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Nr 279 Erstes Blatt.Sonntag den 27. November
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Advent. ।
Wenn die Kirche jetzt Advent feiert, so schavt sie aus zu ihre» König, der gekommen ist, ein göttlich Reich ouf ^lrden zu gründen. Genau genommen, «eint fie aber nicht friu Kommen, wie eS geschah in der Weihenacht zu Bethlehem, auch nicht seinen feierlichen Einzug in Jerusalem, da dies Volk ihm den Adventtruf zojanchzfe: Hosianna dem Sohne David», gelobt sei, der da kommt im Namen bei Herrn s Hosianna tu der Höh! sondern sein unausgesetzte» Kommen tm Ge'st, wie er es selbst in den Worten verheißt: „Ich will euch vicht Waisen loffea, ich komme zu euch. Denn ich will den Vater bitten uud er soll euch einen anderen Tröster geben, den Geist der Wahrheit.^ Und wrffen möchte auch ein ganze» Staatswesen, ja da» Volksleben überhavpt «ehr bedürfen, al» diese» Geiste» reinster Wahrheit! Wohin es führt, wenn Lug und Trug sich überall'etnntstrt, da» zeigen uo» doch sattsam die schmachvollen Vorgänge tu unserem westlichen Nachbarvolke. Ader e» ist gewiß bedenklich, allzuviel uud immer wieder auf den bösen Anderen zu sehen. Da» erzeugt allzuleicht ein selbstgefällige» Phartsäerthu«, dem sich da» Auge für die eigenen Schäden trübt. Wir haben wahrlich genug vor unserer Thür zu kehren, damit der Geist der Wahrheit zu jeder Zeit bet uo» freien Zugang finde.
Wir müfiru un» ernstlich gewöhnen, jedem, gleichviel welcher politischen Partei er angehört, e» von ganzem Herzen Dank w firn, wenn er ohne Ansehen der Person frei öffentlich den Finger auf da» legt, wa» faul ist, vielen Last uud Licht zum gedeihlichen Leben raubt ooer verkümmert, da» Recht vengt, da» fittliche Leben vergiftet. Eia Volk, welche» da» vicht wehr vertragen tonn, huldigt in seiger Verweichlichung dem Geist der Lüge und reift ficherem verderben zu. Gerade darum ging das Bolk zu Grunde, deren Führern der Fürst der Wahrheit einst zurufen mußte: „Ihr könnt «ein Wort nicht hören. Weil ich die Wahrheit sage, so glaubt ihr mir nicht!*
Freilich giebt es ja auch solche Leute tm öffrntlichen Leben unsere» Volke», die sooft jede» Mal, wenn fie über da», wa» todeln»werth ist, zu Gericht fitzen, ihre Worte mit giftigem Haß vermischen. Diese versperren gerade dadurch auch der Wahrheit den Weg. Dean e» ist den »eisten Menschen unmöglich, flch von denen zurechtwrisen zu laffeu, au» deren Augen ihnen nicht» al» Verachtung oder gar wilde Bervichtuug»lust entgegen sprüht. Dazn kommt noch, daß hinter den Reden, die von Begeisterung für das Gemeinwohl wiedertöneo, nur gor zu oft der kraffeste Eigennutz lauert. Wie sollte da» geeignet sein, der Wahrheit freie Bahn zu schaffen?! Deshalb konnte jener göttliche AdorntSkönig trotz de» mörderischsten Widerstande», den sein Auftreten hervor« rief, dennoch ein unwiderstehlich wachsende» Reich gründen, weil er mit dem rücksichtslosesten Zrugenmuth für die Wahrheit die selbstloseste Liebesglu h für Jedermann, auch für die verband, die in wilder Feindschaft wider ihn anltefen. Je mehr Leute da» tu unsere« Volke begreifen und zu Herzen nehmen, desto teefnlvfidcrrn Advent werden w'r feiern.
Deutsche» Reich.
Berlin, 25. November. Der Gesetzentwurf betr. die Ttellnng der Patentanwälte ist i« Reich»a«t de» Innern fertig gestellt.
Berlin, 25. November. Entgegen ander» lautenden Mit- theilungen kann die „Nordd. »llg. Zrg." constatiren, daß ein Gesetzentwurf zum Schutz der Arbeitswilligen bi» jetzt dem Bundesrath nicht zugegangen ist.
Berlin. 25. November. Da» Staatsministerin« trat heute Nachmittag 3 Uhr wieder zu einer Sitzung zu- samwen.
Berlin, 25. November. Der tnr Krankenhaus zu Zeitz noch immer schwer krank darntederltegende Raubmörder Wegener hat jetzt endlich in seiner GewiffenSangst seiner Wärterin, der Schwester Thusnelda, erzählt, daß er einen Mord begangen habe. Besonders wichtig an diesem Geständ- aiß ist seine Mittheilung, daß er den Mord nicht allein, sondern mit noch eine« Anderen vollführte. Den Mitthäter hat er bi» jetzt nicht genannt, von dem etngetrcffenen Ge- fangenwärter de» FnhlSbütteler Zuchthauses ist Wegener durch eine Glasthüre genau wieder erkannt worden, so daß dadurch jeder Zwrtiel an seiner Identität arSaeichloffen ist.
Mullah.
Pari», 25. November. Nach der Dreyfus-Angelegenheit lommt jetzt diePicquart-Sache an die Reihe. Die all
gemeine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Thatsache, daß der Militärgouverneur von Paris, General Znrlinden beschlossen hat, den Obcrstlieutenant Picquart vor ein Kriegsgericht zu stellen, das am 12. Dezember zusammentreten wird. Die Anklage gegen Picquart lautet auf Fälschung, Gebrauch einer Fälschung und Mittheilung von geheimen Schriftstücken, welche die äußere Sicherheit des Staates betreffen, an Unberechtigte. Die Fälschung und der Gebrauch der Fälschung bezieht sich auf das vielgenannte „petit bleu“, die Rohrpostkarte, die an sich einen unverfänglichen Inhalt hatte, aber durch den Umstand auffällig wurde, daß sie vom Obersten von Schwartzkoppen an Esterhazy gerichtet war. Es ist dies bekanntlich das Schriftstück, das dem Oberstlieutenant Picquart, als er Chef des Nachrichtenbureaus war, in die Hände siel und ihn auf die Spur Esterhazys brachte. Die Rohrpostkarte bildet also den Anstoß und die Unterlage der angestrebten Rettung des Dreyfus. Nun soll sie gefälscht fein, d. h. Picquart soll sie zu dem Zwecke, Dreyfus zu retten, gefälscht haben. Der Gcneralstab kann nicht mehr verhindern, daß die Dreyfussache in einen neuen Abschnitt gelangt, dafür will er sich an Picquart schadlos halten. Ucbrigens ist Picquart wegen jener Dinge außer dem „Petit bleu" bereits disziplinarisch aus der Armee entlasten worden. — Die Dreyfusfreundlichen Blätter „Aurore", „Petite Mpublique", „Si^cle" und andere greifen den Kriegsminifter Freycinet auf das Schärfste an, weil er die Verfolgung Picquarts zugegeben, die verbrecherisch sei. Dieselben Blätter veröffentlichen einen von Senatoren, Gelehrten, Künstlern und Schriftstellern unterzeichneten Einspruch gegen die Verfolgung Picquarts. Uebrigens sieht der zur Dreyfus-Presse gehörende „Matin" die Möglichkeit eines Zusammenstoßes zwischen dem Castationshof und der Militärjustiz voraus, denn der erstere habe die Akten, betreffend das „Petit bleu" verlangt, die Militärbehörde aber erklärt, die Akten erst nach Aburtheilung Picquarts herausgeben zu können. Ucber die Picquart-Sache uns zu erhitzen, liegt für uns Deutsche ebenso wenig Veranlastung vor, wie bei der Entwicklung der Dreyfus-Angelegenheit.
Locales und provinzielle».
Gießen, den 26. November 1898.
’* Die Fahneastctiou bei Kriegervereivl Gießen hat bei der Enthüllunglteterlichktit btß Denkmals unsere» tochseltgen GrohherzogS Ludwig ZV. in Darmstadt einen Kranz mir entsprechender Aufschrift am Drukmal niedergelegt.
•• Auszeichnung. Eisenbchvsecretär Zinßer in Frankfurt a. M., früher Vorstand de» Revisorat» der Großherzogl. Dhrection der Oderhrsstschrn Eisenbahnen ist zum Rechnung!- rath ernannt worden.
E. V. Hauptversammlung bei Lberhesfischen Geschichte verein». Vergangenen Donnerslag fand hier im Cafe Ebel die von den Mitgliedern und Freunden deS Vereins sehr gut besuchte erste Hauptversammlung deS „Oberhessischen Geschichts- Vereins" statt. Nach Verlesung deS Rechenschaftsberichtes wurde dem Rechner Entlastung ertheilt und den mit dem Rechnungswesen betrauten Mitgliedern der Dank deS Vereins für ihre Mühewaltung ausgedrückt. Der Vorsitzende, Herr Profestor Höhlbaum, bemerkte dabei, daß, wenn auch die Finanzlage deS Verein» nicht eine ungünstige zu nennen fei, es doch immer schwieriger werde, den stets wachsenden Anforderungen an die Vereinskaste Rechnung zu tragen und daß deshalb eine weitere Vermehrung der Einnahmen dringend wünschenswerth sei. Auf Antrag des Vorstandes beschloß sodann die Versammlung einstimmig, den eifrigen Förderer deS Vereins, Herrn Geheimerath Freiherrn von Gagern, zum Dank für seine großen Verdienste, die er sich während seines hiesigen Aufenthaltes um den Verein erworben habe, zum Ehrenmitglied zu ernennen. Mit der Wiederwahl des bisherigen Vorstandes, die gleichfalls einstimmig erfolgte, endete der geschäftliche Theil der Sitzung. — Herr Profestor Gundermann berichtete nun über die Ergebnisse der Ausgrabung, die der Geschichtsverein „am Eulenkopf* unter Leitung dreier seiner Mitglieder in voriger Woche hat vornehmen lassen. Es wurde eine» der zahlreichen Gräber, die auf dem „schönsten Exercierplatz Deutschlands" sich befinden, geöffnet und dabei außer einem Beil aus der Steinzeit, das nur zufällig an diese Stätte zu liegen gekommen war, eine sehr schöne Metallpincette mit wunderbarer Patina gefunden, außerdem Stücke eines alten Thongefäßes. Man glaubte auch eine Urne gefunden zu haben,- als sich jedoch am folgenden Tage die daran lagernden Erbstücke gelöst hatten, sah man, daß es ein Menschenschädel war, den man dem Grab entnommen hatte. Wenn sonach auch die
Ausbeute an Fundgegenftanden nicht eben groß gewesen ist, so wurde doch die angewandte Mühe reich belohnt durch die Ergebnisse über die Art der Bestattung, auf die der Vortragende genauer einging. Auf Grund deS Fehlen» einer Urne eine sog. Skelettbeftattung anzunehmen, verbot außer anderen Gründen namentlich die Auffindung von Kohlen- theilchen. Deren relativ geringe Menge wiederum führte zu dem Schluß, daß die Verbrennung der Leiche außerhalb de» Grabes stattgefunden haben müsse. Besondere» Interesse erregte sodann ein Kranz kleiner Steinchen, den man ring» um das Grab gelegt fand, wohl, wie man vermnthen darf, in dem Aberglauben, dadurch die Ruhe de» Tobten vor der Macht feindlicher Dämonen zu schützen. Nach einem Hinweis darauf, daß die große Zahl der uralten Grabstätten au» der Hallstadtzeit (800—400 vor Ehristu») in der Nähe unserer Vaterstadt Zeugniß dafür ablegten, daß die Umgebung Gießen- schön in sehr früher Zeit von Bedeutung gewesen ist, schloß der Redner seine von lebhaftem Interesse begleiteten Ausführungen mit einem auch vom Vorsitzenden unterstützte« warmen Appell an die Versammlung, nach Kräften dazu beizuttagen, daß eS dem Verein ermöglicht werde, die für die Bereicherung unserer Kenntnisse über die ältesten Zeiten so werthvollen Ausgrabungen auf dem Eulenkopf baldigst noch fortzusetzen, damit die gefundenen Schätze im Museum deS Vereins sämmtlich vereint ihren wissenschaftlichen Zweck auch erfüllen könnten. — ES folgte der Vortrag von Herr« Professor Karl Wenck aus Marburg über den historischen Kern der Elisabeth-Legende. Der Vortragende wie» hin auf die für moderne Anschauung schwer verständliche Eigenart Elisabeths, die auch mit der weltfreudigen Lust des Thüringer HofeS unter Landgraf Hermann, an dem Elisabeth aufwuchs, in schroffem Gegensatz stehe. Ein allgemeiner Umschwung der GeifteSrichtung bereitete sich in Elisabeth» Kindheit vor. Elisabeth selbst aber erhielt die Richtung ihre» Leben» durch trübe Erfahrungen: sie sah den Landgrafen Hermann am Ende feine» in überschäumender Lust und Verschwendung verlaufenen Lebens dem geistigen Tod, de« Wahnsinn verfallen, sie verlor ihre Mutter durch die Mörderhand ungarischer Magnaten, welche sich gegen die Verschwendung deS ungarischen KönigSpaare» auflehnten. Und nun traten die franziskanischen Lehren an Elisabeth heran mit ihrem Verzicht auf allen weltlichen Besitz zu Gunsten der Armen, aber auch mit der wahren Lrbeus- freube in der sorglosen Arwuth. Konrad von Marburg, der an die Stelle eine» Franz skanischen Beichtvater» bei Elisabeth trat, hatte keine leichte Aufgabe, indem er El sadelh bei der Verfolgung der Franziskanischen Ideale bi» zum Aeußersten mäßigen wußte. Der große Eindruck von Elisabeth» Persönlichkeit beruhte darauf, daß zum erste« Male eine hohe Fürstin fich der Pflege der Armen, Kranken und Schwachen in selbstverleugnender Liebe widmete, und ferner auf der reinen (Bettcoltebe, die sie «it Landgraf Ludwig verband, im Gegensatz zu der 2tebe»iäabelet der höfi chen Kreise. — Lebhafter Beifall lohnte den Redner für feinen lehrreichen Vortrag, worauf ihm der Vorsitzende noch in warmen Worten den Dank der Versawwlung aussprach. In der Debatte, an der fich die Herren LaodgerichtSrath Dr. Mödiu», Oberbibliothekar Pro!. Haupt, Prof. Strack und der Schriftführer de» verein» Dr. Dieterich beteiligten, ergr-ff Herr Prof. Wenck noch einige Male die Gelegenheit, in verschiedenen Purkien seine Ausführungen in danken»- werihester Weife zu ergänzen. — Bevor der Borfitzende die Versammlung schloß, konnte er zur allgemeinen Freude noch «tttheilen, daß eine sosoit ungefüllte Sammlung zu Gunsten weiterer Ausgrabungen auf dem Eulenkopf die stattliche Summe von über 70 Mk. ergeben habe. — Möge die» günstige Resultat ein gute» Borz-ichen (etn für da! neue vereiosjahr l
Anmerkung der Redaction. Wer etwa noch mit einem Beitrag fich bet den wahrscheinlich schon in der nächsten Woche statt- finbenben Aukgrabunaen zu betheiligen wünscht, möge ihn In der Expedition ds. Bl. ober bei einem der mit der Leitung betreuten Vorstandsmitglieder, Hauptmann a. D. Kramer, Frankfurterstraße 4, Prof. Dr. Gundermann, Wilhelmstratze 9, und PrivatdoceM Dr. Dieterich, Ludwigstraße 12, etnlietern.
•• Zu dem Bericht übet die Stuetalbetfauunlnng de» Detaillisten Verein! tu vor. Rammet lassen wir noch nachstehende Ergänzung folgen: Der Vorfitzeude, Herr Balser bemerkt nach Schluß seine» Geschäftsberichte»: Unsere Verenigung besteht jetzt 2 Jahre, und hat fich nach allen Seit« hin eine achtbare Stellung erworben^ wir können heute stolz sein und behaupten: Der Detaillisten-Verein hat fich für die Gießener Geschäftsleute unentbehrlich gemacht. Ich erinnere Sie au die AalfÜhruugen des Herrn Dr. Gu-fleisch bezüglich der Selbsthülfe, daß geradezu das Gesetz, bett, die unlauter« Wettbewerbe, darauf zugeschnitten ist, daß nur Vereine die


