das eheliche Gelöbniß ab. lieber das lebhafte Treiben auf den Straßen schrieben damals die „Times": Eine Million Menschen ist gestern von früh bis Abends auf den Beinen gewesen, um sich an dem Königlichen Hochzeitsschauspiel zu erlusttgen. Unsere Engländer find in diesem Punkte sehr leicht zu befriedigen. Nenne man es Einfalt und Beständig« keit, oder halte man es für GeschmackSarmuth, gewiß ist eß, daß das, was ihnen genügt, anderswo für armseliges Spektakel un) langweilige Heiterkeit gelten würde. Die Gabe, über Dinge ohne allen Glanz in Erstaunen zu gerathen und über fich mit Sachen, denen aller Reiz der Neuheit fehlt, zu unterhalten, scheint unseren Insulanern angeboren. Mau rede nur heute mit einem unserer müde gelaufenen Londoner- er oder fie beklagt fich vielleicht, daß eS da ober dort einen Haken hatte, aber nach einer Woche, wenn die guten Leute das Ding beschrieben lesen oder in einem illustrirten Blatt abgebtldet sehen, erklären fie, daß die Sache wunderschön gewesen sei. Diese leichte Befriedigung muß die Folge einer gesunden Eonstitution und jener stillvergnügten Luft am bloßen Dasein fein, welche die Begleiterin einer kräftigen Gesundheit ist. Bon den ersten Stauden dieses kalten Januartages an nahmen die Volksmassen ihre Plätze längs der Procesfions- ltnte ein und zahlten gern und freigebig für ihre elenden Bänke und anderen Stehplätze. Sie waren ehrlich begeistert und hurrahten kräftig. Sie ließen die Königin hochleben, und al» das wirklich herrliche, jugendliche Paar erschien, da begrüßten sie es aus vollem Herzen und gaben ihm ihren schlichten Segen. Das war ein schöner und erhebender Augenblick. — Sonst aber haben diese Huuderttausende wenig von dem englischen Nationalfefte zu sehen bekommen. UnS dünkt, daß öffentliche Ceremonteu recht eigentlich für das Volk, für die unteren Klaffen bestimmt sein sollten. Aber die Trauung fand in einer Capelle statt, gerade groß genug für eine gewöhnliche Hochzeitsgesellschaft- die ProcesfionSlinte war die möglichst kürzeste. In der That, das lebhafte Jntereffe des Volkes war einfach seinem loyalen Gefühl und der verdienten Beliebtheit der Königin und des hohen Brautpaares zuzu- fchretben." Heber den dritten Februar schreiben die „Times" beim Abschied de- jungen fürstlichen Ehepaare- von Loudon: „Gestern waren wir Zeugen eines Schauspieles, welches fich dem Gemüthe eines Jeden, von der Hütte bis zum Throne, tief einprägte. Wir sahen die erstgeborene Prinzesfin eines
sehr großen Reiche- an der Seite de- herrlichen, guten und treuherzigen Prinzen, der fie, nachdem er schon früh seinen Blick auf ihre sich erschließende Aamuth und Tugend geworfen hatte, htnwegsührte, um seinen zukünftigen Thron zu theilen. Niemal- erscholl in den Straßen Loudon- ein lautere-, ehrlichere- uud herzlichere-Lebewohl! An dieser überaus warmen Huldigung hatte ohne Zweifel der Gedanke au die Jugend und Unschuld des hohen Paare- einen gewissen Antheil. Die männliche uud ritterliche Erscheinung de- Prinzen, die sanfte und vertrauensvolle Anmuth der Prinzessin und die Vorstellung von alle dem, woran man bei der Vermählung junger und glücklicher Menschen denkt, verfehlten ihre- Eindrücke- nicht. Man fühlte eß, daß liebe, sehr liebe Angehörige das Elternhau- — daS Heimathland verließen."
Der „RegterungSanzeiger" meldete am 4. Februar 1858: „Ihre Königlichen Hoheiten, der Prinz Friedrich Wilhelm und die Frau Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen haben England gestern Nachmittag an Bord der Aacht Victoria und Albert verlaffen."
Wie in London selbst, so war auch in der Provinz die Begrüßung des jungen Paares eine sehr herzliche. In GraoeSend, dem letzten Ort, wo sic AlbtonS Boden betraten, bildeten auf der festlich geschmückten Landungsbrücke Tausende von Menschen Spalier.
Die Scheidenden wurden von den lauten Jubelrufen der begeisterten Menge begrüßt. Die Tochter de- Mayors von Gravesend überreichte einen Blumenstrauß uud 58 Jungfrauen bestreuten die Brücke mit kostbaren Blumen, ein wunderbarer Anblick bei dem leisen Schneefall, der allmählich seine weißen Flocken mit den Blumen mischte.
So herrlich unb herzlich die Kundgebungen in England für da- hohe Paar gewesen waren, ebenso begeistert und ehrlich war der Empfang auf preußischem Boden. In Aachen, Köln, Düffeldorf, Dortmund, Bielefeld und Minden fanden glänzende Begrüßungen statt. Am 7. Februar langte daS hohe Paar in Potsdam an, wo fie eine Nacht verweilten, um am 8. Februar den feierlichen Einzug in Berlin zu halten. Punkt y210 Uhr Morgens bestiegen die Neuvermählten einen vierspännigen Königlichen Wagen, um so die Fahrt nach Berlin anzutreten. Um 10’/4 Uhr langte der Reisezug in Zehlendorf an, wo der Centralpunkt des Empfanges war und für die Reifeequipagen Relais eingelegt
war. Um 111/1 Uhr fand in Steglitz uud liy, Uhr im Dorfe Schöneberg großer Empfang statt. Am 12 Uhr erreichte da- hohe Paar da- Schloß Bcllrvue, wo König Friedrich Wilhelm IV. die Neuvermählten herzlichst begrüßte. Die Prinzessin Friedrich Wilhelm wollte das Knie vor dem Könige beugen, doch dieser nahm fie zärtlich in seine Arme, küßte fie und sagte mit bewegter Stimme: „Wie herrlich ist es, daß Du endlich da bist." Alles Ceremoniell hatte damit aufgehört.
Um iy4 Uhr bestieg daS neue Paar den für den Ein» zug iu Berlin bestimmten vergoldeten Wagen, der von acht mit preußischen und englischen Emblemen geschmückten Rappen gezogen wurde.
Am kleinen Stern auf der Charlottenburger Chauffee fand die erste feierliche Begrüßung des neuen Paares statt-, die zweite gegen 2 Uhr am Brandenburger Thor, wo fich der Commandant von Berlin General-Feldmarschall v. Wraugel, Generalmajor v. AlvenSleben und Polizrt-Präfident v. Zedlitz zum Empfang aufgestellt hatten.
Punkt 2 Uhr Überschritt baß hohe Paar die Grenzen der Stadt Berlin unter dem Donner der Kanonen, welche eine Salve von dreimal 24 Schüffen gaben. Dicht am Thore hielt der Wagen, und der Oberbürgermeister von Berlin, Geh. OberregterungSrath KrauSnick, hielt die Begrüßungsrede im Namen der Stadt Berlin. Vom Brandenburger Thor biß zum Königlichen Schloß hatten 56 Innungen unb Gewerkschaften Aufstellung genommen, mehr als zehntausend Menschen. Die Straßen zeigten schon in den Frühstunden ein äußerst bewegtes und belebtes Bild, Jeder wollte den beliebten Prinzen und die Braut aus dem mächtigen englischen KönigShause einziehen sehen. Fast alle Häuser waren bekränzt oder zeigten Fahnen in den preußischen oder englischen Farben. Der Jubel der Bevölkerung war unbeschreiblich. Der Sieger von Weißenburg unb Wörth hat manchen feierlichen Empfang gesehen, einen herzlicheren als am 8. Februar 1858 wohl nie.
Um ya3 Uhr langte baS hohe Paar am Königlichen Schlöffe an, wo bte ganze Königliche Familie auf bent ersten Schloßhofe zum Empfange bereit stanb. Am Arm beß nachmaligen Kaisers Wilhelm I. betrat die englische Königstochter baß preußische Köntgßschloß, baß Herz mächtig bewegt von ber gefundenen Herzlichkeit bet Herrscher unb Volk.
iMuumtmarljuiu).
Verdingung.
Die zum Ausbau der Wilhelm- strahe zwischen Ludwig- und Ebelstraße erforderlichen Maurer-, Pflaster- und Ehansfirarbeiten sollen Samstag, 29. Januar d. I.,
Vormittags 11 Uhr,
öffentlich verdungen werden.
Plan, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns, Zimmer Nr. 7, zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck find bis zum genannten Termin einzureichen.
Zuschlagsfrist 18 Tage.
Gießen, 18. Januar 1898.
Das Stadtbauamt. 762 Schmands___
Ausverkauf. Montag den 24., Dienstag den 25. und Mittwoch den 26. l. Mts.
findet ein Ausverkauf der zur Concursmaffe des Uhrmachers Karl Oswald in Grünberg gehörigen
Maaren statt. Es kommen zum Verkauf und werden zu den billigsten Preisen abgegeben: alle Sorten Taschenuhren, Regulateure, Wanduhren, Wecker, Gold- uud Silberwaareu, Uhrketten, Anhänger, Brillen, Zwicker «. s. w.
Der Verkauf wird im Laden des Gemeinschuldners in der Marktgaffe vorgenommen.
Grünberg, 20. Januar 1898. 774 Der Coueursverwalter.
Voi-stkigkrungen.' I
Holzversteigerung.
Die an der KreiSstraße Gießen— Lollar — Kirchberg — SichertShansen angefallenen Eichen-, Buchen- und Pappel Reiser, sowie eine Anzahl Pappelstämme werden meistbietend wie folgt versteigert:
Mittwoch den 26. l. Mts, Bormittags 9 Uhr
beginnend an der Abzweigung der Straße nach Wieseck:
ca. 30 Haufen Pappel-Reiser;
Nachmittags 1 Uhr beginnend an dem Nuhn'schen Sägewerk in Lollar:
Pappelstämme bis zu 65 cm
Durchmesser mit zusammen 15km;
Donnerstag den 27. I. Mts., Vormittags 9 Uhr beginnend am Ortsausgang Lollar gegen Kirchberg:
20 Haufen Buchen- und Pappel- Reifer •
Nachmittags 1 Uhr
an der Tiefenbach beginnend:
50 Haufen Buchen- und Eichen- Reifer.
Gießen, am 21. Januar 1898.
Der Großh. Kreisbauinspector des Kreises Gießen.
Stahl. 814
Holzversteigerung.
Douuerstag d. 27. Januar sollen im hiesigen Gemeindewald folgende Holzsortimente versteigert werden:
146 Nadelftämme mit 57,46 fm, bis 30 cm Durchm. u. 21 m Länge,
22 Nadel-Derbstangen mit 3,19 km, 3,3 rm Eichen-Knüppel,
85 rm Nadel Knüppel, 6 „ Erlen- „
150 Eichen-Wellen,
1370 Nadel - Wellen, hierunter mehrere Haufen lange Wellen, zu Bohnenstangen geeignet,
160 Erlen-Wellen,
0,7 rm Eichen-Stöcke,
37,6 „ Nadel- „
2,3 „ Erlen- „
Die Zusammenkunft ist Morgen»
10 Uhr im District Bruch am Wegweiser.
Hausen, den 20. Januar 1898.
Großh. Bürgermeisterei Hausen. Müller. 799
Krkuuhlch-Versteigerung
imSteindacher Gemeindcwald.
Nächsten Mittwoch den 26. d. Mts. sollen in dem hiesigen Gemeindewald, District Heegheck und Ameisekopf versteigert werden:
250 rm Buchen-Scheitholz,
70 „ Buchen-Knüppel,
3000 Wellen Buchenreiser,
64 rm Buchenstockholz,
20 „ Nadel Scheit,
60 „ „ Knüppel,
90 „ „ Stöcke,
5000 Wellen Nadelreifer,
sodann kommen Mittwoch den 2. Februar im Todtenzipfen und Embach zur Versteigerung:
93,5 rm Buchen-Scheit,
36 „ „ Knüppel,
28 „ „ Stöcke,
1000 Wellen Buchen-Reiser,
10 rm Nadel-Knüppel,
24 „ „ Stöcke,
900 Wellen-Nadelreiser, 14000 Buchen- und Eichen - Durch* sorstungs-Wellen.
Der Anfang und die Zusammen-, kunft ist am ersten Tage im District Ameisekopf Morgens y210 Uhr am Nadelholz, das Buchenholz kommt erst nach 11 Uhr zum Ausgebot.
Der Anfang und die Zusammenkunft am 2. Februar ist Morgens y210 Uhr an der Kreisstraße Steinbach-Oppenrod.
Steinbach, d. 20. Januar 1898.
Großh. Bürgermeisterei Steinbach.
Krämer. 800
M Obstmarmkiude
per Pfd- 30 10 Psd.-Timer 2,50 Mk.
TM Gustav Walter, Mäusburg 13.
Coursbericht von Conrad Dietz, Bankgeschäft, Gießen, Schulstraße 10.
ötbaction: Echeyda. — Druck unk Verlag der Brüh loschen UniverfitätS-Buch. und Cteindruckerei (Pietsch * Echehdch in Gießen.
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Gothaer unkb. 1903 ....
Grundschbk.
Ser. V—VI do. I-II do. unk. 1906 Frist. Hypbk.
XIV.....
bo.XII-XIII do. XV. . .
Frkft. HYP--
Creditverein do. Ser. 27 . do. Ser. 28, 30, 33 . . . do. Ser. 29 .
Ldw.Cred.-Bk. Hambg. Hypbk. Ser.141—250 do. 46-130 Meining. Hyp. do. neue . . do. unk. 1907 Pomm. Hypbk. Preuß. Hypbk.
VIII—XII do. neue. . . do. 1905 . . Rhein. Hypbk. unk. 1904 .
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