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Nr. 200 Erstes Blatt. Samstag dcn 27. August
1898
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Deutscher Reich.
Berlin, 25. August. Ortentretse de- Kaiser». Die Zusammensetzung de» sür die Palästtnafahrt zu bildenden Katsergeschwader» ist jttzt bestimmt. Die Flottille, die am 12. October mit dem Kaiserpaar aa Bord vou Beuedig au» dtm Otieut zusteuert, wird au» der Kaiseryacht „Hohen- zollern*, Cornrnandant Contreadmtral Freiherr v. Beben» Hausen, dem großen Kreuzer „Hertha*, Lorvetteneooiiäo o. Usedom, und dem Aviso »Heia", Corvettencapitän Rawpold, gebildet. Sämrntliche Schiffe find Musterleistungen deutscher Schiffebaukunst. Sie zeichnen fich sowohl durch Stattlichk-.it sind Eleganz, wie durch große Fahrgeschwindigkeit und Manöorirsähigkeit au». Alle erhalten einen glänzend weißen Anstrich, wodurch da» Aeußere drö Geschwader» wesentlich on Retz und Ansehen gewtnnt. Die „Hohenzollrrn* läuft 22, die „Hela* 23 und die „Hertha* 19 Seemeilen in der Stunde. Die Kaiierhacht hat eine Besatzung von 308 Mann unb einen Raum i halt von 4100 Tonnen bet einer Maschinen- leistung von 9000 Pserdektäften. Die „Hertha* ist mit 439 Mann besetzt, faßt 5600 Tonnen und hat Maschinen mit 10 000 Pfereekräften. Die „Hela* weist eine Besatzung ton 178 Mann, einen Raumg-halr von 2000 Tonnen uns Eine Maschinenleistung von 6000 Pserdekräftrn auf. Da» größte Sch'ff, der Dretschranbenkreuzrr „Hertha*, hat die rreitau» stärkste Artillerie, Panzerdeck, Panzerdrrhthürwc und Prnzercascmatten. Die Armicung umfaßt nicht weniger al» BO Schnrllfenergeschütze, darunter zwei 21» und acht 15«Str-t meter-Schnelllade-Knaonen. Die Geschützbewaffnung der ,5)610* setzt fich au» vier 8,8 und sechs 5-Centiweter- Schnellfeuer Geschützen zusammen, wänrrnd da» Prunks ff ^Hohenzollern" nur sechs leichte Geschütze führt. JnSgrsammt hat die Kaiierflotttlle eine Besatzung von 925 Mann.
— Zur Gewehr frag e schreibt „Mil.Pol. Corr.*: Anter den Stichworten: „Neue- Infanterie-Gewehr* ist In den letzten Tagen die Mittheilung einer hteflgen Correspon- drnz in die Zeitungen übergegangen, wonach Mitte der vorigen Woche vor Offizieren der Gewehr-Plüfungscommtsfion ein Versuchsschießen mit einem in Ausficht genommenen neuen Znfantertegewehr stattgrfunden habe. ES ist ferner mit» getheilt worden, daß das neu etnzuführeude Jnfanteriegewehr i n noch kleineres Ealiber al» da» jetzige Gewehr (Modell 88) habe und die Proben mit diesem Gewehr mit Erfolg auf Distanzen über 2000 Meter ausgedehnt seien. Demgegen» tber bemerken wir, daß diese Meldung den Thatsachen nicht Entspricht. An dem genannten Tage hat In Tegel ein Versuchsschießen mit kleinkalibrigen Gewehren überhaupt nicht stattgesunden, und dürften wir auch darin recht behalten, daß taS im Jahre 1888 zur Einführung gelangte Infanterie- Gewehr Modell 88, was das Ealtber anbetrifft, auch den heutigen und zukünftigen Anforderungen an eine moderne Kriegswaffe noch vollauf genügt, und deshalb in unserer Armee auch fernerhin beibehalten werden dürfte. In unserem Nachbarstaat Oesterreich-Ungarn, wo jetzt ein leichteres und auch sonst mannigfach abgeanderteS Infanterie-Gewehr zur Einführung gelangt, ist daS gleiche Caliber ebenfalls bei» behalten worden. Man ersteht aus alledem, daß rS nicht unberechtigt war, al» wir schon vor mehr als Jahresfrist der Beibehaltung des 8 Millimeter-EaliberS das Wort redeten und vor Uebereilnug der E nführung des ,kleinsten* Gewehr» caliberS warnten.
— Die Vertiefung der Weser bi» Bremen
hinauf, wodurch r» Schiffen bi» zu fünf Meter Tiefgang ermöglicht ist, an die Stadt selber zu gelangen, hat dem unmittelbaren Seeverkehr Bremens einen großen Aufschwung verschafft. Gerüchtweise verlautet nun, der bremische Staat beabsichtige eine weitere Vertiefung de» Strome», um noch größeren Schiffen da» Anlaufen Bremen» zu ermöglichen. — In Bremerhafen, dem in diesem Falle auf» Neue ein Theil seine» Verkehrs an großen Seeschiffen würde entzogen werden, erregt da» erwähnte Gerücht einige Besorgriß.
— Die 26. Versammlung de» Verein» deutscher Forstmänner wurde am Mittwoch im Londeshau» zu Bre»lau durch den Landforstmeister Dr. Danckelmann- EberSwalde eröffnet Zum Vorsitzenden wurde Gehetmrath v. Ganghofer-München gewählt. Namen» de» Landwtrth- schäft»-Ministeriums begrüßte Laudforftmetster Wächter- Berlin die Versammlung.
— Die in Köln tagende Haupt-Versammlung der Deutschen ApothekervereinS beschloß, als vornehmste Aufgabe de» Verein» die Errichtung einer au» Apothekern bestehenden StandeSvertretung unter Beseitigung der Beauffichtiguug durch die beamteten Aerzte zu betrachten.
— In einer Versammlung tu Wiesbaden ist die Frage einer deutsch-nationalen BiSmarck-Ehruug erörtert worden. Die gedachte Ehrung soll nicht ein Werk der Kunst sein, sondern eine Stiftung, geheißen „Bismarck-Stiftung*, die national sein und der allgemeinen Wohlfahrt dienen und dauern solle bi» in die fernsten Zeiten. Nach längerer Debatte nahm die Versammlung einen Antrag Bojanowtki an: Die Versammlung wolle beschließen, eS solle von hier aus überall, wo Deutsche wohnen, die Bildung von Aus» schüffen zur Veranstaltung einer nationalen Ehrung für den Fürsten Otto von Bismarck angeregt werden. Sodann wurde ein gefchäftsführende» Comiis gewählt, welch:» demnächst einer neu einzuberufenden Versammlung einen allgemeinen Aufruf vorlegen und die übrigen Vorarbeiten in Angriff nehmen soll.
— Zur Samoafrage. Die „Mar.-Polit. Corr." schreibt in Hinblick auf die Abficht der vereinigten Staaten von Nordamerika, auf der östlichen der drei großen Samoainseln, Tutuila, in Pago Pago eine Flottenstation zu errichten, der damit zusammenhängende poltitische und wirth» schaftliche Nachtheil für die die fremden überragenden deutschen Jntereffeu könnte nur ausgeglichen werden, wenn eine Theilung der Inselgruppe unter dir drei Vertragsmächte Deutschland, England und Union stattfände. Dieser Gedanke set schon wiederholt in colonialen und wirthschaftspolitilchen Kreisen zur Sprache gebracht worden- zu keiner Zeit je zuvor habe jedoch ein Hinweis darauf eine so unmittelbare Berechtigung gehabt, wie gegenwärtig. Wenn England die größte Insel der Gruppe, Sawaii, Amerika d'e Insel Tutuila mit seiner Flottenstation Pago-Pago und Deutschland die Insel Upolu erhielte, so würde dies einerseits den thatsächlichen Eigen- tbumSverhältniffen am meisten entsprechen, denn die Insel Upolu ist zum überwiegenden Theil bereit» deutscher Privatbesitz- andererseiis würde durch eine solche Gebietsabgrenzung der Möglichkeit vorgebengt, daß durch die überragende Stellung der Union in Folge ihrer Flottenstation Confl cte entstehen, bei denen fie von vornheie u tu Bezug auf ihre Machtentfaltung an Ort und Stelle da» politische Ueber» gewicht in der ungeth'ilteu Inselgruppe auf ihrer Seite haben würde. Um solche Confliete nach Möglichkeit zu vermeiden, erscheine eine politische Theilung der Inselgruppe der einzig gangbare Weg.
Breslau, 25. August. Die 2 6. Versammlung deutscher Forstmänner nahm, wie der „Bresl. General» Anzeiger* meldet, einen Antrag de» Oberforstmeister» Ney au» Metz an, wonach eine Vereinigung der Versammlung deutscher Forstmänner mit dem deutschen ReichSforst-verein erwünscht ist. E ne Commission wurde mit den nöthigen Vorarbeiten beauftragt. Al» Bersammlung»ort für 1899 wurde Schwerin gewählt und für 1900 Eisenach oder Trier in AnSsicht genommen.
AusUrud.
Wien, 25. August. Nach der tropischen Hitze der letzten Tage ist heute tn ganz Oesterreich Regenwetter ein» getreten.
Fiume, 25. August. Hier ist ein französischer Martne-Offizier eiugrtroffru behuf» größerer Torpedo- Bestellungen für die französische Marine.
Budapest, 25. August. Die AuSgleichS-Conf erenz wird spätestens morgen Vorm trag beendet werden. D'e
österreichischen Minister kehren morgen Abend nach Wien zurück, auch Baron vanffy wird fich nach Wien begeben, nm dem Kaiser Bericht zu erstatten.
Turin, 25. August. Die unter dem Borfitz de» König» hier ftattgehabte Sonferenz hat beschloffen, die militärische Occupation deS erhthräischen Hochlande» aufrecht zu erhalten.
Paris, 25. August. In einem hiefigen Stahlwerke, welche» 2000 Arbeiter beschäftigt, ereignete sich gestern ehe furchtbare» Unglück, indem ein mit glühendem Stahl angesüllter Behälter umstürzte. Sech» Personen wurden dadurch getödtet, vier schwer verwundet.
Pari», 25. August. „Gaulot»* meint, General Pelleux habe fich gestern vor dem Untersuchungsrichter gegen Esterhazy besonder» scharf geäußert, ohne jedoch da» Bordereau zu erwähnen. Gerüchtweise verlautet, Esterhazy werde mit schlichtem Abschied eutlaffen werden, aber da» Kreuz der Ehrenlegion behalten.
Pari», 25. August. Gegen seine sonstige Gewohnheit verhält fich Präsident Faure während der die»jährigen Parlamentsferien sehr zurückhaltend und verbleibt meist ia seiner Villa bei Havre. Der monarchistische „GauloiS* erklärt diese Zurückhaltung auf folgende Weise: Al» Felix Faure ein gemäßigte» Ministerium hatte, erwies ihm diele» größere Ehrerbietung und fand nichts dagegen einzuwenden, daß der Präsident fich in den Vordergrund stellte. Da» radicale Cabinet hingegen, an deffen Spitze Briffon, fein erfolgloser Mitbewerber bei der Präsidentenwahl auf de« Versailler Cougreffe, steht, gönnt dem Staatschef weniger Freiheit, und Felix Faure fürchtet sich während der Ferien vor dem Ministerium, wie er fich zur Zeit der Tagung vor dem Parlamente fürchtete. Darum, meint der „Gauloi»*, hört man nichts von dem Staatschef, und mau wird ihn bald „Papa Faure* nennen, wie man einst „Papa Grevh* zu sagen pflegte.
— Militärische» auSFrankreich undJtalien- Da» „Echo de Paris", daS Organ de» französischen General- stabe», kündigt eine Untersuchung über den Uebungs» marsch an, der am Freitag Abend in Nancy zu einer vollständigen Auflösung des .79. Linien-Regiment» geführt hat. Da» „Echo de Paris* berichtet über den Vorfall de» Weiteren, daß der Regimentscommaudeur absichtlich einen Theil de» Marsches, der Nachts um 1 Uhr begonnen worden war, btt brennendster MittagShitze fortfetzte. Hierbei hat dvS Regiment 400 Menschen liegen lassen. Zwei Stunden lang soll der Oberst hinter dem Regiment geritten sein, jeden Zurück- bleibenden mit den schwersten Strafen bedrohend. Aber menschliche Kräfte haben auch ihre Grenze, und endlich war diese auch für die Soldaten des unglücklichen Regiments er» reicht. Drr Oberst sah sich im Hinblick auf die Verwünschungen, die seine Soldaten ihm gegenüber auSstirßeu, veranlaßt, fich zurückzuziehen. Vergeben» suchte der Oberstabsarzt — der einzige Arzt für daS ganze Regiment — feine Dienste den in den Straßengräben und nächstgelegenen Häusern zerstreuten Kranken zu widmen. Zweimal verließen sogar den Arzt die Kräfte, und er wurde ohnmächtig. Er mußte nach und nach vierzig Wagen herbeischaffen, um Hunderte von Kranken auf ihnen zu sammeln. — Die Nachricht von diesem Ereigniß hat begreiflicher Weise zunächst in Naocy den peinlichsten Eindruck hervorgerufen. In der Stadt verbreitete sich schnell dar Gerücht, daß ganze Compagnien ihren Offizieren den Gehorsam verweigert hätten. Der General Forget al» Brigade-Commandeur und der DivifionS General de Cornulier» Luciniöre sollen sich sofort nach den betreffenden Quartieren begeben und eine zwei» bezw. dreitägige vollständige Ruhe für daS Regiment angeordnet haben. Wenn der Vorfall wirklich sich so zugetragen hat, wie die obengenannte Zeitung berichtet, dann glauben wir gern auch ihre weitere Mit» theilung, daß der Commandeur des Regiment» verhaftet ist. Da» Journal spricht die Hoffnung au», daß auch über zahlreiche au» anderen CorpS gemeldete Unglücksfälle Untersuchungen eingeleitet find und e» ermahnt im Hinblick auf die kurz bevorstehende Einberufung der Reservisten zur gewiffen- hasten Beachtung aller ministeriellen Vorschriften über die besonderen Pflichten der Commandeure während der heißen Jahre»zeit.
London, 25. August. Die Vereinigten Staaten werden, nach einer Meldung au» Washington, nur die Abtretung de» Hafen» und der Stadt Manila fordern. Bon den übrigen Theilen der Philippinen werden die Amerikaner besondere Handel»vortheile von den Spaniern fordern.
Madrid, 25. August. Man verdammt hier allgemein die Haltung der Carlisten, welche sich unter falsche«


