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22.6.1898 Zweites Blatt
 
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Kr. 143 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

^eneral-^Mnzeiger

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Anrts- und Anzeigeblutt für den ICrets Gietzen.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

gebenden Madrider Kreise reiche Sinecuren in den Provinzen I Wohl kaum sei einer Armee so schwere» Leid geschehen al» verschaffte, und da» Pfaffenunwesen, welche die Erbitterung » dawal», im Jahre 1888, und wohl selten sei eine so schwere

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" Vorstand.

iM 8' , Uhr,

an

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Deutsches Reich

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SLauteru beliebte politische Unterdrückang der Eingeborenen, I Erlaß gerichtet habe, da.» Günstling-wesen, welche» den Angehörigen der maß« I nächtze Jahrzehnt, wol

nächste Jahrzehnt, wolle er an die Armee seine Worte richten.

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Mittwoch den 22. Juni

Alanahme von Anzeigen zu der chmittagS für den ^stgmdm Tag erscheinenden Nummer diS Bonn. 10 Uhr.

die die zu

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen des In- und «*(<* nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtOWM«

sky iber:

rrlditrri.

ter vorftasd.

Die Lage auf dem Kriegsschauplätze sat in letzter Zett eine wesentliche Veränderung nicht erfahren. D ie Amerikaner beschießen fast jeden Tag die Befestigungen ,i»a Santiago, legen dieselben jedeSmal in Trümmer, aber dii Spanier müffen wahre Hexenmeister sein, sonst könnten di« Befestigungen nicht so oft dem Erdboden gleichgemacht v-rden, wie die Amerikaner melden. Mögen freilich die an» -»ertkanischer Quelle stammenden Meldungen auch stark Vertrieben sein, so ist die Lage für Spanten doch äußerst prttät. Insbesondere auf den Philippinen drängen die ver« Mniste immer mehr zu einer Katastrophe. Der Insurgenten- hrer Agutnaldo hat die Unabhängigkeit der Inselgruppe procUmtit und hält die Spanier tn Manila vollständig ein«

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der Eingeborenen auf» Höchste gesteigert haben. Die Er- kenutntß de» Unrecht», welche» fie gegen ihre Colonien be­gangen haben, ist den Spaniern leider zu spät gekommen, und die tn letzter Zeit von der Madrider Regierung gewährten Zugeständniffe, wie Autonomie usw., haben heute ihren Zweck vollständig verfehlt. Ungemein bitter muß Spanien für die Unterlassung«- und Begehungßsünden büßen, welche e» auf sich geladen hat, und unberechenbar find die Folgen. Wa» nützt unter den jetzigen Umständen aller Opfermuth und alle Vater- land»liebe! DaS Land ist finanziell rutntrt, und ob es dem

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Zeit über das Haupt eine» Nachfolger» dahiugegangen, der seinen Großvater und Vater in kürzester Zett habe htnsterben sehen müffen. Mit schweren Sorgen habe er, der Kaiser, die Krone übernommen. Ueberall sei er angezweifelt worden,

Berlin, 20. Juni. DerReichsanzeiger" veröffentlicht heute die am 16. d. MtS. vom Kaiser im Lustgarten bet Potsdam an die Leibregimenter gehaltene Rede. In der­selben bezeichnet der Kaiser die Armee al» die wichtigste von seinem Großvater und Vater htnterlaffene Erbschaft. Er erinnert daran, daß fie e» gewesen sei, an die er seinen ersten Auch heute, beim Eintritt tn da»

überall sei er auf falsche Beurthetluug gestoßen. Nur ein» habe zu ihm Vertrauen gehabt, ein» habe an ihn geglaubt, da» sei die Armee gewesen, und auf fie gestützt, im Vertrauen auf den alten Gott, habe er sein schwere» Amt übernommen, wohl wiffend, daß die Armee die Hauptstütze seine» Lande», die Hauptsäule de» preußischen Throne» sei, auf den ihn Gotte» Rathschluß gerufen. Er spreche hierbei seinen Glück« Wunsch und Dank au», in welchem er zugleich mit den Bei- sammelten alle ihre Brüder in der Armee umfaffe. Er habe die feste Ueberzeugung, daß tu den letzten zehn Jahren durch die aufopfernde Hingebung der Offiziere und Mannschaft« in treuer hingebeuder FriedenSarbett die Armee auf de« Standpunkte erhalten worden sei, tu dem er fie von seinen Vorfahren überliefert bekommen habe. Wir wollen, so schloß der Kaiser, die zehn folgenden Jahre in Treue miteinander verbunden weiter arbeiten mit unbedingter Pflichterfüllung

politischen Verfall zu entgehen vermag, erscheint mehr al» fraglich. Schon warten die Geter, welche fich auf da» All­zu stürzen bereit find, schon schmieden die Carltsten ihre Waffen, um die jetzige Dyuasttr zu stürzen, schon bereiten fich die Republikaner vor, um der Monarchie überhaupt ein Ende zu machen.

Noch ist es der Regierung in Madrid möglich gewesen, daS Schlimmste zu verhindern und einen allgemeinen offenen Aufruhr hintauzuhalten. Aber wer ist der Mann, der dieser Rtesenaufgabe auf die Dauer gewachsen ist und die zur Ver­zweiflung getriebene, von Parteileidenschaft und Klaffenhaß aufgehetzte Bevölkerung zu beruhigen vermag! Spanten steht, mag auch noch eine geraume Zeit darüber vergehen, am Vor­abend ernster Ereigntffe, und bet den dortigen Berhältntffeu ist da» Schicksal de» Laude» nicht einmal annähernd voran»- zusagen. Dabet tst ein Kind der Inhaber de» Throne», den kaum eine kräftige, in den Stürmen de» Leben» erprobte Männerhand zu schützen vermöchte! (XX)

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße».

Fernsprecher Nr. bl.

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1898

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Ausland.

Karlsbad, 20. Jani. Der reiche Grundbesitzer Draho- wtez versuchte seinen hier wohnenden elfjährigen Neffen durch Hunger sterben zu lassen, um fich in den Befitz de» beträchtlichen vermögen» deffelben zu setzen. Drahowicz wurde verhaftet.

MezngoprN- vterteljShrttch

2 Mari 20 Pf,, monatlich 76 Pfg. mit vringerioh«.

8d Posten, 2 Mark 50 Pf* oierteljichrlich.

in alter, nie erlahmender Arbeit, und mögen die Hauptsäulen unsere» Heere» immer unangetastet bleiben, welche» find: die Tapferkeit, da» Ehrgefühl und der unbedingte eiserne blinde Gehorsam. Da» ist mein Wunsch, den ich heute - Euch und mit Euch an die ganze Armee richte.

Berlin, 20. Juni. Jo dem Prozrffe gegen die in Grünenthal - Affatre verwickelten Frauen wurde Wittwe Eng zu 9 Monaten Gefängniß, Frau Sittig drei Jahren Zuchthaus und die Elli Goltz zu drei Monaten Gesängntß verurtheilt. Die Hebamme Wtttwe He in ecke wurde freigrsprochen.

Grschetnt täglich nit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener B«»ilie«»tätter »erden dem Anzeiger »ichentlich viermal beigelegt.

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Nedaction, Lxpedition und Druckerei: Kch»kSr«te Nr. 7.

i te deckt - denn nach der Vernichtung der spanischen Flotte vor Manila, die keine große Heldenthat war, hat Denny still im toitigen Hafen gelegen, und wenn e- wahr ist, daß er Mangel an Munition litt, so hätte e» ihm noch Übel ergehen s Manen, fall» die Spanier eine Flotte zur Verfügung hatten.

SS ist kein würdiges Schauspiel, welche» fich in den spanischen SorteS abspickt, wo die eine Partei die andere für da» Der- iLirgniß verantwortlich zu machen sucht. Ueberhaupt har keine (iDjtlnc Person oder Partei Schuld an den Zuständen, die zur Zvsnrrection auf den Philippinen sowohl wie auf Cuba geführt laden, < ist da» System, welche» fortgesetzt, ohne Unterbrechung, r Veiten» der Spanier gegenüber ihren Lolouien in Anwendung

Macht worden ist. Die letzteren find niemals als gleich« brrechtigte Glieder des Landes betrachtet worden, sondern man ? satte in Spanien die Ueberzeugung, daß die Colonien dazu ä it seien, um fie auszusaugen und dem Mutterlande lieber- » chaffe zu liefern. Hand in Hand damit ging die von den

,e schloffen. Ueberhaupt steht fest, daß die Insurgenten t» sind, welche da» Schicksal der Spanier beschleunigt haben. Vie letzteren hätten e» jedenfalls mit den Amerikanern ganz giit ausgenommen und diese würden kaum so leicht eine Be- oLltigung der Feinde erzielt und sich in den Besitz der Mippinen gesetzt haben können, wenn nicht die Uebermacht der Insurgenten die Spanier tn die Enge getrieben hätte. Mit viel Ruhm hat Admiral Deweh fich Überhaupt nicht

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Feuilleton.

Hroße Wäsche.

Von Lina Fabian. (Nachdruck verboten).

Al» ich vor Kurzem meine Schwiegermutter besuchte, MBr die nicht wenig erstaunt über da» Aussehen der Wäsche, di« ich au» meinem Reisekorbe packte.Aber Lina," sagte sie vorwurfsvoll,da- steht ja Alle- quittegelb au», in Ochern Zustande darf fich doch die Wasche nicht befinden.

will ich doch mal die meine dagegen halten . . . Und sie brachte au» dem Wäscheschrank einen ganzen Stoß Tisch« unb Handtücher, Servietten und Ueberzüge herbei und legte st- neben mein Packet.Na, nun sieh Dir 'mal die an, lr Ämphirte fie,die blüthenweiß und die ganz vergraut. Da­is» ja wie Tag und Nacht. So kann da- doch nicht wetter- zesen, Du mußt Dich mehr um Deine Wäsche kümmern und lillbst mal nach dem Rechten sehen."

Da- kann ich ja flat nicht," warf ich etwa» ver- denn nicht?" fragte fie etwa» spitz.

Weil wir außer dem Hause wasche« lasten, erklärte ich.

"___Außer dem Hanse?" dehnte meine

Schwiegermutter und sah mich verständnißlo» an.

»Nun freilich," meinte ich leichthin,da» ist doch da» Niqarmste,alle vierzehn Tage wird die Wäsche abgeholt und btii Woche darauf wieder zurückgeltefert."

»Aber wie," stöhnte Mama,o wie! Ich würde e» alcht über» Herz bringen, meine kostbare Wäsche fremden L'iuten anzuvertrauen, ^e damit umgehen, als ob so wa» llßtzt» gekostet habe. Außerdem würde ich «sch geniren, Tisch« D'ische ia solcher Farbe aufzulegen, bei mir ist dieselbe weiß Wd nicht crSme. Hier bet nn» läßt keine Hau» rau außer hm Hause waschen, da» würde man für Verschwendung halten? Hier bei un» hat man sein Waschhau», hier bei un» b-,'tellt man fich eine Waschfrau, hier bei un» kümmert fich bi! Frau de» Hause» in höchst eigener Person um die Fort« schritte de» Waschprozeste», deßhalb ist die Wäsche hier> bei uv» so, wie sie sein muß, und nicht wie jene» Häufchen ü.» glück dort ..."

AlS fie Äthern holen mußte, wollte ich etwa» erwidern, fie ließ es aber gar nicht so weit kommen, sondern fuhr fort:Hierbei unß suchen'» die Hausfrauen immer so billig wie möglich einzurichten, hier bet un» wird nicht in» Blaue hinein gelebt, hi-r bei un» streckt fich Jeder nach seiner Decke aber natürlich Ihr Großstädter . . ."

Ach, weiht Du, Mama," suchte ich sie zu beruhigen, auch wir Großstädter haben» nicht so Übrig, wir können da» Geld auch nicht zum Fruster hinauSwerfen. Wenn Du aber weinst, daß eS wirklich um so viel bester und billiger ist, wenn man zu Hause wäscht, so kann ich» ja mal probiren."

Da» ist recht, mein Kind," lobte fie,die Wäsche ist der Stolz der Hausfrau, mit der muß man umgehen wie mit einem rohen Et."

Nun gut," fügte ich hinzu,da werde ich, sobald ich nach Hause gekommen bin, den Waschboden bestellen lasten."

Da- Waschhaus," verbcfferte wich Mama.

Nein, den Waschboden, liebe Mutter, bet uns befindet fich die Waschküche auf dem Boden."

Auf dem Boden?" staunte fir,na, da» ist ja die ver­kehrte Welt. Hier bei un« steht da» Waschhau- im Hofe, wo auch die Holz« und Kohlenhäuser find."

Die BriquettS lagern bei un» im Keller," erklärte ich ihr.Holz brauche ist fast gar kein»."

Kein Holz? Ja, aber womit machst Du denn in der Küche Fruer an, womit bratest Du, womit kochst Du?"

Wir kochen schon längst mit Ga-," erklärte ich.

Mama war einfach sprachlo». Arme Frau, dachte fie ficher, unter solchen VerhSltnifien mußt Du Dein Leben vertrauern. . . .

* . '

Nach meiner Rückkehr bestellte ich denDampfwasch- Mann" ab und beauftragte Anna, zum Pottier zu gehen und die Waschküche für den nächsten freien Tag zu belegen. Wir waschen jetzt hier," sagte ich dem Mädchen,man muß fich ja schämen, wenn man mit solcher Wäsche in die Provinz kommt."

BonS Waschen versteh ich nick'» Meiste," warf Anna ein.

Ich last' eine Waschfrau kommen, die in der Sache Routine hat," meinte ich,der brauchst Du nur an die Hand

zu gehen. Da» Waschen besorgt die, Du haft nur da» zu machen, was fie Dir anfträgt."

Der Waschboden war für Sam»tag den 18. Mai frei, er wurde diesen Tag für un» reservirt.

....Nächsten SamStag gibtS bei un» große Wäsche," sagte ich zu meinem Manne.Wannen, Seinen, Klammern und so weiter habe ich schon gekauft, jetzt aber mußt Du mir unbedingt noch dreißig Mark geben. Du weißt, jeder Mann muß seiner Frau . . ."

Zuerst hüllte er fich in Schweigen, ich ließ aber nicht locker.

Mama verlangt unbedingt, daß die Wäsche von jetzt ab im Hause besorgt wird," fuhr ich fort,dazu gehört aber gar Mancherlei. Er ist nun schon alle» Mögliche, wenn ich meine paar Sparpfennige in den Hau-halt stecke, aber mehr kann ich nicht entbehren, ich muß auch an die Badereise denken. Deßhalb muß jeder Mann seiner Frau--*

Wa» zum Kuckak muß denn nun eigentlich jeder Mann seiner Frau" fuhr er endlich wüthend auf.

Jeder Mann muß seiner Frau eine Wringmaschine kaufen," antwortete ich erhobenen ToneS.Da» hast Du doch schon einige tausendmal im Jnseratentheil der Zeitungen gelesen und hättest e» längst beherzigen sollen."

Fauler Zauber daS mit diesen Zeitnng»inserateu," knurrte er.Wa- kostet denn so'n Quark?"

Na, so etwa dreißig Mark," erwiderte ich leichthin.

Er zog sein Portemonnaie und legte drei Zehnmärker auf den Tisch.

Wieder ein neuer Uufinn," brummte er.Ist'» so lange ohne Wringmaschine gegangen, würde el auch noch länger so gehen."

Aber Mama sagt doch" warf ich ein.

Da- ärgerte ihn.

Ach wa», Mama fagt, Mama sagt," rief er,hier sagt Mama gar nicht», hier habe nur ich waS zu sagen."

Ich lächelte spöttisch, denn ich wußte e» bester: bei un» hatte weder Mama, noch er, sondern nur ich wa» zu sagen!!

(Schluß folgt.)