Ausgabe 
22.6.1898 Zweites Blatt
 
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Prag, 20.Juni. Die gestrige Palacki-Feier verlief in größter Rahe. Die Polizei hatte, trotzdem an dem Fest« zuge ca. 30 000 Personen theilnahmeu, nirgends Anlaß zum Einschreiten.

Lemberg, 20. Juni. Obgleich auch gestern keine ernsten Ruhestörungen stattgefuudeu haben, befürchtet man, daß die Bewegung auf Ost-Galizien übergreift, da die StojanowSki- Partei für einen allgemeinen Trutestrike agtttrt. Im Gefängutß zu JaSlo befinden fich über 250 Excedeuten.

Innsbruck, 20. Juni. Im Kaisergebirge ist der Student der Chemie Schieber aus München abgestürzt. Boa Kuxstein find RettuugSmaouschafteu abgegaugen.

No«, 20. Juni. Der Versuch Souaiuo», ein Cab tuet zu bilden, ist gescheitert. Die Freunde BiLconti Beuosta» machen Anstrengungen, denselben zur Ueberuahme der Cabinet»- dildung zu bewegen. Visconti Benosta verhält fich jedoch bi» jetzt ablehnend.

Paris, 20. Juni. Heute Nachmittag wird Sarrten dem Präsidenten Faure da» Resultat der Neubildung de» Cab tu et» überbrtugeu.

Madrid, 20. Juni. Der englische Botschafter hatte gestern wieder eine lauge Couferevz mit dem Minister de» Aeußeru.

Madrid, 20. Juni. L» verlautet, dem General Augustin sei e» gelungen, aus Manila zu entkommen, um fich mit den Truppen, welche fich tm Norden der Insel Luzon befinden, zu vereinigen. Manila soll trotz aller Ableugnungen der Regierung von Aguiualdo besetzt sein.

Der Werth von Stadtbefestigungen.

Trotz de» vielfachen Ansturms einiger Uebereiferer gegen da» Vorhandensein zahlreicher Festungen haben fich diese doch für eine jede LandeSvertheidtguug immer noch al» uuerläß- lich erwiesen, und wenn auch der bi» jetzt jammervoll ge­führte amerikanisch-spanische Krieg als Beweismaterial dafür nicht angeführt werden kann, so haben doch auch hier selbst die mangelhaftesten Küstenbefestigungen bisher die Amerikaner von Landungsversuchen abgehalten. Mau wird also in ab­sehbarer Zeit nicht dazu gelangen, die Festungen au» der LandeSvertheidigung fortzulaffeu, dagegen scheinen die Grund­sätze über die Art und Ausdehnung der Festungen tu dem letzten Jahrzehnt eine Aeoderung erfahren zu haben.

Nach Einführung der weittrageuden gezogenen Geschütze konnte eine Stadtbefestigung mit ihren Bastionen, Raveltuen und Außeuwerkeu nicht mehr genügen und die wett vor­geschobenen Fort- wurden zur Nothweudigkett. So entstanden die aus dem Festungsgürtel und der Stadt- oder Kern- befesttguug zusammengesetzten Festungen- wo fich letztere vor­fand, behielt man fie bet, aber schon nach 1870 errichteten die Franzosen Festungen, die nur einen Festungsgürtel, aber keine Stadtbefestiguug mehr aufwiesen.

Die deutsche FestuogSbaukunst hielt aber einstweilen au der letzteren noch fest, und fie gab dem Drängen der in Steiopauzer eingehüllten Städte, wie Straßburg und Köln, uur insoweit nach, als fie die alten, unbrauchbar geworbenen Stadtwälle fallen ließ und eine neugeartete Stadtbefestiguug weiter hiuauöschob, wodurch die Stadterweiterungeu möglich wurden. Aber die Fort» und die Kernfestung bliebev al» zwei in fich abgeschloffeue und besondere BertheidigungSsysteme bestehen. Bet mehr tm Jnlande gelegenen oder klrtueren Festungen gab man jedoch die Stadtumwallung ohne weiteren Ersatz an neuen umschließenden Befestigungen auf, wie wir die» bet Magdeburg, Mainz, Coblenz sehen, und in aller- ueuester Zett find auch bestimmte, dem wahrscheinlichen An­griff abgewendete Fronten der Grenzfestung Metz aufgegeben worden. Auch bet Ulm, Königsberg und Danzig, ja selbst bet Pofen find Erwägungen tm Gauge, ob dte Stadtbefeftig- uogeu nicht ganz aufgegeben werden können, ohne einen Ersatz durch eine andere, weiter vorgeschobene Umwallung zu schaffen.

Die Stimmen der Fachmänner, daß diese geschloffenen Stadtbefestigungen immer mehr an Werth eiubüßen, je mehr die Waffentechn k fortschreitet, haben erheblich zugenommen - trotzdem ist die Ansicht noch immer vorherrschend, daß eine Festung ihre Aufgabe nicht zu erfüllen vermag, weuu fie nur einen einfachen FortSgürtel besitzt, nach dessen Fall die Festung al» strategischer, industrieller und kommerzieller Punkt ohne Wettere» dem Gegner anhetwfällt. Freilich konnte nach dem Falle der FortS dte alte Stadtbefestigung eine zähe abschuitts- weife Vertheidtgung nicht mehr gewährleisten, fie wurde vielmehr tu den Fall jener unausbleiblich htneingezogen. Dtefem Uebelstaode suchte man durch die Erfindung desNoyauS" zu begegnen, wo­runter man eine zweite Bertheidigungslinie hinter dem Fons- gürtet mit geringem Abstaude hinter demselben und nach ähn­lichen Grundsätzen wie dieser angelegt versteht. An Grelle deS FortSgürtel- und der Stadtbefestiguug tritt demnach bet der neuesten BefesttgungSmanter der Fortgürtel und das NoyauS, wodurch der Stadtbefestiguug eigentlich der Todes­stoß versetzt ist. Bei Festungen, welche von der Grenze weiter ab liegen, kann mau sich begnügen, uur dte Stütz­punkte de» NoyauS in beständiger Bauart außzuführeu und den Abschluß der Zwischenräume (Intervalle) zwischen ihnen erst bet der Armtruug der Festung, also bet AuSbruch eine» Kriege-, au-zuführen. Bet Grenzfestungen jedoch, welche einer Ueberrumpelung ausgesetzt find, wird mau auf da» Vorhaudensetn de« inneren Güu-l», also de- NoyauS, schon tm Frieden dringen müssen, weil hier der letzte Rückhalt gegen jeden Durchbruch gegeben iit und seine überraschende Weg­nahme sofort die ganze Vertheidtgung der Festung lahm legen kann. Die Nohaubefesttguug als fortlaufende Ltuie nach Art der Stadtumwallung zu führen, empfiehlt fich nicht, weil fich der Bertheidiger dadurch der Offenfivunternehmungen begeben würde, für welche er Bewegungsfreiheit bedarf. Die Linie der Gürtelfort- ist die Kampfstellung im Festungskriege, da- Nohau der Rückhalt und Abschluß, während eS beim Vorhandensein von Beiden einer Stadtbefestiguug nicht mehr bedarf. Auch bisher nahm man in der Vertheidtgung in der

sogenannten Zwischenstellung ein Nohau als nothwendig an, aber fie sollte erst während deS Kampfe- um die FortS oder bei unmittelbarer Bedrohung der Festung au-geführt werden, und darin bestand ihre Schwäche. Die großartigste Gürtel- und Nohau-Befesttgung hat Pari- aufzuwetseu, wo die nach 1870 angelegten Forts den Gürtel und die 1870 bereit- vorhanden gewesenen da- Nohau bilden- daß somit die Pariser Stadtbefestiguug gegenüber dem modernen Festung-« augriff einen Werth gleich Null hat, bedarf keine» weiteren Beweise». Wendet man aber dte entsprechenden Schluß­folgerungen auf unsere deutschen großen Festungen an, so kann bei ihnen die Stadtbefestiguug nur daun aufgezebeu werden, wenn an ihre Stelle ein nach obigen Grundsätzen zu errichtende» Nohau tritt, das al« zweiter bezw. innerer Gürtel zu betrachten ist. Dadurch würden die hauptsächlichsten Hindernisse beseitigt werden können, welche der Beseitigung der Stadtbefestigungen und der Erweiterung der großen, von Umwallungeu eng eingeschloffenen Städte sich zur Zett noch entgegeustellen. Köln. Ztg.

Wie groß ist der Kraftaufwand beim Radfahren?

Diese int er eff ante Frage beantwortet soeben auf Grund practischer Versuche Stabsarzt Dr. Sehrwald (Freiburg i. Br.) imArchiv für Hygiene". Reibung, Steigung, Trägheit oder Beharrungsvermögen des Rades, Luft­widerstand sind die Hemmnisse, zu deren Ueberwindung der Radfahrer die meiste Arbeit leisten muß. Bei langsamer Fahrt verursacht die Reibung die Hauptarbeit, bei schneller aber der Luftwiderstand. Die Ueberwindung der Reibung erfordert auf guter ebener Straße für das gebräuchliche Zweirad mit Luftreifen und Kugellagern eine Arbeit, die Vee der Gesammtlast d. h. des Gewichts des Rades und des Fahrers beträgt. Der Reibungscoeffizient Vee ist bei jeder Belastung des Rades und jeder Geschwindigkeit gleich. Ein Fahrer, der mit seinem Rad 100 Kgr. wiegt, hat zur Ueber­windung der Reibung auf einer Strecke von 1000 Meter eine Arbeit von r/o« !00 1000 rund 1500 Mkg. zu leisten. Steigt der Weg um 1 v. H. bergan, so ist neben der Arbeit für die Reibung noch ein Mehr an solcher zur Ueberwindung der Steigung nöthig. Der Steigungscoeffizient ist Vss der Gesammtlast. Ein Fahrer mit Rad im Gewicht von zusammen 100 Kgr. braucht, um einen Kilometer Steigung von 1 v. H. zu nehmen, dazu noch einen Kraftaufwand von (Vos 100 1000) 1125 Mkg., steigt die Straße um 3 v. H., so braucht er schon dreimal mehr 3375 Mkg. Eine Steigung von 1 v. H. verdoppelt schon die bei lang­samster Fahrt in der Ebene erforderliche Arbeit. Welche Steigung sich ein Fahrer noch zumuthen darf und welches Tempo er bei einer bestimmten Steigung einhalten muß, um sich nicht zu überanstrengen, läßt sich leicht berechnen. Vermag er in der Ebene längere Zeit ohne Beschwerde noch ein Fahr­tempo von 6 Meter in der Sekunde einzuhalten, so ergiebt sich, daß er für den Kilometer 3750 Mkg. längere Zeit auf. zubringen vermag. Eine Steigung von 4 v. H. erfordert schon ein Mehr von 4500 Mkg.; sie ist also für ihn nicht mehr bezwingbar. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von einem Meter, welche für die Reibung allein 1500 Mkg. auf das Kilometer verlangt, bleibt ihm für die Steigung noch ein ArbeitSvorrath von 2200 Mkg.; mit diesem kann er nur knapp noch 2. v. H. Steigung bewältigen. Bei einem Tempo von 4 Meter, das in der Ebene 2500 Mkg. beansprucht die Arbeit wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, bleiben ihm 1250 Mkg. Diese genügen aber nur für eine Steigung von 1 v. H. und wenig mehr.

Um das ruhende Rad in Bewegung zu setzen und ihm eine gewisse Geschwindigkeit zu ertheilen, muß ebenfalls eine bestimmte Arbeit aufgewandt werden. Die Arbeit zur Ueber­windung der Trägheit kann für schnellste Fahrt fast ebensoviel ausmachen, wie die für 1 Kilometer durch die Reibung er­forderte Arbeit. Bei kurzen Wettfahrten fällt sie daher sehr ins Gewicht und macht den fliegenden Start vortheilhafter, als den stehenden.

Weit mehr Arbeit erfordert bei schneller Fahrt die Ueberwindung des Luftwiderstandes. Bekanntlich wächst dieser mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, d. h. bei fünfmal schnellerer Fahrt wird er 25 mal größer. Der auf* rechtsitzende Radfahrer bietet dem Wind etwa i/2 Geviert» meter Fläche dar, durch Zusammenkauern kann sie um die Hälfte verringert werden. Bei langsamster Fahrt entfällt auf den Luftwiderstand nur Vbo der übrigen Arbeit, bei schnellster Fahrt aber das siebenfache und bei aufrechter Haltung sogar das zehn- und dreizehnfache. Da der Luftwiderstand, mit steigender Fahrgeschwindigkeit schnell wächst, erreicht die Fahr­geschwindigkeit auch des besten Fahrers sehr bald eine un­überwindliche Grenze. Nur mit Hilse von Schrittmachern lassen sich die Recorde noch erhöhen; sie überwinden den größten Theil des so bedeutenden Luftwiderstandes für den ihnen unmittelbar folgenden Fahrer und können ihm dadurch bis zu 2/8 feiner gcfammten Arbeit abnehmen. Ohne Schritt- macher kann ein Fahrer höchstens eine Kraft von l8/4 Pferde­stärken aufbringen, mit Schrittmachern leistet er für wenige Minuten 21/a. Die Schrittmacher arbeiten in die Luftmassen gewissermaßen einen Tunnel hinein, in dem der Rennfahrer bequem vorwärts kommen kann. Hält fich der Fahrer dicht hinter seinem Schrittmacher, so vermag er ohne große Mühe lange mit ihm Schritt zu halten; ist er aber nur um zwei Meter von dem Schrittmacher abgefommen, so ist der magische Einfluß des Schrittmachers gebrochen; es kommt Luft zwischen den Rennfahrer und den Schrittmacher und der Rennfahrer bleibt schnell zurück. Wa» ein Rennfahrer unter Beihilfe von Schrittmachern leistet, ist daher gar nicht mehr die Arbeit eines Einzelnen, sondern das gemeinsame Product einer ganzen Anzahl Fahrer, die ihre Kräfte »inem einzelnen Fahrer borgen und dessen Leistungen künstlich emporschrauben. Herrschender Gegenwind vermehrt den Luftwiderstand wie eine entsprechende Beschleunigung der Fahrgeschwindigkeit,

Vennifdptes*

umgekehrt vermindert treibend kt Wk' o..a ebenso stark, wie eine entsprechende '

Die Strecke, die Jemand A, ^ltV±*un9- zurückzulegen vermag, erlaubt r ' «AxJüL asn^re9UnJ strecke, die sich der Betresient Berechnung derFahn- ordnung lautet dann folgetnL.

drei Stunden ohne Anst^ n 18 mar!$ rt

*80 000

£ t?" usr-cht-r Körperhaltung daher fahren

s^mdstille 4 Meter schnell und 43,2 L 2lOmeter in 4i/6 Minuten), bei Gegenwind

* 3 M-'-r schnell und 29 Kilometer t,

M l 5 ,1 Knuten). Im Allgemeinen entfptid«

^abrt ^a gleich 10 Kilometer Marsch = 24 Kilomet« El ^er das Fahren nur zur Erholung oder zum Der-

nicht als Sport betreibt, geht am besten über r.^^bfch'vmdtgkeit von 4 Meter, eine Fahrstrecke von bi« 50 Kilometer in der Ebene dm Tag über und eine Steigung von 3 v. H. nicht hinaus. Als höchste Tages- | ^ung darf sich ein nicht trainirter Fahrer ausnahmsweise bis 168 Kilometer gestatten, entsprechend einer Tagesarbeit

I eines kräftigen Arbeiters von 420 000 Mkg.

I_______________________ (Tägliche Rundschau.)

Reichskanzler Fürst Hohenlohe an bet Wahlurne. An» Berlin wird berichtet: Eines der interessantesten Wahllocale Berlin» ist stet» da» am oberen Ende der Lcipzigerftraße, tu dem dte in der Wtlhelmstraße wohnenden Staatswürdeo- träger zu wählen haben. ES war tn früheren Jahren immer ein Ereigniß, wrrm Fürst Bismarck zur Wahlurne ging um feine Stimme abzugeben. Der Fürst unterhielt fich gewöhn- lich einige Minuten mit den Herren de» Wahlvorstande» und machte dabet manche scherzhafte Bemerkung. Auch der jetzige Retchrkanzler Fürst Hohenlohe übte sein Wahlrecht au», di war fünf Minuten nach halb 12 Uhr, al» der geschloffene Wagen de» Kanzler« vor de« Wahllocal, Leipzigerstraße 136, Vorfahr Der Letbjäger öffnete den Schlag, und der Fürst entstieg tn Begleitung eine» höheren Beamten der Reich»- kanzlet dem Wagen und ging langsamen Schritte» über den Hof tu da» Wahllocal. Dte Herren de» Wahlvorstande» er­hoben fich von ihren Plätzen und begrüßten den Fürsten mit stummer Verbeugung. Fürst Hohenlohe erwiderte den Trotz lautlos in derselben Weise. Der Wahlvorsteher nannte tem Protocollführer die WohnungWtlhelmstraße 75-, und erst nachdem der Schriftführer einige Augenblicke tu der Liste ge­blättert hatte, «achte der Fürst dte Bemerkung:8» ist Wtlhelmstraße 77". Dann la» der Protocollführer mit lauter Stimme: ^Se. Durchlaucht Fürst zu Hohenlohe Schillings­fürst", worauf der Reichskanzler feinen Zettel dem Wahlvor­steher gab. Stillschweigend wie er gekommen, entfernte fich der Fürst mit leichtem Kopfnicken au« dem Wahllocal.

*P. Eine Fernsprecheinrichtuug nach deutsche» Muster wird demnächst in Rio de Janeiro hergestellt, durch die Firma Siemen« u. Halske unter Leitung de« deutschen Tele­graphen Director» Luckow (Berlin 7), der zu diesem Zwecke vom Reichrpostamte vorübergehend nach Brafilieu Urlaub er­hält. Im Auftrage de» Reich»postamtS unternahmen ferner im Mai zwei höhere Telegraphenbeamte au» Emden eine Reise nach Valentin in Irland, um bei der dortigen Tele­graphenstation der Anglo American Telegraph-Co. den automati­schen Betrieb auf den Kabeln dieser Gesellschaft kennen zu lernen und eintretenden Falle deutscherseit» auSzunutzeu. Die Schnellig­keit de« Betrieb» würde dann außerordentlich erhöht unb dadurch die Legung eine« z. Z. erforderlichen zweiten Kabels Emdeu-Valentia vorerst hinauSgeschoben. Auf dem Kabel Emden-Valentia werden nämlich beim automatischen Betrieb 160 bi« 200 Buchstaben innerhalb einer Minute übermittelt. Hoffentlich bewährt fich der automatische Betrieb der Ameri­kaner besser wie das amerikanische AbholnugSsystem Mr Post­sendungen (letter boxes). Dasselbe besteht darin, daß in der einen Schalterwand für die Abholer der Postsendungen besondere fortlaufead nummerirte Briefkasten angebracht find, in welche die Postbeamten die abzuholenden Postsachen ein- legen, während die Abholer, die im Besitz der analog mit Nummern versehenen Schlüssel find, die Kasten ohne Zuchau der Schalterbeamten öffnen und entleeren. Dieses Abholungs- Verfahren hat den Vortheil, daß fich die Ausgabe der Post­sachen rascher und einfacher abwickelt, al» wenn ein Abholer nach dem andern fich zum Schalterfenster begiedt und die Postsachen in Empfang nimmt. Der Nachtheil besteht darin, daß die Postverwaltung jede Verantwortung ablehueu muß für Weiterungen, die dadurch entstehen, daß ein Abholer in den Besitz von Postsachen eine» anderen Abholer» gelangt, was beispielsweise herbeigeführt werden kann, wenn der Post­beamte fich beim Venhetlen der Sachen irrt, Briefe rc. an* einanderkleben, oder die Schlüssel tn unbefugte Hände ge- rathen. Da« genannte Verfahren besteht u. A. in der Schweiz und in Deutschland, in Mannheim und Bremen. In Danzig, wo gelegentlich de« Postneubaue« die gleiche Einrichtung ge­troffen werden sollte, wtrd hiervon Abstand genommen, well die Interessenten fich in ganz geringer Zahl zur Bethetligung gemeldet haben, wa» anscheinend darauf znrückzusühreu ist, daß in Mannheim und Bremen da« amerikanische AdholungS- Shstem doch nicht völlig befriedigt.

* Welche Kraft dazu uöthig märe, den Erdball einen Fotz hoch zu heben, da« hat ein englischer Ingenieur, der offenbar viel freie Zett hat, berechnet. Die Erde wiegt etwa 120,000 Trillionen Centner- wir wollen für Diejenigen, die mit solchen Zahlen nicht auf vertrautem Fuße stehen, noch hinzufügen, daß die benannte Zahl au» einer Zwölf mit 22 Nullen dahinter besteht. Um nun diese» Gewickt von 120,000 Trillionen Ceutnern um einen Fuß zu heben, würde eine Dampfmaschine von 10,000 Pserdekräfteu eine Zeit von 70 Milliarden Jahren oder 70 Millionen Jahr« tausende arbeiten müssen. Die Dampfmaschine würde i» dieser Zeit 40 Trillionen (e ne Vier mit 19 Nullen) Liter Wasser verbrauchen, da» find mehr, al» der gewaltige

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Nachmittag joD auf bem hiesigen «art Schmidt Wwi Löber in Gießen gei Flur 1 Nr. 984«/io'

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Gießen, 17. Juni 1

Großh Ortsgei 6131 3-81.: t

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