Ausgabe 
27.5.1898 Erstes Blatt
 
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«r. <22 Grftcs Blatt. M-itag den 27. Mai

3808

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Vom spanisch amerikanischen Kriege.

Weun man den vom westindischen Kriegsschauplätze kommenden Meldungen Glauben schenken wollte, so wüßte die Entscheidungsschlacht zur Tee längst staitgefuvdeu haben. ^Heute oder morgen wird eine Schlacht erwartet," so lautet eine säst täglich wtederkehreude Meldung, und der Gehörsinn der Bewohner der den Antillen bezw. der uordamerikantschen Küste benachbarten Inseln muß besonders geschärft sein, da fie immer Kanonendonuer hören, obgleich nirgends Schüsse gelüst find.

Der Krieg in seinem bisherigen verlaufe hat übrigens eine ganze Reihe von intereffanten Umständen zu Tage ge­fördert. Da tritt z. B. recht grell in die Erscheinung die heillose Wirthfchaft innerhalb der amerikanischen Krieg-Ver­waltung. Hörte man die Uaukees noch vor einigen Wochen sprechen oder la» mau ihre Presse, so war bei thneo bezüg­lich der militärischen Ausrüstung Alle» wohl bestellt, und t» konnte gar nicht fehlen, daß die spanische Flotte sowohl wie auch die spanische Landmacht von den Amerikanern schier erdrückt werden würde. Tine Million Soldaten wollte mau mindestens auf die Beine bringen, da e» ja an Mitteln nicht fehlte. Aber diese letzten Wochen haben gezeigt, daß e» der volle Geldsack allein nicht thut, daß ganz andere Faktoren mitsprecheu bei Aufstellung einer kriegStüchtigen Armee.

An der Million fehlen voch viele, viele Soldaten- eS hält sogar sehr schwer, die paar Huuderttausevde auf die Beine zu bringen, welche unumgänglich uothwendig find für eine Occupation der Auttllen und der Philippinen. Und auS welchen Elementen besteht denn heute die stolze amertkanische Armee? Zumeist ist es hergelaufenes Gefindel, von den Straßen ausgelesen, mit trübster Bergaugeuheit, ohne Begeisterung für die Sache, nur um den Dollar dienend, den ihnen die Regierung zahlt. Manneszucht ist dieser Armee" ein unbekannter Begriff, was die vielen Aus­schreitungen beweisen, welche tu den Lagern Vorkommen. Daneben scheint auch die amerikanische Heeresverwaltung wunderbare Anschauungen gehabt zu haben über das, wa» zu einem Kriege vöthtg ist. Die Berproviantirung der zu- sawmengezogeneu Massen macht schon jetzt Schwierigkeiten und läßt Alle» zu wünschen übrig- außerdem ist für genügende Bekleidung der Mannschaften nur wenig gesorgt. Wie e» mit den Lommaudostellen auSfieht, wird man daran ermesien können, daß die Osfizterchargeu nicht nach Verdienst und Brauchbarkeit besetzt, sondern an Mitglieder reicher und an­gesehener Familien vergeben werden.

Bisher ist eine Entscheidung noch nicht gefallen, und wir wollen deshalb mit einem Urthetl über da» spanische Kriegs­material noch zurückhalten. Auch auf dieser Sette mag viel gesündigt uud manche» versäumt worden sein- aber das wäre immerhin zu verzeihen, umsomehr als Spanien in keiner Weise provocireud aufgetreten ist und nicht in das große Horn gestoßen hat. Noch konnte es aber jeden Angriff der Amerikaner auf Cuba zurückweisen und auch verhindern, daß die Landung auf den Philippinen erfolgte. Das ist immer­hin ein nicht zu unterschätzender Erfolg, der den Spaniern uoch einige AuSficht giebt, mit allen Ehren aus dem ihnen aufgedrungeneu Kampfe hervorzugehen. (xx)

Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 25. Mai 1898.

Die Sitzung beginnt um 10 Uhr. Die Tribünen find von der Beamtenschaft des Landes dicht besetzt.

Nach Verkündigung neuer Einläufe de» ersten Ausschüsse» fragt Adg. Reinhardt nach dem Stand seiner Inter­pellation über die von der Stadt Mannheim geplante Ab­führung der Fäcalien tu den Rhein. Der Ttn- fpruchtermiu sei von Baden auf den Monat Juli festgesetzt. Die Sache sei eilig uud er bitte die Regierung um möglichste Beschleunigung der für die gelammte Rheioproviuz so wich­tigen Angelegenheit. StaatSmiuister Finger erwidert, die Regierung werde thun, was möglich sei, um die Gefahr der Verseuchung unseres schönsten deutschen Stromes abzu- wendeu. Die bestehende Rhein-Comwisfiou sei aber nicht die entscheidende Behörde, fie sei nur ihr Gutachten abzugebeu aufgefordert worden. Er könne nur rathen, daß die Stadt Worms alle gesetzlichen Mittel auwenden möge, um beim Bezirk-rath durchzudringen. Genüge dieses nicht, dann sei da» RetchSgesuudheitSamt aozurufeu. Abg. Hirsch be- stätigt die AuSsühruugeu de» Abg. Reinhardt und bittet ebenfalls die Regierung, den Rhein gegen die drohende Ver­seuchung zu schützen.

DaS Hau» tritt hierauf in die Berathuug de» Be- amten-BesolduugSgesetze». StaatSmintster Finger erklärt, er werde zu dem Gesetz selbst nicht viele Worte machen, denn e» wäre eine Versündigung, wolle er an dem Wohlwollen, da» die Kammer den Beamten de» Lande» rntgegenbringe, zweifeln. Die Kammer sei es gewesen, welche den Gesetzentwurf eivgcbracht und befürwortet habe. Die Regierung habe wegen finanzieller Schwierigkeiten daS Gesetz nicht früher vorlegen können, da mit dem Vorrücken im Altersverhältniß auch eine Gehaltsaufbesserung stattfiudeu mußte. Er ersucht die Kammer, möglichst einstimmig den Beamten de» Landes da» zu bewilligen, wonach diese sich schon längst sehnen. Dem Finanzausschuß uud seinem Be­richterstatter gebühre Dank für die rasche und vorzügliche Erledigung de» Gesetze», uud die Kammer möge durch An­nahme de» Gesetzes sich die ewige Dankbarkeit der Beamten sichern. Nach Eintritt in die Generaldebatte ergreift Abg. Schmitt da» Wort. Er freue sich, daß endlich der Tag gekommen sei, wo ein für unseren Beamtenstaud so wichtige» und lauge ersehnte» Gesetz seiner Erledigung ent- gegeugesührt werde. Um jedoch die uöthigen Mittel zur Durchführung de» Gesetzrs zu beschaffen, müffe außer der Steuer-Reform endlich auch die Einführung der Klaffen- Lotterie geregelt werden. Der Herr Finanzminister möge doch seinen Widerstand in dieser Beziehung aufgeben. An den Aufbesserungen der hohen Gehalte zu streichen, hält er für ein dtrecteS Unrecht, nachdem die unteren Gehalte in angemessener Weise aufgebeffert worden seien. Auch die Frage de» WohnungKgeldzuschusseS müffe geregelt werden, und die Nebeugebühreubezüge der Beamten müßten in Wegfall kommen, eventuell von der StaatSkaffe vereioahmt werden. Es sei dahin zu streben, daß diese von ihm angeführten Gesichtspunkte uoch geregelt würden. Abg. David ist ebenfalls kein Gegner der Besolduug»- ordnuog, glaubt aber, daß die Regierung mit der GehaltS- scala nicht da» richtige Maß getroffen hat. Die Unzufrieden­heit sei bei den Beamte« uoch nicht geschwunden. Abg. Schröder ist ebenfalls für da» Besoldungsgesetz, kann sich aber für eine Aufbesserung der hohen uud höchsten Gehalte nicht so aussprechen, wie die» von der Regierung geplant ist. Diese Art der Aufbesserung scheine ihm sehr bedenklich und die Frage der FuvcttooSzulage der hohen Beamten, welche Bezüge von 300 bis 1200 Mk. hätten, müsse geregelt werden. Ganz besonders aber die WohnuagSgeldfrage lasse eine baldige Regelung wünschenSwerth erscheinen. Bei vielen Beamten sei die Dtenstfreudigkeit geschwunden, uud unter den Augen der Regierung werde sehr häufig von hohen und niederen Be­amten gegen die Einhaltung der Dienststunden verstoßen, so daß hier Abhilfe geschaffen werden müffe. Die schon heute wieder ausgetretene Agitation einzelner Beamtenkaregorien gegen die vorliegende Besolduugsordnung beweise, daß nicht alle Wünsche Brsriedigung gesunden. Mit der Aufbefferuug der 20 ältesten Richter um 500 Mk. sei er einverstanden, glaube aber, daß die» der Nagel sei, au den später eine ganze Reihe von Wünschen au» Beamtenkreiseu gehängt werden. Abg. Joutz betont, die jetzige Vorlage sei wohl die wichtigste, die dem Hause vorgelegt worden sei. Aus diesem Grunde sei e» auch bedauerlich, daß man da» ganze Gesetz in Bausch und Bogen durchberathen wolle. Daß die Regierung daS Besoldungsgesetz jetzt vor den Wahlen durchzudrücken suche, werde im Lande, und ganz besonders in den Kreisen de» Handwerks und der Landwtrthschast keine gute Stimmung Hervorrufen. Die oberen Stellen habe die Regierung natür­lich mehr begünstigt, wir die unteren. So betrage die Auf­besserung bet einzelnen Stellen 1500 uud 1700 Mk., während bet den Gensdarmen, Forstwarteu, Steueraufseheru usw. nur 100 Mk. al» Zulage vorgesehen seien. DaS könne daS HauS nicht gutheißen. Er verlange noch Regelung de» Steuer- Wesen», erst daun könne er für eine Aufbesserung fämmt- licher Gehalte etutreten. Abg. Metz-Gießen hätte ge­wünscht, daß die Regierung erst die kleinen Beamten auf- gebeffert hätte, uud nicht die hohen, wie die» der Fall sei. Es sei ja richtig, daß die Beamten in den Städten mehr Ausgaben Härten, wie die auf dem Laude, allein die Art der jetzigen GehaltSscala sei viel zu hoch. Er stellt einen An­trag in AuSficht, wonach die Beamten mit über 6000 Mk. Gehalt von der Aufbesserung ausgeschlossen werden, ferner soll die für die 20 ältesten Richter vorgesehene Zulage von 500 Mk. in Wegfall kommen.

Schluß der Sitzung um 1 Uhr.

Deotsch«» »«ich

Darmstadt, 25. Mai. Se. König!. Hoheit der Groß- Herzog ivohuten gestern der Befichtiguag deS 5. Großh. Jafanterie-Reglments Nr. 168 durch den cowmaodtreuden General auf dem Truppen UebungSplatz bei. Zu Ehren de» commandirenden Generals, General der Infanterie v. Wittich Exc., fand derDarmst. Ztg." zufolge Nachmittag» l*/a Uljr im Neuen Palai» Militärtafel statt, woran Se. König!. Hoheit der Großherzog und Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm theilnahmeu. Die Generale und RegimentScowmaudeure nebst Adjutanten hatten Einladungen erhalten- im Ganzen waren 22 Gedecke aufgelegt. Die Capelle deS 1. Großh Infanterie- Regiments Nr. 115 coocertirte während der Tafel.

Berlin,25. Mai. Der Kaiferpaar wird am 6. Juni in WilhelmShöbe eintreffen.#

Berlin, 25 Mai. Der Kaiser hat bet Empfang der Nachricht von dem Brandunglück auf der ZecheZollern" den HaudelSwintster beauftragt, allen Betheiligteu feine Thetluahme auSzufprechkN.

Berlin, 25. Mai. Der Kaiser empfing heute Mittag 1 Uhr deu neuernannten japanischen Gesandten tu besonderer Audienz zur Entgegennahme seine» Beglaubigungs­schreiben» uud de» Abberusungsschretbeu» von dem bisherigen Gesandten.

Berlin, 25. Mai. Gouverneur Leutwein begab fich heute nach Hamburg, um mit dem morgen früh von dort abgehenden Dampfer auf seinen Posten nach Wtudhöck zurück- zukehren.

Berlin, 25. Mai. Ueber den Aufenthalt deS Prinzen Heinrich io Peking wird demLocal-Anzeiger" gemeldet, der Kaiser von China sei eigen» von seiner Sommer- refidenz nach Peking gekommen, um vom Prinzen Heinrich die Mittheilung entgegenzunehmen, daß ihm der Kaiser deu Schwarzen Adler-Orden verliehen habe. Prinz Heinrich wird iu den nächsten Tagen nach Tientsin Weiterreisen.

Berlin, 25. Mat. DerRetchSanzeiger" veröffeutltcht daS Gesetz vom 20. Mat 1898 betreffend dte Trwetterung und Vervollständigung deS Staatseisenbahn- netze» und dte Betheiliguug de» Staate» an dem Bau von Kleinbahnen.

Berlin, 25. Mai. Auf Befehl de» Kaiser» findet anläßlich de» Jubiläum» der Berliner Schutzmana­sch a ft am 13. Juni ein großer feierlicher Gottesdienst auf dem Schloßhofe statt, mit deffen Abhaltung der Garnison­pfarrer Goeu» beauftragt ist. Der Kaiser wird mit der Königlichen Familie dem Gottesdienst beiwohnen.

Berlin 25. Mai. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Der PariserMatin" hat dte Wirkung seiner Berichte über deu jüngsten Aufenthalt de» Kaiser» tu den Reichslandeu für dte französischen Leser dadurch erhöhen zu sollen geglaubt, daß er dieser Reise etueu militärischen Zweck beilegte. U. A. weiß da» Blatt eingehend über einen Vortrag zu berichten, den der Kaiser im Thale von Ma» Münster durch einen GeneralstabSofstzier über dte strategische Ber- werthuug diese» Gelände» in einem künftigen Feldzuge gegen Frankreich habe halten lassen. Wir finden e» nicht hübsch, daß derMatin" seine Phantafie zu Attentaten auf die Nerven der Pariser benutzt uud wollen zur Beruhigung mtt- theilen, daß der Kaiser bet dem Ausfluge tu da» Thal von MaS-Münster auch nicht von einem einzigen Generalstabs- osfizier begleitet war.

Berlin, 25. Mai. Wie wir hören, legt da» Auswärtige Amt Werth auf dte Feststellung, daß Deutschland entschieden Widerspruch erheben werde gegen eine Abtretung der Philippinen an Frankreich, Seiten» Spanten». Nach Ansicht der ReichSregterung würde eine Vertheilung der Philippinen au die in Frage kommenden Mächte vorzuzieheu fein. Deutschland» Handel»-Jvteressen stehen im Vorder­gründe. Dte vorjährige deutsche Einfuhr von den Phi­lippinen betrug fast eine Million Mark, die Ausfuhr dahin 3,1 Millionen Mark.

Berlin, 25. Mai. Betriebssicherheit der deut­schen Eisenbahnen. Vor einigen Monaten fand im RetchS-Etsenbahnamt eine Berathuug von Vertretern der meist betheiligten Bundesregierungen und der Militär- verwaltung über Maßregeln zur Erhöhung der Betriebssicher­heit auf den deutschen Eisenbahnen statt. DaS Ergebniß dieser Couferenz liegt nun in einer Denkschrift vor. In ihr wird vorgeschlagen, die Betriebsordnung für die Haupt­eifenbahnen Deutschlands, die Bestimmungen über dte Be­fähigung von Eiseubahn-BetriebSbeamteu, die Signalordnung, die Normen für den Bau uud die Ausrüstung der Haupt-