze zurück. (xx)
-i Deutsches Reich.
Kreuznach, 26. August. Bei der heutigen Reichstag«- erfatzwahl wurde der Abgeordnete Pasche (uatl.) mit großer Mehrheit gewählt. Die Wahlbetheiligung war sehr schwach.
Ausland.
Agram, 26. August. Wegen der Meldung, daß der Abgeordnete Amru« vom Ministerpräsidenten Baussy empfangen worden sei, finden hier große Demonstrationen gegen die coalirre Opposition «presse statt. Die Volksmenge zog gestern Abend vor die Aktien- druckerei nnb verbrannte unter Pereatrufeu auf den Abgeordneten Amru« mehrere Zeitungen. Schließlich mußte Gendarmerie einschreiten. Dieselbe nahm zahlreiche Der- hastunaen vor.
Cettiuje, 26. August. Ein fürstliche« Decret ordnet die Errichtung einer Offtzterfchule an. Al« Jnstruc- toten sollen russtsche Offiziere angestellt werden.
Loudon, 26 August. Gestern brach in Liv erpo o l in einer Menagerie ein Feucr au«, wobei trotz de« schnellen Etngretfeu« der Feuerwehr vier große Löwen, fünf Leoparden, ein Tiger und eine Anzahl anderer Thiere verbrannten. Nur wenig konnte gerettet werden.
— SpanienundNordamertka. Zur Philippinen- frage liegen einige Mittheilunaen von Belang vor. Der Erlaß, wodurch die Königin Regentin von Spanien die spanischen Commtffare für die FriedeuSverhandlnngen bestellt, führt an«, r« fei ihre Aufgabe, sich mit den amerikanischen Eommiffaren zu verständigen und die Bedingungen für die Räumung Euba«, Portorico« und der anderen Antillentvseln auSzufÜhreu. von den Philippinen oder der Uebergabe Manila« enthält der Erlaß kein Wort. Seinersrit« hat Präfident Mac Kinley endgiltig beschloffen, zu Frieden«- commiffaren dea bisherigen Staarssecretär Day, die Senatoren Davi« nnb F.ye, den R'chtcr White und WhttelawreigS zu ernenuen. Die amerikanischen FriedeuScommiffare werden, wa« die Philippinen betrifft, die Abtretung der Insel Luzon, aber nur dieser, verlangen. — Diese« „nur" ist sehr bezeichnend für die Ansprüche de« so gewaltig gesteigerten nordawerikauischen Länderhungers, denn mit Luzon, das bet einer Größe von über 100,000 Quadratkilometern und einer Einwohnerzahl von Übei 3*/2 Millionen ein kleine« Reich bildet, wird da« beste Stück au« der Inselgruppe heran«- geschnitten, die für die Spanier daun fast werthlo« würde. — Auf Euba richten sich die Uantee« inzwischen sehr hänS- lich ein. Die amerikanischen Behörden schaffen den Religion«- unterricht in den Schulen in Santiago ab und machen die englische Sprache zum Pflicht-Lehrgegeustaud. — Einige« Neue bringt der amtliche Bericht de« Admiral« Eervera über die Seeschacht von Santiago de Euba. Eervera versuchte dieser Darstellung zufolge Selbstmord, indem er sich in« Meer stürzte. Er wurde aber von seinem Sohne unter Mithilfe von zwei Unteroffizieren gerettet. Wie au« dem Bericht unzweifelhaft hervorgeht, ist die völlige Niederlage dem Umstande zuzuschreiben, daß gleich zu Anfang de« Gefecht« die SchiffSmafchtnen getroffen wurden. Wäre die« nicht geschehen, so würde die Fahrgeschwindigkeit der spanischen Schiffe die Rettung de« einen oder andern geworden sein. — Die Folgen de« Kriege« machen sich in Spanien sehr unliebsam geltend. Ein Minister erklärte, daß e« wahren Schrecken Hervorrufen werde, wenn mau erfahre, wo« dieser Krieg gekostet habe. Bt« jetzt könne man uachrechueu, daß er 3000 Mtll. Peseta« verschlungen habe. Die AuSgabm für die Rückführung der Soldaten werde auf 50 Mill onen geschätzt. Bon den mit der .Alicante" in (Sonina avgelangten Soldaten sterben viele infolge von Erschöpfung nnb Fieber; die AuSschiffnung derselben wird noch fortgesetzt und bietet einen überau« traurigen Anblick.
Washington, 26. August. Mitglieder der cubauischen Junta erklärten, daß man fich tn der amerikanischen Re- giernng ganz gewaltig täusche, wenn man glaube, daß die kubanische Junta nicht ein Wort bei den FriedeuSverhand- langen mitzuiprechen habe.
Washington, 26. August. Die kubanische Junta gibt sich alle Mühe, Mac Kinley zu bewegen, einen Katholiken al« Mitglied der morgen zusammeutretenden FriedeuS-Eom- misston zu ernennen.
CocaU» rrnd Provinzielles.
Gießen, den 27. August 1898.
•• Absperrung der städtischen ©Ölleitung. Wir machen auch an dieser Stelle die Ga«con sumenten auf die Bekanntmachung de« städtischen Ga«- und Wasserwerk« aufmerksam, wonach Dien«tag früh zwischen 5 und 6 Uhr eine etwa einstündtge Unterbrechung der Ga«abgabe stattfinden muß, um eine nothweudtge Arbeit am Hauptrohr der Stadt- leitoug auszuführen.
Bestrafungen. Im Jahre 1897 find fm Großherzog- thum Hessen 1968 Bestrasungen wegen Betteln« und Landstreicherei erfolgt (Starkenburg 806, Oberheffeu 802, Rheinhessen 860); im Jahre 1893 waren eS 2747, 1894 2746, 1895 2583, 1896 2244.
•• Die Staats Hundesteuer ergab im Rechnungsjahre 1897/98 im Großherzogrhum Hessen von 47,608 Hunden 230,040 Mk., die Gemeinde-Hundesteuer von 18,647 Hunden 78,374 Mk.
•• Hagelschäden im Sroßherzogthum Hesse«. Im abgelaufenen Jahre sind im Großherzogrhum Hessen 48 Gemeinden von Hagelschlag betroffen worden. Der Gesammt- schaden, der durch diese Hagelschäden verursacht worden ist, wurde veranschlagt auf 218 846 Mk.
•• Die Zahl der Geburten im Großherzogrhum Hessen betrug im Jahre 1897 35,429 (18,251 männliche nnb 17,178 weibliche), darunter 2816 uneheliche (1437 männliche , 1379 weibliche). ZwillingSgeburten wurden 468, DrilliogSgeburren 8 gezählt. Gestorben find 21,227 Personen (10,973 männliche und 10,254 weibliche). Ehe- schließuog en wurden 9188, Eh eschetdungen 62 vollzogen.
•• Da« Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm ist gestern früh mittelst Eseubahu in da« Mavöoergelände der 25. Divifioa (Umgebung Darmstadt«, bezw. Odenwald) befördert worden.
•• Die beteiligten industriellen Kreise werden hierdurch benachrichtigt, daß die von dem Kaiserlichen Gouverneur oon Kamerun nach Deutschland gesandte Mustersammlung der von europäischen Firmen nach Kamerun exportirten Handelsartikel vom 29. August bi« 3. September l. I. an Bor- und Nachmittagen, mit Ausnahme de« SawStag Nachmittags, während der Bureaustunden in dem Sitzungssaale le« Dienstgebäude« Broßh. Centralstelle für die Gewerbe in Darmstadt (Neckarstraße 3) eingesehen werden kann. Bon Gegenständen dieser Mustersammlung dürsten den einheimischen Industriellen insbesondere die Gewebeproben, darunter fertige Zeuge zu Anzügen, seidene Tücher, Kops-, Hal«- und Umschlagetücher, Frauenzeuge, sowie mit Flanell gefütterte Zeuge, sodann aber auch die Schmucksacheu, bestehend an« Glasperlen und Messing- ringen, eine erwünschte Anregung bieten. Die Gewebe find au« Baumwolle, einfarbig und gemustert, vorzugsweise englischer Abstammung. Die Glasperlen (veuetianisch), in Ketten, find von verschiedener Größe, Form und Farbe. Die Mesfing- rtnge find hohl, mit Verzierungen, in zwei Größen, al« Arm- unb Beinspangen dienend (englisch). Die Maaren find einfach, ohne höheren Grad von Vollendung ausgeführt. Nach dem Berichte des Kaiserlichen Gouverneurs tn Kamerun kommen als Handelsartikel weiterhin in Betracht: Rum, Genever, Salz, Pulver, Steinschlohgewehre und Tabak.
•• Fahrkartenrevifiou. Der .Wiesbadener Gen.-Auz." schreibt: Die seitherigen, auf allen Bahnlinien vorgeuommenen Fahrkartenrevifionen, zu welchen eine große Anzahl Eisenbahnbeamte verschiedener Charge? bestimmt war, find beendet. Der Hauptgrund der plötzlich ausgetretenen Revisionen handelt sich um die übergroße Belastung der Schnellzüge infolge der Giltigkeit der Rückfahrkarten, worin Abhilfe geschaffen werden soll, da erfahrungsgemäß die Personenzüge im ganzen Umfange sonst sehr spärlich benutzt werden und häufig ganze Personenwagen leer laufen. DaS Resultat der Ausstellung ergibt, w e jetzt von bestimmter Seite bekannt wird, daß die SchmllzugSpreise in Bezug der Fahrkarten erhöht werden, währenddem der PersonenzugStarif eine Ermäßigung erfahren soll und zwar m t Beginn der am 1. Oktober in Kraft tretenden Winterfahrpläne.
*• Wetterbericht. Da« barometrische Maximum hat neuerdings an Ausdehnung und Einfluß gewonnen. Auch die Druckvertheilnng ist eine gleichmäßige temorben. Damit


