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28.6.1898 Erstes Blatt
 
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1808

Nr. 148

Erstes Blatt

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- uitb Anzeigeblcstt für den Mrkels Gieren.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

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Alle Anzeigen-VermittlungSstellen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«.

Unnahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

Dienstag den 28. Juni

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Werner.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schnkßraße Ar. 7.

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Locales und ProvinzieUes.

Siebes, 27. Juni 1898.

* Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog empfingen am 25. Juni den Realghmnafiallehrer Luc tu- von Gießen, den R'algymnafiallehrer vr. Schoen von Gießen, den Profesior Dr. Goldmann, Director des Gymnasiums und der Realschule in Friedberg, den Schul-

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hiebe«.

Fernsprecher Nr. 51.

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Deutsches Reich.

Berlin, 27. Juni. Vom neuen Reichstag. Unter den 213 im ersten Wahlgange gewählten ReichötagSabgeord- nettn befinden sich 142, die schon bisher dem Reichstage angehörten, 71 sind also neugewählte Mitglieder,- von diesen find vier indesien schon in früheren Legislaturperioden Mit- glteder des Reichstags gewesen, Graf Ballestrem, Stütze!, Pfanukuch und Ratzinger, der 18771878 dem Centrum angehörte und jetzt als Candtdat des bayrischen Bauernbundes wiederkehrt. Mehrere der jetzt zum ersten Male in den Reichstag gewählten Herren haben sicher dem Abgeordneten- Hanse angehört, namentlich Mitglieder des CentrumS und der confervattven Partei- bet letzterer macht sich auch bereits eine Candtdatennoth bemerklich, die in manchen Fällen nur durch die Zusage einer Wahl oder Wiederwahl zum Ab- geordnetenhause gehoben werden konnte. Unter den übrigen zum ersten Mal Ger Men befinden sich nur wenige, die schon in weiteren Kreisen bekannt geworden find, wie Graf Klinkowström, der dem Herrenhause angehört, Vorsitzender der LandwirthschaftLkammer in Ostpreußen ist, der erst vor einigen Tagen nach Münster versetzte bisherige Consistorial- director Storkman aus Wiesbaden, Herr Schrempf, der Führer der Conservativen und Agrarier Württembergs, der vom Centrum als sozialpolitischer Schriftsteller gerühmte Dr. Jäger au« Speyer. Für den freiwillig au-geschiedeucn Grafen Mirbach haben die Bimetallisteu in dem LandtagS- abgeordneten Arendt Ersatz gesunden. Von den Häuptern

ße^*3ena. Nach den bis jetzt vorliegenden Ergebniffeu ist Wahi BasierwannS (natl.) sicher.

Nach der Schlacht. |

Nun sind auch die Stichwahlen vollzogen worden, und auf die wenigen Fälle, in denen etwa durch den Verzicht bei Candidaten oder durch sonstige Umstände eine Nachwahl vothweudig, ist der künftige Reich-lag fertig. Wenn ein Bau- D-elfter einen Bau au-geführt hat, so prüft er noch ein Mal ms da» Genaueste, ob da- Werk gelungen ist, und ein ge- v-sssevhafter Baumeister wird auch mit dem Tadel nicht zu- Mhalten, wenn der Bau Mängel zeigt. Auch das deutsche 3 olt hat ein Bauwerk errichtet, auch von ihm find die etu- Inen Steine zusammengetragen worden in Nord und Süd, In Ost und West, um ein Ganzes zu fügen den deutschen DichStag. Auch er muß sich jetzt der Kritik unterwerfen, a«ch von ihm wird jetzt auf allen Seiten die Frage aufge» Ht: »Wie sieht er au#?*

Bei der Beurtheilung eines Werkes kommt es vor allen Dingen darauf an, welche Ansprüche man an dasselbe stellt. Oer letzte Reichstag war sehr verschrieen, und doch hat er schließlich den weitgehendsten Ansprüchen genügt, und sich so -«triotisch gezeigt, daß ihm von maßgebender Stelle ein gute# Kmgniß zu Theil wurde. Als man in die Wahlbewegung {Br den neuen Reichstag eintrat, da wurden gar mannigfache Besorgnisse laut, daß der Kampf, welcher um die wirtschaft' I lbhen Interessen auSzubrechen droht, die Opposition, welche I kßaer gesunden nationalen Entwicklung widerstrebt, eine große I Bestärkung erfahren würde. Und al# die Hauptwahl voll I zogen war, da mußte die Besorgntß noch wachsen, denn die I Socialdemokratie hatte nicht nur im ersten Anlauf eine bc- I xatende Zahl von Sitzen gewonnen, sie war auch in einer z«nz außerordentlich großen Anzahl Kreisen in die Stichwahl gekommen, sodaß die Gefahr nahe lag, die Soctaldemokratie Lierde mit ganz erheblicher Verstärkung in den neuen treten. DaS wäre auch wohl geschehen, wenn nicht in letzter Stunde auf der ganzen nationalgefinnten Linie die Parole außgegeben worden wäre:Gegen die Social- d.kmokratie!^ , .

Hab unter diesem Gesichtspunkte muß man auch den neuen Reichstag beurtheilen. Es ist gelungen, den um- Mrzlerischen Elementen einen wirksamen Damm entgegen ui setzen, was der Hauptzweck war, den man bet den Stich- Zahlen verfolgte. Wie wir schon vor der Stichwahl be- merkten, haben viele «reise große Selbstverleugnung Üben raüffen, aber der Erfolg ist auch nicht auSgebliebeu.

Hoffentlich hält die Annäherung, welche nunmehr unter Sen einzelnen Parteien erfolgt ist an, und trägt dazu bei, Laß der künftige Reichstag zum Segen bei Vaterlandes Wirken kann. E# harren feiner bekanntlich große Aufgaben, Hei deren Erfüllung es nothwendig ist, daß nicht Jeder auf tseiner vorgefaßten Ansicht beharrt, daß auch den Meinungen und Urtheilen Anderer Raum gegeben wird. Nur so kann iier Reichstag den Ansprüchen, welche da# Vaterland au ihn rßellt, genügen und sich be# Vertrauen#, ba# ihm entgegen- zebracht wirb, würbtg zeigen. Möchten nicht schroffe Gegen- -ätze in ihm vorherrschen, sondern ein versöhnlicher Geist!

Aezugrprei» vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh».

Bei Postbezug 2 Marl 50 Pfg. vierteljährlich.

gewählt.

Straßburg. Hauß (Centr.)

Aurich. Kruse (natl.)

Ohlau. Rother (cons.) Sangerhausen. Scherre (Rp.) Naumburg. Thiele (Soc).

Landsberg a, b. W. Schrader (srs. Ber.)

Lauenburg. Will (cons.)

Forchheim. Bayer (Centr.)

Kronach. Brückner (Centr.) Melle, v. ArvSwalde (Welfe).

frschcint täglich mit Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener PamltienötLIter Derben dem Anzeiger Dtchentl'.ch viermal beigelegt.

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Waldeck. Müller (Aatis.).

Altena-Jseklohu. Lenzmann (frs. B.).

Torgau, Kuoerke (frs. Vp.)

Apenrade. Raab (Antis.)

Kiel. Häael (frs. Ber.)

Kreuznach. Gewählt v. Cuny (natl.) gegen Hompesch (Sentv.'> mit 7456 St.

Bitterfeld. B-uermeifter (cons.)

Ziillichau. Fahle (freis. Ber.)

Oppeln. Szmula (Centr.)

Emden-Leer. Frantziu« (natl.)

Osnabrück, v. Scheele (W.)

Homburg. Müller (Centrum) erhielt 12407 gegen 11 188 St. für Brühne (Soc.) E# stehen nur noch einige kleine Ortschaften au6. Die Wahl Müller# ist gesichert.

Schwarzburg-Rudolstadt. Müller (natl.)

Memel. S. Smalakl# (Ltt.) ist gegen den Grafen Walderiec (cons.) gewählt.

Merseburg. Ritter (frs. Bp.)

Germersheim (Pfalz). Gander (natl. u. ».)

Zweibrücken. Leineweber (natl. u. B.)

Kaiserslautern. R.öficke (B.)

Bayreuth. Fischer (v.) _ , , u

Weimar. Baudrrt (Soc.) mit einer Mehrheit von 1000 St. gewählt gegen Eggloffsteiu (cons.)

Güstrow. Treuenfels (cons.) gegen Knappe (Soc.)

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Prag, 26. Juni. Gestern Abend tarn e# auf dem Lend- platze zu einer Schlägerei zwischen Militär- und Civtl« Personen. Die etntreffende Gendarmerie wurde thatlich an- gegriffen, sodaß Militär iaterveniren mußte. 15 Verhaftungen wurden vorgenommen. w

Krakau, 26. Juni. Entgegen den officiellen Berichten sind die Unruhen in Neu-Santorz, Grybow und Liwanow, sowie in den umliegenden Oltschasten noch nicht unterdrückt, sondern dauern noch fort. Bei einem Zusammenstoß mit dem Militär wurden mehrere Bauern getödtet, viele schwer ver- toUn Paris, 26. Juni. Nach einer hier vorliegenden Prtvat- meldung wird seit gestern früh um den Besitz der südlich von Santiago de Cuba gelegenen Ortschaft Sevilla gekämpft.

Madrid, 26. Juni. General Linares, der sich auf der Höhe von Sevilla verschanzt hatte, wurde vorgestern und gestern von bedeutenden amerikanischen Truppeomvssen und Aufständischen angegriffen. Linares schlug, wie er nach hier kabelte, den Feind mit großen Verlusten zurück. Auf Seiten der Spanier blieben 7 Mann- 3 Offiziere und 24 Mann find verwundet. Die Ausschiffungen der Amerikaner in der Bucht von Bai quirl dauern fort.

! London, 26. Juni. Nach hier eingetroffenen Meldungen rücken die Amerikaner weiter vor und stehen nur

I «och eine deutsche Meile von Santiago entfernt. Die Anzahl

des Bandes der Landwirthe ist neben dem Chefredacteur der i D. Tgztg." Oertel auch Herr v. Plötz gewählt worden.

Die beiden anderen Leiter des Bundes Dr. Hahn und Dr. Rösike müssen ein Mandat erst in engerer Wahl zu erringen suchen. ~

Berlin, 26. Juni. Die Beantwortung der Fragebogen für die ProductivnSstatitik hat vorzügliche Resultate ergeben. Von den 4500 Betrieben, an welche die ersten 14 Fragebogen versandt wurden, unter denen fich die wichtigsten Betriebe, die gelammten Spinnereien und Webereien befinden, sind im Ganzen nur noch nngesähr 300 mit ihren Antworten rückständig. Für diese wird jetzt ein Mahn- verfahren eingerichtet, um die Beantwortung der Fragebogen herbeizuführen. Ist auch diese» fruchtlos, fo wird von be- rnfeneu Sachverständigen eine ungefähre Einschätzung vor- genommen werden. Hebet die Grundsätze, nach denen da# Mahnverfahren und die spätere Einschätzung zu handhaben ist, finden, wie derConfecttouär" meldet, augenblicklich Ver- Handlungen statt. ,

Berlin, 25. Juni. Zur deutschnationalen Bewegung in Südtirol wird der WienerDeutschen Ztg." au» Trient geschrieben:Ja Südtirol beginnen die Deutschen, nachdem sie durch eigene Läsfigkeit bei einer überau» eifrigen Agitation der italienischen Geistlichkeit der Verwälschung preisgegeben wurden, in letzter Zeit fich wieder krästtg zu regen. Ein deutscher Priester, der Curat Mitterer in ProveiS, war e», der durch seine Schilderungen de» nationalen NothstandeS In seiner Gemeinde den Anstoß zur Gründung be» Deutschen I TchulverelnS gegeben hat. Erfreulicherweise bleibt Mitterer I keine vereinzelte Erscheinung in bet Tiroler Geistlichkeit. Die I nationale Schutzarbeit findet wieder Berständniß und Förde- tuns b.f einer guten An,°hl Urem BolkS.hnme ergebener I katholischer Priester, von denen einzelne geradezu als Wieder- I Erwecket be» DeutschthumS in Südtitol bezeichnet werben I müssen. Das Priesterseminar in Trient sorgt für einen tüch­tigen Nachwuchs brutschet Priester in ausreichender Zahl, I eine stattliche Anzahl vorschriftsmäßig ausgebildeter deutscher

Lehrer, Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen wirkt einträchtig I mit den deutschgefinnten Mitgliedern de# PrlesterstanbeS zu- fammen. Bei der großen Armuth vieler Gemeinden, deren I deutscher Character gegen da» in dem italienischen Schulder- eine organifirte Jtalienerthum zu vertheidigen ist, spielt selbst- I verständlich da# Geld eine Hauptrolle, indem vielsach nur durch Geldhilfe von außen her die Errichtung und Erhaltung I deutscher HnterrichtSanstalten möglich ist. Sehr sörderlich sür da# Deutschthum in Südtirol ist der alljährlich wachsende

I Zufluß deutscher Sommerfrischler und Touristen, der da» | Nationalbewußi/ein der mit dem Wälschthum ringenden Bc- I völkerung anregt und festigt, und da» Wirken der deutschen

Alpenvereine. Diese Vereine verrichten, indem sie ihre I alpinen Zwecke verfolgen, mittelbar werthvolle nationale I ÄrbttL Me e» heißt, will die socialdemokratifche

Fractlo n, fall» fie die zweitstärkste Partei des Reichstage» I wird, eine Vertretung im Präsidium beanspruchen.

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der mit ihnen vereinigten Cubaner beträgt 5000 Mann. Santtapo ist vollftäadtg umzingelt. In kürzester Zeit beginnt das Bombardement. Die Stadt Alvare# ist im Sturme genommen worden. Der Widerstand der Spanier war gering. Den einmarschirendeu Amerikanern kamen Hunderte halb verhungerter fast nackter Leute entgegen. 20000 Rationen, Kleider und Schuhe wurden auSgetheilt. Biele Männer erhielten Flinten und schloffen fich den amerikanischen Truppen an. Der General berichtet, et war etschüttett, diese bi» zum Skelett abgemagerten Menschen unter Weinen und Lachen effen zu sehen.__

Stichwahlen.

Alsfeld. Bindewald (Antis.) fiegte mit 3000 Stimmen Mehrb'" über Schade (B).

Erbach. Haas (natl.)

Höchst. Müller Fulda (Centr.)

Wetzlar-Altenkirchen. Krämer (natl.) gewählt.

Ansbach. Eckart (Dem ) erhielt bl» jetzt 7386, Hufnagel (cons. u. B) 4506 St. Eckarts Wahl tst gefichert.

Erlangen-Fürth. Bi»her wurden gezählt für Segitz (Soc.) 10 600, für Bauriedel (natl. n. B.) 4900 Stimmen. Seitz' Wahl ist unzweifelhaft.

Hof. MÜnch-Ferber (natl.) gegen Stücklen (Soc.) ge­wählt. Die Majorität beträgt über 1400 Stimmen.

Kulmbach. Rechtsanwalt Bayer-Bamberg (Ctr.) gegen Lochner (natl. u. B) gewählt.

Neustadt a. d. H. Dr. Delnhard (natl. n. B.) gegen Erlewem (Centr.) mit einer Mehrheit von 1300 Stimmen

Zschopau (Sachsen). Roscnow (Soc.) gewähtt.

Einbeck. Harriehausen (v.).

Eisenach. Caflelmaun (stets. Bp.) erhielt in 90 Orten 5400, Paetzold (Soc.) 4016 St. CaffelmannS Wahl ist