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23.1.1898 Drittes Blatt
 
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Der Eissport.

Don Dr. med. WallerS.

(Nachdruck verboten.)

Die günstige Jahreszeit für den so rapid gewachsenen Radfahrsport ist vorbei, nnd manche Personen ersehnen eine Temperatur unter dem Gefrierpunkte herbei, um dem beliebten Eissport, dem Schlittschuhlaufen, huldigen zu können. Es ist merkwürdig, wie sehr alle Personen, welche diesen Sport treiben, an demselben hängen, mit welcher Freude sie ihn ausüben, Tag für Tag, wenn die Eisfläche es gestattet. Jung und Alt, Arm und Reich treibt diesen Sport um seiner selbst willen. Wie kommt das? Das kommt daher, s weil er der gesundeste Sport von allen ist. Kein Sport, \ auch nicht das so moderne und beliebte Radfahren, kann ihm j in diesem Punkte den Rang streitig machen. Keiner bringt nämlich so wie er alle Muskelgruppen des menschlichen | Körpers in gesunde Thät'gkeit, steigert auf so natürliche | Weise den Blutumlauf und den Stoffwechsel und ruft so sehr das angenehme Gefühl der Gesundheit, des Wohl- bindens hervor.

Wer von Kindheit an dem Eissport huldigen kann, der wird die Plagen der modernen Menschheit: Asthma und Schwindsucht nicht kennen lernen. Beide Krankheiten ent­stehen in der Regel durch den zu wenig starken, durch den ungenügenden Gebrauch der Lungen. Dadurch trocknet all­mählich ein Theil der Lungen ein, und so entsteht das lästige Asthma und, bei noch größerer Vernachlässigung, das Eitern oder Schwinden der beiden Lungenflügel, welches so viele Opfer gerade in unserer Zeit fordert. Aus dem Gesagten geht zur Genüge hervor, daß kräftiges Athmen in gesunder Lust eine Hauptbedingung zur vollen Gesundheit ist. Aus diesem Grunde ist jeder Sport zu loben, wenn er auf ver­nünftige Weise getrieben wird. Aber keiner hat so viele Vorzüge und so wenig Schattenseiten wie der Eissport. In erst«: Linie eignet er sich für das männliche als auch für das weibliche Geschlecht; was man nicht von jedem Spott sagen kann. Viele finden das Radfahren für Damen un­schicklich; andere verurtheilen das Turnen für Mädchen, weil es in der Regel der Körpergestalt eine männliche eckige Form verleiht und die Anmuth der weiblichen Formen schwinden macht, indem das Rückgrat zu gradlinig, Arme, Beine und Hände zu groß und die Muskeln zu hart werden.

Alles dies ist beim Eissport nicht zu befürchten, im Gegentheil, er verleiht Gewandtheit und Anmuth zu gleicher Zeil, weil die Muskeln nur durch Bewegungen geübt werden, welche die harmonische und gefällige Form nicht stören. Es ist noch zu wenig bekannt, wie wichtig und heilsam eine richtige Athemgymnastik für die menschliche Gesundheit ist. Da nun leider der Eissport selbst im Winter nicht immer geübt werden kann, auch vielleicht ein anderer Sport nicht möglich ist, so sei eine Athemgymnastik hier genannt, die schon sehr viel Guter geschaffen hat und die Jeder und an jedem Ort ousüben kann.

Ein tiefes, langsames Einathmen der Luft,, womöglich nach dem Tempo eines Tactierstvckes, eine gemeßene Pause des Anhaltens der Luft in ausgespannter Lunge und ge­weiteter Brust, dann langsames Ausathmen bis zur mög­lichsten Luftentleerung, führte, täglich mehrmals geübt, nicht nur bald zur Kräftigung aller beim Athmen wirksamen Muskeln, sondern auch zur räumlichen Entwickelung dec Brust, so daß Westen und Mieder zu eng wurden.

Kinder, welche anfänglich schon nach zehn Respirationen solcher Art ermüdeten, weil sie gewohnt waren, nur mit der beten Brust zu athmen und das gesunde, tief re Einathmen nur durch Aufziehen der Schultern und Langziehen des Brust­kastens erzwingen konnten, vermochten nach zwei bis drei Wochen mit Leichtigkeit 100 bis 200 mal in dieser Weise zu athmen.

Geschieht diese Art von Gymnastik täglich mehreremale, mit Ausdauer nach Maßgabe der Kräfte, ohne tiefe Ermüdung, welche sich durch Gähnkraft oder Schwindel zu erkennen gibt, so bemerkt man bald, wie der Stoffwechsel des Organismus sich erhöht, also dier erdauung gefördert und die Spannung der übrigen Muskeln gehoben wird, und die bleiche Gesichts­farbe der Uebenden einer frischen, gesunden Platz macht.

Lungenkranke Kinder, also erblich belastete, bedürfen selbstverständlich erst einer ärztlichen Begutacktung; doch braucht man auch hier nicht zu ängstlich zu fein, sondern nur vorsichtig, denn es kommt selten vor, daß man Kinder von dieser heilsamen Athemgymnastik ganz ausschließen muß.

Doch diese Art Gymnastik macht weniger Freude als das Schlittschuhlaufen, welches angenehmer alles das erfüllt;

bei keinem Sport sieht man in der That mehr vergnügte Gesichter als beim Eissport. Gute Schlittschuhläufer sind stets abgehärtet und erkälten sich selten, wohl aber Anfänger, die nach größerer Anstrengung oft ruhen müssen, was bei der rasch emtretenben Erhitzung leicht Erkältung nach sich zieht. Man ruhe daher niemals ganz stillftehend aus, am wenigsten im Winde. Schwache, kleine Bewegungen auf den Schlitt­schuhen bis zur allmählichen Abkühlung des Körpers schützen gegen Erkältung. Muß der Anfänger sich aber durch Sitzen ausruhen, so geschehe die« nur in einem geschützten Raume und fei es die einfachste Bretterbude. Häufiger Genuß von Spirituosen schabet nur, beim er erschlafft und erhitzt die Lungen. Will oder muß man etwas trinken, so wähle man ein wenig leichten Wein, Kaffee oder Thee.

Damen lieben es, sich nach einem längeren Lauf von Herren im Schlitten auf der Eisbahn fahren zu lassen, eine Liebhaberei, welche die schlimmsten Folgen durch Erkältungen nach sich ziehen kann.

Beim Laufen spreche man so wenig wie möglich und meide es möglichst gegen scharfen Ostwind zu laufen. Die Kleidung sei warm, kurz und anschließend. Wer empfindlich ist, werfe locker einen Wollshawl um den Hals und ziehe ihn nach Bedürfniß mehr oder weniger fest an. Rach dem Eisläufe begebe man sich nach Hause und stärke den Körper durch Speise und Trank, so kann derselbe zu einem wahren Lebenserhalter werden.

Vermischte».

Ottawa, 18. Januar. Heute wurde eine neue Ver­ordnung über da» Goldwäschen tm Yukon-Distritt er­lassen. Jeder Bergmann oder Angestellte eine» Bergmanns muß sür die vöthige Coucesfion 10 Doll, erlegen, eine Ge­sellschaft 50 Doll. Dadurch erhält der Betreffende zugleich da» Recht, zu fischen, zu jagen und Holz zu fallen. Die Fläche, auf die Jemand Anspruch erheben kann, soll 250 Fuß lang fein. Hat er dort wirklich Gold gefunden, so erhält er ein Anrecht auf eine Strecke von 500 Fuß. Goldschürfeu unter Wasser wird auf eine Strecke von 5 engl. Meilen ver­geben, wofür 100 Doll, per Melle jährlich und eine Abgabe an die Regierung zu entrichten sind. Bon allem gefundenen Gold erhält die Regierung ein Zehntel de» WerthrS. 25 Bergleute find heute von ttlondyke in Victoria, Britisch- Columbien, etngetroffen. Sie haben Goldstaub im Wetthe von 1000 000 Doll, mitgedracht.

Boa eine« eutsehlicheu Unglück wurde eine Söldnerß- famtlle in Mitterschmiddors im Binathale hetmgefucht. Am 12. Januar hatte die Mutter ihren drei Knaben Anton, Xaver unb Joseph neun, sieben und sechs Jahre alt erlaubt, einen Besuch in der Nachbarschaft zu machen, ihnen aber zugleich strenge verboten, über die gefrorene Bina zu gehen. Da die Kinder sehr lange ausblieben, bekam die Mutter Angst und rief mehrmals laut nach ihnen. Za dieser Zeit aber lagen die drei ttuab.n bereits todt unter'm Eise. Al» Abends der Mann von der Waldarbeit nach Hau,r kam, gingen Beide auf die Suche und sahen endlich bei der Gteß- tnqer Mühle im Eise deS Binofl,iffeS ein großes Loch, tm offenen Wasser aber die Housch ihe ihrer Kinder schwimmen. Dort hatten alle Drei einen schaurigen Tod gefunden. Erft nach langem Suchen gelang, die kleinen Leichen aufzufinden unb zu bergen.

Zum Seneealappell traten am vorigen Sonntag Bor« mittag bte Berliner Düppel- und Alsenstürwer vor dem commandirenben General des 16. Armeecorps, Grafen Haeseler, in derHopfenblüthe" Unter tea Linden Nr. 27 an. Im Saale des zweiten SiockS versammelten sich achtzig Veteranen. Graf Haeseler erschien um IP/j Uhr unb wurde vom Vorstände deS Verein» der Düppel- und Alsenstürmer empfangen. Schttftwart Registrator Jauß meldete 50 Mann zur Stelle. Der General gab seiner Freude darüber Aus­druck, daß ihm die alten Kameraden Gelegenheit gegeben hatten, sie begrüßen zu können, und brachte ein Hoch auf ben Kaiser auß. Er begrüßte auch alle Veteranen einzeln und erkundigte sich nach ihren LebenSschicksalen. Dem Vete­ranen Kitto auß der Münzstratze 17, der mit seinem ver- ftorbenen Kameraden Klinke Pulversäcke an die zweite Schanze schleppte, baß Pulver mit der Cigarre anzündete und durch die Explosion die Palltsaden sprengte, reichte er mit den Worten die HandSie haben Große- geleistet" Nachdem der General mtt den Düppel- unb Alsenstürmern pho ographirt worden war, begrüßte er in dem unteren Saale noch etwa 200 Veteranen der Feldzüge von 1866 unb 1870/71. Auch i mit diesen brachte er dem Kaiser ein Hoch dar.

Die Goldene Medaille erhielt für ihre unübertroffenen Port-, Sherry- rc. Weine gelegentlich der vom 5. biß 9. Januar cr. in Wien stattgefuudenen Zweiten inter­nationalen Kochkunst Ausstellung die Firma The Continental Bodega Comvavy!

* Ja Brüssel hielten am Mittwoch die Physiker Clausen und v. Bronk auf Einladung de» Deutschen Schulvereiuß einen Experimentalvortrag über electrische Beleuchtung und Telegraphie ohne Draht. Der Vortrag, dem die deutsche Gesandtschaft beiwohnte, erregte da» größte In­teresse, insbesondere dadurch, daß die Vortragenden auf eine gew ssr Entfernung eine kleine Menge Pulvers zum Explodtren brachten. Sie konnten auch bei den Versuchen mit Telegraphie ohne Draht Telegramme vertheilen, die im Saale mehreren Zuhörern zugegangen waren. Von der Brüsseler Presse i^t eine W ederholuug de» Vortrages angeregt worden.

" Flugdrache». Nachdem der englische Capitäu Boden- Powell gezeigt hat, daß man ein System von Flugbrachen selbst bei stackem Winde benutzen kann, einen Menschen in die Luft zu tragen, ist jetzt der englische Capitän SpierS auf den Gedanken gekommen, die Flug drachen zur Rettung Schiffbrüchiger zu benutzen unb zwar indem man durch die Flugdrachen eine Leine von dem schiffbrüchigen Fahrzeug nach dem User hinübertrageu läßt.

Ein Opfer der Frauen-Emaucipatiou. In der eng­lischen Presse giebt nachstehender Fall Anlaß zu vielen heitern und ernsten Erörterungen: Daß zur Hälfte auß Frauen bestehende (Kuratorium eineß Londoner Rettungß- hause» für jugendliche Mädchen hatte beschlossen, die eine Stelle der beiden Anstaltßärzte einem weiblichen Arzte zu übertragen, wozu sich auch ba:b eine geeignete Bewerberin im Alter von 29 Jahren fand. Ihr männlicher College, der etwa zehn Jahre älter und verheirathet war, konnte sich je och mit dieser Neueinrichtung nicht befreunden. Der Dienst der Anstalt erfordert, daß ein und bisweilen auch beide Aerzie beß Nachts zur Stelle sein müssen, wobei ihnen jeboch nur ein Wohn- und Schiafraum zur Verfügung steht - eine Aenderung hierin herbeizusühren, erwies sich bei den beschränkten Raumverhälmissrn der Anstalt als völlig unmög­lich. Den Damen beß Curatoriumß war dieser Umstand im höchsten Grabe peinlich, doch erklärte die junge Aerztin, sie hege von ihrem Berufe eine so ernste Auffassung, daß für sie das Zusammensein mit einem Collegen unter keinen Um­ständen irgend eine Gefahr bringen könne. Dadurch war daß Curaiorium zufrieden gestellt, und voraussichtlich hatte sich der männliche AnftaltSarzt ebenfalls in die Zwangslage gefunden, wenn nicht feine Gattin in der entschiedensten Weise dagegen Einsprache erhoben hätte- und da die leitenden Damen der Anstalt hierauf keine Rücksicht nahmen, so blieb dem Arzte nichts anderes übrig, als seine Stelle uiederzu- Uqen und die Gründe seines Entschlusses in den Zeitungen bekannt zu geben. Sofort setzien nun die Damen beß (Jura- tortumß durch, daß auch in die zweite Stelle ein weiblicher Arzt berufen wurde, ein Vorgehen, baß die männlichen Aerzte London» in große Auflegung versetzt unb noch manches Nachspiel haben dürfte.

Ctteratar tzs«d Itanft.

Band 31 der allerorts bekannten Mesgendorfer BlfttUt, ! farbig (Auftritte Wochenschrift für Humor und Kunst, München, wird soeben complet und repräfentirt sich wie gewohnt, alS erst­klassig, sowohl literarisch wie zeichnerisch. Non einer Reihe von Blättern, sowohl belletnstischer wie humoristischer Natur, wurde in letzter Zeit der Versuch gemacht, farbig zu erscheinen, wie die Meggen- dorfer Blätter man vergleiche und man wird finden, laß obigem Blatte keine Nachahmung gleichkommt. Eine Federzeichnung, wie die eines Futteret unb eine Tuschzeichnung eines Bluhm, wild man in ähnlichen Organen wohl auch, nie aber in solcher AuSwahl finden, und das heutige Publikum will nicht nur etwas, sondern viel Guteß geboten haben. Wer Interesse an den modernen Illustrationen hat, welche ohne die modernen Verzerrungen in ihrem Kunstwerihe auch vom Publikum verstanden werden, der lasse sich eine Probenummer bei beabsichtigtem Abonnement von der Geschäftsstelle der Meggen- dorfer Blätter, München, Schubettstr. 6, kommen und er wird unsere Meinung gewiß theilen.

Nrriver sitäts - Nachrichten.

Halle a. S., 20. Januar. Der Professor der Zoologie, Ernst Taschenberg, ist heute hier gestorben.

München, 19. Januar. Gestern Abend hielt Prioatdocent k Dr Rieder in der morphologischen Gesellschaft einen interestantm Vortrag über epochemachende Resultate, die man mit den Röntgen­strahlen deS verbesserten Bolt-Ohm'schen Apparates in der »o- tödtung von Bacillen gemacht hat. Der Botttag wird in der nächsten Nummer der Münchener mcdicinischen Wochenschrift er­scheinen.