Sitzung der Stadtverordneten
am 26. Mat 1898.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Wolff, von Setten der Stadtverordneten die Herren Brück, Emmeliu», Flett, Dr. Gaffky, Grünewald, Habeuicht, Heichelheim, Keller, Kirch, Löber, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Schiele, Schwall, Dr. Thaer und Wallenfels.
Herr Oberbürgermeister Gnauth berichtete unter „Mit- theilungen" über die Eingabe der Lehrer und Lehre- rtnueu au den Volksschulen tn Betreff ihrer Gehaltß- verhältntffe. Nach einer vor Kurzem stattgehabteu Besprechung der Bürgermeister hessischer Städte soll die Angelegenheit auf dem nächsten in Offenbach ftattfindenden Städretag be- ratheu werden, wozu dem Vertreter von Darmstadt da» Referat, Herrn Oberbürgermeister Gnauth das Correferat übertragen wurde. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden, daß die Angelegenheit bis nach dem Städtetag auf sich b'ruhen bleibe.
In Ausführung des tn voriger Sitzung gefaßten Be- fchluffer über die Haltung des FasselvieheS in Gießen wurde mit Herrn Oeconom Simon zunächst ein für drei Jahre gültiger Vertrag abgeschlossen.
DaS Gesuch der G. Ferd. Gail Erben um Erlaubntß zur Anlage eines Rohrcanals iu der Wilhelmstraße wurde unter der Bedingung des Widerruf» genehmigt.
DaS Gesuch der Firma Heyligenstaedt & Co. um Erlaubntß zur Errichtung eines Anbaues an die Gießerei in der verlängerten Liebigstraße wurde der iu § 5 der Bauordnung gewahrten Bestimmung entsprechend befürwortet.
Herr« Bauunternehmer Abermauu soll gestattet werden, während deS Baues des Schwesternhauses tu der Johannes- straße das erforderliche Wasser au» dem Schoorgrabeu zu entnehmen.
Herrn Dr. Julius Casar sollen einige Räume im alten Schloß zum Trocknen von Arzueikräutern unter den früheren Bedingungen überlassen werden. Herr Oberbürgermeister Gnauth theilt hierbei mit, daß die Pläne für den Umbau de« alten Schlosse« fertig vorliegeu und bereit« der Baudeputatiou zur Begutachtung zugegaugen seien.
Gegen die Abgabe von Chausseewavdsteiuen au Herrn PH. Valentin von Gleiberg hat die Versammlung nicht« zu erinnern.
Beim Umbau der W i e s e ck b r ü ck e im Zuge der Bismarck- straße soll versuchsweise Asphaltbelag augewendet werden. Die Versammlung genehmigte die Vergebung der Lieferung der uöthigeu gepreßten ASphaltplatteu und da« von der auSführeuden Firma mttgethetlre Garautieangebot.
Die auf 1900 Mk. veranschlagten Kosten der ASphal- tiruug des östlichen Bürgersteigs von der Liebigstraße bis zum Hauptpostgebäude wurden zu Lasten de« nächstjährigen Voranschlag« mit der Maßgabe bewilligt, daß die Postverwaltung denjenigen Betrag zuschießt (450 Mk. 75 Pfg.), welcher bet Ausführung der Trottoir-Anlage tn Cemeutbelag von ihr zu eutrichteu sein würde.
Die Versammlung stimmte dem Anträge der Baudeputatiou zu, wonach für den Chemiesaal wie für daS Vor- berettuugSztmmer de« Phhfiksaale», im Realschul- und Real- gymnafiumS - Erweiterungsbau BerduukeluugSvorrtchtuugen getroffen werden sollen. Die Verdunkelung soll mittelst schwarzer oder dunkelbrauner Btbervorhänge, welche die Firma W. Reiber für 10,85 Mk. den QBi. uebst den erforderlichen Zugvorrichtuugeu zu liefern sich bereit erklärt hat, geschehen.
Ueber die mittelst Metdinger'scher Oefen bewerkstelligte Heizung der höheren Mädchenschule find in den letzten Jahren Klagen seitens der Lehrer und Schülerinnen geführt worden. Nach einer ausgestellten vergleichenden Ueberficht hat sich ergeben, daß relativ am billigsten und besten die mittelst Dampfanlage erfolgende Heizung der Stadt-Knabenschule ist. DaS Curatortum der höheren Mädchenschule ist danach der Einführung der Centralheizung näher getreten und auch die Baudeputatiou ist bei Prüfung der Frage über den Ersatz der Meidiuger-Oefen durch andere zu dem Entschluß gekommen, die Etnzelhetzuug gaoz aufzugeben und zur Ceutralheizung überzugehen. Der Einrichtung stehen nach Mittheiluug der Firma Rad. Otto Mayer in Köln, welche die CentralheiznngSeinrichtungen in der Stadt-Knabenschule sowohl wie im Erweiterungsbau der Realschule au»- führte, Schwierigkeiten nicht entgegen- gen. Firma hat die Kosten derselben unter Zugrundelegung eines stündlich einmal erfolgenden Luftwechsel« zu 11260 Mk. veranschlagt, bet zweimaligem Luftwechsel würde sich dieser Betrag um 650 Mk. erhöhen. Die baulichen Aenderungeu würden nach vorläufiger Schätzung zwischen 2 und 3000 Mk. kosten. Die Versammlung beschloß Ausführung der HetzungSanlage und Einfordern von Voranschlägen Über die baulichen Aeuderuagen am Schulgebäude. Die Arbeiten sollen während der großen Herbstferten au»- geführt werden.
Für Anlage einer EiufrtedigungSmauer tn der künfttgeu Jo hanueSstraße entlang dem Schüler'schen Garten, von welchem ein Theil tn dte Straße fällt, wurden 7500 Mk. bewilligt.
In einer vom 4. April datirteu Eingabe ersuchen die städtischen Straßenkehrer unter Hinweis auf die vertheuerte Lebenshaltung um Lohnerhöhung- fie betonen, daß fie mit 2 Mark täglich nicht auSkommeu könnten. Schließlich weisen fie auch auf den Mangel jeglicher Dienstkleidung hin, so daß fie den Unbilden der Witterung ausgesetzt seien, ohne den dabet nothweudtgev Wechsel tu der Kleidung vornehmen zu können. ES kommen hierbei 35 Arbeiter In Betracht, deren JahreSarbeitSverdieust einschließlich der alljährlich im Herbst auSzuzahleuden besonderen Zuwendung in 1. Klasse 750 Mk., in 2. Klasse 660 Mk. beträgt, während dte Vorarbeiter ca. 830 Mk. beziehen. WaS die Dienstkleidung betrifft, so hat nach einer Umfrage in anderen hessischen Städten da« Stadtbauamt empfohlen, den Arbeitern wasserdichte Rad-
mäutel zu liefern, den Vorarbeitern außerdem Dienstmützen; im Uebrigeu entspricht der Lohn den Sätzen, welche anderwärts für ungelernte Arbeiter gezahlt werden. Es wird beschlossen, unter Errichtung einer neuen Lohnklaffe (die bisherige erste Klaffe entsprach einer mehr wie dreijährigen Thätigkeit im städttschen Dienste, dte zweite einer solchen bis zu drei Jahren, während die neue Lohnklaffe eine Thätig- kett von drei bi« sech« Jahren vorauSsetzt) den Arbeitern folgende Lohnsätze zu gewähren: a) im Sommer bet zehnstündiger Arbeit tn 3. Klaffe 20 Pfg., in 2. Klaffe 23 Pfg., in 1. Klaffe 25 Pfg., b) im Frühjahr und Herbst bei neunstündiger Arbeit tu 3. Klasse 22 Pfg., in 2. Klaffe 25 Pfg., in 1. Klasse 27 Pfg., c) im Winter bet achtstündtger Arbeit tn 3. Klasse 25 Pfg., tn 2. Klasse 28 Pfg., tn 1. Klaffe 30 Pfg. Für die mit Wafferarbetten beschäftigten Tag- löhuer erhöhen sich dte Lohnsätze um 5 Pfg. die Stunde. Dte Vorarbeiter beziehen ohne Rücksicht auf ihre Dienstzeit dte Lohnsätze der ersten Klasse und 20 Pfennig täglich extra, deren Stellvertreter den Lohn zweiter Klaffe und 10 Pfg. täglich extra. Dte fett Jahren allen Arbeitern bewilligte Zuwendung von 10—20 Pfg. täglich dafür, daß fie den Sommer über im Arbeit-verhältnih bleiben, wird beibehalteu. Ferner sollen alle Arbeiter Radmäntel au« wasserdichtem Stoff erhalten. — Herr Orbig bemerkt, nicht gegen die Neuerung sprechen zu wollen- er halte e« aber für recht und billig, daß die betr. Arbeiter schon nach dem ersten Dtenstjahre in dte zweite Lohnklaffe aufrücken, nicht erst nach dem dritten- ferner solle man in Anbetracht der hohen Brod- preise auf mindesten« drei Monate daS Oetroi auf Mehl und Backwaaren aufheben. Herr Grünewald würde den ersten Theil de« Orbig'schen Anträge« befürworten- zur Behandlung deS zweiten ThetleS sei tndeß eine besondere Sitzung anzuberaumen. Herr Oberbürgermeister Guauth glaubt nicht, daß sofort darüber Beschluß gefaßt werden könne- er bemerkte, bereit« der Octroi-Angelegenheit näher getreten zu sein mit einer an da- Großh. KreiSamt gerichteten Eingabe, in welcher unter Mittheilung des vor einiger Zeit gefaßten Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung die beabsichtigte Aufhebung de« Octrol« auf Mehl und Backwaaren motivirt und auch bezüglich de« für die Stadt erwachsenden Einnahme- au-falls auf die Erhöhung der direkten Grmeindeabgaben (etwa 0,9 Pfg. pro Mark Steuerkapital) hingewiesen wird. Eine Antwort Großh. Ministerium« sei noch nicht eingetroffen. An Stelle der Aufhebung de« OetroiS im Sinne de« Orbig- scheu Anträge« empfehle er die Bewilligung einer Theuerung»- zulage bis auf Weitere«. Die Versammlung beschloß in diesem Sinne, und sollen bereit« von der nächsten Lohnzahlung ab die neuen Stundeusätze nebst der auf 2 Pfg. für die Arbeitsstunde bemessenen widerruflichen TheuerungSzulage ausbezahlt werden.
Nachdem bereits seit Jahren dte Frage der Anstellung von Schulärzten auf Congreffeu u. s. w. behandelt worden, ist tn Hessen zunächst die Stadt Offenbach der Sache practisch näher getreten dadurch, daß fie den KreiSasfisteuz- arzt damit betraut, nach Gutdünken Untersuchungen und Erhebungen anzustellrn. Derselbe habe sich nach Mtttheilung der dortigen Bürgermeisterei sehr eingehend mit der Untersuchung sämmtlicher Kinder der Volksschule befaßt. Die Untersuchung erstreckte sich auf Körperbeschaffeuheit der Kinder, Zähne, Augen, Ohren, Nasenrachenraum, auf da« Vorhandensein von Bleichsucht, Tubercnlose, Krümmung der Wirbelsäule, Krankheiten an Herz und Lunge, sowie auf Reinlichkeit und Ungeziefer. Der auf Grund dieser Uutersuchungeu auS- gearbeitete Entwurf einer Instruction für Schulärzte steht eine mindestens einmalige jährliche Untersuchung jede« Kinde« vor und enthält Nähere« über die Anforderungen der Hygiene in der Schule und ihren Einrichtungen. Die Stadt Offenbach hat danach beschlossen, da« Institut der Schulärzte dauernd zu belassen, auch zwei Sprctalisteu für Augen- und Zahnkraukheiten zuzuziehen. Nachdem die Angelegenheit auch im Schulvorstande gründlich berathen worden, ist au denselben der Antrag auf versuchsweise Anstellung eine« Schularztes für dte hiesige Volksschule gestellt worden. Derselbe soll seine Functionen im ersten Jahre selbst bestimmen und am Schluß desselben eingehend darüber, sowie über die zur Durchführung einer erfolgreichen Schulhygiene ihm geeignet und vothweudig erscheinenden Maßnahmen berichten. Die Versammlung erhob den Antrag des Schulvorstandes zum Beschuß.
Die Gesuche der H. C. Werner Ehefrau (CaplauSgasse 18) und der Herren Jos. Nagel (Caplausgasse 10), Friedrich Volz (Wetzsteingaffe 8) und Heinrich Mayer (Bahnhofstraße 76) werden durch Bejahung der Bedürfnißfrage hinsichtlich deS BranntweinauSschaukeS befürwortet.
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Berlin, 26. Mai. Das StaatSministerium trat heute Nachmittag 3 Uhr in seinem Dteustgebäude zu einer Sitzung zusammen. Fürst Hohenlohe, v. Miquel, Dr. Bosse und Thielen waren durch UuterstaatSsecretäre vertreten. Den Vorsitz führte der Justizmiuister Schönstedt.
Berlin, 26. Mai. Die Schiffe „Deutschland" und „Kaiserin Augusta" find heute von Taku nach Port Arthur abgegaugeu.
Berlin, 26. Mai. Der bisherige socialisttsche Reichstag»- Abgeordnete Bogth err wurde gestern von der Strafkammer Magdeburg wegen Majestät», und Mtntster-Beletdtguug zu sech» Monaten Gefängniß verurthetlt.
Berlin, 26. Mai. Der „ReichSanzeiger" veröffentlicht heute den Entwurf eine» Hhpotheken-BankgesetzeS, welches, wie da» amtliche Blatt bemerkt, vor Kurzem den Bundesregierungen zugegangen fei, mit dem Ersuchen um eine vorläufige Prüfung. Von dem Ausfall der Prüfung werde e» abhängev, ob und in welcher Gestalt dte Vorlage au den BundeSrath gelange.
Berlin, 26. Mai. Dem „Local-Anzeiger" wird aus V Erfurt telegraphier: Ein Pöbel-Tumult führte zu eine« t
Zusammenstoß mit der Polizei, welche mit Steint» beworfen wurde. Diese zog blank und verwundete fünfzig Personen. Heute ist Militär requirirt worden. Dte Zahl der Demonstranten, unter denen sich viele Zuhälter und Arbeitsscheue befinden, beträgt etwa 2000.
Berlin, 26. Mat. Al» Nachfolger für den verabschiedeten Chef de» Ingenieur- und Ptonier-Corp» und der Festungen, General der Infanterie Vogel von Falckenstein ist der Com- mandeur der 5. Infanterie-Division, Generallienteuant Freiherr v. d. Goltz, welcher heute Morgen telegraphisch zu« Kaiser berufen wurde, in Aussicht genommen.
Berlin 26. Mai. Der kleine deutsche Kreuzer „Geier" erregt durch seine Leistungen, wie au» Fachkreisen geschrieben wird, große Bewunderung. Die Schnelligkeit, womit da» Schiff vom südamerikanischen Gestade tn den westindischen Gewässern erschien, und die umsichtige Leitung der Operationen vor Portorico und Cuba find wahrhaft erstaunlich. In zwölf Tagen legte der „Geier" die Fahrt von Bahia nach St. Thomas zurück, und in demselben kurzen Zeitraum zeigte daS Schiff dte Rttchsflagge in drei der gefährdetsten Häfen, in San Juan de Portorico, in Santiago de Cuba uud in Havanna. Der Aufenthalt vor San Juan und Santiago dauerte nur je einen Tag. Daran» darf ge- schloffen werden, daß dte Lage der dortigen Deutschen zu keinen Besorgnissen Veranlassung gibt.
— Amerikanische» frische« Schweinefleisch soll, wie die „Allg. Fl.-Ztg." berichtet, nicht mehr nach Deutschland auSgeführt werden, da die amerikanische Regierung einem von Deutschland ausgesprochenen Wunsche nach dieser Richtung sich entgegenkommend gezeigt habe. Da» Haupt- bedenken Deutschland» gegen dte Einfuhr von frischem amerikanischem Schweinefleisch liegt bekanntlich i» der durchaus ungenügenden amerikanischen Fleischschau. Tine amtliche Bestätigung der obigen Meldung der „Allg. Fl.-Ztg." bleibt abzuwarten.
Arr-lair-.
Wie», 26. Mai. Dte Tumulte in Przewh»! haben sich wiederholt und einen ausgesprochen antisemitische» Character angenommen. Der jüdische Stadtthei! ist arg demolirt worden. Die Geschäfte wnrden geplündert und die Juden mißhandelt. Erst mit Hilfe von Militär konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. E« wurden viele Verhaftungen vorgevommen.
Pari», 26. Mai. BorauSfichtlich wird der Proceß Zola Ende Juni vor den CaffationShof gelangen. Wenn dte Beschwerde Zola» abgewiesen werden sollte, dürfte fich da» Schwurgericht tu Pari» oder Versailles Mitte Juli mit der Angelegenheit beschäftigen.
Loudon, 26. Mai. Als muthmaßliche Nachfolger Gladstone» in der Leitung der liberalen Partei werden Harcourt und Roseberry genannt, von denen ersterer die meisten Aussichten hat.
Madrid, 26. Mai. Der für die nach Manila bkstimmt-n Truppen au»ersehene Commandant, Oberst Mtza, hat fich in Cadiz erschossen.
Madrid, 26. Mai. Nach einer Nachricht au« Manila wurden die Amerikaner, al» fie Waffen und Schleßvorräthe landen wollten, von den Spaniern zurückgeschlagen. Die Ladung fiel deu Spaniern in die Hände.
Key West, 26. Mai. Die letzten Nachrichten von de« Blokade-Geschwader besagen, daß Admiral Sampsou mit seinen Panzerschiffen und Kreuzern nach Santiago de Cuba abgefahren ist.
vermischt»».
* D Frankfurt a. M., 26. Mai. In den letzten Woche» find eine ganze Anzahl Thiersendungeu aus den verschiedenste» Ländern an deu Zoologischen Garten angelangt. Au- Afrika trafen junge Crocodtle uud Schlangen ein, worunter eine echte „Aspis", d. h. diejenige Art, mit der fich Cleopatra den Tod gab. An» Indien traf ein Exemplar de» „heiligen Affen", weiß mit schwarzem Gesicht und dunklen Pfoten, ein. DaS Thier gleicht thatsächlich einem Brahmane» tn weißem Gewände und tn seinem Baterlande wird e» verehrt und trotz seiner unaufhörlichen Räubereien von de» Menschen geschont. Au» Südeuropa trafen schöne Reptilien ein, wie die buntgefleckte Leopardenschlange und die „blaue» Eidechsen" vom Faeaglioni-Felseu bei Capri. Prächtige Molche, moosgrün und schwarz gezeichnet, kamen aus Nordamerika und von der seltenen SchlangeuhalSschildkröte brachte ein Schiff be» „Norddeutschen Lohd" ein große» Exemplar au« Argentinien mit. Au» der Nordsee kamen schöne See- blumen und au« dem Mittelländischen Meer eine Anzahl eigenthümlich gestalteter Fische, die im Aquarium nntergebracht wurden. Hierbei befanden fich sogenannte „Sterngucker", d. h. Fiscke, deren Augen und Muudspalte anstatt nach vor» (wie bei allen anderen Fischen) nach oben gerichtet sind.
♦ Frankfurt a. M., 25. Mai. Au« Brüssel, 23. d. M., wird geschrieben: Großes Aufsehen erregt hier die Ent- weichung der Falschmünzerin Clottlde Adnet au« dem Gefängniß von Petits Cannes, welche am Sonntag früh unter sehr eigenartigen Umständen stattgefunden hat. Clottlde Adnet empfing dort an diesem Morgen den Besuch ihrer jüngeren Schwester Jeanne, dte man bald wieder fort- gehen sah. Erst nach einiger Zeit entdeckte die Wärterin, daß ihre Gefangene plötzlich ganz andersfarbige« Haar bekommen hatte. Die beiden Schwestern, welche sich sehr ähnlich sehen, hatten ihre Kleidung gewechselt und während Clottlde entfloh, war Jeanne tu der Zelle zurückgeblieben. AIS man die Sache entdeckte, brach Jeanne Adnet in Lachen aus und bedauerte den Beamten gegenüber höflich, daß sie ihnen solche Unannehmlichkeiten bereite, aber die Herren würden wohl dte Empfindungen begreifen und ehren, au« betten heraus fie gehandelt hätte. Man hofft hier dte entflohene Berbrechertn, die erst kürzlich zu 6 Jahren Gefängniß verurthetlt worden und Berufung eingelegt hatte, wieder


