Irland, Lord Frederick Cavendish, im Phönixpark in Dublin ermordet.
Petersburg, 23. Mat. Die vor einiger Zeit durch kaiserlichen UkaS zur Vergrößerung der Flotte bewilligten 90 Millionen Rubel find nicht, wie jetzt bekannt wird, ein Zuschuß zu den laufenden Au-gaben, sondern zu einer vorauf- gegaugenen Spectalsumme, deren Höhe nie genannt worden ist. TS ist in Rußland nicht üblich, derartige Vorgänge an die Oeffeutlichkeit zu bringen, und daß dies bei dem letzten UkaS geschehen ist, hat seinen besonderen politischen Zweck. Mau nimmt an, daß die Sonderanweisung einer Summe aus Staatsmitteln für Kriegsschiffbauten 120 bis 130 Mill. Rubel beträgt. Natürlich wird die Ausgabe derselben auf eine Reihe von Jahren vertheilt, und zwar entfällt ein Theil ausschließlich auf Neubauten, der andere Theil auf Erweiterung und Berbefferuug der Staatswerften und Beschaffung von Hilfsmitteln für den Kriegsschiffbau im Allgemeinen, da eine starke Abneigung gegen Bestellungen im Auslande, besonders aber gegen englische Werften vorhanden ist. Augenblicklich im Bau befindlich find sechs große Schlachtschiffe, ein KüstenvertheidigungSpauzer, der Panzerkreuzer „Gromoboi", vier kleine geschützte Kreuzer, drei Kanonenboote und etwa siebzehn Torpedobootzerstörer und zehn Torpedoboote. In diesem Jahre soll noch auf den Hellingen der baltischen, der Admiralität-- und der Werft in Galeruh, die zur Zeit von der „Oßlabya", der „Perefwjet" und dem Kreuzer „Pallada" besetzt find, der Kiel zu drei Schlachtschiffen gestreckt werden, so daß auf der baltischen Werft in Petersburg nur noch der Panzerkreuzer „Gromoboi", auf der AdmiralitatSwerft und in Galerny nur die Schwesterschiffe der „Pallada", die beiden Kreuzer „Diana" und „Aurora" verbleiben. Der Küsten- vertheidiguugSpanzer „Admiral Apraxin" wird au der Newa ferttggestellt. Die neuen Panzerschiffe find Schwesterschtffe der „OZlabya" von 12675 Tonnen und erhalten als Haupt- armiruug vier 25 Centimer-Geschütze von der Länge des 40fachen Kalibers, dagegen keine Kupferung, da sie für die baltische Flotte bestimmt sind. Bon den fertiggestellten Schlacht- schiffen werden die „Poltawa" und „Sebastopol" noch in diesem Sommer Probefahrt machen, während die „Petro- pawloSk" noch etwas hinter ihren Schwesterschtffeu zurück ist. In Nikolajew befindet fich der „Fürst Potemkiu", ein Schwesterschiff des „Tri Sokatitelia", im Bau, und zu einem neuen Panzerkreuzer von 8000 Tonnen soll der Kiel auf der neuen baltischen Werst gelegt werden. In Sebastopol wird der „Rostislaw" fertiggestellt. Die in dem neuen Programm enthaltenen kleineren Neubauten find zwölf Schwesterschtffe des Torpedobootzerstörers „Sokol" und mehrere Torpedoboote, die theils auf der Jjorawerft, theils auf den Newsky- Werften gebaut werden sollen. Die Torpedobootzerstörer und Torpedoboote find für die Marinestationen Wladiwostok und Port Arthur in Ostafien bestimmt. Auf der baltischen Werft soll außerdem der Kiel zu einem Minenschiff von 2500 Tonnen und 5000 Pferdekräften gelegt werden. Diese im Bau befindlichen und int Laufe deS Jahres auf Stapel zu legenden Schiffe bilden einen Theil eines großen Flottenbauprogramms, dessen volle Einzelheiten nicht bekannt find, aber eine ungewöhnliche Thätigkeit der Mariueverwaltuug erkennen lassen. ES heißt jedoch, daß in das Programm noch drei Schlachtschiffe von 13000 Tonnen und eine Anzahl von Torpedobootzerstörern fallen, die man auf der Werft von Cramp & Co. in Philadelphia in Auftrag zu geben beabfichtigt.
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Die Verstaatlichung der Reichsbank.
(Fortsetzung.)
Diese Organisation erscheint wahrlich schon so staatlich, daß man sie sich selbst im Falle einer Verstaatlichung der Reichsbank kaum noch staatlicher denken kann. Und dennoch scheint gerade der Centralausschuß vielen Gegnern ein Dorn im Auge zu sein. Manche glauben, daß der Centralausschuß einen großen, und weil von der haute finance ausgehenden, ihnen verhaßten Einfluß auf die Geschäftsleitung ausübe. Manche haben das Gefühl, daß der Centralausschuß ein den Präsidenten schützend umgebender Mantel sei, nach dessen Beseitigung sie auch dem von ihnen nicht gerade ebenso wie von uns geliebten Präsidenten besser zu Leibe gehen könnten. (Heiterkeit.) Die meisten hoffen, daß, wenn durch eine Verstaatlichung der Centralausschuß in Wegfall kommt, doch wiederum irgend ein Bankbeirath aus parlamentarischen Kreisen gebildet werden würde, in welchen dann die politischen Wortführer hereinzukommen hoffen, um ihrerseits Einfluß auf die Bankleitung zu nehmen. Was nun den vermeintlichen Einfluß des jetzigen Centralausschusses anbetrifft, so habe ich selbst während einer Reihe von Jahren die Ehre gehabt, dem Ausschuß anzugehören. Ich kann, ohne indiscret zu sein, Ihnen verrathen, daß der Centralausschuß — um mich eines vulgären Ausdrucks zu bedienen — gar nichts zu sagen hat. (Heiterkeit.) Es ist nach dem Gesetz dem Bank-Directorium ziemlich freigestellt, inwieweit es Gutachten des Centralausschusses einholen will, und es steht ihm ganz frei, ob es sich nach diesem Gutachten richten will. Ich habe es in meiner Praxis nur ein einziges Mal erlebt, daß ein Gutachten durch förmliche Abstimmung eingeholt wurde. Mit einer allerdings ganz geringfügigen Majorität entschied sich der Centralausschuß für eine Hinauf- oder Herabsetzung des Discont-Satzes, und in diesem für den Centralausschuß höchst interessanten Fall beschloß das Reichsbank-Directorium das gerade Gegen- theil. (Heiterkeit.) Ich will damit nicht sagen, daß, wenn es sich um eine starke Majorität gehandelt hätte, das Direc- torium sich nicht doch dem Centralausschuß angeschlossen hätte, wie ich überhaupt nur sagen kann, daß von beiden Seiten dem Sinne des Bankgesetzes auf das Loyalste nachgelebt wird. Aber ein tüchtiges und zielbewußtes Directorium, wie wir es bisher immer gehabt haben, weiß eben in der Regel auch schon ohne förmliche Begutachtung des Ausschusses, was es will und was den Ansichten des Ausschusses nicht widerspricht. Dennoch lege ich den allergrößten Werth auf die Beibehaltung des Centralausschusses gerade in seiner |
jetzigen Gestalt. Er muß für ein jedes Reichsbank-Directorium von dem größten Nutzen sein, Fühlung mit einem so durch und durch sachverständigen Organ zu behalten, welches sich zwar der eigenen Einmischung enthält, welches aber jeder Zeit, wenn das Directorim es wünscht, mit seinem sachverständigen Gutachten zur Verfügung steht und die in ernsten Lagen sonst allzu große Verantwortlichkeit des Präsidenten auch dem Reichskanzler gegenüber deckt. Wie gerade umgekehrt ein politischen Einflüssen unterliegender Beirath hemmend und desorganisirend dem Directorium in die Zügel fallen könnte, brauche ich nicht näher auszuführen. Ich komme jetzt zur Geschäftsgebahrung der Reichsbank. Wie schon Eingangs erwähnt, übernahm die neue Reichsbank die frühere Preußische Bank. Letztere hatte für 60 Millionen Mark Antheilseigner, denen 60 Millionen Mark ReichSbank- Antheile im Austausch überwiesen wurden. Außerdem war der Preußische Staat mit einer Capitaleinlage von 5 720 400 Mk. an der Preußischen Bank betheiligt. Diese Einlage wurde aus dem neugebildeten Capital der Reichsbank zurückgezahlt. Es wurden 60 Millionen Mark Reichsbank' antheile zum Curse von 130 pCt. an das Publikum begeben. Aus dem von den neuen Actionären eingezahlten Agio von 30 pCt. ergab sich ein Reservefonds von 18 Millionen Mark für die neue Bank. Außerdem fand die Reichsbank in der Preußischen Bank einen Reservefonds von 18 Millionen Mark vor. Von demselben war die Hälfte mit 9 Millionen Mark an Preußen auszuzahlen; die andere Hälfte floß mit 9 Millionen Mark zunächst in den Reservefonds der neuen Reichsbank und erhöhte denselben auf 27 Millionen Mark. Hieraus aber war die einmalige Abfindung an Preußen mit 15 Millionen Mark zu zahlen, so daß der Reichsbank aus dem von ihren Actionären eingezahlten Agio von 18 Millionen Mark nur ein Reservefonds von 12 Millionen Mark verblieb. — Diesen Reservefonds hat die Reichsbank aus ihren Erträgnissen in den Jahren 1876 bis 1891 auf die statutenmäßige Höhe von 30 Millionen Mark aufgefüllt. Außerdem wurden sehr erhebliche Gewinnantheile an das Deutsche Reich ausgezahlt. Dieselben hoben sich von 1954000 Mark im Jahre 1876 auf ca. 10 Millionen Mark im Jahre 1897. Ein für das Reich sicherlich glänzendes Resultat, welches von einer verstaatlichten Reichsbank wohl kaum erreicht und wohl sicher nicht übertroffen werden würde; denn man muß bedenken, daß das Reich mit keinerlei Capitaleinlage in der Reichsbank betheiligt ist. Für die Actionäre erzielte die Reichsbank in den 22 Jahren ihres Bestehens eine durchschnittliche Dividende von 6,54 pCt. p. a. Da die Actionäre ihre Actien mit 130 pCt. eingezahlt haben, so ergiebt das für sie eine Verzinsung von 5 pCt. pro anno für das angelegte Geld. Gewiß ein befriedigendes Resultat auch für die Actionäre, aber andererseits auch sicherlich nicht mehr, als ihnen gerechterweise zukommt, wenn man bedenkt, daß die Actionäre es sind, die allein das ganze Risico des Unternehmens getragen haben. Käme es zu einer Verstaatlichung der Reichsbank, so würde nur die Hälfte des Reservefonds an die Actionäre fallen; sie würden also nur 1121 /a pCt. für die Actien erhalten, die sie mit baaren 130 pCt. bezahlt haben.
(Fortsetzung folgt.)
itoenles trnb provinzielles.
Gießen, den 24. Mai 1898.
•* ZuvungS Statistische». Da» in voriger Woche aus- gegebene „Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen" bringt einen interessanten Artikel „Die deutschen Innungen, eine statistische Studie von Paul Voigt." Wir entnehmen daraus, daß die Innungsmeister im Regierungsbezirk Posen 61 Procent aller Handwerksmeister bilden, im Regierungsbezirk Königsberg 51,6 Proc,, im Regierungsbezirk Schleswig 24,8 Proc., im Regierungsbezirk Erfurt 19,3 Proc., im Regierungsbezirk Cassel 8,5 Proc., im Regierungsbezirk Wiesbaden 5,3 Proc., im Königreich Sachsen 42,3 Proc., in Mecklenburg-Schwerin 50,2 Proc., in Bayern 6,6 Proc., in Württemberg 1,7 Proc., in Baden 2,1 Proc., in Hamburg 35 Proc. und in Elsaß-Lothringen 1 Proc. Für da- Großherzogthum Heffen ist die Zahl der Handwerksmeister mit 30562 angenommen, die der Jnnungsmeister mit 1177, wonach der Prozentsatz 3,9 beträgt. Und da sage Einer noch, daß unsere HandwerkSmeifier in Heffen, Baden, Bayern, Württemberg, Elsaß-Lothringen, sowie in Hessen-Nassau und Heffen-Kassel Anhänger von Innungen find.
*• BeherzigeuSwerthe Mahnung. Verschiedene Blätter bringen folgende zeitgemäße Mahnung, welche wir auch unserer Bevölkerung ans Herz legen: Schonet die Saaten! Jetzt, wo das Frühlingswetter mächtig hinauslockt und Tausende in Gottes freier Natur Erholung suchen, ist wohl die Mahnung am Platze, das grüne Eigenthum des Anderen pflichtgemäß zu schonen. Es ist kein Zweifel, daß man dem ländlichen Eigenthum nicht gleiches Recht mit anderem Befitz- thum zugestehen will. Da tritt man, statt auf dem guten Fußpfad zu bleiben, oft daneben auf den hohen Saatrand. Dorr bricht man hin und wieder Zweige, dort pflückt man leichthin und ohne besonderen Zweck ganze Sträuße Feld- und Wiesenblumen, um sie bald wieder halbverwelkt wegzuwerfen. Der Landmann erlaubt ja verständnißvollen Sammlern sehr gern eine Freiheit, aber deßhalb mahne ein Jeder Unbefugten gegenüber zum Maßhalten. Freiheit ist eine schöne Sache, aber keine Freiheit ohne Gerechtigkeit!
+ Nidda, 21. Mai. Kaum hatten wir Thalbewohner unS von dem Schrecken der letzten Ueberschwemmung erholt, al» eine neue da» Niddagebiet heimsuchte. Gestern Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr stellte fich ein mehrstündige», erst von Hagel begleitetes Unwetter ein; der ohne- dieß durch die vorherigen Niederschläge in langsamem Wachsen begriffene Fluß stieg rapider, und bald nach der, gegen 6 Uhr hier eingetroffenen Kunde von dem Nirdergehrn eines Wolkenbruches bei Eichelsachsen wälzten fich ungestüme Waffermaffen
längs der an mehreren Stellen über das Flußbett getretenen Nidda und über die den Ufern nächst gelegenen Gärten, Aecker und Wiesen hin, viele herrenlose Sachen mit fich sühreud, sowie Straßen und Plätze in den tiefer liegenden OrtStheilen über- fluthend. WaS von dem Hochwaffer in den Fluren der abermals heimgesuchten Eichel- und NiddathaleS verschont blieb resp. fich wieder erholt hatte, wurde durch die gestern Abend eingetretenen Wetter ganz oder theilweise zu Grunde gerichtet; obwohl die Finthen über Nacht gefallen find, steht in vielen Kellern Niddas, hie und da noch von der vorigen Ueberschwemmung her da» Waffer, und steigt darin sogar langsam. Abgesehen davon, daß schon seither die Feldarbeit still stand, muß solche ferner einige Tage ruhen resp. die frühere Bestellung meist wiederholt werden, soweit letztereS überhaupt noch möglich ist. Sehr viel Gras wurde über- schlämmt, sodaß die Ernte-Au-fichten namentlich für die Kleinbauern recht trostlos sind. Auch Gewitterschäden leichterer Art in der Umgegend wurden heute bekannt, z. B. Entzündung von Telegraphenstangen und Bäumezersplitterung re. durch Blitzstrahlen.
+ RuddiugShause», 22. Mai. Am Freitag find wir wieder von argem Hagelwetter heimgesucht worden; daS Korn ist vernichtet, der Schaden also bedeutend. ES ist dies für unsere Gemeinde um so empfindlicher, als hier in den letzten Jahren wiederholt Hagelschäden zu vvschmerzen waren. ES ist zu beklagen, daß nicht durch eine allgemeine Laude»-' Versicherung gegen Hagelschlag analog der Braudverficherung die wirthschastlich Schwachen durch gesetzlich geregelte Beisteuer der in vieler Beziehung günstiger Gestellten unterstützt werden können.
lH Romrod, 21. Mai. Ein schlimmer Tag war für unsere Gegend der 20. Mai, nach Falb ein kritischer Tag zweiter Ordnung. Kurz nach 5 Uhr Nachmittag» entlüde» fich mehrere furchtbare Gewitter, unter fortwährenden heftigen Blitzschlägen fielen nahezu drei Stunden lang wolkenbruch- artig die Regenmassen, untermischt mit Hagel. Vom Blitz getroffen, brannte die Hofraithe de» Konrad Schneider 4. in Groß-Felda bi» auf den Grund nieder, mehrere Blitzschläge wurden heute im Jägerthal festgestellt, daselbst (am alten See) ist u. A. eine Eiche total zersplittert, auch schlug der Blitz mehrere Mal im Walde nach Alsfeld zu ein. Die Antrift stieg rapid und überfluthete bereits um 7 Uhr weite Strecken, in Romrod mußte viel Vieh in Sicherheit gebracht werden. Eine gerade hier im Quartier liegende Batterie dell. Artillerie-Regiment- au- Caffel mußte eine große Zahl Pferde au- den Ställen schaffen und anderwärts einstellen. Um 10 Uhr Abends erreichte das Waffer den höchsten Stand, der Steinweg und andere Ortsstraßen waren hoch überschwemmt, die schmutzig gelben Fluthen umspülten sogar die Hohmann'sche Wirthschaft, auch die Kreisstraße nach Zell war theilweise unter Waffer gesetzt. Der vom Hochwaffer in dm Wiesen «^gerichtete Schaden ist groß. Wochenlang ist nun Regen gefallen, die Felder find ganz versumpft, es find nur wenige Kartoffeln gelegt, auch ist theilweise noch Hafer und Gerste auSzuftellen; möchte die Witterung endlich eine bessere werden. — Die Maikäferpläge ist hier so stark wie selten zuvor, zu Tausenden find die Bäume und Hecken mit dem Jnsect übersät.
§ Groß-Felda, 23. Mai. Der drückenden Schwüle, welche vorgestern herrschte, folgte Nachmittags ein Gewitter. Hierbei fuhr ein Blitzstrahl in die Hofraithe des K. Schneider IV., er traf die Scheuer und zündete. Sofort stand das Gebäude in Flammen und zündete auch das damit zusammenhängende Wohnhan» an sowie die Stallungen. Sämmtliche Gebäude, sanken in Asche, doch vermochte man daS Vieh und theilweise daS Mobiliar zu retten. Der Brandschaden, welcher durch Versicherungen gedeckt ist, wird auf 25 000 Mk. geschätzt.
§ Von der Ohm, 23. Mai. Die Maikäfer, welche man durch daS langdauernde Regenwetter Vernichter glaubte, kommen jetzt doch noch beim Eintritt besseren Wetter» zum Vorschein. Wohl vermögen fie weder im Walde, noch im Garten einen solchen Schaden anzurichten, als beim Beginn de» Mai; da sie aber wegen ihrer Eier, aus welchen bit- Engerlinge fich bilden, keinesfalls als unschädlich angesehen- werden dürfen, so ist der überall geplante Vernichtungskrieg« auch bei dem verspäteten Maikäferflug zu beginnen und fortzusetzen.
§§ Bom höhere» Vogelsberg, 17. Mai. Infolge anhaltender Regengüsse konnte in hiefiger Gegend da- Aussäen des Hafer» noch nicht beendet und auch die sonstige Feldbestellung kaum vorgenommen werden. DaS Aussetzen der Kartoffeln z. B. ist erst zur Hälfte beendet. Mit dem Umpflügen zur Gerstensaat konnte gleichfalls noch nicht begonnen werden. Die Wiesengründe find überschwemmt, an höher liegenden Aeckern hat da» Wasser die gesetzten Kartoffeln abgeschwemmt. Die Wintersaat steht indeß prächtig und reiche Ernte versprechend da. Die Wiesen zeigen einen üppiger. GraSwuch». Weil das Heu in letzter Zeit sehr zur Neige gegangen ist, wird daS Jungvieh schon feü einigen Tagen auf die Gemeinde-Hutweiden getrieben.
Mainz, 21. Mai. Bei der dieser Tage stattgehabten Submission zur Plauirung und Herstellung deS vor dem Neuthor gelegenen Terrain- der ehemaligen Hessischen Lud- wigSbahn, um dadurch Bahngelände zu gewinnen, ergaben fich wieder ganz erhebliche Preisunterschiede. Im Ganzen waren vier Firmen in engerer Submission zugelassen; der Höchstfordernde verlangte einen Betrag von rund 34000Mk. für die Arbeiten und der Mindestfordernde von 20 000 Mk., mithin zrigt fich die bedeutende Differenz von 14000 Mk. bei einem Object, für welches nur 20000 Mk. verlangt werden.
Vermischtes.
• Marburg, 21. Mai. Wolkenbrüche find am gestrigen Abende, wo auch hier schwere Gewitter mit starken Regengüffen niedergingen (der Blitz schlug wiederholt ein und hat in dem nahen Dorfe Marbach im Herbener'schen Stall mehrere Kühe getödtet), in der Nähe von Gladenbach und


