Ausgabe 
22.6.1898 Zweites Blatt
 
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Misfisfippi in 60,000 Jahren durch seine Mündung-arme -fließen läßt,- diese Waffermenge würde genügen, die ganze Erdoberfläche 300 Fuß hoch zu bedecken. Nun kommt noch das wichtigste Bedürfniß der Maschine: daS Heizmaterial. Gesetzt, daß die Maschine gut und sparsam arbeitende Kessel hat, wird sie in ihren 70 Milliarden Jahren schon an 30,000 Billionen Centner Kohlen genug haben. Sollte dieser Kohlenbedars auf einen Eisenbahnzug verladen werden, besten Wagen je 400 Centner fasten, so würden 200 Billionen Wagen nöthig sein. Aneinander gereiht würden die Wagen einen Zug bilden, der die Erde 45 Millionen Mal umspannen könnte, und wenn der Zug mit einer Geschwindigkeit von 10 Kilometer stündlich führe, so würde er fünf Millionen Jahre brauchen, um nur seine eigene Länge zu durchmeffen. Man steht aus diesen merkwürdigen Berechnungen, daß unsere -Trde ziemlich fest an dem ihr durch die Naturkräfte an- -zewiesenen Platze steht, und daß es nicht ganz leicht ist,bie Welt aus ihren Angeln zu heben/'

War der Mensch braucht, muß er habe«. .Einem -Straßenbahnschaffner in Langenfelde bet Hamburg ist ein Hfeilerspiegel, gegen besten Pfändung er mit der Be» xründung Einspruch erhoben hatte, er bedürfe seiner,um »roper im Dienst erscheinen zn können", vom Landgericht ßretgegeben worden.

* Neuer vom Acetyle». Wie die Chemiker-Zeitung mit» tietlt, hielt in der letzten Sitzung der Sectton London der Society of Chemical Induetry Prof. V. B. Lewe- seinen Vortrag:lieber die Vorgänge in AcethlengaSent» Wicklern". Zunächst besprach Redner die Verunreinigungen, welche im Acetylen und im Carbide vorhanden find; er fand, t- von einer Anzahl untersuchter Sorten die englischen Aarbide die reinsten waren, was wohl seinen Grund in der sorgfältigen Auswahl der Rohmaterialien hat. DaS Maximum an PhoSphorwafferstoff im Acetylen wurde zu 2,3 pCt. ge- senden, während englische Carbide trn Durchschnitt nur 0,5 pCt. nthielten, Einschlüffe im Carbide, deren spec. Gewichte Mischen 3,5 und 5,8 schwankten, enthielten zum Theil Eisen» illicat, Magoefiumfilictd und Carborundum. Im Acetylen rrarde Siliciumwafferstoff vorgefunden, und Kieselsäure konnte in dem Ruße der Acetylenflamme nachgewiesen werden. Der Aortragende versuchte nun, Acetylen zur Selbstentzündung zu bringen durch Mischen mit PhoSphorwafferstoff, waS jedoch erst bet etwa 80 pCt. PhoSphorwafferstoff erreicht werden konnte. Wenn dagegen Carbtd mit 1 pCt. CalciumphoSphid vermischt wurde, gelang es schon, ein selbstentzündlicheS GaS za erhalten. Die Wärmemenge, welche frei wird bet Ein- lvirkung von Waffer auf 1 g Carbtd, fand Redner zwischen 364 und 406 c. Die höchste Temperatur, welche erreicht v rrdeu konnte bet Einwirkung von Waffer auf Carbtd. wurde mittelst des Le Chatelter-PhrometerS zu circa 800° C. be­

stimmt, eine Temperatur, bet welcher Acetylen in Benzol und theertge Producte zersetzt wird. Leitet man Acetylen durch ein GlaSrohr und erhitzt auf circa 800° C., so erfolgt diese Zersetzung unter Feuererscheinung und Hinterlassung graphitischer Kohle. DaS Rußen der Acetylenflamme wird vom Berfaffer der Gegenwart von Benzol zugeschrieben. Bringt man in die Gasleitung einer Acetylenflamme, welche rußlos brennt, einen Tropfen Benzol, so wird dieselbe sofort rußend. Mit diesem Experiment erbringt der Vortragende den Beweis, daß bei der Acetylenbeleuchtung die Reinheit des Acetylens von der größten Wichtigkeit ist, speciell die Reinheit deS Acetylens von Benzol, um daS Rußen zu ver» hindern, von Sulfiden und PhoSphorwafferstoffen in sanitärer Htnficht. Trägt man daher Sorge, bei der Entwicklung des Gases die Temperatur niedrig zu halten, so wird die Ent­stehung des Benzols auf ein Minimum beschränkt. Dies wird in allen denjenigen Gasentwicklern zutreffen, bei denen ein Ueberschuß von Waffer vorhanden ist und daS Carbtd möglichst gleichmäßig in dem vorhandenen Raume verthetlt wird. Au der DtScusston betheiligten fich Boverton Red­wood, Worth, O-car Guttmann, Butterfield, Bloxarn, Hehner, Ackermann, Hagemann u. A.

Zu Kurzem werden Aufichtt Postkarten in den Handel kommen, welche auf dtrecten Wunsch unseres Kaisers her- gestellt worden find. Derselbe hat, wie derConseet." erfährt, eine Serie von 6 Aquarellbildern, welche die Saal bürg in ihrer zukünftigen Gestalt darstellen, von Prof. Döpler aus» führen laffen, die ihm vor einigen Tagen überreicht wurden. Der Kaiser hat bet dieser Gelegenheit den Wunsch aus­gesprochen, daß dieselben in Form von Ansichts-Postkarten dem großen Publikum zugängig gemacht werden mögen, welchem Wunsche natürlich entsprochen werden wird.

* Untrügliches Mittel gegen Krebs. DerDeutsche Radfahrerbund", der seit der Entdeckung des Acetyleu- gaseS nicht müde wird, einen schönen Eifer für diese GaS» art an den Tag zu legen, bringt folgende Mttthetlung, die nicht verfehlen wird, in der ganzen Welt, namentlich unter der verzweifelnden Schaar der Krebskranken, daS freudigste Erstaunen hervorzurufen:AcethlengaS, welches dem Rad­fahrer jetzt feine Straße aufs beste erhellt und ihn somit vor Beschädigung seiner selbst und der Maschine schützt, wird nach den neuesten Entdeckungen auf dem Gebiete der ärztlichen Wiffenschaft auch die Menschheit vor einem der furchtbarsten Feinde derselben, dem Krebs, schützen. Wie wir in eng­lischen ärztlichen Fachzeitschriften lesen, hat sich AcethlengaS als bis jetzt wirksamstes Mittel gegen die einen sicheren Tod herbeiführeude Krankheit erwiesen. DaS Verfahren, den Krebs auSzurotten, ist höchst einfach und kann zur Roth von jedem Laien angewandt werden, denn man hat nur nothwendig, die vom Krebs angegriffene Stelle mit Calciumcarbid zu bedecken

und dann mit Waffer zu benetzen. Sofort bildet fich Acetylm- gas und kommt in innigste Berührung mit den von dieser tückischen Krankheit angegriffenen Geweben. Dieses Ver­fahren wird so lange wiederholt, bis der Krebs gewichen ist. Der Kranke fühlt dabei weiter Nichts als eine schnell vorüber­gehende Empfindung wie ein Verbranntwerden. Ein glück­licher Zufall brachte einen radfahrenden, eine Acethlenlaternr benutzenden Doctor auf den Gedanken, baß genannte GaS za jenem Zweck in Anwenbnng zu bringen. All Heil! ist hier so recht am Platze." Die Zeitung ist nicht etwa vom 1. April, sondern vom 12. Juni datier und erscheint nicht in der Tartarei, sondern in Magdeburg.

Soldatenhumor. Beim Abgeben einer Salve knattern einige Gewehre vor. Der Hauptmann, wüthend: Kerls, denkt Ihr denn, Ihr seid in einem Vorschußverein?"

Literatur und Aunst.

Die soeben ausgegebene neunte Lieferung des Werkes:DaS neunzehnte Jahrhundert in Bildnissen", Photographische Ge­sellschaft, Berlin, bringt an der Spitze da« Porträt des Vaters der Dampftechntk, James Watt, der, wenn auch der Haupttheil seines Lebens in das vorige Jahrhundert fällt, dennoch mehr als ein anderer Sterblicher dem Zeitalter der Naturwissenschaften einen eigenthümltchen Character verliehen hat. Ihm folgt der Schöpfer des heutigen Verkehrs, George Stephenson, dessen Leben milder Ausgestaltung der Locomotioe und des Schienenweges aufs innigste verknüpft ist. Die Originale der Bildnisse beider sind in der eng­lischen nationalen Porträtgalerie ausgenommen, die begleitenden literarischen Bilder gab Aranz Bendt. Drei große Männer, deren Namen den Emporgang der Chemie in unserem Jahrhundert be­deuten, reihen sich an: Berzelius, Bunsen, Liebig, sodann Herschel, die bekannteste Gestalt unter den Astronomen der letzten hundert Jahre, mit biographischen Würdigungen von Wilhelm Bölsche. Schließlich finden wir Alfred Krupp, den Kanonen- könig, deffen Gußstahl sich die ganze Welt erobert hat, besprochen von Fritz Blenke, und zuletzt einen deutschen Dichter, der mehr als irgend etn anderer Dialectschriftsteller sich in allen Landen Bürger­recht erwarb, den Vertreter des niedersächsischen Volksthums, Fritz Reuter, mit Biographie von Karl Theodor Gaedertz. Auch diese Lieferung verdient vollauf das rege Jntereffe, welches Kritik und Publikum dem ganzen Werke entgegenbringen.

Univerfitäts - Nachrichten.

Die theologische Facultät der Straßburger Universität hat den Pfarrer Lio. Gerold von der Nicolaikirche zu Straßburg zum Ehrendoctor der Theologie ernannt. Herr Gerold hat sich namentlich um die Bearbeitung des neuen evangelischen Gesangbuches für Elsaß-Lothringen Verdienste erworben, ist aber auch sonst als Prediger wie als theologischer Schriftsteller sehr angesehen.

WaWWAflAM 3- Notiz, daß m. Kuren g. Zwangs- XV gedanken, Angst, Schlaflosigk., Asthma,

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ü sjfmtlich meistbietend versteigert werden.

Gießen, 17. Juni 1898.

Großh. Ortsgericht Gießen.

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Mittwoch dcu 22. I«ui l.

Nachmittags 2 Uhr, . ; re rden im Bieker'schen Saale: Möbel aller Arten, 2 Hobelbänke, 2 Faß Ocker u. A. m.

»ersteigert.

>227 Geißler, Gerichtsvollzieher

Grasversteigerung.

Freitag den 24. d. Mts., vormittags 8 Uhr anfangend, |oD das Heugra» von den dem N-rienstift Lich zustehenden etwa lllOO Morgen Wiesen in den Ge- nurtungen Lich, Nieder und Ob^r- dMngen versteigert werden.

Der Anfang ist hinter dem Kirchhof der Straße nach Grünberg.

Lich, 15. Juni 1898.

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