Ausgabe 
27.1.1898 Zweites Blatt
 
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1898

Donnerstag den 27. Januar

Zweites Blatt.

Anrtr- und Jlnjeiaeblatt für den Ureis Gietzen.

Gratisbeilage: Gießener Familienbütier

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Der Vorstand.

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Abends 8/i llf|j,

Redactton, Expedition und Druckerei:

Schnlstraße Ar. 7.

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Lchmittags 3 Uhr,

big, aste 30,

2. und 3. Feld, dar GeldauSgleichungsverzeichniß über den Zaviel- oder Zuwenig-Empfang au Geläodewerth im 3. Feld, daS Berzeichntß über die pro 1897 zu gewährenden Pachtentschädignngen im 2. Feld, das Berzeichntß über Entschädigungen für nachträg­lich abgetretene- Gelände zu Weganlagen rc., daS Berzeichniß über die in die BeretnigungSkasie zu leistenden Vergütungen für nachträglich zugefaileueS Gelände in Folge von Weganlagen rc.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgend en Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

nähme bedingt nur guthrißen, wenn die Regierung mit offenem Dtfir der Volksvertretung gegenüber steht, wenn ihre Maßnahmen keine Mißdeutung zulasten, dieselben vielmehr mit allem Vertrauen ausgenommen werden. DaS ist da- richtige Verhältniß zwiscben Volksvertretung und Regierung, wenn bei der Ersteren kein Mißtrauen gegenüber der Letz< teren aufkommen kann. Und die Ereignisse der jüngsten Zeit lasten die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß daS Ber« hältniß zwischen den beiden eben genannten Factoren auf dem Wege ist, ein immer beffrreS zu werden.

Der neue Leiter deö Auswärtigen Amts hat die Ver­handlung der Budgetcommiffion des Reichstags zum Anlaß genommen, über verfchiedene daS allgemeine Jvterrste in An­spruch nehmende Fragen der auswärtigen Politik eine amt­liche Aufklärung zu geben. Wir haben in verfchtedeneu Ar. tikeln bereit- auSgeführt, daß im letzten Sommer der euro- pätsche Friede durch die Verwickelungen im Orient mehrfach ernstlich in Frage gestellt worden war, daß es aller An­strengungen der Diplomaten bedurft hat, um ihn nicht zu gefährden, und daß Deutschland, wenn eS gelang, daS Ziel zu erreichen, wesentlich mit dazu beitrug, damit die Krieg«, fackel nicht entzündet wurde und der Friede den europäischen Eulturstaateu erhalten blieb. Wir waren in der Lage, als ehrliche Makler" dem FrtedeuSwerke unsere Dienste zu weihen, weil wir im Orient keine eigennützigen Intereffeu zu vertreten, weil wir nicht selbstsüchtige Zwecke zu verfolgen hatten. Dieser Erfolg unserer Politik hat unser Ansehen in hohem Grade zu festigen vermocht und trägt vielleicht nicht zum geringsten Theile dazu bet, daß wir jetzt unangefochten activ auf dem Gebiete der großen internationalen Politik »ns hervorwagen können, daß Reid und Mißgunst unS nicht- anzuhabeu vermögen. Jetzt erst bewährt sich die unS inne­wohnende Kraft, zu der auf den Schlachtfeldern Frankreich- der Grund gelegt oder die doch wenigstens dort gestählt worden ist. Ein Ausdruck dieser Krast ist eS auch, daß wir jetzt offen vor aller Welt unsere Abstchten und Pläne bar- legen können, daß wir unS mit denselben nicht mehr schüchtern zu verstecken brauchen.

Staatssecretär von Bülow sprach im Laufe der Com. miffiouSverhandlungen am Montag zuerst über die griechische Finanzfrage. Wir wiffen ja, daß Deutschland hieran leider sehr stark beiheiligt ist, indem viele Millionen deutschen Capital- in griechischen Werthen angelegt find, die schon feit

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.

Fernsprecher Nr. 51.

zur Einficht der Betheiligten offen.

Einwendungen hiergegen find bei Meldung de« Ans- fchluffeS innerhalb oben angegebener Frist bei Großh. Bürger- meisteret Staufenberg schriftlich einzureichen.

Friedberg, den 24. Januar 1898.

Der Großh. Beretnigung-.Comwifsär.

Dr. Göttelmann, Regierungsrath.

Deutscher Seich»

Berlin, 25. Januar. Anläßlich der Wiederkehr de- HochzeitStageS der Kaiserin Friedrich, welche sich gestern vor 40 Jahren mit dem damaligen Prinzen Friedrich Wilhelm vermählte, spendete da- Kaiserpaar der Kaiserin Friedrich ein prachtvolles Blumenarrangement.

Berlin, 25. Januar. Der König und die Königin von Sachsen sowie Prinz Friedrich August treffen morgen Abend

Die auswärtige Politik Deutschlands.

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Es stand zu erwarten, daß die ReichstagSverhandluogen Gelegenheit geben würden, über so manche- WisftnSwerthe mrS dem Gebiete unserer auswärtigen Politik Aufklärung zu verschaffen. Während früher dieser Gegenstand für die deutsche RetchSregierung ein Noli me tangere war, hat man in den letzten Jahren in dankevSwerther Weise begonnen, den deut­schen Volksvertretern über Ursache und Wirkungen der von der Regierung befolgten auswärtigen Politik Mittheilung zu machen, ohne daß eS vielfach einer Anregung dazu bedurfte. Und im Allgemeinen kann man es ja abgefthen von Fällen, in denen ein höheres StaatSintereffe nicht eine AuS.

Bezugspreis vierteljährlich *

2 Mart 20 Pfg.' monatlich 7b Pfg. mit Bringerloh».

Bei Postb^ng Mark 50 Ptz. ierteljährlich.

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einiger Zeit nur noch einen imaginären Befitz rrpräfenttren. Viele Verhandlungen find schon gepflogen werden, um die Gläubiger weuigsters einigermaßen sicher zu stellen, aber too nicht- ist, hat bekanntlich selbst der Kaiser sein Recht verloren." , Ä t _

Ja, wenn die Griechen ihre Schulden mit Korinthen be­zahlen könnten, dann wären sie fein heraus, denn von diesem Prokuct haben sie überreichlich, so daß sogar Gesetze gewacht werden, um die über den Bedarf htnausschießruden Mengen zu vernichten. Aber Geld? nein, daS kennen die griechischen Helden von heutzutage nicht.

Schon oft sind Verhandlungen zwischen den europäischen Gläubigern Griechenland« und der Athener Regierung geführt worden, aber sie haben keine Resultate erzielt. Jetzt ist Griechenland gelegentlich deS Abschluffes der Friedensver- handlungen, um ihm die Möglichkeit zur Bezahlung der KriegSentschSdioung zu gewähren, unter europäische Finanz- controle gest ür worden, was bekanntlich die Hellenen sehr wurmte, aber ihre Gläubiger mit der frohen Hoffnung erfüllte, daß es nun doch möglich sein würde, zum Gelde zu kommen, wenn in Athen eine durchaus vernünftige Finanzwtrthschaft eingesührt würde.

Staattsecretär v. Bülow ist vielleicht nicht allen ge­hegten Hoffnungen gerecht geworden, aber wir haben die Ueberzeugung, daß wir ihm vertrauen dürfen, wenn er ver­sprach, daß die Rechte der deutschen Gläubiger mit allem Nachdruck gewahrt werden würden, daß die Grundsätze von Treu und Glauben auch im öffentlichen Verkehr aufrecht er- halten werden müßten. Und auch wir find mit Herrn v. Bülow der Meinung, daß die europäische Finanzcontrole Griechenland Dir zum Segen gereichen kann.

Ueber die weiteren sehr bedeutsamen Erklärungen de« Staat«secretär« werden wir morgen weiter sprechen.

(xx)

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Ihr erstes Ballkleid.

Novellette von H. v. Schandow.

(Schluß.)

Die Gedanken de« Mädchen- wirbeln durcheinander. Sie finkt in Halbschlummer. Sterne fallen vorn Himmel und nmfunkeln sie, die im ersten Ballkleid dasteht, selig lächelnd unter den Blicken von zwei braunen Augen---

Mein Kleid, mein weiße« Kleid," murmelte sie, von einem Rauschen erweckt. Die Mutter steht vor ihr, mehrere EartonS in den Händen haltend.

Irene, Dein Kleid ist da!"

Das Mädchen fährt auf.

Mein Kleid!" ruft sie entzückt. Und dann öffnet sie den größten der Larton-.

Wie eS daliegt! Weiß wie frisch aufgesprungene Früh« UngSblÜthen und durchsichtig wie ein Hauch. ES scheint kein Gewicht zu haben und soll über feine, weiße Seide gelegt werden.!

Und hier ist der Kranz und die Schärpe, Liebling. Und da find Handschuhe und AtlaSstiefelcheu. Alle« weiß, weiß!"

Irene drückte die zierlichen Dinge an ihr Herz. Zwei klare Thränen perlten nieder auf den weichen Stoff, der wie leichte« Gewölk über ihren Knieeu schimmert. Voll gerührter Zärtlichkeit dankt fie der Mutier.

Mein erstes rrallkleid," sagt fie immer wieder vor fich hin, und unter dem Gesühle ihrer großen Freude, ihrer größeren Hoffnung scheint fie tatsächlich zu genesen.

Sie streichelt und liebkoset da« «leid. Abend« muß e« ihr die Mutter vorS Bett legen und fie nimmt die Bor- stellnng von der seidenweichen Pracht mit in den Schlummer hinüber. * *

Der große Tag ist da. Irene zählt die Stunden bi«

In der Zeit vom 29. Januar l. I. bi« einschließlich 4. Februar l. I. liegen auf dem Amtszimmer Großh. Bürger- - Staufenberg folgende Verzeichnisse, nämlich:

DaS GeldauSgleichungSverzrtchniß über den Zuviel- oder Zuwenig-Empfang an Obstbaumwerth im

Amtlichem Theil.

Bekanntmachung,

brtr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Staufenberg.

Die Paare treten an. Irene hebt fich auf den Zehen. Tie schwebt dahin, wie getragen von den Wolken ihre« Kteide«. Durstig gleiten ihre Blicke durch den lichtstrahleuden Saal, seinen Glanz in fich aufzunehmen. Und von allen Setten werfen ihr die Spiegel ihr Bild entgegen weiß, ganz weiß--

Sie lächelt. Und ihre Augen leuchten dem jungen Astronomen zu, schöner al« alle Sterne des Himmels--

holdestes Menschenglück erblüht in der schwülen Atmosphäre de- Ballsaales, unter den Klängen der prickelnden, aufreizenden Tanzweisen ,,

Wie geblendet senkt Irene die Wimpern. Plötzlich geht ein Zucken durch ihre Glieder- ihr Herz thut wuchtige Schläge, zwei-, dreimal dann setzt es au-

DaS zarte roseubekränzte Haupt finkt vorwärt-. Ein seuszender Hauch, ein leichtes Taumeln der junge Astronom fängt die Geliebte in seinen Armen auf. Er flüstert ihren Namen er ruft ihn ihr nur noch nach.

Alle« ist vorüber. Sine schimmernde weiße Lilie, in der herrlichsten Blüihe, mitten im Sonnenschein der Liebr stehend, geknickt, daS ist die tobte Irene.

Man trägt fie in einen Nebenrauw, in jene« Nestchen, darin dir Flammen verschleiert brennen, man legt fie auf den fellbedeckteu Divan. Mit starren, thränenlosen Augen, daS Geschehene nicht begreifend, blickt die Mutter aus ihr ge­storbenes Sind. Nur zögernd wagen e- die nächsten Ver­wandten, einzutreten. Alle bringen sie Blumen. Die Sträuße de- Festes finken aus Irene nieder, die roseubeladenen Zweige. Unter Blumen liegt sie, weiß, lächelnd, verklärt von Erden- nnb HimmelSseltgkeit.

Und neben ihr kniet voll heißen, rüttelnden Schmerze- ein jugendlicher Mann. Herrliche rothe Rosen hat er in die durchsichtigen Hände der Geliebten gelegt.

Die Frage, welche er thun wollte in dem verschleierten Nestchen er flüstert sie einer Tobten zu.

n Nassau übertragen L t ohne ZMenhäildln Dingungen bei obiger Fim..

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zum Beginn de- Balle-. So zögernd ist da- Tageslicht noch nie davongeschlichen, düvkt eS sie.

DaS Mädchen fühlt fich kräftiger al- seit Jahren. In dem Herzen der Mutter erwacht eine selige Hoffnung, al« str ihr schönes Kind betrachtet, das jetzt vom Spiegel zurück- tritt, die schlank-, leichte Gestalt umhaucht von den matten Wolken des weißen Kleide-, die schwarzen, seidevglänzenden Haare durchflochien von dem hellen Rosenkranz.

Irene scheint voller geworden zu sein in den letzten Tagen, die blauglänzenden Augen liegen richt mehr so tief in den Höhlen. Aber da» holde Antlitz ist weiß, ach, so weiß

Mein erste» Ballkleid," sagte da- Mädchen beinahe feierlich und streicht an den leise rauschenden Falten hinunter.

Und dann wird der Traum von dem Sp'egelsaal und den Bekannten Wahrheit. Ein junges, goldenes Hanpt neigt sich vor Irene. Zwei braune Augen blicken sie an, so treu, so dankbar, so freudeglänzend, daß ihr daS Herz erbebt in der wunden Brust, daß e« noch schneller, noch lauter pocht al» all die Tage vorher.

Mit holdem Lächeln legt sie die Hand auf den Arm de» Heimlichgeliebten. Fanfaren erklingen, man tritt an zum ersten Rundgang, der fich durch sämmtliche Räume der Wohnung bewegt. Auch durch ein kleine- verschleiertes Nest geht- hindurch, das kofige Eckchen enthält und einen fell- beworfenen Divan. ~ _

Hier plaudern wir nach dem Tanz, Fräulein Irene. Ich habe Sie ja etwas zu fragen zu fragen so klingt« an des Mädchen» Ohr. Ihre Lippen murmeln etwa-, tief tauchen ihre Blicke in die goldbraunen Augen. Daun schreitet fie weiter, betäubt von Glück. Die Wogen der Mufik, des grellen Lichtes finken auf fie nieder, aber ihr wird leichter und leichter so körperlos. Wie au« einem seligen Traume heran- nickt fie der Mutter zu, die mit ängst­licher Sorgsalt ihr schönes bleiches Kind beobachtet.

Jetzt zerbricht die lange glitzernde Schlange, welche die Wandelnden gebildet hatten. Der Walzer setzt einRosen aus dem Süden" fliegen durch den Saal.

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