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24.9.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 224 Zweites Blatt

Samstag den 24. Septembcr

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Gießener Anzeiger

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Sitzung öer Stadtverordneten

am 22. September 1898.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Bei- Geordneter Georgi, von 'Seiten der Stadtverordnete» die Herren Adami, Brück, Emmeltus, Faber, Flett, Habevicht, Hrubach, Heichelheim, Heyligenstaedt, Jnghardt, Keller, Kirch, Laos, Löber, Orbig, Scheel, Dr. Schäfer, Schiele, Dr. Thaer und Wallenfels.

Durch den Bau der Kreisstrahe von Gießen »ach Wißmar find eine Anzahl Anlieger um die nach ihren Grundstücken führenden Zufahrten gekomweo. Auf Ansuchen derselben beschließt die Versammlung, mehrere Zufahrten neu auz ulegen.

Bor der Hofraithe deS Hoflohnkutschers Huhu haben sich dadurch, daß derselbe mit dem Neubau seines Hauses um ea. 80 (5t«. vou der Straße abrllckte ordnungswidrige Zustände ergeben, weil fich auf dem tu die Sttahe fallenden Geländestretfen Wafier uud Uurath ausammelt. Nachdem Hohn fich bereit erklärt, das fretgewordeoe Gelände uueut- Zeitlich an die Stadt abzutreteu, beschließt die Versammlung, dasselbe pflastern zu (affin.

Die nach § 10 des Ortsbaustatuts zu Zahlung vou Straßeukosteobeiträgeo verpflichteten Hausbesitzer der Ha«mstraße habe» in einer gemetnschafilichen Eingabe die Erklärung abgegeben, daß fie die Straßenkostrnbeiträge ver­weigern. Sie stützen fich mit ihrer Weigerung darauf, daß ihnen ein Beitrag nicht angesonnen werden könne für einen Straßenbau, der wegen des Güterbahohofs und der Bieber» thalbahu ausgeführt worden sei- besonders mit Bezug auf letztere machen die Hausbesitzer geltend, daß fie tu ihren Berhältnifiev als vermttther geschädigt seien, weil die Bieber» thalbahu auf der Häuserseite entlang führe. Auf die vou der Stadtverordneten »Versammlung erfolgte Abweisung der Reclamation protestirten die Jnterefienten gegen die in Aus­sicht gestellte Betttetbuog der Betttäge, so lauge fie eine Ersatzpflicht nicht aorrkanvt. Eine solche liege aus deo an- geführten Gründen nicht vor. AuS den Acten ergiebt fich, daß die Anlieger der Hammstraße, darunter mehrere Unter­zeichner des Protestes, in den Jahren 1880, 1886, 1891 und 1894 um Verbesserung bezw. Ausbau genannter Straße uachgesucht, ferner, daß die Baufluchtlinie schon festgesetzt worden, bevor daS Bieberthalbahuproj-.ct vorlag. Welchen verkehrsinterefien die Straße dient, kommt bet der verpflicht- ung zum Straßenkostenbettrag nicht in Betracht. E« wird auf Antrag d-r Baudeputatiou beschlofien, die Straßenkosteu» beiträqe auf dem Klagewege beizutreiden.

Die Rechnuug-ablchUiffe des Gas- uud Wasserwerks für 1897/98 werden nach dem Referate de» Herrn Ober- bürgermeisterS als günstige bezeichnet. Der Gewinn aus dem Gaswerk beziffert fich auf 52640 Mk, 17790 Mk. mehr al» tm Vorjahr. Besonder» da» GaSetnrichtungS- |

Geschäft hat einen bemerkenSwerthen Aufschwung genommen, doch trug auch die größere Gaserzeugung (tnSgefammt wurden 1083309 Lubikmeter erzeugt) und -Ausbeute zu dem günstigeren Srgebntß bei. Die Kapitalschuld beläuft fich auf 518963 Mk. Da» Wasserwerk ergab einen Retuüber- schuß vou 4792 Mk., hauptsächlich durch da» Einrichtung»- geschäft. Die Wafferabgabe an Private trug 73095 Mk., diejenige für städtische Zwecke 15000 Mk. ein. Der Qnelleu- zufluß war gegenüber den beiden Vorjahren etwa» vermindert, wa» auf die vorhergegangenen niederschlagsarmen Winter zurückgeführt wird. Die Kapitalschuld beträgt 1228 337 Mk. Die Anträge der Direktion und der Deputation für daS GaS» und Wafferwerk bezüglich der Verwendung der Urberschüffe und auf Genehmigung der Treditüberschreitungen werden ge­nehmigt.

Die Zahl der uneinbringlichen Posten und Nachlässe, welche behuf» Abschluffe» der Rechnung zum Thetl niedergeschlagen, zum Thetl auf die nächste Rechnung vor­getragen werden »Affen, beläuft fich auf etwa 1000 im Gelammt- betrage vou 7592 Mk. E» betrifft die» zumeist Rückstände verzogener oder nicht pfändbarer Steuerrestanten, Schul- strafen, Beträge für auf Grund de» volk»schulgefetze» an­geschaffte Schulbücher, Begräbuißkosten, WohnungSmiethr usw. E» wird beschloffen, diese Posten zunächst in Au»gabe zu deeretiren, bezüglich einer Anzahl Rückstände, deren Beitreibung noch möglich erscheint, die Finanzcommisfiou zu ermächtigen, die nöthigen Schritte zur Beitreibung zu thun.

Ein bereit» im Jahre 1884 gefaßter Beschluß, die Localpoltzet dem Bürgermeister zu übertragen, wurde vou Großh. Ministerium abschlaglich beschtedeu. Infolge der Revtfiou der verwaltung»gesetze konnte der Angelegenheit wieder näher getreten uud verhaodlungrn innerhalb der zuständigen Eommtsfionen und der Stadtverordueten-Versammlung mit dem Großh. Krei»amt bezw. Großh. Ministerium gepflogen werden, über deren Verlauf Herr Oberbürgermeister Gnauth ein­gehend reserirt. Nach dem Entwurf einer diesbezüglichen, wahrscheinlich bereit» mit dem 1. October d. I. in Kraft tretenden Localverordnung würde danach dem Bürgermeister übertragen werden: die Ban-, Feuer-, Feuerlösch-, Schlacht- hau»-, Friedhofs- und Beerdigung»-, Waseumeister», Armen» uud Schulpolizei. Die Feldpolizei wird schon fett einigen Jahren vom Bürgermeister ausgeübt. Die verfammlung erklätt fich mit dem Entwurf eiaverstanden- e» wurde indeß dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, baß nicht auch die Befindepoiizei, für deren Uebergang an den Bürgermeister eine Anzahl sachlicher Gründe sprechen, dem Bürgermeister unterstellt werden soll. Bon der Uedertragung der Straßen- Polizei auf den Bürgermeister, über die man ebenfalls verhandelt, soll vorerst abgesehen werden. Was die Ausübung der Local­polizei betrifft, so sagt der Entwurf, daß dieselbe durch die bereit» vorhandenen städttschen Beamten erfolgen, eine Heran­ziehung der Schutzmannschaft nur in besonderen Fällen statt-

Feuilleton.

Briefe aus der Residenz.

Originalbcrtcht für den .Gießener Anzeigers

I (Nachdruck verboten.)

Die Grundsteinlegung zm» Denkmal für Großherzog Lodwig IV. Die erste Spielwoche bei tzostheaterl. Die Kunstausstellung am Nheiathor.

Bon einer halbosfiztelleu Feier war der Act der Grund- steinlegung zum Denkmal de» verstorbenen Großherzog» be­gleitet. Gegen da» Publikum zu blieb der überhaupt mit einem Latteuzauu umgebene Denkmalsplatz abgesperrt. Nur die vertteter de» Staatsministeriums, einige hohe Militär- Personen und einige vertteter der Preffe hatten Zutritt auf dem quadratischen Raum gefunden, dem man durch Flaggen- sch«uck, Eicheulaubguirlauden und Aufstellang einer Büste des Großherzog» auf hohem Postament ein festliche» Gepräge verliehen.

Nach Verlesung der Deokmal»urkuude erfolgte der Ein­schluß derselben fammt Denkmünzen und Nummern der in den großen Städten de» Heffenlande» herauskommenden Tageszeitungen in eine rechteckig geformte Metallkapsel, die sorgfältig verlörhtt wurde, (lieber die wetteren Formalitäten der Grudsteinleguug haben wtt bereit» berichtet. Red.)

Da» Hostheatr». hat seine erste Spielwoche hinter sich und ist in dieser mit einer Novität, ,3« weißen

Rößi*, und einer erstenEinstudtrung-,Die Her- mann»schlacht*, hrraußgekomwen. Seit dem Vorgang derMeininger*, die sich de» zwar nicht vergeffenen, aber immerhin doch arg vemachläsfigteu Werke» mit Pietät und trefflichem Berstävdniß annahmeu, find auch andere Bühnen auf die Kleist'sche Dichtung wieder aufmerksam geworden. Aber immer lassen sich die Initiativen nach dieser Richtung zählen. Und deßhalb hat fich da» ^Darmstädter Hoftheater* ein entschiedenes Verdienst erworben, daß e» gleich zu Anfang da» Won einem echten Dichter von Gotte» Gnaden ließ.

Der fortteißende Schwung der Schiller'scheu Jamben­tragödien geht freilich von derHecmann»schlacht* nicht an». Die versteckte Satire und die unausgesetzten politischen An­spielungen, gemünzt auf die Zttt Napoleon» und der Rhein­bundfürsten, die heute nur uoch mittelbar verständlich, laffeu eine reiu ästhetische Wirkung auch nicht in dem Maße auf- kommen.

Die Hauptrollen de» »Hermann*, r8aru»*, ,Marbod* unb der ^ThnSnelda* fanden in den Herren Hacker, Wagner, Heine und dem Fräulein Eichelsheim ver- ständnißvolle Dolmetscher.

Das Sunstvereiusgebäude aw Rheinthor, schon durch da» festliche Gewaud seine» Aeußereu, Laubfeston» um die jonischen Säulen, golddrckateneu Wimpel, Flaggen- schmuck uud bemalte» Giebelfeld u. s. w. anzeigend, daß fich in seinem Inneren etwa» Besondere» uud Sehen»werthe» den Augen Ul Beschauers biete, ist auf einige Wochen bet Wallfahrtsort vieler Kunstverständigen geworden. In ein wahre» Schmuckkästchen find die Janenräume verwandelt.

finden soll. Besondere Kosten verursacht die Neuordnung, wie auf eine Anfrage de» Herrn Haubach Herr Ober­bürgermeister Gnauth «ittheilte, nicht, da durch eine allen- fallfige Mehrbelastung mit Schreibarbeit auf. der einen Sette eine Entlastung aus der anderen Seite erfolgt._________

CocaUs rrnd Lrovinzielles.

Gießen, 23. September 1898.

** Vorsicht bei Annahme von Zwanzigwarkflücken. Großer Schwindel wird gegenwärtig mit holländischen Zehngulbeu- Stücken getrieben. Die Stücke, die den deutschen Doppel- krönen täuschend ähnlich sehen, ober nur einen Werth von etwa 17 Mark haben, scheinen vou einer und derselben Person geschaft»mäßig untergebracht zu werden. Ein Reisender, der kürzlich größere Summen in der Hertener Gegend eiuzu- kasfiren hatte, fand beim Nachzählen nicht weniger al» drei holländische Zehnguldenstücke. Er erleidet damit eine Einbuße von 9 Mark. Vorficht ist also dringend geboten. Auch falsche Fünf Markstücke find gegenwärtig wieder in Umlauf. Dieselben tragen die Jahre»zahl 1898 und ist dir Prägung sehr gut gelungen, nur an dem dumpfen klang» find die Falflficate zu erkennen.

M Veränderte Gevichttbezeichnnng der Geldrollen. Nach einer Serfügung de» Reichspostamts ist da» Gewicht der amtlich in Rollen und Beuteln verpackten Reich»gold- «Ünzen nicht mehr nach Gramm, sondern noch Kilogramm und Gramm in Decimalstelleu zu bezeichnen, also beispiel- weise mit ,0,860 kg* für 860 g, ,3,240 kg* für 3 kg 240 g. Bruchtheile vou Gramm sollen außer Betracht bleiben.

§ Aul de« Kreil Allfeld, 22. September. Da» überaus schöne und warme Herdstwetter zeitigt sommerliche Triebe. Ju den Götten beginnen Primeln unb H mmelischlüffelchen zum zweiten Mal ihre sonst nur im frühesten Lenz fich öffaenbra Biüthea zu erschließen. Im Feld an sonnigen Rainen trifft man nicht fetten frisch blühende Erdbeersträucher. Ebenso ge­hören voll erschlossene Blüthenzwetge an mit Früchten be­gangenen Apfelbäumen keineswegs zu den Seltenheiten. Auf feuchten Lagen grünen die Bohnen nicht nur wie im Hoch­sommer, fie blühen auch uoch und tragen frische Früchte, ebenso die Gurken. Wäre die Trockenheit nicht so groß, so gäbe es gewiß noch mehr solcher Sommertriebe io unsere« sommerlichen Herbst. Und doch find wir In der Jahreszeit schon wett voran, da» sagt uns vor Allem der früh herein- brechende Abend und die Kürze des Tages, t» sagt uns auch die letzte Ernte des Feldes, die Kartoffelernte. Man hat fie überall begonnen, obschon e» nicht gern gesehen wird, wenn die Knollen so warm, wie es jetzt zu geschehen pflegt, in die Keller kommen. Ueber den Ausfall oer Kartoffelernte hat man die verschiedensten Erwartungen gehegt, die meist pesfi- misttscher Art waren, weil da» Setzen der Kartoffeln im

Welche Unsummen von Arbeit und Kraft diese Kunst- und Kunstgewerbliche Ausstellung gekostet hat, ermißt wohl auch der Laie, wenn er fich mit liebevollem Blick in das Gesammt» bild der Ausstellung uud feine Details vertieft. Der Sharocter des großen GemäldefaaleS mit seinen Werken von durchaus modernem Gepräge, zu welche« auch plastische Kunstwerke fich gesellen, kommt in erster Linie aus Rechnung der ,Freien Vereinigung Darmstädter Künstler*, gebildet von den Herren Bader, Beyer, Habicht Hölscher, Sero, Rippert, Schäfer, Wondra.

Aber die kunstgewerbliche Abtheilung wtt den Resultaten der neuesten technischen Verfahren und ihrer fein­fühligen Anwendung auf das reale Leben, ist der Initiative des Herrn Berlagsbuchhändlers Alexander koch in Darm­stadt zuzuschretben, in dessen Händen so ziemlich die ganze geschästliche Leitung ruhte und der ja auch durch seine Zett- schttft für ,Jnnendecoration* dem deutschen Kunst- gewerbe neue Bahnen des Verständnisses unb praktischen Nutzens eröffnet hat.

In Gegenwart Seiner Königlichen Hoheit de» Groß- Herzog» fand am Dienstag den 20. September, Bormttlag» 11 Uhr, die feierliche Eröffnung der Ausstellung statt, bei welcher der erste vorfitzeode, Herr Wilhelm Bader, einige Begrüßungsworte sprach.

Der Großherzog weilte etwa eine Stunde in den Räumen des AuSstellnagsgebäudeS und bekundete für den Eharacter des Arrangements da» höchste Jutereffe. ach.