lehrer Göckel vou Rodheim, den Gymnasiallehrer Oßwald Do» Laubach, den Forstasfisteut Walter von Orteoberg.
Kirchliche Dieustuachrichteu. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgst geruht, am 15. Juni den vou Seiner Erlaucht dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die zweite evangelische Pfarrstelle zu Beerfelden, Deeanat Erbach, präseutirten Pfarrverwalter Friedrich Weber zu Nieder'Ohmeu für diese Stelle zu bestätigen.
** Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allerguädtgfi geruht, am 25. Juni den Gehilfen bet der Proviuzialdirection Starkenburg, Rendanten Georg Spam er, unter Belaffuug de- Lharacter- als Rendant zum Bureauvorsteher bet der Provtnzialdtrection Starkenburg und dem Kreiamt Darmstadt- den Gehilfen bei dem Krei-awt Bensheim, Philipp Jacob Dosch zum Bureauvorsteher bet diesem Kret-amt- den Gehilfen bet dem KreiS- amt Dieburg, Adam Geisler zum Bureauvorfteher bet diesem KreiSamt- den Gehilfen bei dem KreiSamt Erbach, Georg Heinrich Würtenberger zum Bureauvorsteher bet diesen KreiSamt; den Gehilfen bei dem KreiSamt Groß-Gerau, Johann Georg Herbert zum Bureauvorsteher bei diesem KreiSamt- den Gehilfen bei dem KreiSamt Gießen, Eduard Schiff nie zum Bureauvorsteher bei der Proviuzialdirection Oberhessen und dem KreiSamt Gießen- den Gehilfen bei dem KreiSamt Alsfeld, Karl WurstiuS zum Bureauvorsteherbel diesem KreiSamt- den Gehilfen bet dem KreiSamt Büdingen, Rudolf Simon zum Bureauvorsteher bei diesem KreiSamt- den Gehilfen bet dem KreiSamt Friedberg, Heinrich Kreuder zum Bureauvorsteher bei diesem KreiSamt- den Gehilfen bet dem Kreisamt Lauterbach, Karl Bechtold zum Bureauvorsteher bet diesem KreiSamt- den Gehilfen bei dem Kreis- amt Mainz, Johannes Benfel zum Bureauvorsteher beider Proviuzialdirection Rheinhessen und dem KreiSamt Mainz - den Gehilfen bet dem KretSamt Alzey, Albrecht Willmanu zum Bureauvorsteher bet diesem KreiSamt- den Theodor ZeuugeS tu Bingen zum Bureauvorfteher bei dem KreiSamt Bingen- den Gehilfen bet dem KretSamr Oppenheim, Philipp Hübner zum Bureauvorfteher bet diesem Kreisamt und den Gehilfen bei dem KretSamt WormS, Heinrich Merkel zam Bureauvorfteher bet diesem KreiSamt — sämmtlich mit Wirkung vom 2. Juli d. I. zu ernennen.
Durch Entschließung Großherzoglichen Ministerium- de- Junern wurden Philipp Schneider zu Heppenheim a. B. und Otto Htsserich zu Schotten mit Wirkung vom 2. Juli d. I. mit Wahrnehmung der Dieastverrichtungen eine- Bureauvorfteher- bet dem KretSamt Heppenheim bezw. Schotten beauftragt.
• • Ernannt wurden die Gefaugenaufseher an der Zellen- strafaustalt Butzbach Eduard Moritz und Christoph Graulich, sowie der Gefaugenaufseher am Landeszuchthaus Martenschloß Adam Philipp Koburger zu Oberaufseheru au diesen Anstalten, die Gefaugeuwärtertuuen am LandeSzucht- hau- Marieuschloß Mathilde Biugel und Johanna Renner zu Gefauqenaufseheriuneu.
* * Koschat-Concert am Donnerstag, den 30. Juni iu Steins Garten. Soeben geht uns au- Nürnberg die Nachricht zu, daß das Ko sch at- Quintett, welches, wie wir ausdrücklich bemerken, nur aus Herren der Wiener Hofcapelleusänger besteht, in Nürnberg mit größtem Erfolg coucertirt hat. Der General-Anzeiger in Nürnberg berichtet wie folgt: Koschat-Quiutett. Im dichtbesetzten Garten der Rosenau fand gestern daS Koschat-Concert unter großem, stellenweise sogar begeisterten Beifall statt. Die Prächtig zusammenstimmendeu Organe der fünf Herren brachten die herzigen und neckischen Koschat'scheu und andere in diese» Genre paffende Lieder in Quintetten aufs Wirksamste zum Dortrag. Auch die Solopartteen des Tenors und Baß- barttons der Gesellschaft fanden verdienten reichen Beifall. Im komischen Genre köunen die Herren vereint und einzeln mit dem Udel-Quartett mit Erfolg in Coucurrenz treten.
• • Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger iu Bremen. Der Jahresbericht der unter dem Protektorat Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm H. stehenden Gesellschaft ist erschienen und gibt ein erfreuliches Bild über die Thätig- kett dieses segensreich wirkenden RettuugSwerkeS. Wir ent- nehmen demselben u. A., daß die Rettungsstationen iu diesem Jahre 25 Mal, darunter 16 Mal mit Erfolg, thätig waren und 60 Menschenleben aus Seenoth gerettet haben- von diesen Rettungen erfolgten 14 durch Rettungsboote und zwei durch Racketen-Apparate. Seit Bestehen der Gesellschaft find durch deren Einrichtungen nunmehr inSgesammt 2414 Menschen aus Seeuufällen gerettet worden und zwar 2078 durch Rettungsboote und 341 durch Racketen-Apparate. Rettungsstationen bestehen heute 116, und zwar 72 an der Ostsee und 44 an der Nordsee- die Gesammteinnahmen beliefen sich iu 1897/98 auf 298054.66 Mk. bei einer Mitgliederzahl von 52106. Die außerordentlichen Beiträge betrugen 89000.67 Mk., wovon die Sammelschtffchen 21 971.40 Mk. lieferten. Auch die hiesige Stadt nimmt im Derhältuiß zu ihrer Größe eine hervorragende Rolle im Mttgliederverzeichutß ein, ein Zeichen, daß die Einwohnerschaft ein warme- Herz und offene Hande für wohlthättge Zwecke hat. 252 Mit- glteder mit einem Jahre-bettrag von 522.90 Mk. finden wir unter Gießen verzeichnet- allerding- ist der Jahresbeitrag auch ein geringer, indem derselbe al- Mindestbeitrag nur 1.50 Mk. pro Jahr beträgt. Vertreter für den hiefigen Platz ist Herr Jean Kirch und werden Anmeldungen stets gern daselbst entgegengeuommen.
• • Da die Preise der Gascokes durch Beschluß der Stadtoerordneten-Versammlung vom 23. diese» Monat- vor- läufig für die Sommermonate einen erfreulichen Abschlag erfahren haben, so dürfte eS fich empfehlen, soweit die Abnehmer verfügbaren Lagerraum befitzen, fich noch während der Sommermonate möglichst mit dem Winter- bedarf zu versehen. Die Preisermäßigung ist, wie au- dem Juserateuthetl erfichtlich, insbesondere bei gleichzeitiger Ent- nähme von 36 Centuern, eine namhafte. Die Cokr» des hiefigen Gaswerk-, welche unter gedecktem Raum lagern, er
freuen fich ihrer guten Qualität wegen, als beliebtes Heiz- material eines stets wachsenden Kundenkreise».
• * Neuer Hochofen. ES besteht die Abficht, tu der Nähe von W e tz l a r etn neues Hochosenwerk mit verschiedenen Neben- betriebeu zu errichten. Die Grundstücke find bereit- erworben und soll noch im laufenden Sommer mit dem Bau begonnen werden.
• • Verhaftet wurden: Ein Gemüsehändler und etn Jnstitut-dteuer vou hier, wegen Verbrechen» gegen § 175 de» R.'Str. G.-B., zwei Hau»burscheu von hier, wegen Verbrechen» gegen § 176 de» R.-Str.-G.-B., ein Zugereister wegen Zechprellerei und ein Frauenzimmer wegen lüderlichen UmhertreibenS. — Avgezetgt wurden mehrere junge Leute wegen Schlägerei und einige Herren wegen Werfens mit Flaschen aus Chaisen in der Bahnhofstraße.
•• Gebrauchsmuster-Eintragungen. Zahuhebelanorduung mit zwei kurzen, im rechten Winkel zu einander stehenden Hebeleiusteckmuffeu an Blechscheren - Loui» Heyligeustaedt, Gießen, 22. 4. 98. H. 9752.
•• Ergebnisse der Viehzählung vom 1. December 1897 im Großherzogthum Hessen. Die Zählung hatte folgendes Ergebntß: 56002 Pferde, 324626 Stück Rind- Vieh, 86 731 Schafe und 271595 Schweine wurden gezählt. Eine Vergleichung mit dem Ergebntß von 1892 zeigt, daß seitdem eine Zunahme der Pferde um 3563 oder 6,8 Pro- cent, des Rindviehs um 2985 oder 0,9 Procent, der Schweine um 24682 oder 10 Procent, dagegen eine Abnahme der Schafe um 4546 Stück oder 5 Procent stattgefunden hat.
3n Amerika verstorbene Hessen. Detroit, Mich., Jakob Darmstätter, 65 I. a., aus Framersheim, Rheinheffeu. -Neu Berliuville, Pa., Jakob Mrhlmann, 75 I. a., au» WormS. Towu Oak Grove, Dodge County, WiS., Pliltpp Heinrich Steffan, 86 I. a., aus Wallertheim. Milvertou, Provinz Ontario (Cauada), Heinrich Döring, 74 I. o., aus Alsfeld. Wheeltng, W. Va., Heinrich Seiberts 46 I. a., aus Hungen. New-York, Katharine Müller, geb. Kntsliug, 30 I. a., aus Kettenheim bet Alzey. New York, Gottfried Haas, 56 I. a., aus Hefleu-Darmstadt. New-York, John Müller, 57 I. a., au» Hessen-Darmstadt. Town Rolling, Wi»., Anna Katharina Gropp, geb. Arnold, 58 I. a., au» Hessen-Darmstadt. Mc Henry, Jll., Jakob Bischof, 59 I. a., aus Mörlenbach. Syracuse, N. Y., Theod. Koppel, 16 I. a., au» Bößgesäß, Kr. Büdingen. Niles, Jnd., John Henkel, 60 I. a., au» Hessen-Darmstadt. Columbia, Jll., Heinrich Scheuermaou, 77 I. a., au» Wening».
-h- Höchst a. d. Nidder, 24. Juni. Infolge de» Ab- lebens des Herrn Lehrer Werver dahier, ist auch ein Personenwechsel in den von demselben eine lange Reihe vou Jahren aufs Gewissenhafteste versehenen Nebenämtern eingetreten. Zum Rechner der Kircheukaffe und zum Ad- ministrator der Fretherrlich von Günderrode'schen Stiftung ist der hiesige Lehrer, Herr Ferger, ernannt worden- die Kellereiverwaltung der Freiherr« von Günderrode dagegen wurde Herrn Bürgermeister Mädrich dahier übertragen.
□ Darmstadt. 24. Juni. Für die Wahl de- Sozialdemokraten hat der Kreis Groß-Gerau den Ausschlag gegeben, der ca. 800 Stimmen mehr dafür lieferte. Auch in der Stadt Darmstadt ist ersichtlich ein nicht unbeträchtlicher Thetl anderparteilicher Stimmen dem Sozialisten zugefallen. 20 pCt. (meist Liberale) Wähler haben nicht abgestimmt. ES ist dies die erste Vertretung Darmstadts durch einen Sozialdemokraten! Sollten die bürgerlichen Parteien mtt ihrer Uneinigkeit auch nun noch Nicht» lernen?!
X. Darmstadt, 25. Juni. Die Einweihung de» Heim» des Verein» hessischer Lehrerinnen, in der oberen Kie-straße, von Garten umgeben, fand heute in Gegenwart der Großherzogin, der Prinzessin Ludwig von Battenberg, des Staat-ministerS Finger, des Geh. Oberschulraths Etseohuth, des Oberbürgermeister» und Bürgermeisters und anderer ge- ladeneu Gäste tu einfach-würdiger Weise statt. Alle Räume des Heims waren prächtig geschmückt. Zunächst übergab Herr Stadtrath H. Müller, der Architect des Hause», unter dessen Leitung da» frühere Wohnhaus nicht nur sehr schön und praktisch umgebaut, sondern dazu noch ein Sommer- pavillou im Garten recht zweckmäßig errichtet worden, den Schlüssel der Großherzogin, die ihn unter Dank für das Geleistete der BereiuSvorfitzenden, Frau WolfSkehl, etnhäudtgte, die an die Vorgeschichte der Anstalt erinnerte und der hohen Protectorin Dank für das jederzeit bewiesene Wohlwollen aussprach. In einer Ansprache, der eine hübsche poetische Begrüßung vorauSgtng, ertnuerte Herr Bürgermeister Köhler an die vielfachen Unterstützungen der Sache de» Lehrerinnen- HeimS durch die Prinzessin Marie von Battenberg, durch die Landesherrin, die da- Protectorat übernahm und den ansehnlichen Ertrag de- damaligen Bazar- dem Unternehmen zu- wandte, und von anderer Seite, auch an die Sommer- aufenthalte, welche beide genannte fürstliche Persone» tu danken-werther Weise seither in der Bergstraße erholuugS- bedürfttgen Lehrerinnen gewährten. Der Hauptzweck sei jetzt erreicht, denn daS erstandene Heim sei der Mittelpunkt aller Bestrebungen und Wünsche- r- sei wieder ein Beweis, was man durch festes Zusammenhalten und eivmüthigeS Boran- gehen erreichen könne. Redner schloß mit dem Wunsche, daß da» neue Heim eine Stätte der Ruhe und de» Frieden» für im Dienste für die Menschheit ergraute und arbeit», unfähig gewordene Lehrerinnen sein möge. Herr Regierung-« rath Weber theilte mit, daß die Großherzogin eine Freistelle im neuen Heim gestiftet habe und brachte aus die hohe Protectorin al» Ausdruck der Dankbarkeit ein dreifaches Hoch au». Prächtige Gesäuge eine» Fraueuchor» begleiteten den Festact. Danach wurden die Räume de» 2i/zstöckigeu Hause» besichtigt, die alrbald in Benutzung genommen werden sollen. Mit dem noch bescheidenen Heim, wie eS jetzt besteht, ist jedenfalls etu vielversprechender Anfang gemacht worden.
△ Mainz, 26 Juni. Zu der gestern begonnenen 34. Toukünstler-Bersammlung de» allgemeinen deutschen Mustkveretu» find circa 150 Musiker und
Tonkünstler aus ganz Deutschland hier eingetroffen, darunter die bedeutendsten Namen. Bet der Eröffouug der versawA- luag wurde dieselbe Namen» der Sraatsregterung durch Provtnztaldtrector Rothe mit einem Hoch auf die Protektoren des allgemeinen deutschen MusikoeretuS, den Großherzog von Sachsen-Weimar und den Großherzog vou Heffeu begrüßt. Seitens der Stadt Mainz erfolgte die Bewillkommnung durch den Oberbürgermeister Dr. Gaßuer und Namens der Mainzer Liedertafel durch den Vicepräfident, Rechttauwalt Dr. Oppen- heim, der dem allgemeinen deutschen Mustkveretu ein Hoch widmete. Dr. v. Hase von Leipzig (Vertreter der Ftr»« Breitkopf u. Härtel) dankte mit einem Hoch auf Mainz für die herzliche Bewillkommnung, ebenso Generalnrufikdirecto: Fritz Steinbach-Weimar Namen» de» allgemeinen deutschen Mufikverein». Otto Lesemaun-Charlottenburg widmete sein Hoch dem musikalischen Mainz und dessen hervorragenden Vertretern, den Capellmetsteru Emil Steinbach uud Bolbach Letzterer zollte der modernen musikalischen Kunst feine An- erkennung und ersterer gedachte in launischer Weise der Damen. Etugeleitet wurde die Thonküustlerversammluug gestern mit einem Kammermusik Concert, iu welchem verschiedene Cowpofitiouen modernen Datum» zu Gehör gebracht wurden, von denen jedoch nur etu Trto für Violine, Cello und Clavter von Scharweuka nachhaltigen Eindruck erzielte. Anläßlich der Tonkünstlerversammlung sang heute da» Dom- chor während des Gottesdienste- im Dom: Khrie au- der Messe Jäte confessor von Palestrina. Gloria und Sanctus aus einer Messe vou Croie. Agnus dei vier- uud fünf- stimmig von Palestrina. Justus at palma vou Palestrina und 0 salutaris von Orlando Lasso.
Ans der Zeit für die Zeit.
Vor 75 Jahren, am 28. Juni 1823, wurde in Lichtenau bei Ansbach der Dichter Oskar von Redwitz geboren, der zuerst durch sein episch-lyrisches Gedicht „Amaranth" außergewöhnliches Aufsehen erregte. Seine später erschienenen Dramen und Romane zeichnen fich durch lebendige Sprache und geschickte Anlage aus. Der Dichter starb am 7. Juli 1891 zu Gilgenberg.
Vsrvrifehtes.
* Grünenthal« Verwögen. Es find vielfach über- trieb eneGerüchte über die Vermögensverhältnisse Grünenthals im Umlauf- das ist erklärlich, da man immer geneigt sein wird, Jemand, der, wie der ehemalige Oberfactor, mit Tausendmark-Scheinen „um sich werfen" könnte, für einen Millionär zu halten. Das war aber Grünenthal bei Weitem noch nicht, selbst wenn man die Banknoten einrechnet, die er im Laufe der letzten Jahre in Champagner rc. umgesetzt haben soll. Von den gestohlenen und gefälschten Banknoten» Blanketts sind auf dem Kirchhofe nur 40 Stück zu 1000 und ebensoviel zu 100 Mark gefunden worden. Diese Papiere sind glücklicher Weise „Makulatur" geblieben und zählen daher hier nicht mit. Dahingehend hatte Grünenthal schon einen ganzen Posten falscher Schein», in Umlauf gesetzt. Bei seiner Verhaftung besaß er nämlich an Werthpapieren ca. 65000 Mark, die er zu Hause aufbewahrte; auf den Kirchhöfen hatte er Actien im Werthe von rund 160000 Mk. versteckt und bei seinem Bankier etwa 47 000 Mk. deponirt, endlich steht für ihn noch eine Grundstücks-Hypothek in Höhe von 21000 Mark aus, — macht Summa Summarum 293000 Mk. Dieser Betrag besteht aber nicht ausschließlich aus gestohlenem Geld, denn Grünenthal hat auch speculirt. Seinen „Hauptramsch" machte er schon vor zehn Jahren, als ihm ein Bekannter Werthpapiere in Verwahrung gegeben, mit denen Grünenthal 15000 Mk. gewann; auch die Schloß- freiheit-Lotterie warf ihm unvermuthet 7000 Mark in den Schooß. Die Gesammtsumme benutzte er dann zu weiteren Speculationen. Unter günstigen Conjuncturen mag fich bat Capital, wie Gr. behauptet, wohl verdoppelt haben, und berücksichtigt man endlich noch die Ausgaben, die der mit nur 4000 Mk. Jahresgehalt bedachte Oberfactor für „Wein, Weib und Gesang" opferte, so gelangt man zu dem Resultat, daß ihm der Diebstahl in der Reichsdruckerei kaum mehr als ein Viertel. Milliönchen eingebracht hat. Welche Sttase Grünenthal zu gewärtigen hat, ist auch eine vielumftrittene Frage: Zwei Jahre Zuchthaus (und die üblichen Nebenstrafen) schreibt § 146 des Strafgesetzbuchs, der auszugsweise aus jedem Kassenscheine steht, als Minimum vor. Da Grünenthal aber eine Vertrauensstellung in der Reichsdruckerei inne hatte und sich nebenbei auch des Diebstahls schuldig machte, so wird ihm wohl eine etwas längere Zuchthausstrafe zudictitt werden. Seine Geliebte, Ella Goltz, die der Begünstigung angeklagt ist, dürfte eine Zusatzstrafe von einigen Monaten Gefängniß zu der bereits erkannten erhalten. Daß die von Grünenthal gefälschten Kassenscheine gerichtlich eingezogen werden, in selbstverständlich; sein sonstiges „Vermögen", die oben erwähnten 293 000 Mk., dürften zum Theil die Prozeß- kosten verschlingen, zum Theil dürfte dasselbe zur D ckung des dem Fiscus erwachsenen Schadens verwendet werden. Was dann noch übrig bleibt, wird zur Alimentation der Frau Grünenthal und der N/, jährigen Tochter der Ella Goltz wohl hinreichen.
* Der Lord auf dem Sprengwagen. Der bekannte englische Sportsmanu Lord Charles Beresford darf sich rühmen, jedes nur extstireude Vehikel fahren zu können nnb auch schon gefahren zu haben. Bald sieht man ihn eigenhändig einen eleganten Btererzug durch die Straßen lenken, bald kntschirt er im leichten Jagdwägelchen über holperige Landwege uud bald wieder faust er auf dem Stahlroß eine glatte Chaussee entlaug. Mit sicherer Hand dtrigirt er jedes automobile Gefährt und ebeusowentg würde er davor zurück- schrecken, die dawpsschoaubeude Locomotive eines Eisenbahn- zugeS zu führen. Das seltsamste Fuhrwerk, das Lord Beresford aber je tu eigener Person geleitet hat, ist ein gewöhnlicher Sprengwagen, dessen nähere Bekanntschaft er gelegentlich einer Wette machte. Wer längere Zett in London ge-


