Ausgabe 
25.9.1898 Viertes Blatt
 
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Nr. 225 Viertes _______Sonntag den 25. September

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Amts- und rinzeigeblatt für den Areis Gietzen.

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Der Schloß der Provinzial Fohlenweide bei Merlan erfolgt am 80. September 1898 und müssen die Fohlen und Pferde alsdann unter Beihilfe der Besitzer -wischen 10 und 2 Uhr Mittag», nach Auszahlung bei Rest­betrages der Soften an Geohh. Baurath Dr. Dieffenbach in Grünberg, abgeholt werden.

Laubach, am 22. September 1898.

Der Präfident bei lanbwirthschaftlicheu Bereins für die Provinz Oberheffen.

Friedrich Graf zu So lm» - LMv b a ch.

politische Wochenschau.

Die it alt rutsche Regierung hat sich nun boch veran­lag gesehen, die Initiative zur internationalen Bekämpfung des Aaarchismu» zu ergreifen. Die Nothweubigkeit einer engeren gegenseitigen Unterstützung wirb wohl von keiner Sette verkannt, unb so ist benn die Hoffnung gerechtfertigt, daß trotz aller eotgegeostehenden Schwierigkeiten bald eine allgemeine Untqung zu Stande kommt.

Einen recht breiten unserer Ansicht nach viel zu breiten Raum nehmen tu letzter Woche die Veröffentlichungen Moritz Buschl über den Fürsten Bilmarck eia. Angesichts dieser ganz uncontrolirbaren Mttthetlungen, die vielfach den Stempel der Unwahrscheinlichkeit auf der Stirn tragen, ist es wirklich zu bedauern, daß der Altreichskanzler keine authen­tischen Memoiren hinterlassen hat.. Daß Fürst Bismarck nicht gewohnt war, mit seinen Anschauungen über Personen und Zustäade hinter dem Berge zu halten, weiß Jever, der mit dem großen Manne in Berührung gekommen ist- aber el mufc auch zugegeben werden, daß nicht alle seine im privaten Kreise gemachten Aeußerungen für die große Oeffeutlichkeit bestimmt waren. Im Uedrigen ist es sehr bezeichnend, daß alle diese Intima über den Bismarck der Deutschen erst aus einer fremden Sprache In die unserige übersetzt werden müssen.

Der Termin für de Wahlen zum preußischen Ab­geordnetenhause ist am Schlüsse voriger Woche bekannt ge­geben worden- damit haben die einzelnen Parteien die Parole erhalten, in den Waalkampf einzutreten.

Einen eigenthüml'chen Verlauf nimmt die Drehfus-An- gelegenheir in Frankreich. Wer hätte geglaubt, daß so bald nach den RufenNieder mir ßola" Sympathiekund­gebungen für den Obersten P cqrart erfolgen würden! Und doch wurde Picquarr nach der Verhandlung des Pariser Zucht- Polizeigericht», in welcher der Proc ß vertagt wurde, vom Publikum lebhast begrüßt. Ueberhaupt scheint in der ®e- urtheilung der Drehfulsache ein vollständiger Umschwung ftch zu vollziehen. Höchsten» die um Ls ould)e wehren sich noch verzweifelt gegen eine Revlfion de» Dreyfutprociffe», alle anständig denkendeo Franzosen haben sich anscheinend mit bei Wtederausvahwe beleihen aulgeiöhnr. Wie schlimm müssen übrigen» bie Dinge in Frankreich stehen, wenn P cquarr es wagen barf, öffentlich bet Regierung die Absicht seiner Bet- setteschoffuog -uzuschteben! Prüsibent Faure, dem man revt- fionsse'ndltche Gebanken nachsagte, scheint jetzt mit dem Strom zu schwimmen.

Wundersame Mär kommt au» dem Reich der Mitte: Der Kaiser von Ehina will Resormen in seinen Staaten etnsühren, und mit dem alten Schlendrian brechen. Und dal geschieht, trotzdem Lt-Hung Tichang in Ungnade gefallen und seiner Aemter beraubt worden ist. vielleicht hängt mit den Absichten bei Sohne» bei Himmels bte Meldung zusammen, daß die Kaiserin Mutter sich wieder einer Art Bormnndschast über den jungen Kaiser von Lhtna bemächtigt habe. Man kennt diese Dame all eine sehr kluge Frau, welche ihren Sohn vielleicht an Uedereiluugen verhindern will, welche die Dynastie bedrohen könnten.

Die Zustände auf Kreta haben sich noch nicht geklärt, die Situation ist fortgesetzt kritisch. Die Engländer haben die Wiederherstellung der Ordnung in Kandta allein Über­nommen, doch darf man nicht so optimistsich fe n, und glauben, bk Ruhe sei nun definitiv geschaffen. Angesicht! bei letzten Ereignisse wird auch die Landidatur del Prinzen Georg von Griechenland zum Gouverneur Kretal wieder veurtltrt, und el scheint, all ob maßgebendrrseitl an dieser Persönlichkeit festgehalten würde.

Noch haben die Friedenlverhandluogen zwischen Spanien und den Bereinigten Staaten nicht begonnen, und man

darf annehmen, daß der Zusammentritt der beiderseitigen Delegirten noch etwal auf sich warten laffen wird. El wird allgemein geglaubt, daß dal liberale Labtnet Sagasta binnen Kurzem von der Regierung zurücktritt; fein Nachfolger wird nicht zu beneiden fein. (xx)

Deutsches Reich.

Berlin, 23. September. Dal Katferpaar begab sich heute vormittag nach Stettin, um dorr der Eröffnung bei neuen Hafenl beizuwohnen. Der Kaiser hielt am Maschinen- Hanse im neuen Hafen eine Awprache, worin er betonte, daß unsere Zukunft auf bem Wasser liege. Er sprach seinen Dank für bte Förberung bet Blüthe Stettins burch ben Oberbürgermeister aus unb bie Hoffnung, baß el, nicht ver­uneinigt burch Parteiungen, sich im vtlherigen Tempo weiter entwickeln möge.

Berlin, 23. September. Wie aul conservattven Kreisen verlautet, wirb bare beabsichtigt, bald nach Eröffnung des Reichstages eine Interpellation an die Regierung zu richten bezüglich der zur Bekämpfung der anarchistischen Gefahren geplanten Maßnahmen.

Berlin, 23. September. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Ja ben letzten Tagen brachten verschiebene Zeitungen Mittheilungen aul Deutsch-Ostafrika über Plane, welche der kaiserliche Gouverneur General-Major Lieber in den nächsten Monaten angeblich verwirklichen wolle. Bon diesen sich theils widersprechenden Mittheilungen ist an maßgebender Stelle nichts bekannt.

Berlin, 23. September. Wie derNordd. Allgem. Zig." zufolge von zuständiger Seite im Gegensatz zu anderweitigen Meldungen mitgetheilt wird, haben sämwtliche in unser Gebiet von Kiau-Tsch o u commaodirten Marine-Aerzte Krankheit», sälle, welche all Lepra anzuseheu wären, nicht gesunden, obwohl hierauf infolge einer Bitte der Gesandtschaft tu Peking besonder» geachtet worden ist.

Frankfurt a. 23. September. Nach der heutigen Beitragsitne del Aulschuffel für ein zu eriichtende« Bis­marck-Denkmal wurde die Summe von 100000 Mark bereit» Überschritten.

Beellau, 23. September. Die in der Stadt umlaufenden Gerüchte, vaß Kaiser Wilhelm zur vermählungsfeier nach Breslau kommen werde, werden derBreilauer Zeitung" von zuständiger Q-elle als unbegründet bezeichnet.

Attsla«-.

Wien, 23. September. DalFremdenblatt" ist er­mächtigt, die angebliche Abberufung des französischen Botschafters Marquis Reverseaux von seinem Poften zu d em enttren.

Agram, 23. September. Gendarmerie verhaftete in Pisaroatna einen Anarchisten. Mau fand einen scharf geschliffenen Dolch, einen geladenen Revolver und 250 Pa­tronen im R< ckfutter eingenäht, sowie zahlreiche Photographien hochgestellier Persönlichkeiten Oesterreichs. Der Berhaftete ist etwa 25 Jahre alt und ein Deutscher aul Westfalen. Er macht einen sehr intelligenten Eindruck. Er soll am 15. tn Genf gewesen sein und am 16. aul Paril Geld erhalten Haden.

Rom, 23. September. Mehrere Blätter bestätigen die Unricht gkeir der Meldung von einer bevorstehenden inter­nationalen Conferenz zur Berathung einer Action gegen die Anarchisten. Es bedürfe einer solchen nicht, da jeder Staat im Rahmen seiner Gesetze selbständig gegen die Anarchisten vorgehen könne.

Mailand, 23. September. Die Polizei hat in ben letzten Tagen Über hundert verdächtige Personen ver- hastet. Bei den Haussuchungen wurde nichts Gravirendes gefunden.

Haag, 23. September. Seit einiger Zeit zeigt die holläverlche Polizei eine große Umsicht in der Uederwachung der Anarchisten unb verdächtigen Fremden. Grsteru Nachmittag wurden zwei Anarchisten verhaftet, und einige Stunden später nahm die Polizei drei französische vagabonüen fest, da dieselben ebenfalls dringend verdächtig erschienen. Sie wurden vor den Poltzei-Commiffar geführt und von einer großen Menschenmenge begleitet.

A Frankfurt o. M , 23. September. Der Zoologische Garten hat trotz der vorgerückten Jahreszeit noch im Sep­tember übtr hundert neue Pfleglinge aufgenommen. Von Säugetieren sind el besonders die Peba- Gürtelthiere,

deren sonderbare Gestalt Interesse erregt, und deren Ein­führung nur des ungewöhnlich warmen Herbstwetters wegen riskirt werden konnte. Ebenso sind empsindliche Affenarten, wie z. B. ein Schnurbartaffe, Brüllaffe, Löwen- äffchen u. s. w. gut eingetroffen; ferner ein Sumpf­antilope von Westafrika, und bunte Nagethiere von Amerika und Indien. Neu für den Garten find weiter die Argus­vögel, eine den Pfauen nahestehende Fafanenart; dann der Orangetukan, ein Arrasfari - Pfefferfresser, diverse Prachtamodinen, bunte Häher und Elsterarten und Raubvögel, worunter der große, weiß und grau gezeichnete Kampfadler aus Afrika.

* «iu Vogelnest unter dem Fernrohr. Der amerikanische Gelehrte Hiram Stanley, der sich in letzter Zeit mehrsach durch bemerkenswerthe biologische Arbeiten v-rdient gemacht hat, macht in der New-Uorker Wochenschrift Science daraus aufmerksam, daß das Fernrohr oder in kleinerem Maßstab ein gutes Doppelperspectiv ausgezeichnete Dienste zur Beob- achtung del Ne st lebens der Bögel leisten kann. Inder Nähe seines Wobnfitzes hatte sich ein Pärchen des in Nord- amerika heimischen Blauhähers in einem Baume angefiedelt, unb Stanley hatte von seinem Fenster aus ein Fernrohr fest auf bas Nest gerichtet, beffen Inhalt er, nachbem er etwas Dlätterwerk beseitigt hatte, wie aus einer Entfernung von wenigen Zoll beobachten konnte. Das Männchen gab oft­mals Futter an seine Ehefrau ab, bamit es diese wieder ben Jungen verfütterte. Ein Schnabel voll reichte für mehrere jungen Häher au», bie Mutter steckte ihren Schnabel tief' in ben kleinen Schlunb unb kniff einen Theil be» Futters mit dem Schnabelranbe ab, worauf fie auf bieselbe Weise ein anberes Theil in bie nächste hungrige Kehle gleiten ließ. Die Eltern hielten fortgesetzt auf große Reinlichkeit im Nest, unb jeber ber natürlichen Verstöße gegen dieselbe Seiten! ber jungen Vögel würbe, oftauf frischer That", aus ber Wohnung herausbefördert. Ost stellte fich ber Häher schützenb mit halbausgebreiteten Flügeln auf bas Nest. Beim Heran« nahen einer Gefahr stieß ber Vogel ein scharfes, metallisch- klingendes Mus! Mus! aul, wobei er seinen Körper, auf bem Aste fitzenb kräftig auf unb nieder schwang. Gerieth er in Erregung, so hackte er ziellol auf ben Ast los, auf bem er saß. Eine reizende EpHode in ber LedenSgeschichte dieser Hähersamilie ereignete sich in dieser Zeit. In der Nähe war ein Spatzennest entzwei gegangen und vier junge Sperlinge, die kaum flügge geworden waren, waren auf den Boden ge­flogen. Der Blanhäher stürzte auf einen der kleinen Bögel zu und verschlang ihn. Darauf setzte Stanley heimlich einen anderen der jungen Spatzen in das Nest des Hähers hinein, mitten zwischen dessen eigene Jungen. Jetzt wurde der Ein­dringling, an dessen Bruder der Eigenthüwer des Neste- eben einen Mord verübt hatte, ruhig geduldet, wenn er auch kein Futter bekam- am zweiten Tage aber bemerkte der Be­obachter, daß der Häher einmal, vielleicht aus Versehen, auch den Spatz fütterte. Zwei wittere Tage darauf ersahen die elterlichen Spatzen einen günst'gen Augenblick, als die Häher gerade ausgeflogen waren, kamen eilend» zu dem Neste und fütterten ihren Sperling, aber nicht die jungen Häher. Am dritten Tage bann flog ber Spatz selbst fort. Obgleich man fich vor ber Verallgemeinerung eines solchen einzelnen Falles hüten muß, so ist berselbe doch recht bemeikenlwerth. Wir erhalten dadurch einen Begriff von ber Heiligkeit ber Gast­freundschaft im eigenen Hause, der geradezu an das ent­sprechende Gesetz bei den alten Griechen erinnert, wo jeder unverletzlich war, ber fich an das Heibseaer flüchtete. Dieser Characierzug der Bögel kann dadurch erklärt werben, daß ble Vögel um be» Schutzes Ihrer eigenen Jungen willen das Nest al» geheiligten Platz betrachten wüffen, denn sonst könnten die Eltern wohl gar in Versuchung kommen, ihre eigenen Jungen zu verspeisen, wie die- ja sonst im Thierreich nicht selten vorkommt. Man wird nach tiefem kleinen Bericht Stanley recht geben, daß eine Beobachtung des Nestlebeu» durch ein Fernrohr über die psychologischen Eigenthümlichkelten der Vögel werthvolle Aufschlüffe geben kann. Eine 50 fache Ver­größerung wird für geringere Entfernungen genügen; Blätter unb ähnliche Gegenstände, bie Ausficht versperren, wüffen zur Nachtzeit vorfichtig beseitigt werben. Die Nester von Ableru, Geiern unb anbeten Raubvögeln können vielleicht gelegentlich burch stärkere Fernrohre tu nahe Sicht gebracht werben, ohne baß man ben Frieben bei Nestel zu stören braucht.

* Zweifelhafte Güte. Mutter: . . Und gut ist mein Kleiner! Allen armen Kindern auf der Straße gibt er von seinem Leberthran!"

Durstig. Arzt:Haben Sie über Durst zu klagen?" Kranker:Nein, Herr Doctor, über den freu' ich mich immer!"