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Nx. 19 Erstes BlM Sonntag den 23 Januar 1808
Kießener Anzeiger
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Amtlicher Lheil.
Gefunden: 1 Metermaaß, 2 Schürzen, 1 Filzhut' 1 Kappe, 1 Paar Kinderhandschuhe und 1 Pferdedecke.
Gießen, am 22. Januar 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.
Politische Wochenschau.
ES ist recht bezeichnend, daß über die Liao-Tschau- Angelegenheit fast gar nicht mehr gesprochen wird- nlle Mächte scheinen sich mit der Thatsache abgefuuden zu haben. Daß England noch grollt, kann uns nicht weiter irritiren; seine Situation ia Ostafien ist ja auch nicht- weniger als angenehm, da e- ruhig mit ansehen muß, wie Rußland in jenen Regionen, wo früher England allein do- minirte, mehr und mehr an Einfluß und Ansehen gewinnt. Aach England- Königin soll noch grollen und öufl bet dem Besuche, den ihr Prinz Heinrich von Preußen auf seiner Aus* reise nach China in Wtudsor adftattete, etwa- allzu deutlich zum Ausdruck gebracht haben. Wenigsten- will man die- au- der freilich etwa- auffälligen offictöseu Notiz schließen, daß Kaiser Wilhelm nicht beabsichtige, in diesem Sommer nach LoweS zu gehen. Wieweit diese Vermuthungen richtig find, läßt sich natürlich nicht feststrllen.
Reichstag und Abgeordnetenhaus arbeiten mit „Boll dampf voraus." Besonders intereffiren uns die ComrnisfionS- Verhandlungen de- ersteren über die Mtlttärftrafproceßreform. Große Hoffnungen, daß etwa- Definitives zu Stande kommt, darf man nicht hegen- wenigsten- geht da- auS der Erklärung, welche der Kriegsminister v. Goßler am DouuerStag abgab, deutlich hervor. Wenn nicht auf beiden Seiten Con- ^esfiouen gemacht werden, dann dürfte die ganze Angelegen» heit im Sande verlaufen.
Außerordentliche Vorgänge auf dem Gebiete unserer Politik find überhaupt nicht aus der letzten Woche zu ver- zeichnen und wir können uu- deshalb mit um so mehr Muße dem Auslände widmen.
Meldungen von neuer Erregung kommen auS der Hauptstadt Böhmens. Die österreichische Regierung hat zur Schlichtung des SprachenfüikeS Vorschläge gemacht, welche auf eine Theilung Böhmens tu sprachlicher Beziehung hinaus- laufen. Aber diese Vorschläge kommen jetzt reichlich spät, da die Erregung bereits zu groß geworden ist, als daß von einer Seite ein Nachgeben zu erwarten wäre. Die Verhandlungen des Prager Landtage- stehen deshalb im Zeichen
de- Sturme-, und wenn die Regierung nicht umfaffende I Vorbereitungen trifft, so find wieder Exceffe zu erwarten, | wie sie der November und December des letzten Jahres zu ■ verzeichnen hatten. Ehe die Sprachenfrage nicht geregelt ist, kann auch nicht an die Wiedereinberufung des Retch-rath- gedacht werden, und es dürfte daher noch einige Zeit dauern, bi- Oesterreich wieder geregelte parlamentarische Zustände hat.
Sehr kritisch war in letzter Woche die Situation in Frankreich. Es ist erklärlich, daß die Stellung, welche Emile Zola in der Angelegenheit DrehfuS-Esterhazy eingenommen hat, die Franzosen ganz besonders erregt. Die bisherigen Vorkämpfer für die Sache de- Excapüän- hatten im Allgemeinen wenig Einfluß auf die große Menge, fie wirkten nur in bestimmten, abgegrevzteu Gebieten. Und nun kommt Frankreichs allbekannter Schriftsteller und macht die Sache Dreyfu- zu seiner eigenen. Wir haben schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, daß das Ministerium Möltne, welche- so fest stand wie keines seiner Vorgänger, sehr wohl an der Affaire DreyfuS Schiffbruch erleiden kann. Die Kammer- Verhandlungen der letzten Woche find hierfür ein Beleg, da die Mehrheit der Regierung bereit- bedenklich zusammen» geschrumpft war. Officiell will man da- noch nicht zugeben, aber es ist doch ein bedenkliches Zeichen, daß Msline mit dem Rücktritt des Cabinet- drohen mußte. Die Samötag» Verhandlung der Kammer dürfte eine nste Entscheidung bringen.
Erregung herrschte in letzter Woche auch in Italien. Wir wiffen, daß daS Land arm ist, daß Mangel und Noth oft an der Tagesordnung daselbst find. In diesen Tagen waren nun die Brotpreise in verschiedenen Städten erhöht worden, wogegen sich daS Volk auflehnte. ES kam vielfach zu offenem Aufruhr. Die Regierung muß ihre Taschen recht weit öffnen, wenn sie gründlich helfen und der Unzufriedenheit ein Ende machen will. Auch von einer MtnisterkrifiS sprach man in Italien; Visconti di Venosta wollte angeblich aus persönlichen Gründen aus dem öffentlichen Leben scheiden. Wenn man erwägt, daß er dem jetzigen Cabinet Rudini- Zanardelli nur mit einem gewissen Widerwillen fich ange- schloffen hat, so konnte man jenen Gerüchten von seinem Rücktritt wohl Glauben schenken. Dieselben werden freilich schon wieder dementirt.
Große Sorge machen England noch immer die Verhältnisse in Indien. Die Erfolge, welche dort die britischen Truppen errungen haben, find ganz minimale, sodaß von einer Niederwerfung des Aufstandes noch lange ketne Rede sein kann. Auch die Pest ist wieder in Bombay eingekehrt, was die Lage noch erheblich verschlimmert. Hört man freilich die Bankettreden, in denen England- Minister Großes leisten, so merkt man nicht- von den Gefahren, welche Old England allenthalben bedrohen.
Im Orient ist Alle« beim Alten- auch ein Gouverneur für Kreta hat fich noch nicht gefunden. Von den Combinationen, welche über die Person desselben umlaufen, wollen wir keine Notiz nehmen, da jeden Tag ein anderer Anwärter auf der Bildfläche erscheint. (xx)
Deutscher Reichstag.
22. Sitzung vom Freitag, den 21. Januar 1898.
Am BundeSrathstische: Reichskanzler Fürst Hohenlohe^ Staat-secretär Graf Posadowskh.
Präsident Frhr. v. Buol theilt mit, daß Abg. Stadthagen auf sechs Wochen beurlaubt sei. (Abg. Stadthagen hat gestern eine gegen ihn rechtskräftig gewordene Gefängmß- strafe angetreten).
Tagesordnung: Fortsetzung der Etat-berathuug. Etat Reichsamt des Innern. Titel Staatssekretär.
Abg. Lingens (Centr.) wünscht, daß der Sonntagsruhe vermehrte Aufmerksamkeit zugewendet werde.
Abg. Lieber (Centr.) nimmt auf den Schluß der gestrigen Aeußerungen des Staat-secretärS Bezug, daß der Kampf gegen die Socialdemokratie nur dann wirksam sein werde, wenn auch den religiösen Mächten gebührende Beachtung zugewendet werde. Ein wohlthuender AuSklaug der Debatten über die Socialdemokratie sei nicht denkbar gewesen^ Alle religiös gerichteten Gemüther stimmten den Worten bei Staat-secretär- zu. Möge aber auch der Staat-secretär dasür sorgen, daß nicht die preußische Cultu-verwaltung diese socialpolitischen Bestrebungen hier im Reiche störe. Redner führt sodann aus, er leugne nicht, daß die organi- strten Arbeiter, wenn sie auch einen Strike schwerer beginnen, ihn doch um so zäher foitführtev. Aber eS kämen zweifellos bei den sogenannten wilden Arbeitern mehr Ausschreitungen vor, als bei den organifirten, und die Ausschreitungen würden sicher auch vermehrt durch die Erbitterung, welche die der Organtsation entgegengeftellten Schwierigkeiten erregten. Mit Muth und Selbftentsagung mußte man, auf dem Boden de- Chriftenthum-, den berechtigten Forderungen der Arbeiter gerecht werden und nun die maßlosen Forderungen zurückweisen. Redner wendet fich sodann gegen die Socialdemokraten, die mit Unrecht an dem Eintreten des CeNtruwS für bad CoalitionSrecht zweifelten und erklärt des Weiteren, in der vorliegenden Fassung fei der Antrag Pachntcke für das Centrum unannehmbar. Seine Freunde würden vielmehr sofort einen neuen Antrag einbringen, dem zuzustimmen er Pachnicke bitte.
Der alSbald eingehende Antrag Lieber ersucht die Regierung um einen Gesetzentwurf behufs Arnderung des § 152 der Gewerbeordnung dahta, daß Verabredungen und Vereinigungen gestattet werden, welche die Verbesserung der Lage der Arbeiter im Allgemeinen oder die Erlangung günstigerer Lohn« oder Arbeitsbedingungen durch Veränderung der Gesetzgebung bezwecken.
Abg. Prinz Earolath (nl.) berührt die Frauenfrage. Er empfiehlt Gymnasialcourse für Mädchen, Zulassung zum Apothekerberuf und zum Unterricht an höheren Lehranstalten. Der jetzigen Unficherheit in Bezug auf Zulassung zum Studium an Universitäten müsse endlich ein Ende gemacht werden.
Staat-secretär Graf Posadow-ky theilt die Anficht de- Vorredner-, daß man fich gegen die betreffenden Wünsche nicht absolut ablehnend verhalten könne. Er habe mit dem preußischen Cultn-minister gesprochen, und dessen Erklärung zufolge würden an den Universitäten die Frauen auf Grund
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Feuilleton.
De dritte Feierdoag.
E Studie in Giesser Mundart von Carl Geißler.
In jedem Kalenner t- bei hohe Feste blo- en errschte nun en zwaate Feierdoag verzeichnet.
Daher rimmtS, wann merr außerhalb von Giesse vom dritte Feierdoag schwätzt, daß ahm die Lend ganz verwunnert angucke unn -e sroage scheine: WoaS iS das fer en Feier- doag?
Fer diejenige, die'- net wisse, muß äich erläudern, daß fer Giesse de dritte Feierdoag doaS iS, waß fer Frankfort de Wäldchesdoag oder fer Wetzler des Ochsefest, not mit dem Unnerschied, daß die Frankforder unn die Wetzlerer das Bergniege bloS a mol im Jahr hawwe- mir in Giesse be- gege alle Jahr dreimal uff Ostern, Pingste unn Weihnächte, — von de blaue Mondäg ganz abgeseh'n.
De dritte Feierdoag iS demnach en östersch im Jahr widderkehrende, hohe Feierdoag, der zu de Etgenthimlichkeite von Giesse geheert unn dorch sei ehrwirdtg Alder sei Existenzberechtigung vollstänuig nachgewiese hott, obschon-
aach in Giesse Mensche gtbbt, bene bet unschulbtge britte Feierdoag längst en Dorn im Aag iS unn bat en gern mit Romb um Stomb aus be Welt geschafft hätte, wann en — net ze fest eingewurzelt wer. Er zehlt zwar net zu be gesetzliche Feierbäg, uixdestoweniger Hot er awwer e stattlich Anzahl Anhänger unn weil er sich so ere große Beliebtheit bet be Giesser erfreut, so hawwe s'en gewiffer maße zu eme gesetzliche Feierboag erhowe.
Wammer an so eme brüte Feierdoagmorje burch bie Stabt giht, so ficht mcr ganz ehrsame Börjerschleub, bie borch ehrn LewenSwandel dargedha hawwe, baß fe borchauS ka Lompe fein, im Feterboag-klaab erumgeh unn be Werths- Häuser unn namenblich bem Frihconcert zusteuern. In be Werthfchafte iS e Läwe unn e Dreiwe unn e Gegei, baß mer al- sei eige Wort net heert unn bes Giesser Publikum entwickelt en Dorscht, dem mer net aafieht, daß die zwaa vorher gehende Feierbäg schont große Leschversuche an em gewacht worbe sinn- korzum, brS ganze männliche Giesse finbt sich beim Frihschoppe unn beim Frihconcert.
MtbbagS awwer fein bie meiste Läbe geschloffe unn in bet Stabt isseS so feierlich still, grab toat am erschte Feier- boag, bann Alles, was Baa zum Laafe hott, flieht auS unn lustirt sich uff der Hoarbt oder im Filefofewalb ober an
irjenb ahm von bene viele VergntegungSorte, an bem merr in Giesse noch niemals Mangel hatte.
Unner kaane Umstänbe läßt fich en rächter Giesser fein britte Feierboag rauwe- selbst unser Weiber un Mädercher bringe ehr Symbadie entgege, trotzdem- aach emol ferkimmt, baß eS in eme Haus en große Spektakel absetzt Wege allze- lang an-gedehnte Frihschoppe.
Awwer bat Prejambel von Fraaa unn Döchter meecht äich Heern, wann bei de Feststellung vom Feierboagspro- gramm fe frage bhete: Wo geh'n mer bann be Dritte hi? unn be Vatter geb zur Antwort: Deham bleiwe mer! . . .
Uff Woche enaus H8tt so en Familjevatter, ber fich so en growe Verstoß gege bes Altherkemmliche zu Schulbe komme ließ, kaa ruhg Stunn im HauS unn an- be brotzige Gesichter feiner Damezimmer kennt err boagbäglich be Vorwurf erauS- lefe: Maß bist be boch en Rawevatter!
Um alle unerquickliche Familjebragödje auS'm Weg ze geh, föllt fich e jeb Owerhaapt von erct Familje vornemme, net vom Ahle abzeweiche unn an bem brüte Feierboag fest- zehahle- wann bann bie Junge feh wäi bie Ahle so e treu Anhänglichkeit anß Hergebrachte bewahr«, so werrn se- hoffentlich nach so moache unn be britte Feierboag i- uff ewige Zelte gesichert!


