Ausgabe 
23.8.1898 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 23. August

Zweites Blatt

Amts- und Anzeigeblatt für den ICrd# Gresien

Gratisbeilage: Giehener Familienblätter

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macht von i Eheleuten It dieselben age, womit sollen. Da- Antwort: ba§ mit

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schäft seien bereit» vom Sultan ernannt.

Hongkong, 20. August. Wie jetzt bekannt wird, befanden sich im Augenblick der Urbergabe von Manila 5000 Priester

m. BerSrod, 21. August. Bei der am 18. d. Mt». statt gehabten Gemeinderatbswahl wurden die seitherigen Mitglieder Philipp Bötz II., F. R DSttng nab Ludwig Ranft II. mit je 48 Stimmen wiedergewählt. Der Wahlact verlief diesmal ziemlich ruhig und geschah einstimmig, welches in Betracht zu früheren Wahlen als eine Ausnahme zu be-

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besetzt.

«rüffel, 20. August. Am 21. August wird hier ein vlamischer Parteitag abgehalten werden. 1500 Dele- girte haben bereits ihre Ankunft angemeldet. Die Stadt« behörde wird die Delegirten in den Raumen des Stadthauses

Ift vollständig gestört.

Berlin, 20. August. Die Frauenfrage in Deutsch. Südwestafrika. Wie berichtet wird, nehmen die Be« strebungen der Deutschen Colonialgesellschast, die Ueber. pedelung dentscher Frauen und Mädchen nach Deutsch« Südwestasrika zu erleichtern, guten Fortgang. Bom Gouverne- ment in Windhoek ist vor Rurze« der Deutschen Colonial« Gesellschaft die Miitheilung zugegangen, daß eine giöhere An«

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Paris, 20. August. Wie nunmehr bekannt wird, »ar der Minister des Auswärtigen, Deleasss, entschlossen, das Portefeuille ntederzulegeu, wenn sein Fried e nsv ors chlag zwischen Spanien und Amerika ein ungünstiges Resultat

zahl im Schutzgebiet augestedeltrr Familien gewillt sei, deutsche Mädchen in Dienst zu nehmen, sofern die Ueberfahrtskosten von der Gesellschaft getragen würden. Die in Betracht kommenden Dienstherrschaften werden durchweg vom Gouverne« ment empfohlen und geben nach defseu Berficherung voll« kowmene Gewähr für gute Unterkunft und Verpflegung. Die Mädchen müflen von tadellosem Ruf, nicht über 30 Jahre alt, gesund und kräftig und in allen Hausarbeiten geschickt sein und dürfen sich auch vor derberer Arbeit nicht scheuen. Wegen der in Betracht kommenden verhältnifle sollen Mädchen i süchtig geworden, vom Lande oder aus kleinen Städten den Vorzug erhalten.**8 90 Ha0 Die Bewerberinnen haben sich auf zwei Jahre zu verpflichten, doch kann der Vertrag bei einer verhrirathung vorher gelöst werden. Die Deutsche Colonia'gesellschast trägt die Kosten der Uebersahrt bis zum Hafen des Schutzgebiets, Swakop« mund, von wo aus das Gouvernement für Fahrgelegenheit und Begleitung nach dem Innern Sorge trägt. Eine Be« stimmung der Mädchen für die bett. Herrschaft findet bereits in Berlin statt. Wegen der Langwierigkeit der Correspoudenz

! mit dem Schutzgebiet werden die Mädchen erst mit dem am 25. November ds. Js. ausgehenden Dampfer befördert werden können. Geeignete Bewerberinnen können sich bei der Deutschen Colonialgesellschast, Berlin W., Potsdamerstraße 22a, mög­lichst bald unter Einsendung eines Leumundszeugnisses, einer ärztlichen Bescheinigung über den Gesundheitszustand und einer

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Lüttich, 20. Aogust. Der Vorsteher eines Wechsel­geschäfts ist unter Mitnahme eines BetrageSvon 100 000 Frcs.

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Photographie melden.

Eisenbahnverhandlungen in Chiua. Nach | telegraphischen Nachrichten aus Loudon verlangte der deutsche I Gesandte in Peking, v. Hehking, vom Tsungli Kamen die schleunige Regelung der Tientfin-Chiugkiang Bahnconcession, I welche Dr. Koungwin gewährt worden ist. Er erklärte, daß, I wenn diese Bahn nicht in deutschen Händen bliebe, ste westlich von der Shantung-Halbinsel, also der deutschen Einflußsphäre, I verlegt werden müsse. Er bemerkte ferner, daß, falls die I Bahn aus der vertragsmäßig verabredeten Sphäre verlegt I werden müßte, wahrscheinlich die am Peking Hankau Entwurf Betheiligteu Einspruch erheben würden. Baron v. Htyklng I ift bereit, auf die Einsetzung einer deutsch-englischen Commission I zur Beseitigung aller Schwiettgkeiten eiozugehen.

Zur Polenpolitik der Regierung ergreift I der bekannte Führer des OftmarkenvereinS, Dr. v. Hanse- manu, in einem Leitartikel derPosener Ztg." das Wort. I Er hebt darin mit Recht hervor, daß die jetzt für die Stadt Posen geplanten Maßnahmen, sowie ähnliche in anderen . Städten zur Förderung des Deutschthums hoffentlich nur als der Anfang einer Germanifirungspolitik in großem Stile | angesehen werden dürsten. Es komme vor Allem darauf an, einen Strom deutscher Einwanderer in die Ostprovinzen zu | ! ziehen. Er erinnert an die Vergünstigungen, die früher den j Einwanderern in Russisch Polen gewährt wurden und knüpft | daran die Frage:Sollte es der preußischen Staatskuost nicht möglich sein, in einer, wenn auch den modernen An« schauuugen mehr entsprechenden, ober darum doch ebenso planmäßigen Weise das deutsche Gewerbe in den Ostmarkeu zu heben und eine deutsche Industrie in diesen Lavdestheilen zu schaffen?

ftoln, 20. August. Gestern gingen nach Mitternacht schwere Gewitter über dem Mittelrheiu, der Sieg- und Eifel-Gegend nieder, wobei einzelne Ortschaften durch Hagel­wetter schwer heimgesucht wurden. Jo Poll flüchteten die Bewohner, als Hagelkörner von der Größe von Hühnereiern herniedersausteo, aus den Häusern. Die Rheinschiffe unter­brachen ihre Fahrt». Oberhalb Wesseling schlug ein mit Personen besetzter Kahn um, indeß konnten alle Insassen gerettet werden. Infolge des aufgeweichten Bodens ent« gleiste bet Trippelsdorf ein Zog, wobei einzelne Perfonen leicht verletzt würben.

Bien, 20. Aogust. Jo ber gestrigen Stabtraths« fitzun g gelangte der Antrag zur Annahme, die Stadt« gemeinde solle ein Gesuch an die Regierung richten, den Bau des Donau Ober- und bei Donau-Elbe-Canals in Angriff zu nehmen. Die Gemeinbe Wien werde sich ffaanziell an ber Durchführung ber beiden Canalprojecte betheiligen.

IuoSbrack, 20. August. Der Professor Kat ula aoS Innsbruck ist bet einem Ausflug nach ber Ortlergrvppe von ber Geisterspitze abgestürzt. Er ertrank im Gletscherbach. Sein Bruber, ber ihn begleitete, konnte sich retten.

Budapest, 20. August. Auf ber Besitzung be« Groß- Grundbesitzers vogyaj in Saros-Patak brach eine Revolte aus. Boghaj wurde mit dem Tode bedroht. Es gelang

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Tanger, 20. August. Ein hiesiges Blatt meldet, eine marokkanische Gesandtschaft werde sich im nächsten Monat nach London begeben. Die Mitglieder ber Gesandt-

ihm aber, zu flüchten. Die Gendarmerie hält das Gut

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Sportstollheiten.

\ Ein trauriges, empörendes Schauspiel war dieses zwei- rudsiebruzig Stunden-Renoen in Paris, in dem zwar die be« stehenden Record, nichtgedrückt-, aber mehrere Irrsinns- msälle conftottrt, mehrere Radfahrer todtkrank aus der Bahn zetragen wurden. Welch dn Bild moderner CulturAuf iovoglühender, erstickend heißer Bahn strampeln und zappeln «kchanisch wie eine Maschine, 72 Stunden lang, drei Tage aab drei Nächte hindurch, Wesen dahin, denen der Schaum auf den blaugeschwollenen L'ppen steht, der Idiotismus aus Ito stieren Augen schaut. Und drüben hinter der Barriüre eine johlende, grShlende Menae, die auf die verrückten Tret- «ruschen wettet, die in ein Wathgeheul ausbricht, wenn ihr Favorit unter der übermenschlichen Anstrengung zusammen« bricht und nicht «ehr weiterfahren will, die ihn zwingt, Dieder in den Sattel zu klettern, ja ihn sogar selbst wieder tziuaufhedt und antreibt, wie man ein störrisches Thier vor- I $6rte treibt. Welch eia Stumpfsinn, welch eine Verrücktheit I bart auf der Bahn, welch eine bestialische Rohheit, welch eine Brutalität hier hinter ber Varriöre! Man entrüstet sich I gbrr die spanischen Stierkämpie- was siob sie gegen dieses icheußliche Schauspiel, in bem Menschen bie traurigen Acteurs, Menschen bie Zuschauer finb! Unb was ist es, ba» biese meist blutjungen Burschen Sportsmeu kann man ste nicht nennen treibt zu einer solchen stnneverblöbeuben Fahrt? | Lm Ehrgeiz, von bem «an nicht mehr sagen kann, daß er I i ormal und gesuub ist, ein Ehrgeiz, bei aufs pathologische Gebiet hinüber deutet, bet sich auflöst in einer fixen Jbee. 'gmn's nur da» wäre! Aber ba fährt Einer 24 Stunben mit, ber, nachbem er gestürzt unb schwer verletzt in« Spital jeiiafft würbe, erklärt, er habe nur beshalb mitgethan, um sich einmal sattessen zu können!

Ein bescheibenes Brod, durch bescheidene Arbeit erworben, [oft den Mann nicht. Unter dem Geheul der Menge will | n als Sieget feinen Preis einftecken. Das ist da» Brod, bd ibn reizt, das ihn lockt. Man muß fich fragen: wäre ,tn solche» Schauspiel möglich, wenn ba» Publikum nicht u»zre? Ncin! Es ist zu« großen Theil schuld an diesen empörenden Scenen. Es ist witschnldig an diese« verbrechen Q1 der gesunden Cultur, an der Versündigung gegen den guten Geschmack, wie ste schlimmer nicht gedacht werden kann.

-Ulan hört die erstaunliche Runde, daß auch in Berlin ein * siiches unsinnige- Rennen geplant ist. Es ist kein Zweifel, d rh trotz der Vorgänge in Paris sichProfessionals" genug riuftellen werden, um das wahnwitzige Schauspiel zu wieder« tz,len. Dagegen hilft nur eins: Da» Publikum muß Mann fit Mann von diesem Schauspiel fernbleiben, einmüthig muh btt energische Protest sich erheben gegen dieses Treiben, da» eine Schande unsere« zu Ende gehenden Jahrhunderts ist. DaS ist kein Sport mehr, was ba getrieben wird. Rein Mensch hat etwas gegen den Radsahrsport, der, vernünftig gepflegt, nicht nut eine gesunde körperliche Hebung, sondern auch von nationalöcouomischer Bedeutung ist. Auch gegen Kennen in vernünftigen Grenzen kann nichts eiugewendet werden, solange sie Prüfungen einer natürlichen Energie bleiben. Aber gegen jene Sportstollheiten ä la Amerika unb Paris protestiten wir im Interesse ber gesunben Ent« Bitfinne unseres Spotts, bes Geschmacks unb ber Humanität.

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Deutsche» Reich.

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Die »ifbener »eBlCtteiritter eben bew Ln-ngei »Hchentlich viermal bngtleflt

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Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

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Schlitz, 17. August. Die Eröffnung bet Bahn- strecke Salzschlitf-Schlitz ist für den 1. Octobet in Aussicht genommen. Der Unterkörper bet Bahn ist her­gestellt, unb auch bie Vollendung der Hochbauten bis zu diese« Zeitpunkt gesichert. Unser Bahnhof, ein stattliches Gebäude mit gut auSgestatteten, geräumigen Wattesälen und einem eleganten Fürsttvzimmer, ist den modernen Anforderungen völlig entsprechend. Für die umwohnende Bevölkerung hat die neue Bahnstrecke einen hohen wirthschaftlichen Werth, da durch sie die dortige bebentenbe Leinen«Industrie und ber viehhaubel sowie auch bet großartige HolztranSport aus ben Gräflich Görtz'schen Waldungen, welcher an fich schon einen erheblichen Theil der Betriebskosten der Bahn dtckeu dürfte, in hohem Maße gefördert werden.

Darmvadi. 20 August. Einen Act schrecklicher Pflichtvergessenheit Haden Viehhändler begangen. Die« selben kauften auf dem Darmstädter Biehmarkt neun Stück meist trächtiges Vieh. Dasselbe wurde am Dienstag vor­mittag 11 Uhr bei größter Hitze verladen und der voll« gepfropfte Wagen dicht verschlossen. Als er Abends 7 Uhr auf dem Bahnhofe Höchst eintraf, hatte sämmtliches Vieh den Erstickungstod gefunden. ES war ein grauenhafter Anblick, bie verendeten Thier« zu betrachten/ die Köpfe waren hoch I gerichtet, gleichsam nach Luft fangend, und der ganze Leib, I sowie die Geschlechtstheile aufgetrieben. Herr «ff ftenl Spicker machte sofort am Gerichte Anzeige, und dürfte die Sache so« mit ein gerichtliches Nachspiel haben und die Handlet eüu gebührende Strafe empfangen. Mao findet es begreiflich, datz die Herten von Niemand bedauert werden. Der Schaden wird auf 2600 Mk. geschätzt.

Unterhaltungen in Bad-Nauheim

vom 23. August bt« 28. August.

Dienstag den 23. August, Nachmittag» von 4'/, bi« 7 und von I q m» 88/^ Ubr auf bet Terrasse: Eoncert ber Capelle be» 3. Großh. Lesi 3nf (Ätb-)Reg^. Nr. 117 au« Mainz. Don 8«, bi» 10 Uhr fotü't dte Surcapelle Tänze und kann auf dem nordwestlichen Thelle ber Terrasie getanzt werben. Mtttwoch ben 24. August, Nachmittags von 41/. bi« 7 und von 8 bi« 8». Uhr aufberTerrasie: Eoncert ber Capelle des 1. Grotzh. Hessischen Infanterie-(LeibgRtbe-) Regiments Nr 115 au« Darmstadt. Bei gutem Wetter spielt bie Kurcapelle von 6 bis 8 Uhr am Teichhause. Abend« 8 Uhr: Theatervorstellung. Die goldene Eva. Donnerstag ben 25. August, Nachmittag« von 5 bi« 7 Uhr . Feftconccrt der Kurcapelle auf der Terrasse. Abend« 8 bis 11 Uhr im Saale: Festdall mtt Eotillon zur Feier be» Aller­höchsten NamenSfeste« Seiner rröniglicheo Hoheit be« GrotzherzogS. Freitag den 26. August, Nachmittag« von 5 bt« 7 Uhr: Eoncert der Kurcapelle auf ber Terrasse. Abend« 8 Uhr: Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurcapelle. Die schöne Ungarin. Samstag den 27. August. Nachmittags von 4»/r bis 7 und von 8 bt« lO Ubt auf der Terrasse: Eoncert der Eapelle deS Kön^l. Bayeri chm 1. Pionier-Bataillons auS Ingolstadt. Bei gutem Wetter spielt Me Kurcapelle von 6 bi« 8 Ubr am Tetchhause. Vorläufige Anzeige . Sonntag den 28. August, Nachmittag« von 4, RS 7 wib wb H bis 8s/4 Uhr auf ber Terrasie: Eoncert,der Lapelle 2. Großh. Hrss. Jnfanterir-RegimentS Kaiser Wilhelm Nr. 116 au« Gießen.

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Obnsetzinn aby^rt

Berlin, 20. August. Wie der »Norbb. Allge«. Ztg." bestätigt wirb, finb bie Vorarbeiten zu einer Revision ber kaiserlichen verorbnuug vom 27. Januar 1890, betreffend len Verkehr mit Arzneimitteln außerhalb der Apotheken Seitens des Kaiserlichen Gesundheitsamtes soweit beendet, daß in ber ersten Hälfte des September mit len kommissarischen Beratungen begonnen werden wird.

Berlin, 20. August. Dem ,Local«Anzeiger" wttd ans Essen telegraphirt: Auf der Zeche ^Victoria Matthias- furzte während der Kohlenförderung ein Theil des Schachtes «in. Ein Steiger und sechs Hauer, welche den Schacht befahren wollten, wurden durch nachstürzeude Stein- massen eingeschlossen. Mau besürchtet, daß dieselben tobt find, da man nicht zu ihnen gelangen kann. Der Betrieb