Anzengruber erfordert gute Schau'pieler, die vor Allem den Dtalect beherrschen müssen; ein guter Grillhofer oder Wurzel- sepp ist der deutschen Bühne ebenso nöthig, wie der Jambenheld von Posa.
Zu kurz gekommen scheint uns auch Grillparzer, der allerdings nur schwer bei uns Fuß zu fassen vermag, und Ibsen, dessen Rosmersholm nicht recht genießbar ist, wenn man den Magus im Norden nicht aus dem Ff kennt. Neben den „Stützen der Gesellschaft" soll „Nora" nie fehlen, man versuche sich an der „Wildente", man messe seine Kräfte am „John Gabriel".
Unterdrücken wollen wir zum Schluß auch nicht unsere Bedenken gegen die Aufführungen allzu personenreicher Stücke; wahrlich der Regisseur ist nicht zu beneiden, der mit 22 Per- sonen einen „Tell" oder einen „Götz" auf einer so kleinen Bühne wie der hiesigen insceniren soll.
Und nun Glück auf zur Campagne!
Full steam ahead!
Locale- und provinzielles.
Sieße«, 24. September 1898.
Lobende Aaerke«v«»g seitens des Großherzoglichru Ministerium- der Justiz für die Geschäftsführung im Jahre 1896 wurden. A. auch dem StaudeSbeamteu zu Atzenhain zu Theil.
• • Schuldienst-Nachrichten. Am 16. Juli wurde dem
Schulamtsaspirauten Otto Nungesser au-, Eberstadt eine Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Arheilgeu, Kreis Darmstadt, — an demselben Tage wurden den Schulamts- aspiraoten Jacob Alt und Carl Sauer, beide au- Lich, Lehrerstellen — die 4., bezw. 7. — au der Grmetudeschule daselbst, — am 20. Juui wurde dem Schullehrer Ludwig Alleudörfer zu Helpershaiu die Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Altenhain, Kreis Schotten, — an demselben Tage wurde dem unter Vorbehalt seiner Rechte als definitiv augestellter Bolk-schullrhrer zu Osthofen als Schulverwalter zu Hohen-Sülzeu, Kreis Worms, verwendeten Schullehrer Friedrich Emmert die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hoheu-Sülzeu übertragen- — au demselben Tage wurde der von dem Herrn Fürsten zu Stolberg- Roßla Ortenberg auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mittel-Seemen, Kreis Schotten, präseutirte Schulamts- asptraut Heinrich Rausch aus Bessungen sür diese Stelle bestätigt- — am 23. Juli wurde dem SchulamtSaSptrauteu Franz Schmidt aus Dromersheim ^eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Friesenheim, KretS Oppeoheim, — am 27. Juli wurde dem SchulamtSaSptrauteu Georg Heidt zu Friedberg die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heidelbach, Kreis Alsfeld, übertragen- — am 30. Juli wurde der von dem Herrn Fürsten zu Isenburg Btrsteiu auf die 1. Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Geinsheim, Kreis Groß-Gerau, präseutirte Schullehrer Daniel Hamann daselbst für diese Stelle bestätigt- — am 6. August wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Btrsteiu auf die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Müaster, Kreis Dieburg, präseutirte SchulamtSaSpirant August Hummel aus Wolfsheim für diese Stelle, — am 10. August wurde -er von dem Herrn Grasen zu Erbach-Fürstenau auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Steinbach, Kreis Erbach, präseutirte Schullehrer Philipp Hoffart daselbst für diese Stelle bestätigt- — au demselben Tage wurde dem Schulamtsaspirauten Peter Kadel aus Birkenau eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Horrweiler, Kreis Biugen, — am 13. August wurde dem SchuSamtsaspirauten Joseph Vock aus Heppenheim a. d. B. eine Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Kempten, Kreis Bingen, — au demselben Tage wurde dem Schulamtsaspirauten Carl Benner aus Müozeuberg eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Butzbach, Kreis Friedberg, übertragen - — an demselben Tage wurde der von dem Herrn Grafen von Schlitz, gen. • von Görtz, auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hutzdorf, Kreis Lauterbach, präseutirte SchulamtSaSpirant Carl Steinbach aus Bieber für dtefe Stelle bestätigt- — an demselben Tage wurden den Schulamtsaspirauten Friedrich Wilhelm Diehl aus Albavh (Nordamerika), Leonhard Hotz aus Fränkisch-Crumbach, Friedrich Daab au-Retuheim und Jacob Thierolf au- Neustadt i. O. Lehrerstrllen an der Volksschule zu Offenbach, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Richard Karner zu Wackernheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heide-Heim, Kreis Bingen, — au demselben Tage wurde dem Schulamtsaspirauten Christian Hassenzahl aus Pfungstadt die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Vaitshain, Kreis Lauterbach, übertragen.
*♦ Erledigte Lehrerstelle«. Erledigt find: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Diebach a. H., Krei- Büdingen. Mit der Stelle ist Organistendteust verbuaden. Dem Herrn Fürsten zu Ysenburg und Büdingen steht das PräsentattonSrecht zu derselben zu. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu RudloS, Kr. Lauterbach. Mit der Stelle ist Kirchendtenst verbunden. Die mit einem evangl. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ruppertsburg, Kreis Schotten. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Auuerod, Kreis Gießen. Mit der Stelle ist Organisten- und Lecrorendienst verbunden. Die mit einem evaugeltfcheu Lehrer zu besetzende 2. Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Gründau, Kreis Büdingen. Live mit einem evaugel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Himbach, Kreis Büdingen. Mit der Stelle ist Orgautstendtenst verbunden. Drm Herrn Grafen zu Useuburg und Büdtugeu in Meerholz steht baß Präsentations. recht zu derselben zu. Die mit eiuem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Michelnau, KretS Büdtugeu. Sämmtlich mit dem gesetzlichen, uach dem Dienstal-er sich bemess uden Gehalte.
* » Kirchliche Dieustuachrichteu. Am 12. August wurde dem Domcaplan Johanne- Flath zu Mainz die katholische Pfarrstelle zu Horchheim, Decanat Worm-, mit Wirkung vom 1. September an, — am 24. August wurde drm Rector an der Nothktrche zu Offenbach, Johanne- Gärtner, die katholische Pfarrstelle zu Wald-Michelbach, Decanat Heppenheim, mit Wirkung vom 1. September au, übertragen.
• • Bürgermeister-Konferenz. Eine in vergangener Woche im Restaurant zum Löwen stattgehabte Conferenz der Bürgermeister de- Kreise- Gießen sprach sich energisch gegen die Vorlage betreffend die Einführung des Notariats in Oberhessen aus. Mau war allgemein der Ansicht, daß, wenn man auch die OrtSgerichte neben den Notariaten vorerst noch bestehen lassen wolle, dies doch der erste Schritt zu deren demnächstiger Beseitigung sein würde und daß es im Jutereffe der Bevölkerung, besonders der auf dem Laude liege, daß die OrtSgerichte, so wie fie beständen, erhalten blieben. Die Confereoz beschloß, eine Petition au die Zweite Kammer durch die Bürgermeister iu den einzelnen Gemeinden ctrculireu zu lassen, welche die Kammer ersucht, die Vorlage betreffend die Einführung des Notariat- in Oberhessen und Starkenburg abzulehnen. — In einer Besprechung betr. die Feterabendstuvde auf dem Lande wurde dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß gegen die Spiunstuben Sturm gelaufen werde- die Spinnstube trage als etwas Althergebrachtes zur Hebung der guten Sitten und de- Volks« gefaugeS bet, namentlich wenn ältere Gemeinde-Mitglieder diese Zusammenkünfte der Jugend beaufsichtigen. Die Versammlung nahm schließlich folgende Resolution an: ES ist als ein arger Mißstand zu erachten, daß viele Eltern ihren Töchtern gestatten, anstatt der altherbräuchlichen Spinustuben öffentliche Wirthschaften zu besuchen. Die Conferenz ersucht deshalb die Eltern, ihren Töchtern den Wirths- Hausbesuch zu untersagen uad für Errichtung von Spiun- stubeugestllschafteu zu sorgen, iu deu Spinustuben die jungen Leute aber niemals ohne Aufficht von Erwachsenen zu lassen, und dafür zu sorgen, daß iu diesen Bereinigungeu mehr als bisher dem Volksgesang die ihm gebührende Pflege zu Theil wird.
• • Für Ausflügler. In Folge Eröffnung der Bieber- thalbahu lassen sich nachstehende Ausflüge bequem aus- führen: 1. ab Station Heuchelheim, Heuchelheimer Mühle, Kiuzeubach, Grube Morgenstern, Schwarzbachthal, Hof Bubenrod (schwarze Dreiecke) mit den Abzweigungen rothe Punkte Himberg und Wegweiser uach der „Dicken Eiche". 2. ab Station Abendstern am Grenzweg hin nach Norden zum Gleiberg uach Süden über Kiuzeubach, Dorlar nach Wetzlar beide rothe Punkte. 3. ab Station Rodheim über Himberg, Waldgirmes, Naunheim, Wetzlar (blaue Dreiecke). 4. ab Station Bieber (rothe Doppelpunkte) uach Fellingshausen, Düusberg, von dort rother Strich zum Düusberg. Rehmühle, Obermühle, DüuSberg; ab Rehmühle rothe Striche. Hof Bubenrod rothe Kreuze bis zum Weg Rehmühle, Bubenrod von dort rothe Striche. Durch das Bteberthal über die Obermühle, Königs- berg nach Hohensolms (schwarze Dreiecke) von dort Altenburg rothe Striche und weiter über Bubeurod zurück oder Blas- öachthal, Wetz^r. ES empfiehlt fich bei dieseu^AuSflügen bit Karte der mit Farbenzeicheu verfehruen Wege zu benutzen, welche er ermöglicht, noch viele andere lohnende Touren im Anschluß an obige au-zuführen. Die Karte ist tu allen Buch- und Papierhandlungen zum billigen Preis von 1.25 Mk. auf Leinen gedruckt zu haben.
* * RadsportlicheS. Das Schlußreuneu am 2. October soll sportlich großartig gestaltet werden. Sensationell wird fraglos da- Rennen um die 25 Kilometer-Meifterschaft von Süddeutschlaud sür Herreufahrer durch die hierbei mitwirkeu- den Schrittmacher werden. ES werden nicht nur wie bei unseren früheren Radwettfahrten Zweifitzer, sondern auch Drei- und Bierfitzer als Schrittmacher auf der Bahn erscheinen, wodurch daS Feld für den Zuschauer rin immer wechselnde- Bild bekommt und ebenso die Chancen deS Gewinnens der einzelnen Fahrer fich spannend gestalte« werden.
* • Deu ersten Gewiu« der Butzbacher AuSstelluugSlotterie hat Fräulria Stork hier, Tochter des Herrn Collegienhaus- Verwalter- Stork, gewonnen. Infolge unserer gestrigen Notiz, uach welcher der Gewinn noch der Abholung harrte, wurde der Vater der Gewiuueriu, welch» fich in ärztlicher Behandlung in der hiesigen Klinik befiadet, erst zum Einsehen der Liste auf unserer Expedition veranlaßt.
* * Heber «pselblütheu wurden uns iu diesen Tagen so häufig mündlich und schriftlich Mittheilung gemacht, daß wir fie al- „Seltenheit" nicht mehr notiren können.
Weiterbericht, lieber den britischen Inseln lagert der Kern eine- barometrischen Maximum-, von dem au- fich noch ein keilförmiger Ausläufer in südöstlicher Richtung bis uach Süddeutschlaud herein zieht. Im Urbrigeu ist die über der Ostsee und Scandinavten gelegene Depression ostwärts gewandert und hat dabei ihren Einfluß auch nach Süden etwa» weiter ausgedehnt. Auch jenseits der Alpen hat der Luftdruck abgeuommen. Ferner scheint vom atlautischeu Ocrau her ein neues Minimum zu nahen. —Voraussichtlich e Witterung: Wolk-ge-, ziemlich kühles Wetter mit stellenweiseu leichten Niederschlägen.
Die „Gießener Famittenbliittkr"
werden im neuen Quartal eine lebensgetreue, fesselnde Erzählung von P. Ditfurth, betitelt:
„In der LorenMsse"
bringen.
Veemrschte-.
* Souderburg, 22. September. Mit dem amerikanische«- Kriegsschiff „Maine" ist der auß dem benachbarten Dorf Blaus stammende Seemann Jörgen Lorenzen in die Luft gesprengt wordeu. Seine betagte Mutrer, eine ia dürftigen Berhältniffen lebende Wittwe, wohnt in dem genannten Dorfe. Die amerikanische Regierung hat der Frau kürzlich eine einmalige Unterstützung von 2100 Mk. gewähre. Außerdem hat die Union ihr eine dauernde Unterstützung vo« 560 Mk. jährlich zugesichert.
* Ein Rüffel — so lautet eine kleine Geschichte von Karl Ewald, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Der Verfasser erzählt:
Ich saß vor dem Cafs d'Angleterre und wunderte mich, daß ein kleiner Bursche, der alle Tage von mir 2 Pfennige zu Kuchen erhielt, fich noch immer nicht hatte sehen lassen. Gestern hatten wir ihm in einem augenblicklichen Anfall von guter Laune ein blankes Markstück gegeben. Noch sehe ich sein Erstaunen, sein strahlendes Antlitz und die Eile, mit der seine kleinen nackten Füße nach diesem unerwarteten Ereigniß über den Marktplatz davoneilten.
Da stand er plötzlich neben meinem Tisch.
Ich blickte von meiner Zeitung auf — er hatte rothe, geschwollene Augen. Ein ärmlich gekleideter Mann hielt ihn an der Hand.
„Ist es der Herr dort?" fragte der Mann und zeigte auf wich. „Dann mach, daß Du nach Hause kommst."
Der Junge eilte davon. Ein Kellner erschien und ersuchte den Mann, fich so schnell wie möglich zu entfernen. Der aber blickte ihn mit den durchdringenden Augen seines mageren Antlitze- an und schien nicht gehen zu wollen.
„Ich bin nicht hierher gekommen, um zu betteln", sagte er. „Ich habe mit dem Herrn dort zu reden."
„Das stimmt", sagte ich.
Er nahm auf einem Stuhle mir gegenüber Platz und ging ohne weitere Einleitung auf sein Ziel los.
„Ich wollte den Herrn nur fragen, wie der Herr dazu kommt, meinem Jungen Geld zu geben."
„Nun — ja. Ich gebe ihm öfter zwei Pfennige zu Kuchen. Hat er irgend welchen Schaden dadurch genommen?"
„Gestern gab der Herr ihm eine Mark. Will der Herr vielleicht wissen, wie es damit ging? Auf dem Hofe zu Hause war ein anderer Junge, der nahm ihm das Geldstück fort. Er wurde angezeigt und heute Morgen ergriffen, ’n böser Schlingel, der doch früher oder später hinter Schloß und Riegel gekommen wäre. Aber das ists auch nicht, wovon ich reden wollte. Ich bin nur ein armer Mann, doch möchte ich gern ehrlich bleiben, so lange ich kann, und meine Kinder sollen es auch sein."
„Ja — ich räume ein, daß ich unüberlegt gehandelt habe . . ."
Er unterbrach mich durch eine Handbewegung. Er war hierher gekommen, um — seine Meinung zu sagen und kümmerte sich wenig um meine Einwendungen und Entschuldigungen.
„Will der Herr den Jungen zu sich nehmen?" fragte er.
„Dar kann i<H nicht. Ich h^be selber Kinder — ich bin selbst ein armer Mann ..."
Er sah zuerst mich an, dann mein Glas und die übrigen Gäste vor der Fayade des Hotels.
„Es gtebt verschiedenerlei Armuth", sagte er schließlich. „Und nun möchte ich den Herrn bitten, daß er seinen Kuchen in seine eigenen Göhren stopft. Ich habe noch sieben daheim außer diesem hier, und der kommt nach Hause: „Hab Kuchen gegessen" und ist großschnauzig geworden, und die anderen werden neidisch auf ihn. Meine Kinder sollen lernen, daß Geld ein Ding ist, das man durch saure Arbeit verdienen muß. Sie sollen nicht glauben, daß man es auf der Straße findet. Sie sollen nicht glauben, daß man eß zu solchem Zeug wie Kuchen gebraucht. Ich weiß nicht, ob der Herr mich verstanden hat?"
„Ja wohl", sagte ich.
Dann erhob er sich und ging ohne Gruß, schwerfällig, gebückt, müde, mit schleppenden Schritten über den Marktplatz davon.
• Stilblüthe au- eiuem Roman. Adolar war bezaubert. Nie hatte er die Gräfin schöner gesehen, als ba fie in stummem Schmerle ihr Antlitz verhüllte.
Eingesandt.
Gieße«, 24. Septembr 1898.
Unsere Stadt ist ein Muster sozialer Fürsorge — und ein Bei- spiel spießbürgerlicher Gleichgültigkeit gegenüber künstlerischen Bestrebungen.
So mantßfalttg die Darbietungen unseres Theaterensembles waren (man denke an Herrn Liebscher I), die pekuniären Schwierigkeiten ließen nicht nach, so anerkennenswerth musikalische Intentionen, stetig blieb die starre Jntereffenlosigkeit — außer wo e8 nicht zum guten Ton gehörte und die „Bildung" zu bekunden nöthig war!
Unsere Regimentscapelle leistet Vorzügliches! Unter ihrem Letter, dessen Verdienste um die Hebung des musikalischen WesenS unserer Stadt noch lange nicht genug gewürdigt werden, hat sie mit großem Beifall (auf telegraphische Ordre) vor unferm Kaiser in Wtlhelmshöhe und vor der verblichenen Kaiserin von Oesterreich concerttrt. Geradezu frenetisch war der Jubel der russischen un- englischen Kurfremden bet den zahlreichen Concerten der Capelle in Bad Nauheim! Anderer großer Erfolge gar nicht zu gedenken. Und hier in Gießen? Ja, da sind AbonnementSconcerle — klassische Musik — guter Besuch! Denn es gehört zum berühmten guten Ton dort — zu bummeln und theueres Bier zu trink-n! Am Schluß jeder Piöce des dritten ThetlS wird wüthend geklatscht, um noch ein Märschchen herauSzutrommeln (für sein Geld), und man scheidet mit dem erhebenden Bewußtsein, Bildung, Interesse u. s. w. gezeigt zu haben!
Aber dieser AbonnementSconcerte, offictell für Couleur und alle- was sich fehen lassen kann und will, find nur sechs an der Zahl, und im Winter ebenfalls eine Serie zu wagen, wäre ein gewagter Versuch.
Aber da sind ja die Bierconcerte! In der That, fie existiren, zu li/, pCt. gut besucht, wobei bann der obligate Radau (einiger Braven) nicht fehlen darf. Sonst gähnende Leere, gähnende Kellner, grimmiger Wirth, gelangweilte Musiker ... o du mein Oesterreich l
Oder sollte hier etwas anderes die Schuld sein, möchten unsere Gießener die Propheten in ihrem Vaterlande doch gelten lassen und werden bloß daran gehindert? .... Cherchez la — bibrel


