wachen, durch welche die regelmäßigen Beiträge deS Staate» an die evangelische Landeskirche und an die römisch-katholische Kirche der Diöcese Mainz, mit Wirkung vom 1. April 1899 an, entsprechend, jährlich und dauernd erhöht werden. — Zn dem Antrag de» Abgeordneten Köhler (Lang»dorf), den Aufkauf der Wasserrechte im.GroßherzogthumHessen durch den Staat betreffend, beantragt der Ausschuß, den Antrag vorerst für erledigt zu erklären.
** Nachträgliches von der Berbaudsanßstellung. Zu dem Berichte über da» Gießener Verbandsfest ist noch nachzutragen, daß in der Aliceschule sich ein Mädchen au» Laug-Gön» in dem in hiesiger Gegend üblichen Brantschmuck aufgestellt hatte. Diese» Mädchen wurde von den Allerhöchsten Herrschaften angesprochen und der Schmuck sehr bewundert. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin äußerte, daß sie einen derartigen Brautschmuck noch nie gesehen habe, und erkundigte höchstdieselbe sich bet der anwesenden Putzmacherin über da» Nähere de» au» Bändern und Perlen bestehenden Hang».
** Rene 20 Pfeunigstncke 98er Prägung befinden sich jetzt in Umlauf. Sie find gerippt, und man könnte sie, weil sie auch von derselben Größe find, für 5O-Pfennigftücke halten. Die Zahl 20 ist viel kleiner al» auf den anderen Stücken.
** Fürsorge für die Eifenbahubediensteten. Schon früher ist von der preußischen Staatseisenbahn-Verwaltung dafür gesorgt worden, daß ihren Bediensteten, die ihre Ruhezeit nicht in der Häuslichkeit zubringen können, in geeigneten, wohnlichen Unterkunftsräumen auch Gelegenheit zur Erwärmung ihrer Mahlzeiten und Herstellung erfrischender Getränke gegeben werde. Da diese Bestrebungen unter Anderm auch eiue Einschränkung de» Besuche» der an den Bahnhöfen belegenen, die Zwangslage de» Personals au»- uutzenden und zum schädlichen Genuß geistiger Getränke in den Dienstpausen nur zu oft verleitenden Wirthschaften bezwecken, soll neuerdings untersucht werden, ob e» nicht im Interesse der Bediensteten liegt, in den Aufenthaltsräumen oder an einer sonst geeigneten Stelle der Bahnhöfe Canttnen eiuzurichten, in denen gegen mäßigen Preis gute Speisen und Getränke, auch Bier — jedoch unter grundsätzlichem Ausschluß sonstiger Spirituosen — feil geboten werden. ES kommen dabei hauptsächlich solche Stationen in Betracht, auf denen Bedienstete in größerer Zahl regelmäßig zu längerem Aufenthalt außerhalb ihrer Häuslichkeit genöthtgt und auf den Besuch der BahuhofSwirthschaften oder nahegelegener Schenken zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse angewiesen sind. Derartige Einrichtungen sollen indeß nicht allein dem außerhalb der Heimath thätigen Personal dienen, sondern soweit ein Bedürsnlß dasür besteht, auch den an ihrem Wohnort beschäftigten Bediensteten. Besonder» in den Werkstatt»- betrieben, aber auch auf großen Stationen mit zahlreichem Personal kann im wirthschastlichen Interesse der Bediensteten die Einrichtung von Speiseanstalten und Erholungsräumen nur erwünscht sein.
•• Schuldienst - Nachrichten. Am 22. Juni wurde dem SchulamtsaSptranten Friedrich Tbling au» Bechtheim eine Lehrerstelle an der Gemetdeschule zu Flomborn, Krei» Alzey, — an demselben Tage wurde dem SckulamtSaSpiramen Georg Weber au» Groß Umstadt die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Raibach, Kreis Dieburg, — am 29. Juni wurde dem Schullehrer Georg Carl Sehrt zu Erbenhausen die Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Ruttershausen, Kr. Gießen, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Joseph Deubler zu Lampertheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bieber, Krei» Offenbach, — an demselben Tage wurde dem SchulamtSa-ptranten Georg Rohe aus Eberftadt eine Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Freimersheim, Kreis Alz»y, — am 30. Juni wurde dem Schulamt»- aSpiranten Georg Wendel au» Laudenau eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Babenhausen, Kreis Dieburg, — am 6. Juli wurde dem SchulamiSa-ptranten Wilhelm Trink aus au» Fränkisch.Crumbach eine Lehrerstelle an der . Gemetndeschule zu Raunheim, Kreis Groß-Gerau, übertragen.
w. Staden, 20. Juli. Gestern Nachmittag trieb in dem durch unser Städtchen fiteßendeu Arm der Nidda ein kleine» Kind. Der hiesige Bürgermeister Braun sprang ohne Besinnen ins Wasser und zog e» heraus. ES gelang ihm nach kurzem Bemühen, das Ktod wieder ins Leben zurückzurufen. — Der Korufchnttt har tu hiesiger Gemarkung gestern begonnen. Da das Korn kreuz und quer liegt, kann e» nicht gemäht werden, weil mau dabei zu viele Aehreu abschlagen würde. ES muß ohne Ausnahme mit der Sichel geschnitten werden. Da, wo e» sich früh gelagert hat, ist e» sehr leicht.
Ortenberg, 16. Juli. Unser langjähriger Bürgermeister Herr Roth hat «egen Krankheit sein Amt utedergelegt. Bei der heute stattgefundeneu Neuwahl eine» Bürgermeister» wurde der bisherige Beigeordnete Herr Friedrich Hebbel I. mit 85 Stimmen gewählt. Der Gegencaudidat, Herr Stadt- rechuer Hilß, erhielt 72 Stimmen.
Dom Hoherodttopf, 18. Juli. Heute fand hier bei herrlichem Sommrrwrtter die diesjährige Familienconferenz der evangelischen Geistlichen au» den an den Vogel», berg grenzenden Drcanaten statt, wobei auch andere Decanate vertreten waren. Die Zahl der Theilnebmer belief sich auf 80, unter ihnen der Superintendent unserer Provinz, Herr Prälat D. Habicht. Nach einer freundlichen Begrüßung der Anwesenden durch Herrn Decan Münch von Schotten, hielt Herr Pfarrer Dr. Grein an» Gießen einen Vortrag über da» Thema: „Der Pfarrer in der modernen Literatur". Er besprach nicht etwa die literarische Thätigkett de» Pfarrers, sondern führte aus Werken neuerer Schriftsteller die Gestalten evangelischer Pfarrer vor, wie sie dort gezeichnet werden. E» find meist traurige Zerrbilder, welche die Ver- treter der neueren Literatur auftreten lassen, und tritt bei denselben da» Bestreben hervor, mit dem Pfarrer die von dem Pfarrstand und der Kirche vertretenen Anschauungen
selbst zu treffen. Daß man e» aber für der Mühe wrrth erachtet, in dieser Weise vorzugehrn, verräth zugleich, daß man die Kirche und ihre Anschauungen doch für eine Macht hält, die — und zwar durch Angriffe auf den Pfarrer — bekämpft werden muß. Nicht alle Schriftsteller stellen sich auf diesen feindlichen Standpunkt, aber fast durchweg beweisen sie, wie wenig tief sie die Ideen erfassen, welche der Pfarrer in seinem Amte vertritt. Aber der Vortragende giebt doch jedem Pfarrer anheim, sich zu prüfen, ob baß Ausgestellte nicht hier und da einen berechtigten Grund habe, und danach seine Amtsführung einzurichten. Der reichhaltige, klare und fein stilifirte Vortrag beginnt die Reihe der citirten Werke mit Wolf (Till Euleuspiegel), Arthur Ftttger, Höppner, wo der Pfarrer als Schmeichler, Heuchler und Kriecher nach oben dargestellt wird; ferner Ibsen („Gespenster", „Stützen der Gesellschaft"), der in dem Pfarrer die Menschenfurcht verkörpert sieht. Als Heuchler gilt der Pfarrer besonder» Gottfried Keller. Sehr verderblich har in dieser Beziehung gewirkt Kretzer» „Bergpredigt", wo der Pfarrer als der Bezahlte auftritt. Den Schluß machen Björnstjerne Björnsen und Sudermann. Dem Vortragenden wurde der gebührende Dank gezollt. — Hierauf begrüßte Herr Prälat D. Habicht die Conferenz uud theilte mit, daß er, nachdem S. M. der Kaiser von jedem Kirchenregiment einen Vertreter zur Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem eingeladen habe, seine Person vom hessischen Ktrchenregiment bestimmt sei, mit nach Jerusalem zu reisen. Die Reise beginne von Genua oder Triest über Briudifi am 18. October- zunächst werde Alexandria, Kairo besucht, die Pyramiden- dann Palästina, Jerusalem, die heiligen Stätten, Jericho, da» Tobte Meer- bann iheile sich die Gesellschaft in zwei Gruppen, deren eine nach Liberia», Nazareth u. s. w., die andere nach dem Libanon gehe. Am 31. October würde, al» am Reformation»- fest, die Einweihung der Erlöserktrche stattfinden. Der Sultan habe ein stattliche» Truppenaufgebot nach Jerusalem zur Ehrenbezeugung für den Kaiser beordert. Herr Decan Stock drückte seine Freude über die hohe Auszeichnung aus, die in dieser Einladung liege, und verficherte, daß die ge- sammte Geistlichkeit Hessens ihren geliebten Prälaten mit ihren Wünschen und Gebeten begleiten werde. — Im musikalischen Thetle wurden Vorträge für Tlavier, Flöte und Violine geboten, ebenso Gesang für Sopran - die Pfarrfamilie Weber zu Llch und die Herren Medert und Muhl machten sich in dieser Hinsicht um die Gesellschaft verdient- da» Pianino war wieder grat!» von der Firma Rudolph in Gießen gestellt worden. Auch der ctvile Preis der verabreichten Speisen und Getränke muß lobend hervorgehoben werden. Darmst. Ztg.
Darmstadt, 20. Juli. Ueber den Lebenslauf unseres zurückgetretenen Finanzministers Weber, Exc., veröffentlicht die „Köln. Ztg." einen von wohlinsormirter Seite herstammen- den Aufsatz, in welchem, und ganz mit Recht, auf die hohen Verdienste hingewiesen wird, die fich Herr Weber um das freiwillige wie staatliche SanttätSwesen erworben hat. Wir entnehmen dem bezüglichen Aufsatz daS Nachstehende: Im Jahre 1868 wurde Herr Weber zum Vorsitzenden de- Hesst- schen Landes-Verein» vom Rothen Kreuz erwählt, welche Stellung er 30 Jahre lang bekleidet hat, und ist e» ihm gelungen, im folgenden Jahre den von Darmstadt aus seit 1867 angeregten und betriebenen Verband der sämmtlichcn deutschen Landesvereine unter dem deutschen Central-Comilö tu Berlin zu begründen, von welchem der hochsrltge Kaiser Wilhelm I. in seinem Dank-Edict von 1871 gesagt hat, „daß die Einheit DenschlandS in diesem Verband früher hergestellt gewesen sei, als die politische Einheit". Bet Beginn de» deutsch-französischen Krieges vom Fürsten Pleß zum Landes- delegirteu des Kgl. preußischen CommiflarS und Militär- Jnsp?cteurS der freiwilligen Krankenpflege für da» Groß- herzogthum» Hissen bestellt, hat Weber in dieser Stellung und als Vorsitzender de» hessischen Verein» die allgemein anerkannte Hilssthätigkeit unsere» expouirteu Laude» tu den Jahren 1870 und 1871 organtfirt und geleitet. Für diese Wirksamkeit auf dem Humanitären Gebiete der Kranken- und Verwundeten-Fürsorge wurde er schon 1869 durch Verleihung de» Kronen-Orden», 1871 durch Verleihung de» Eisernen Kreuze», de» hessischen Miltär-SanitätSkreuze», sowie sächsischer, bayerischer und württewbcrgtscher Orden ausgezeichnet. Anfangs de» Jahre» 1875 war Weber zum RetchögerichtSrath in Leipzig auSerseheu, doch unterblieb seine unmittelbar bevorstehende Ernennung, nachdem ec fich auf Wunsch des damaligen Minister» v. Hofmann und de» Mintsterialdirrctor» Frhrn. v. Starck bereit gefunden hatte, in baß hessische Ministerium de» Innern einzutreten, wo ihm zugleich der Vorsitz der Ober-Medicinaldirection übertragen wurde. Dieser Thätigkett Weder» verdanken wir die heute noch giltige und für viele Staaten vorbildlich gewordene ausgezeichnete Organisation unsere» staatlichen Tanitäts- wesen», welches mit dem 1. Januar 1877 in» Leben trat und ihren Schöpfer an die Spitze der im Ministerium neu begründeten Abthetlnng für öffentliche Gesundheitspflege stellte, der er bis zum Jahre 1884 Vorstand und mit der er eine für unser Land selten erfolgreiche Thätigkett entfaltete.
Aus Hessen, 18. Jult. Eine Anzahl hervorragender Landwirt he au» Hessen haben fich dieser Tage mit dem Präsidenten de» hefftschen Landwirthschaftsraths, Herrn Krets- rath Haa»-Offenbach, nach dem badischen Oberland begeben, um fich dorten m den Hauptzucktgebieten Über den Stand, die Erfolge und die Einrichtungen der dorttgen Stmmenlhaler Viehzucht zu orteutireu.
Ars» der Zeit für die Zeit.
Vor 114 Jahren, am 22. Juli 1784, wurde in Minden der große Astronom Friedrich Wilhelm Bessel geboren. Durch feine Arbeiten ist es möglich geworden, die Bewegungen im Fixsternsystem zu ermitteln und zur Kenntniß der Entfernung der Fixsterne und selbst der Massen von Doppelsternen zu gelangen. Eine der hervorragendsten Errungen
schaften der Astronomie in unserem Jahrhundert ist die Entdeckung des Planeten Neptun, dessen Existenz von Bessel zuerst behauptet wurde. Er starb am 17. März 1846 als Professor in Königsberg.
* Ein Geretteter über den Untergang der vourgogne. Ein geretteter Oesterreicher von der Bourgogne, der in- zwischen in Wien eingetroffen ist, hat Mittheilungen über seine Erlebnisse gegeben. Der Gerettete heißt Heuschel und war Steuermann auf dem Unglücksschiffe. Er gab über die Katastrophe folgende Darstellung: Wir hatten New-Dork am 2. Juli verlassen und waren 18 Stunden unterwegs, als die Katastrophe südlich von Sable Island sich ereignete. In der kritischen Nacht hatte ich die Wache aus der Steuerbordseite und stand an den Mast gelehnt. Rings um uns herrschte dichter Nebel und tiefe, finstere Nacht. Außer den alle fünf Minuten ertönenden Signalpfiffen des Nebelhorns, welche das Seereglement bei Nebel vorschreibt, war kein Laut zu hören. Die Passagiere und die Mannschaft — die Wache ausgenommen — schliefen; Capitän Monde kam gegen 1 Uhr Nachts auf Deck, um wegen der bei Sable Island gelagerten zahlreichen und gefährlichen Sandbänke den Curs zu wechseln. Wir fuhren in der Richtung Nordost, vollen Wind vor dem Segel, mit einer Geschwindigkeit von 12 See- meilen in der Stunde. Da, gegen V32 Uhr Nachts, rief plötzlich der Ausluger auf Bug: „Segel an Steuerbord!" Capitän Monde, welcher dem fremden Schiffe ausweichen und in parallele Richtung mit demselben kommen wollte, befahl sofort: „Hart Backbord!" Doch war es bereits zu spät. Der Steuermann konnte das Manöver nicht mehr ausführen. Das fremde Schiff fuhr direct auf unsere Schiffsmitte los. Ein furchtbarer Stoß. ein dröhnendes Krachen, und das entsetzliche Unglück war geschehen. Es ist schwer, die nun folgenden ©eenen zu schildern. Capitän Monde wurde vom Schrecken so erfaßt, daß er vergaß, die Schotten zu schließen. Aus der Commandobrücke befindet sich nämlich ein electrischer Taster. Ein Fingerdruck auf diesen Taster hätte genügt, um sämmtliche Schotten zu schließen. Der Capitän rief nun unablässig in voller Verzweiflung: „Mon dien! Mon dien t Tont est perdu!“ Er hatte Überdies hohe, schwere Juchtenstiefel an, die ihn zu Fall brachten, als er von der Commandobrücke auf das Deck springen wollte. Dem Zusammenstoß der beiden Schiffe folgte augenblicklich wildes Angstgeschrei, denn durch das mindestens 10 qm weite Leck ergoß sich das Wasser wie ein brausender Wildbach in das Innere des Schiffes. Die Bourgogne hatte Korn geladen, das begierig das Wasser aufsog und so zu dem rapiden Sinken des Schiffes noch beitrug. Nach dem Zusammenstoß hatte sich die Bourgogne auf die Backbordseite gelegt, so steil, daß die Deckfläche fast vertical stand und zum Theil unter Wasser gerieth. In- folge dessen rutschten Alle, die auf Deck kamen, herab, und ertranken so auf dem Schiffe selbst. Dies geschah namentlich den zahlreichen Kindern italienischer Auswanderer, die mit ihren Familien an Bord der Bourgogne die Rückreise nach Europa angetreten hatten. Für die Nettungsaction selbst kamen von den auf dem Schiffe befindlichen neun Rettungsbooten nur die vier Boote auf der Backbordseite in Betracht, da infolge der starken Neigung des Schiffes die an der Steuerbordseite befindlichen Boote über das Verdeck hineinhingen, sodaß sie nicht in das Wasser gelassen werden konnten. Um die Plätze in diesen vier Booten entspannen sich nun furchtbare Kämpfe, die den panischen Schrecken noch vermehrten, von dem Alles erfaßt schien. Die Matrosen der Steuerbordwache stürzten sich augenblicklich auf die noch in der Luft hängenden Boote Eenes der Seile, an welchem das mir zunächst befindliche Boot hing, wurde von Jemandem gekappt. Die Insassen stürzten aus dem nun senkrecht herab- hängenden Boote ins Meer. Dann fiel das zweite Tau. Wie rasend stürzten die Matrosen auf dar Boot zu und hatten im Nu alle Plätze besetzt. Eine schauerliche Beleuchtung empfingen diese Scenen durch den in derKuche entstandenen Brand. Durch die Heftigkeit des Stoßes war das Feuer aus den Herden, auf denen eben der Kaffee für die neue Wache bereitet wurde, herausgeschleudert worden und theilte sich jäh dem in der Küche zum Trocknen aufgespeicherten Kleinholz mit. In dem Flammenscheine sah man deutlich die todbringende Verwirrung. In allen Sprachen hörte man um Hülfe rufen, und in die Schreie der Todesangst klangen die Flüche und das Wuthgeschrei der Passagiere, die durch die Matrosen gehindert wurden, die Rettungsboote zu erreichen. Die Italiener leisteten verzweifelte Gegenwehr und zogen ihre Messer. Die Boote, die für 30 Personen berechnet waren, trugen 70 und mehr Insassen; die in dem Boote saßen, lagen ober standen, eng aneinander gepreßt und jeder bereit, seinen Nachbar Über Bord zu stoßen, um sich selbst zu retten. Die Sicherheitsgürtel und die Schwimmhölzer, die vor die Brust gebunden werden, versagten fast vollständig. Die meisten fehlten überhaupt, und der Rest war unbrauchbar. Inmitten dieses Chaos stand eine Gruppe von drei polnischen Juden, ihres Zeichens Kürschner, welche die Gebetmäntel über dem Kopf, in fatalistischer Apathie des Todes harrten. Alle diese Scenen hatten kaum zwei Minuten gewährt. Da» Schiff begann sich auf die andere Seite zu neigen. Ich benutzte diesen Augenblick und sprang über Bord. Ich erfaßte dann den Rand eines der Rettungsboote. Sofort schlugen die französischen Matrosen mit Rudern auf meinen Kopf und auf meinen rechten Arm. Ich ließ aber nicht los und rief einem Italiener in feiner Muttersprache zu, mir ins Boot zu Helsen, was dieser auch mit aller Kraft that. Hierbei erhielt ich noch einige Hiebe auf den Nacken und den Rücken. Nun zog ich ebenfalls mein Messer, um mich zu wehren, und gelangte endlich in das Boot. Die Bourgoqne machte noch etliche Wendungen und versank endlich, einen weiten und tiefen Struddel ziehend. Mit ihr ertranken der Capitän, die Offiziere bis auf den dritten Maat, der sich reiten konnte, der Arzt, die Backbordwache, die ihre Schlafzeit hatte, daher zu jener Zeit unter Deck war, die auf dem sofort gesunkenen
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