Ausgabe 
25.3.1898 Erstes Blatt
 
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München, 23. Marz. Saatenftavd Bayerns Mitte März: Ote Saaten, die größteutheil» ziemlich schwach in den W nter kamen, überwinterten meist gut und stehen im All­gemeinen, wenn auch dünn, doch frisch und gesund. Winter- weizen steht 2,45, Sommerweizen 1,00, Winterspel» 2,47, Klee, auch Luzerne, 2,15, Wiesen 2,20, wobei eins sehr gut, zwei gut, drei mittel, vier gering, fünf sehr gering bedeutet.

Arr-laird.

Wien, 23. März. Die Nachricht von der Verfügung deS Prager OberlaodeSgertchtt, wonach bei dem Gericht in Saaz doppelsprachtge Tafeln angebracht werden sollen, hat unter den deutschen Abgeordneten große Bewegung hervorgerufen. Der dieserhalb interpellirte Justtzmtuister erklärte, von der Verfügung nicht- zu wissen.

Warschau, 23. März. Der bekannte polnische Schrift­steller SzamrowSkt ist gestorben.

Cocales trab provinzielles

Gießen, 24. März 1898.

* Parlamentarisches. Die Erste Ständekawmer tritt am 29. März zusammen.

** Kunstausstellung. Mit Genugthuung können wir heute eonstatirea, daß die Ausstellung im Thurmhaus am B and feit dem letzten Wechsel der Gemälde, welcher Ende vergangener Woche beendet wurde, ein entschieden vortheil- h'^ftereS Gepräge aufwetst, eineStheilS, weil die mitunter wehr als erwünscht vertretenen Blumenstücke, welche ohnedies äster dm grheimnißvollen Zauber der Anziehungskraft ent­behren, dieses Mal nur in einem, und wir wollen gleich hinzufügen, recht schönen Exemplar von Sulzer-Merseburg: Rchen" vertreten ist, anderntheils aber auch, weil die in mehreren heiteren und scherzhaften Ex.mplaren vorhandenen hübschen Genrebilder dem Gesammleindruck eine gewisse Lebendigkeit verleihen, und endlich durch die tu fast aus­nahmslos besserer Qualität ausgestellten Gemälde. Zunächst halten zwei große werthvolle Gemälde durch ihre Schönheit unsere Blicke fest:Sommersturm" von Eschke-Karlsruhe undWinterlandschaft" von Barthel-Gießen. Während erstere- uns an die Gestade deS Meeres versetzt, um in dem ewig wechselnden Wellenspiel uuS die Gewalt der Elemente zu veranschaulichen, zeigt letzteres den Winter in seiner ganzen Härte, wo alle Vegetation ruht und die Oede der Landschaft nur wenig belebt wird, ohne indessen ihren Reiz zu verlieren, welche die Natur auch dieser Situation aufdrückt. Wettere beachtenkwerthe Bilder find:Alpe Kuhtag" von Engel­hardt-Berlin,Romantische Scharka" von Kreyssig- DreSden,Frühlingslandschaft- von WacheuHusen-Berlin u. A. Zu einem der schönsten Gemälde ist daS von Angelo de Curt en-München zu zählen:Panis angelorum11. Mit dem der katholischen Kirche eigenen Prachtaufwand zeigt uns dasselbe die Spendung deS heiligen Abendmahls an die Ordensschwestern. Eine drollige Scene stellt H irs ch sel d er- München in seinem BildeErschwerter Gruß" dar. Man denke sich einen Knaben, der unter jedem Arm eine Flasche, außerdem in der einen Hand noch eine wettere und tu der anderen Hand noch einen Krug Bier trägt, als ihm anschei- »end der Pfarrer entgegentritt. Der sicher wohlerzogene Knabe will zum Gruße nach seiner Mütze greifen, was ihm aber nicht gelingen will, sodaß der joviale alte Herr lächelnd adwinkt. Gleichfalls erheiternd stimmt den Beschauer ein von W a ch S m u t h - München ausgestellte- Bild:Aus sicherem Hinterhalt." Der auf Posten stehende Dragoner lechzt wohl nach den ihm von zwei Schönen zum Trunk offrrirten Bier« krügen, doch da- Bewußtsein der Pflichtverletzung hält ihn zurück, und er beschränkt sich auf ein fröhliches Schäkern mit denselben. Außer Ced erstroem-München, besten kunstvoll ausgeführtes GemäldeSchach" weder an Natür­lichkeit der Auffassung, noch an Schärfe und Reinheit etwa» zu wünschen übrig läßt, sind noch zu nennen: Schmid- Breidenbach (München):AuS der Fremde", Heubach- München:Parforcejagd", und ein ernster stimmende- Bild von Matt h et - Kaffel:Mütterchen, warum weinest Du?" Diese Frage wird von einem kleinen Mädchen gestellt, welche- die in tiefe Trauer gehüllte Mutter mit auf den Friedhof genommen hat. DaS Kind weiß nicht, welche Wunde eS mit dieser Frage im Herzen der Mutter berührt, die hier ihr Liebstes begraben weiß. Das Bild fordert von selbst zu näherer Betrachtung auf. Wetter verdienen al- vorzügliche Gemälde hervorgehoben zu werden: v. Hoess lin-München: Die Vision einer Weltkirche" undHomerische Küste", Correggio-München:Waldparthte", Malt München: Ein User am Achensee", letzterer ein den Gießenern wohl­bekannter und von denselben gern gesehener Künstler, dem wir öfter zu begegnen wünschten. Ein von majestätischer Hoheit getragene-, dabet in vornehmer Ruhe gehaltene- Frauenportratt in musterhafter Ausführung zeigt v. Lepel- Gnitz-Hannover in feinem Bilde:Sommerabend", eben­falls schön ist ein wettere- Bild desselben:Im Frühling". Auch ein in London bereit- mit der silbernen Medaille ausgezeichnete- Gemälde ist in der Ausstellung vertreten: Am frühen Morgen" von Frische-München, worauf wir besonders Hinweisen. Eine Collection von elf Bildern stellt Stegewann-Stein-HeinrichSau aus, die Monate des Jahres mit Auknahme deS Decewber darstellend. Don Sch eich - Gießen stad vier Bilder zu verzeichnen: Meeresbrandung",Landschaft",Hochwild", undRehe im Winter", welch letztere iudeffen trotz ihrer Schönheit sehr geiheilte Ansichten unter den Kunstkennern Hervorrufen. Al- Neuerung finden wir ein wohlgelungenes photographisches Portrait vor, ausgestellt von Photograph Zimmer-Gießen. Zum Schluß gestatten wir uns, vielfach geäußerten Wünschen vachkommend, unsere einheimische Künstlerin Frl. Dingel- dein zu weiterem Ausstellen ihrer seit längerer Zeit ungern vermißten Gemälde zu veranlaffeu. Ebenso würden wir gern

wieder etwa- Neues von Herrn Kunstmaler Fritz will­kommen heißen.

ktadttheater.Hero und Leander" oderDes Meeres und der Liebe Wellen". Zu ihrer dritten Gastrolle hatte sich Frl. Nina Sandow dieHero" ausersehen. In der Darstellung der Hero bekundete Frl. Sandow eine ganz vortreffliche Auffaffung der ihr gestellten Aufgabe und sie erreichte auch in der äußeren Gestaltung der bezaubernden Mädchenerscheinung ihre Abfichten. In vollkommener Glaub­würdigkeit verwandelte fich vor uuS die unbefangen Frohe in die plötzlich vom LtebeSpfetl Getroffene, in deren Herzen dann die heiße Gluth fich immer wehr entfacht, bis fie über ihr zusammenschlägt und fie mit hineinzieht in daS Verderben des Geliebten. Im Spiel und Erscheinung zeigte fich der edel-klasfische Zug, der unerläßlich ist bei der Wiedergabe dieser Gestalt. Frl. Sandow» Leistung wirkte ergreifend, und das leider sehr schwach besetzte Hau- erkannte dies auch durch lebhafte Brtfall-bezeugungen an. Die Gesammtdarftellung war ebenfalls eine gute zu nennen. Das Bühuenarrauge- ment präfentirte fich sehr Vortheilhaft.

* Etadttheater. Als letzte Nachmittagsvorstellung für Kinder wird am kommenden Sonntag 4 Uhr, um einem lange gehegten Wunsche unserer Kleinen zu entsprechen, das reizende MärchenspielSneewittchen und die sieben Zwerge" zur Aufführung gelangen. Damit ist den Kindern noch ein­mal ein recht genußreicher Theater-Nachmittag gewährleistet und werden dieselben daher diese letzte diesjährige Gelegen­heit noch einmal benutzen. Herr Max Iaskowrki von hier tritt zum Benefiz von Frl. Margarethe Berner Anfangs nächster Woche in KneiselsLieder de» Musikanten" auf. Auf die Sonntag Abend stattfindende Premiöre, welche Wilhelm Huhns dreiactigen SchwankEin Besuch im Panoptikum" bringt, kommen wir noch an anderer Stelle zurück

e*cf Saalban-Concett am Sonntag den 27. März. Wir haben in einem früheren Referat auf das bedeutsame Programm des Abends htngewtefen und find ganz entschieden der Meinung, daß fich kein Freund deS Altmeister» BrahwS diesen seltenen Genuß entgehen lasten wird. Auch der Kron- baur'sche Quartett-Verein war, ohne daS Programm zu sehr zu erweitern, bestrebt, nach Möglichkeit vielseitig zu sein. Er bringt neben der bereits erwähnten Rhapsodie für Alt-Solo und Männerchor in HeinzeSSonntag am Meere" eine vornehme Compofition im Genre de» Kunstliedes. Diesem als Gegensatz stehen zwei einfache, herzige Volkslieder gegen­über, einfach im Ausbau und doch von so großartiger Wirkung eben in seiner Einfachheit. Ein Redner hat vor Kurzem bei einem GesangSfeft betont, daß die Sänger nur für Ideale, nicht für goldene Becher und Ketten fingen, da» war zutreffend^ er hätte aber auch hinzufetzen können, sie fingen dafür gern vor recht gefüllten Bänken.

Oeffentliche Lesehalle. Welchen Segen eine öffent­liche Bibliothek und Lesehalle für eine Stadt be­deutet, beweist der kürzlich erschienene fünfte Jahresbericht für 1896/97 der Ottendorfer'schen Freien VolkSbtbtliothrk in Zwittau. Die trockenen Zahlen reden eine eindringliche Sprache, fie beweisen, wie rege da» Bedürfntß nach guter Lectüre tu den breitesten Schichten des Volke» ist und wie dringend nöthig eine Befriedigung diese» BrdürfniffeS er­scheint. Zur Erläuterung entnehmen wir dem genannten Jahresbericht einige Zahlen. Die Bibliothek, die in ihrem Stifter einen aufopfernden Förderer besitzt, zählt über 12 000 Bände und arbeitete in dem genannten Berichtsjahre mit einem Budget von 12656 fl., von denen allein 6000 fl. von dem Begründer gespendet wurden. Die Zahl der Ent- leiher belief sich auf 2239, darunter 618 Arbeiter, 426 Be­amte und Studirende und 682 Frauen und Mädchen. Die Grsammtzahl der entliehenen Bände betrug 63 740, wovon 9276 Bände auf die Landgemeinden de» Kreise- entfielen. In der Stadt Zwittau wurden im Durchschnitt täglich 151 Bände auSgeltehen. Die Lesezimmer wurden besucht von 22420 Personen- hiervon waren 3257 weiblichen Ge­schlecht-- jugendliche Personen wurden 4239 gezählt. Die meisten Entleihungen weisen natürlich die Romane und Er­zählungen auf (in der Stadt 31825), dann die Jugend- schrtften (9112), Poesie und dramatische Werke (3433), Ge­werbe, Kunst, Industrie, Landwtrthschaft (2329) usw. Ge­öffnet war die Bibliothek an 361 Tagen de- Jahres.

Neues Verfahren gegen Keil. Gegen den vom letzten Schwurgericht verurthetlten Keil von Gießen, welcher in­zwischen zur Verbüßung seiner Strafe nach dem Zuchthause adgeführt wurde, ist ausS Neue ein vorbereitende- Verfahren wegen Brandstiftung eingelettet. ES scheint, daß die Staats­anwaltschaft neue Beweismomente gefunden hat, um Keil auch wegen der Brände bei Lotz rc. überführen za können.

Lehrer-Kurse. Im laufenden Jahre finden im Seminar zu Leipzig wiederum Lehrer Kurse zur Ausbildung im Handfertigkeit- Unterricht, und an einer Reihe von deutschen Lehrer- und L-Hrerinneu-Kurse zur Ausbildung in den Volk», und Jugendspielen statt. Bezüglich der ersteren wolle man sich an den Direktor Dr. Götze in Leipzig, Scharnhorst- ftreche 25 wenden, der Programme versendet und Aumeld- ungrn entgegennimmt, und bezüglich der Spielkurse an die nachstehend bet den einzelnen Kursen genannten Herren. Diese Kurse find: I. Für den HandfertigkeitS Unterricht. 1. Der FrühjahrSkursu» vom 14. April bis 18. Mat, 2. der erste SommerkursuS vom 27. Juut bis 30. Juli, 3. der zweite Sommerkursus vom 1. August bi» 3. September und 4. der Herbstkursus vom 5 September vis 8. Oktober. Nach Ver­einbarung mit dem Direktor sind zur Anpaffung an die ver­schieden in Deutschland fallenden Ferien auch vier oder fünf- wöchige Zwischenkurse zulässig. Unterrichtet wird in den Arbeiten der Vorstufe, Papparbeit, Hobelbankarbett, ländlichen Holzarbeit, Holzschnitzerei, Metallarbeit, ländlichen Metall- arbeit, Modelliren sowie im Obst- und Gartenbau. Die letztere Unterweisung findet tm Frühjahrs- und zweiten Sommerkursus statt. II. Für die Volk»- und Jugendspiele. A. Für Lehrer: 1. Bonn, 22. bis 28. Mat, Dr. med.

F- A. Schmidt. 2. Braunschweig, 23. bi» 28. Mai, Schul- rath und Ghmnafialdirector Profeffor Dr. Koldewey. 3 Hader»- leben, 12. bi» 16. April, Gymnafialoberlehrer Dunker. 4. Krefeld, 13. bi» 18. Juni, Hauptturnlehrer Otto Scharf. 5. Posen, 22 bis 27. August, Oderturnlehrer Kloß. 6. Schwerin i. Meckl., 31. Mat bt» 4. Juni, Oberlehrer Metzmacher. B. Für Lehrerinnen: 1. Bonn, 30. Mai bi» 3. Juut, Dr. med. F. A. Schmidt. 2. Braun'chweig, 31. Mat bis 4. Juni, Turninspector A. Hermann. 3. Frank- furt a. M., 23. bt» 28. Mai, Turninspector W Weidendu'ch. 4. Stettin, 1. Juni bis 4. Juni, Schulrath Dr. Krosta. In den westlichen Landestheilen wird Oberturnlehrer Karl Schröter in Barmen zur Abhaltung von Wanderkursen von einwöchent- ltcher Dauer bereit sein.

** Lungenheilanstalt. Die Aussichten aus Errichtung einer Lungen hetlan stalt für da» Großherzogthum Hessen tu der Gemarkung Sandbach find neuerdings sehr günstig, da die Bohrungen nach Waffer bt» jetzt einen guten Erfolg hatten und auch anzunehmen ist, daß die Gemeinde die von der AlterSverficherungSavstalt gestellten günstigen Beding- nagen erfüllen wird. Im laufenden Jahre soll die Anlage, die etwa eine Halde Millionen Mk. kosten wird, anSgesührt werden.

* hessischer Landtoirthschaftsrath. Bom 29. März ab veröffentlicht der Hessische Landw,rthichaf:»rath mit den gegen jährliche» Abonnement zu 3 Mark zu bez'ehenden Preis- notirungSwittheilungen auch die Heu- und Strohpreise vom Frankfurter Heu- und Strohmarkt.

Wetterbericht. Bet allenthalben finkendem Barometer ist die Vertheilung des Luftdruckes sehr unregelmäßig geworden. Hoher Druck lagert noch im Westen deS ErdtheilS, ferner zieht fich ein schwacher Rücken relativ hohen Barometerstandes vom Osten Bayerns über Böhmen, Oesterreich und Ungarn zur unteren Donau. Flache DepresfionScentra liegen dagegen über der südlichen Nordsee und der Ostsee, sowie über dem Mtttelmeergebiet. Am Morgen war da» Wetter zumeist noch heiter, doch dürfte bei weiter finkendem Barometer der niedere Druck bald vollständig zur Herrschaft gelangen. Voran»- sichtliche Witterung: Zunahme der Bewölkung und neuerdings Eintritt von unbeständigem Welter.

Mainz, 23. März. Die Einführung der vierten Wag en kl affe auf den Linien der vormaligen Hessischen LudwigSbahn wird, wie man un» von wohlunterrichteter Seite mittheilt, wahrscheinlich noch tm Lause de» Sommer» erfolgen, indem die von der Bahnverwaltung in Auftrag gegebenen Wrgen früher zur Ablieferung kommen, als erwartet wurde. Mir Rücksicht auf die Einführung der vierten Klaffe bet der LudwigSbahn soll, wie neuerdings verlautet, auch die Ver­waltung der Pfälzischen LudwigSbahn die Absicht haben, in Bälde die vierte Wagevklasse etnzuführen.

Au» Rheinhessen, 23. März. Im Binger Gemeinde­wald ist gestern ein Brand auSgebrochen, dem ein größerer District Niederwald zum Opfer fiel. Den bcretnfen An- strengungcn der Feuerwehren der umliegenden Ortschaften gelang eS, gegen Abend de» Feuer» Herr zu werden.

Vermischtes.

Innsbruck, 21. März. Ein eigenartiger Unglücks- fall ereignete fich gestern Nachmittag in dem osttirolischen Städtchen Lienz. Drei junge Burschen wollten sich photo- graphtren lassen und zwar zwei al» Jäger und einer al» Bär. Ein Jäger sollte auf bim Boden liegen, der Bär über ihn herfallen, worauf der zweite Jäger avS dem Hinterhalt durch einen Schuß seinen Freund befreien sollte. Die Gruppe war aufgestellt, die Aufnahme sollte beginnen. Da krachte ein Schuß und der als Bär verkleidete Schmtedelehrling Soldrrer stürzte tobt nieder. Die Kugel war ihm durch den Hal» gegangen. Der Photograph war so bestürzt, daß er davovlief. Der unglückliche Schütze, ein Bauernsohn,, wurde verhaftet.

* Dee Gehnmnißkrämrr. Unter diesem Titel bringt -dieJugend" folgende hübsche Satire: Ein französischer Gerichtshof. Der Zeuge Da Patry de Flam sollte in der Affaire Gorgonzola aussagen. Es handelt sich darum, daß ein gewisser Gorgonzola. Nachts spät aus einer Brasserie heimkehrend, eine Dawe, Frau Marianne, beleidigt hat unter dem Vorwand, sie habe ihm wichtige Schriftstücke unterschlagen. Nachdem der Richter den Namen der Dame feftgestellt hat, entspinnt sich folgendes Verhör: Richter:Wann sind Sie geboren?" Zeuge:Das ist mein Privatgeheimniß." Richter:Ihre Confession?" Zeuge:Das ist Religion»- geheimniß." -^Richter:Sind Sie mit dem Angeklagten verwandt oder verschwägert?" Zeuge:Das ist Familien- gebeimniß." Richter:Was ist Ihr Beruf?" Zeuge: Das ist Dienstgeheimniß." Richter:Haben Sie denn dienstlich mit dem Angeklagten zu thun gehabt?" Zeuge: Das ist Amtsgeheimniß." Richter:Ist denn die Sache amtlich von so großem Belang?" Zeuge:Das ist Staatsgeheimniß." Richter:Ist Ihnen von dem Zeugen Jonrnalisten B. nichts Näheres über die Affaire mitgetheilt worden?" Zeuge:Das ist Redacti nsgeheimniß." Richter: ,.Wissen Sie etwas von den fraglichen Schrift­stücken?" Zeuge:Das ist Briefgeheimuch." Richter: Stehen Sie m Beziehungen zu der Madame Marianne?" Zeuge:Das ist LiebeSgeheimniß." Richter:Damit gestehen Sie ja ein, Beziehungen zu der Dame zu haben?" Zeuge:Das ist öffentliches Geheimniß." Richter: Warum war die Dame damals tief verschleiert?" Zeuge:Das ist Geheimniß der alten Mamsell." Richter:Man sagte, d e Dame verstecke hinter dem Schleier ein häßliches Gesicht?" Zeuge:Das ist Toilettengeheim- niß." Richter:Wie kommen Sie denn dazu, mit einer so bejahrten Dame eine Liaison zu haben?" Zeuge: Das ist Geschäftsgeheimniß." Richter:Hat sich der Angeklagte privatim über den Fall zu Ihnen geäußert?" Zeuge:Das ist Freundfchaftsgeheimniß." Richter:Man

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