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Nr 303 Zweites Blatt Sonntag den 25. December L8O8
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Veratfches Veictz.
M P.O. Fethi, 28. Dceember. Durch die Erledigung der vacaaz an der Oderrechnungskammer durch die droennung bef Obtipiöfbentcn der Provinz Htffea-Naffau, Herrn Magdeburg zu» Ehefpräfideaten der'rlb « st jetzt bal brfiättgt worben, roc« die „Witt. u. Polit. (Äon.* vor Wochen bereit» schrieb. Der Posten, am den tl fich duatelt, galt von jeher al» einer der begehrtesten auf der hietarchiichen Stufenleiter Preußen», »an darf aunrhmen, daß die Zahl der »ehr oder weniger stillen Bewerber auch jetzt wieder eine beträchtliche «ar. Herr ÄÄagbtbutg galt von jeher infolge feiner bedenteodeu Ardri'sgewandtheit und der Berdiodltchkeit feine» Defev» all ein Beamter, dem die höchsten Ehren nicht entgehen konnten, ie den beinahe sieben Jahren, die er an der Spitze der Provinz Htffen-Raffau stand, ist er wiederholt mit de» Kaiserpaare, während besten Aufenthalt» in Wilhelm»« Höhe, in Berührung gekommen, er ist bei betbeu Majestäten beliebt und ba» ist für feine urue Lhätigkeit nicht unerheblich, da ber Lhrfpräfibeot der Oberrechnnugökammer in Potsdam e4! dem Hofe vielfach in Berührung kommt. — Zum Nachfolger de» Herrn Magdeburg in Lastei ist der inaetive Staat»»inister Graf v. Zedlitz«Trützfchler ernannt worden; der Vater de» viel genannten, im Jahre 1892 verunglückten Gchulgrfetze». Der Kaiser und König hat e» dem Grafen Zedlitz lange nicht vergeffen können, daß dieser eine ihm gegenüber gefallene ungnädige Bemerkung zu» Anlaß »ah», um fein «bichtrdsgesuch etuznreicheo, feine jetzt erfolgte Ernrnuvng zum Ob'rp'äfidenteu ber Provinz Hrsteu Naffan zeigt, daß er fich wieder voll und ganz im Befltze de» Aller- höchsten vertrauen» b-findet Hoffentlich ist ihm in Laffrl eine recht lange dauernde erfolgreiche Thätigkeit beschiebrn.
M.P.O. Berit» 23. December. Die frauzösifche Presse beeUt fich, den Besuch de» Onkel» de» russischen Kaiser» in Konstantinopel al» eine Folge bef deutschen «atserbesuch» 'm O-ieot hinzustelleu. von beutscher Seite wirb gegen diese Interpretation nicht» eiogewandt werden, sofern man fich rusft'cher« und franzöfischerseit» auf denselben Standpunkt stellt, welchen der Letter de» deutschen Auswärtigen Amte», Staatsseeretär und Staatsmtnister v. Bülow iu feiner Rrtch»tog»rede am 12. December etvnahm,
al» er sagte: ,®it Sympathien, die wir tu ber Türkei ge- I nießen, gründen fich darauf, baß die Türken wtffen, daß | Deutschland, weil e» den Frieden w ll, auch für dir Erhaltung und Integrität de» türktschea Reiche» ebneten wird.* vielleicht denkt heute kein Mitglied de» rusfilcheu Kaiserhause» und kein aktiver rusfischer Palttiker »ehr daran, Konstantinopel für Rußland zn erobern.
Freiburg i. B., 21. December. Der neue Bischof von Rottenburg, Dr Paul Keppler hat jetzt Freiburg nach einjähriger Wirksamkeit verlosten, um seine alte Heimath, die wieder seine neue wird, aufzufuche». Im Konvikt fand die offizielle Abschiedsfeier statt, an der fich auch der Erzbischof »ib der Weihbtschof betheiligten. Zunächst reiste er »ach Baden-Baden zur Abschiedsaudienz beim Großherzog, hieraus begab er fich zu Abschiedsbesuchen nach Karlsruhe, um von dort auf einige Tage nach Stuttgart zu gehen, wo seine Schwester al» Oberin im Martenspital wirkt und ein Schwager von ihm lebt. Die feierliche Installation in Rottenburg wird am 18. Januar stattfinden und vom Erzbischof von Freiburg vorgenommen werden. Erscheinen werden hierzu auch der Bischof von Mainz und wahrscheinlich auch der von Augsburg, sowie der Abt von Beuron.
wie», 28. September. Die Verstimmung zwischen Deutschland und Oesterreich wegen der Rede, welche Graf Thun i» österreichischen Rcichsrath über die Ausweisungen au» Schlesien gehalten hat, scheint trotz gegen« theiliger Meldungen noch »'cht behobt* zu sein. Auch die Audienz bt» österreichisch-ungarischen Botschafter» v. Szö y'vyi beim Kaiser soll der „Boss. Ztg.* zufolge keine endgiltige Beilegung de» Zwischenfalls gebracht haben, der vielmehr bald einen Personenwechsel an leitender Stelle Oesterreichs zur Folge haben dürfte. So meldet denn auch heute ber ELoealanzeiger* au» Wien: Die durch Than'l Jaterpellatlons- beanttoonnng hervorgerusene Verstimmung zwschen Berlin und Wien scheint keineswegs geschwunden zu sein. Im Zusammenhang damit spr'cht man in unterrichteten Kreisen von einer bevorstehenden Demission des Grafen Thun.
Pari», IS. December. Berufsunteroffiziere. Der
andauernd bestehende Mangel an reengagtrten Untcrossiz'ereu (Bnnfsunteroffiziere), deren Anzahl hinter brr durch die Festsitzungen de» Heeresetat» mit P ämten unb Zulagen zu bedenkenden Anzahl bedeutend zurückbieibt, läßt d.e vor- tzandene Abne gung gegen da» verbleibe» im Here über btt gesetzlich vorgeschrtebene Z it hinan» erkennen. So fehlte» bet Beginn de» letzten viertel» be» laufenden Jahre» ber- gleichen Unteroffiziere bet 77 Jafauterte Regime. te n, 12 JLgerbatatllonen, 4 Bataillonen der leichten afrikantsch'n Infanterie, 2 Compagnien der Straftruppen, je 5 »iira.sier- und Dragoner-, 3 Jäger zu Pferde- und 2 Hasarea» Regimentern, 4 Lowpagnien Remoutereitern, 21 Ar'illerte- Regimentern, 11 Fußarttllerie Bataillonen, 6 Gtate-Re- gtmeurern, 6 Trainschwadronen, bet 4 Schreiber« und Kranken- wärter-Abtheilung-n. Gerade brr Umstaub, baß fich bieft Abgänge auf alle, auch die bevorzugten T-uppenthetle ver- iheilcn, und die Zahl derselben, welche mit den teinefroeg» ungünstigen ReengagemrntSvortheileu nicht im ve.hältniß steht, ist ein vewei» dafür, daß e» fich hier um keine vor« übergehende Erscheinung, sondern um einen chroni'cken Zustand handelt, der bei ber Beurthe>lnug der frai'zöst che» Armee, ihrer Leitung», und En-wickellunz»fähigkeit unter keinen BerhLltn'ffen außer vetrachr geloffen werden darf.
• Ansichtskarte» Sport. Wunderbar scharfe Momentaufnahmen von der Orientretse del Kafe Paarei, Ihre Majestäieu in konstantivopel, Joff', Haifa, J-rnalem, fpect'll det der Uebeigabe der Schltiffel zur Erlöseik 'che auf dem O Iberg, im Zelilaaer ic. ,c. find soeben erschienen. — Die Lollection enthält 20 Kaiser Karten und ist wohl dal Beste, waS dilher auf dr» Ar,sitztskartengebiet erschienen. — Da die Kaiser Karten nach Jahren zwetfello» einen hohe» Sawmelwerth haben, ist der Peets von »ur 4 Mk. für die vollständige L llcetion von 20 Ratten ei* geringer. — vorzüglich all Wethnachtlgeschenk geeignet, wolle man Bftellungeu, denen der Betrag beiznsügen ist, infolge der seht großen Nachfrage recht bald an den Kunstverlag von Äug. Koltze, Nürnberg richten.
Es ist ein entsprungen.
Der Morgen graute. Dom klosterthurm läuteten die Glocken zur Lhriftmette, aber in den Hallen der Abtei war» »och still. Jetzt öffnet sich knarrend eine Thür, und der matte Schein eine» OellLmpchcn» erhellt den düsteren Raum. Ein Mönch durchmißt langsam die Säulenhalle, dann öffnet er da» Piörtchen de» Klostergarten». Ein Windstoß loscht feine Lampe au», aber hier bedarf er de» Lichte» nicht mehr, drüben im Osten geht die Sonne auf. Die Christnacht wandelt sich in Hellen Weihnacht»morgen. Ein leichter Schneefall hatte die Erde geküßt, Bäume und Sträucher glitzerten in schneeiger Pracht.
Der Klosterhof war von einer halbzersallenen Mauer umfriedet; über dieselbe hinweg war der Blick frei und weit, da» breite Moselthal lag zu Füßen be» Klosterberge«, und brftben ragten die Thürme von Trier herrüber. Auch bort läutete es zur Frühmette.
Auf dem Pfad, der zum Kloster führt, bewegen sich dunkle Gestalten. E» find Pilger, die hier oben das Christfest feiern wollen.
Als Bruder Laurentiu» sie kommen fah, schob er den Riegel an der Pforte zurück, dann wanderte er, der An- kommenden harrend, im Gärtlein auf und nieder. Er war ein Jüngling. Wunderbar stiller Friede, kindlich frohe Wech- nachtsfreude lag auf seinem Angesicht au-gegoffen. Der Stern über Bethlehem» Flur hatte auch ihm gestrahlt!
Bet der alten Tanne hinter dem Ziehbrunnen erhob fich ein Muttergottesbild. Dort bog er einen Tannenzweig zu fich hernieder. Da fielen die kleinen leichten Schneeflocken auf seine braune Mönchskutte; er freute fich an den flimmern- den Sternchen, und doch schüttelte er sie wieder ab. Er wollte weiter wandern, da blieb fein Blick hasten am steinernm Brunnenbecken. Zwischen dürrem Gezwng sah er ein grüne» Re'- er schob die welken Blätter aueeinanber, da flog em feines Roth über feine blaffen Züge - siehe - eine blühend Rose mitten im kalten Winter! Er bog sie herab und brach da» Röslein, wie duftete es so süß! Eine Rosenblüthe
; zwischen dürrem Laub und Schneeflocken im Kelch — o, das war ein Christgeschenk seltener Art!
Schritte hallten im Kreuzgange wieder, der Abt und die Mönche zogen zur Kapelle. Bruder Laurentius eilte, den Pjörtnerdienst zu verrichten. Er geleitete die Pilger in da» Innere der Betkapelle. Al» hier der Ambrofianische Lobgesang angestimmt ward, kniete der junge Mönch an den Stufen de» Altars und fiel in vollen Tönen in die wunder- bare Melodie jenes Liede» ein. Da» Röslein legte er vor die aus rohem Holz gezimmerte Krippe nieder, darinnen auf Sttoh gebettet der holde Jesusknabe schlummerte, unb indem er diese» blühende, duftende Opfer darbrachte, zog das Pro« phetenwort durch seine Seele: „Und es wird eine Rute aufgehen von dem Stamme Jsai. und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.' (Jesaia» 11, 1.)
Das Halleluja war längst verklungen, aber noch weilte Bruder Laurenttu« in der Kapelle, obwohl die Andächtig« bereit» heimwärts wanderten. Er bemerkte es nicht, daß die Wachskerzen auf dem Altar verloschen, und daß bte Morgen- sonne durch die bleigesaßten Fenster verstohlen in das Kirchlein schaute — er dachte nur an sein Röslein, zu Füßen der reinen Magd, und an den flerschgewordenen Gottessohn, dort sollte e» duften und verblühe» am lieblichen Christfest.
Und als er dann all dem wundersamen Weihnachtssegen nachsann, da zog es wie Musik durch seine Seele. Er nahm eine Pergamentrolle aus den Falten seines Gewandes und schrieb mit kräftigen Schriftzügen darauf, indem er leise Worte aussprach, bann stand er bebende auf, schlug einige ; Akkorde auf der kleinen Orgel an, und leise lösten fich jetzt j von seinen Lippen lieblrche, weiche Töne. Erst klang» lang- ! sam und feierlich, dann geheimnrßvoll und sauft, nun lealer ! unb freudiger, wie lobfingende Anbetung:
6» ist ein Ro» entfpm*£ai Äu8 einer Wurzel zart, Wie un6 die Alten fungen, Bon Jeffe tarn bte Irt, Unb hat ein Blümlein »rächt Mitten im kalten Winter, Wohl z» ber halben Nacht.
Das Röslein, das tch meine, Davon Iesaias saßt, Hat mm gebracht alleine, Rarie, die reine Magd.
, Aus Sötte» ero’gem Rach । Hat sie ein Sind geboren, ’ Wohl zu bet halben Rächt.
Die Wmtersonue hatte jetzt den Rebel durchbrochen and
ergoß ihr falbe» Licht in das Kirchlein, da hob der Mönch
noch einmal zu fingen an:
Da» Rdselein so Meine, Das duftet unS so süß, Mit feinem hellen Scheine Berlreibts die Finsterniß. Wahre Mensch unb wahrer Gott, Hilft uns aus allen Leiben, Rettet von Günb unb tob.
0 Jesu, bis zum Scheiden Lus diesem Jammerthal
1 Laß dein Hi f un» geleiten Hin in den Freubensaal,
! In deines Batet» Reich, | Da wir bich ewig loben: I O Sott, das uns verleih!
Zwischen den Grabsteinen vor der Kapelle trieben indeß die Kinder ihr Spiel, auch fie sangen, denn fie feierten fröhliche, selige Weihnacht. Ihr kindliches Lallen aber verstummte, als sie die Mufik drinnen im Gotteshause vernahmen — leise schleichen fie hinein. Laurentius bemerkt fie nicht, er singt und singt immer wieder sein Lied von der »Weihnachts- rofe*. Und auch die Kinder erh-ben ihre feinen Stimmchen and fingen mit, so recht au» voller Brust. Der Mönch aber hat ihnen zugenickt, fteundlich und herzgewinnend, und dachte an da» Wort de» königlichen Sänger»: ,,Bu» dem Munde der jungen Kinder unb Säuglinge hast du eine Macht za- gerichtet." (Psalm 8, 3.)
Die Töne find verhallt, da» Pergament, worauf in alter Klosterschrift Bruder Laurentiu» die Strophen verzeichnet hatte, ist in Staub zerfallen. Vom Klosterkirchleia finden wir heute nur noch dürftige Ueberreste zerfallener Mauern.
Die Grabsteine find auch versunken und gestürzt, nur dort am Pförtchen liegt eine grünbemooste Platte und daneben blüht eine Rose. Bruder Laurentiu« schlummert daselbst dem großem Auferstehung»tage entgegen. Sein Rama ist längst vcrgeffen, sein Lied aber, da» Lied von dem Reil au» Jesse'» Stamm, e» lebt noch immer fort! — Die Kinder haben e» gesungen hinter den Klostermauern und druntea im Thal, bann Haden die Hallen de»- Dome» zu Trier sein« Widerhall vernommen, und der Pilger hat'» in der Herberge gesungen. Bon Gau zu Gau, von Mund zu Mund ist ei weiter gedrungen und nie wieder verklungen. Und wo heute noch ein Glöcklein zur Christmette läutet und ein Gläubiger Christfest feiert, da dringt leise und sanft unser Rosenlieb zum Wethnacht-hirnmel empor, und da» Gloria der himmlischen Heerschaaren hallt ftiedeverheißend zur Elde hernieder.


