Ausgabe 
25.8.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 198 Zweites Blatt. Donnerstag den 25. August

Gießener Anzeiger

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an Schall link» und recht» tu die Ebene verliert, ist nutzlos. Mau steckt daher über die aunähernd senkrecht gegen die Wolken gerichteten Geschütze, welche die Form von Mörsern oder Böllern haben, große Schalltrichter, welche den Schall gegeo die Wolken coucenlrireo.

ES wirb selbstredend ooch zahlreicher Versuche bedürfen, um die beste Methode de» SchlcßrnS zu ermitteln und die wifseoschaftltche Theorie desselben anSzubaueu. Die Er­fahrungen zweier Sommer, welche au Unwetter außerordeut- lich reich waren, bestätigen, daß sonst säst alljährlich vom Hagel verheerte Gegenden verschont blieben, seitdem regel­mäßig bei jedem Unwetter geschoßen wurde, und et wäre wirklich der Mühe werth, wenn man auch anderwärts die Methode probtrte, die dazu berufen zu sein scheint, von den von Hagelschlag bedrohten Gegenden große» Unheil ab« zuwenden.

WaS den zweiten Punkt, die künstliche Herbeiführung von Regen betrifft, fo find wir über die Regeubildung weit brffer ortentirk, al» über die zum Thetl noch recht bunt en Verhältnisse der Entstehung de» Hagel». Die tu Europa vorwiegend herrschende westliche Windrichtung führt unanl» gesetzt riesige Waffermasseu in Dawpssorm über unseren Lon- tiuent, welcher dem Atlantischen Öcean ja bekanntermaßen außer dem Regeuretchthum auch die relative Wärme seine» Klima» verdankt. In den westlichen Thetleu Europa» find nun auch die Regenfälle derart häufig, daß anhaltende Trocken« heit nur höchst selten da» WachSthum der Feldsrüchte in Frage stellt. Je weiter wir un» aber von der vreküste nach dem Innern der großen Landmaffen entfernen, um so seltener werden die Niederschläge, und schon in Ungarn und Süd« ruhland find Mißernten und Rezenmangel nicht selten. Da»« selbe gilt von den Bereinigten Staaten von Nordamerika, welche große Gebiete von wüstenartigem Eharacter enthalten, die sich al»dann in ein fruchtbare» Eden verwandeln würden, wenn nur da» vöthige Wasser vom Himmel gespendet würde.

Ja Amerika hat man sich nun auch zunächst damit be« schäftigt, künstlich im Großen die Brrhältniffe herbetzusühren, welche den Eintritt von Regen begünstigen. Au» der That-

fache, daß nach mehreren großen Art'llerieschlachten de» Bürger­kriege» Regenwetter eintrat, zog man den Schluß, daß die gewaltigen Detonationen die Regeubildung begünstigten, und kanonirte nun bei klarem Himmel ebenso, wie dies in Steier­mark bet Wettergesahr geschieht. Die Erfolge waren tndeß sehr zweifelhast. Neuerdtng» hat nun aber Mackoy gezeigt, daß man in Ländern von Steppencharacter, über welchen oft wochenlang eine graue Wolkendecke hängt, ohne daß au» ihr auch nur ein Tropfen Regen auf die schmachtende Erde fällt, zuweilen Regen herbetführen kann, wenn man durch mächtige Feuer einen starken, senkeecht tu die Höhe steigenden Lust­strom erzeugt. Der Versuch au sich ist unanfechtbar. ES fragt sich nur, in welcher Weise dadurch die Regeubildung beeinflußt wird, ob durch daS Emporretßen der Wafferdampf führenden Wolkenschichten in Höhen, wo die zur Eoudeusatiou de» WafferdawpfeS nölhige niedrige Temperatur herrscht, oder dadurch, daß auS den niedrigeren Schichten der Atmosphäre maffeuhaft Staubthetlchen nach oben entführt werden, welche, wie schon erwähnt, zur Tropseubtlduug uöthig find. Wahr­scheinlich ist da» Letztere, denn auch nach großen Vulkan­ausbrüchen, welche häufig Mill onen von Eentnern Aschenstaud tu die höchsten Luftschichten werfen, folgt meisten» au»giebiger Regensall. vielleicht ist aber auch da» Zusammenwirken beider Factoreu vorthellhaft.

Jedenfalls wird die Menschheit auch hieran» Nutzen ziehen. Den Traum, die Sahara oder die Wüste Gobi da­durch in fruchtbare» Land zu verwandeln, wird mau freilich nicht hegen dürfen, denn an drm Maßstäbe der allgewaltigen Natur gemeffku, find unsere Hilfsmittel ja verschwindend klein. Grundlegende klimatische Veränderungen vollziehen fich nur in langen Zeittäumin und verdammen vielleicht unsere ge- segnettu Eulturländer dereinst zur Dürre und llusruchtbarkeit, um Tausende von Meilen davon entfernt daS Bild lachender Ueppigkett hervorzurufeu. Im Kleinen aber und dort, wo wie bet un» der Waffergehalt der Luft meisten» nicht wett vom Sättigungspunkt tst, find werthvolle Resultate mit ziem­licher Bestimmtheit zu erhoffen.

Feuilleton.

Wetterschießen und künstlicher Wegen.

Eine brenneibe Frage der modernen Wetterkunde.

Von Rudolf EurttuS.

(Schluß.)

Aehnliche verhältniffe herrschen bei AuSbruch eine» Hagelwetter». Wa» tm physikalischen versuche unten, ist in bei natürlichen Verhältnissen allerdings oben und obendrein ist da» Waffer in der Lust zunächst noch nicht in tropfbar «flüssiger Form vorhanden. Die Atmosphäre der Wetter­wolke ist aber mit Wafferdampf gesättigt, welche bet dem geringsten Anlaß fich in Gestalt von Tropfen anszuscheiden beginnt. Diele Anläße find nun Abkühlung der Luft unter den Thaupnnkt und da» Borhaidensetu von Staubtheileu tu der Lust, au welchen fich die Wafferbläscheu utederschlagen und bei deren gänzlicher Abwesenheit man die Lust weit unter bru Thaupnnkt abkahlen kann, ohne einen Niederschlag zu erhalten. Beide» ist bei jedem Gewitter und Regeufoll tu au»reichendem Maße vorhanden, führt aber noch nicht zur Hagelbildung. Da» Zustandekommen von Hagelkörnern setzt nämlich außerdem noch absolute Ruhe der Luft voraus. Auch dcr versuch im Laboratorium m ßlingt unweigerlich, wenn -sich die Atmosphäre um den Apparat auch nur in der ge- regsten Bewegung befindet. Nun herrscht vor dem Hagel- Wetter eine geradezu unheimliche Ruhe und unbedingte Wind- stille, und nur wenn diese vorhanden tst, erfolgt dte Um- »Übung be» gasförmigen Wafferbompses in dem stark ab- gekühlten Raume in und unter der Gewitterwolke so langsam, daß ein Thetl der Tropfen zu Hagelkörnern gefriert.

Auch die Erschütterung der Lust durch die Schallwellen einer starken Detonation ist ausreichend, um den Labora- lortumsversuch zu vereiteln und nur Waffertropsen entstehen zu laßen, darauf gründet fich die Berechtigung, zur ver- Hütung de» Hagelschlage» vor und während eine» Gewitter» zu schießen.

Natürlich ist nur diejenige Schallwtrkung von Nutzen, welche die gefahrdrohenden Woikenschichten erreicht- wa» fich

Tas künftige preußische Abgeordnetenhaus.

Nur noch kurze Zeit trennt un» von den Wahlen zur preußischen Zweiten Kammer, denen man bekanntlich diesmal mit ganz besonderem Interesse entgegevfieht, weil e» fich Herausstellen muh, ob der erste Sozialdemokrat in da» neue Prachtgebäude in dtr Prinz Albrechtstraße zu Berlin einziehen wird oder nicht. Da» alte Hau» am Dönhoffplatze war .genossenfrei" geblieben, und es ist immerhin bemerkenSwerth, daß im größten Staate Deutschlands bisher kein Sozialist ein Abgeordnetenhaus-Mandat zu erringen vermochte. Ob hieran der Beschluß de» Hamburger Parteitage» etwa» ändern wird, läßt fich natürlich nicht vorauSsthen, aber wir möchten wohl behaupten, daß dte bevorstehenden Wahlen an der bi»- hertgen Physiognomie de» Hause» der Abgeordneten keine große Wandlung hervorbrtngen werden.

Halbamtlich war im Lause der letzten Parlawentssesfion erklärt worden, daß eine Beschränkung in der Vorlegung von Ardeit»stoff selten» der Regierung eintreten, daß in der starken Production von Gesetzentwürfen Halt gemacht werden solle. Wenn man einen Rückblick wirst auf die parlamen- taiische Thätigkeit im Reiche und in Preußen innerhalb der verfloßenen fünf Jahre, so muß man wirklich staunen über dte Fälle von Arbeiten, welche erledigt worden find, und freilich auch über die zahlreichen Vorlagen, welche zurück- gestellt werden mußten. Unendlich lang dehnten sich die einzelnen Sessionen au», und die ArbeitSmÜdigkelt des Reich»- tag» insbesondere war nachgerade zu einer Ealamität ge­worden, die ihren Ausdruck in der fortwährenden Beschluß- Unfähigkeit de» Reichstag» fand. Nur bei den hauptsächlichsten Beschlüßen waren dte Volksvertreter in genügender Anzahl erschienen, nachdem von den einzelnen Fractlonen verzweifelte Anstrengungen gemacht worden waren, ihre Mitglieder zur Fahrt nach Berlin zu veranlaßen.

Wa» nun die Aufgaben anbelangt, welche dem preußischen Sbgeordnetenhause in seiner nächsten Session zufallen werden, |o dürfte die Erörterung über da» Verein»- und Versammlung», -recht einen breiten Raum einnehmen und zu lebhaften, er­regten Debatten führen. Jeder, der der bekannten Sitzung dcS preußischen Parlament» im Jahre 1897 beigewohnt hat, in welcher mit wenigen Stimmen Majorität der Verein»- gisetzentwurf der Regierung abgelehnt wurde, vermag zu ermeffen, wie die Gemürher aufeinander platzen werden, wenn

die BerelnSgesetz-Angelegenheit von Neuem auf der Tages­ordnung steht. Und es darf al» sicher angenommen werden, daß ein neuer diesbezüglicher Gesetzentwurf eingebracht werden wird, da Fürst Hohenlohe gewlffermaßen eine Verpflichtung eingegangen ist, welcher er nach der einen oder der anderen Richtung hin nachkommen wird. Es braucht kaum betont zu werden, daß die Regierung einen schweren Standpunkt hat, wenn sie die Jntereßen der verschiedenen Parteien unter einen Hut bringen will.

An Vorlagen, welche da» künftige Abgeordnetenhaus sicherlich zu erledigen haben wird, find das NothstandSgefetz, d. h. daS Gesetz, daS so großen Wafferkatastrophen, wie sie im vorigen Sommer einzelne deutsche Gebiete heimsuchten, Vorbeugen soll, und die Eanalgesetzvorlage zu nennen. Beide dürften keinem allzu großen Widerstande begegnen, und ins­besondere der erste Gesetzentwurs erfreut fich großer Sym­pathie, so daß alle Kreise die beschleunigte Erledigung der Angelegenheit wünschen. Die Lanalvorlage wird reiflicher Erörterung bedürfen bezüglich de» Umfang», in welchem sie ausgesührt werden soll, obgleich von keiner Seite dte Be- dürfuthfrage und die Zweckmäßigkett der Vermehrung unserer Verkehrsmittel geleugnet werden kann.

Bald werden dte Parteien in den Wahlkampf etntreten, und eine erregte Zett steht wieder bevor. Hoffentlich treten dabet dte Sondertotereßen vollständig zurück, und dte Förder­ung de» Ällgemkinwohl» bildet den Zielpunkt de» Kampfe», der ebenso wie im Reiche sich hauptsächlich um die Wirth- schaftlichen Jntereffen drehen wird. (xx)

Deutscher Reich.

Bad Nauheim, 23. August. Kaiserin Elisabeth von Oesterreich reist am 29. August von hier ab und begibt fich dtrect nach Laux bet Montreux zur Nachkur.

Köln, 23. August. Zu der Meldung de»Berliner Loeal-Anzeiger" bezüglich de» engltsch-amertkantscheo Zwischenfalle», daß alle Schiffe klar zum Gefecht gemacht seien, schreibt dieKöln. Ztg.": Weder Deutsche noch Franzosen hätten Grund, die Beleidigung de» englischen Kanonenboote» zu rächen. Daß fie gegen da» incorrecte Verhalten der Amerikaner protestirteo, sei möglich, besondere Bedeutung sei indeffen dem Zwischenfall nicht beizumeßen.

Mnohmr bei dem die vielen Blumen-

i, gkd. Sech.

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Md.

aderu guter Kesie man an Herrn Bv iffen.__

Roll, 23. August. Zu den Neuanswendungen für da» deutsche Heer schreibt dieKöln. Ztg.": E» handelt fich um eine Vermehrung von 16000 Mann, die Angesicht» der gewaltigen Vevölkerungszunahme sehr berechtigt erscheint. Daß Mainz al» Sitz drS General-Lommando» für daS hesfische ArmercorpS bestimmt wurde, ergab fich au» militärischen Rücksichten. Bei der letzttägigen Anwesenheit de» Kaiser» in Mainz dürste io Besprechung mit dem Groß- Herzog diese Frage endgültig geregelt worden sein.

Köln, 23. August. Die ,Rölu. Ztg." meldet au» Budapest: Bon zuverlässiger Sette wird bestätigt, daß bezüglich der rechtlichen Form de» vorläufigen Ausgleichs- Ueberelnkornmen» zwischen beiden Regierungen in Ischl ein Einvernehmen erzielt wurde. Bei den morgen hier be­ginnenden Conserenzen wird eS fich hauptsächlich darum handeln, welche Bestimmungen der Badent'schen Ausgleichs- Vorlage schon jetzt in Kraft treten sollen und aus welche Art die neue Quote festgestellt wird, fall» Graf Thun den Reich»- rath nicht einberufen wolle.

ArrsUru-

Brunn, 23. August. Das Kinder-Ferienheim In Groß«UllerSdorf, wo 120 Knaben untergebracht find, ist Nacht» total niedergebrannt. Mit größter Mühe gelang e», die Kinder zu retten.

Nom, 23.August. Der Regierung gingen Depeschen au» Schoa zu, weshalb der Krteg»mlntster fich ebenfaU» nach Turin begeben hat.

Petersburg, 23. August. Nach Depeschen au» Peking hat Lihung-Tsch ang feine Demission dem Kaiser von China infolge englischer Reclamationen unterbreitet. Dieselbe wurde aber nicht angenommen.

Warschau, 23. August. Ein schrecklicher Unglücks- fall hat fich in Rykt ereignet. Eine von einem Schmiede auf einem Felde nach dem Manöver gefundene Granate ex- plodtrte in der Schmlede-Werkstätte und riß diesen sowie sieben andere Personen buchstäblich tn Stücke.

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