Ausgabe 
21.12.1898 Zweites Blatt
 
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9. December 1898.

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Nr 299 Zweites Blatt- LiUttwoch den 21. December

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Gießener Anzeiger

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General-Anzeiger

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an ihren Meister wachzuhallen. Aber dabei ist e« gat nicht uöthlg, nnt an Liebig allein zu denken. So mancher alle Apparat, so manche« alle Buch, die heute keine Beachtung «ehr ftaden und in dem Inventar so vieler Hochschullabora- torien nur noch ihren Platz Haden, weil fie noch nicht ganz zerfallen find, fie könnten alle dort in de« Liebig. Mus en» einen Platz finden al« Zeugen vergangener «pochen unserer Wissenschaft, al« reiche Quelle für die zukünftigen Historiker der Thernie. Erst in der Betrachtung der Geich chte einer Wissenschaft »eitet fich der Blick.

Lasier nn« de«halb Alle, die Ihr noch Herz und Sinn habt sür die Vergangenheit, sür die Männer, ans deren Schullern wir Alle stehen, nnser Lheil dazu beitragen, daß die Erinnerungen an die alten Meister unserer Wissenschaft nicht nntergehen, sondern fortleben zu Nutz nnd Frommen derer, die fich nach nn« noch der edlen Kunst der chemischen Wissenschaft widmen. Ihr, die Ihr noch im «efitze so manchen Schriftstücke« von hervorragender Hand seid, wollet dasselbe nicht engherzig der Allgemeinheit vorenthalten. Denn nur dann, wenn Ihr da«, wo« noch in Eurem Besitze ist von historischen Denkwürdigkeiten, de« neu zu gründenden Musen« schenkt, könnt Ihr verhindern, daß e« nicht doch schließlich vergehe, indem e« tu Hände gelangt, die, mit der chemischen Wistenschaft nicht vertraut, den Werth de« Gegen­stände« nicht zu schätzen wffen.

Aber nicht nur an die direkten Schüler Liebig« nnd die Besitzer historischer Denkwürdigkeiten richtet fich dieser Aus. ruf, sondern auch an alle dir Chemiker, die noch späterhin in de« allen Laboratoriu« ihre Au«btldnng genvstea haben, viele derselben, die j.tzt in hervorragenden Stellungen fich b,finden, »eiben wohl auch gern in pekuniärer Hinficht dazu beistenern, u« die Mittel zulammenzubringen, btm allen Institute ein würdige« Ansehen zu verschaffen. Sicherlich werden and) der hessische Staat und die Stadt Gießen gern da« Ihrige thun, um da« Andenken an ^Uu seren Justu« Liebig" in dieser Hinficht vor der vergestenhett zu be- wahren.

Möchten deshalb Alle, die dazu berusen find, hier ein Werk schaffen, da« der chemischen W'stenschast zur Ehre ge- reichen wird, da« nn« zeigt, an« welch mühseligen Anfängen heran« nach jahrhundertelangem R-ngen fich die Lhemte zn dem jetzigen Glanze durchgekämpft bat. Die Univeifität Gießen, die Herren Professoren der Ehemie daselbst, Staat und Stadt, fie werden sicherlich gern der hier gegebenen Aufsorderuug Folge leisten und die Angelegenheit der Be- grüuduug eine« Liebig«Museum« für die Geschichte der chemischen W'ffenschaft tn thatkräftige Hände legen, damit da« Noihwendige bald geschehe.

Rach der Niederschrift dieser Anregung ersetzen wir au«

schein schwelgten, ihren Slopstock bet alle« Rheinwein feierten und Bild und Werke de« al« Stttenverdrrber gehaßten «Irland tn« Fener warfen. Aber ihre Empfindungen, wenn auch überschwänglich, waren lauter und edel. Ihre Be­geisterung für die Poste war eine ächte, uachholltge, de« höchsten künstlerischen Streben entlproffene, nnd gestallete fie zu den verdienten Vorläufern der klassischen Blüth p riode unserer D chtung. verdanken wir nicht Bürger, tem be- demendsteo unter ihnen und eine« der bedeutendsten dentschen Dichter überhaupt, jene nuvergäagltchen Balladen, die noch heme in Aller Mund leben? Und Boß neben den lieblichen Idyllen ^Louise" nnd ,®et 70 Geburtstag" die vorzüg. Lieben Üebersetzungen de« Homer, durch welche da« Oetginal förmlich in deutscher Sprache »iedergegeben wird? Und Höllh eine Reihe volksthümlicher Lieder und herrlicher Elegien, deren hoher poetischer Reiz de« Wechsel der Mode und dem Fortschritte der Zeit Trotz geboten hat» Auch Le sewttz, Miller, Stolberg n. s. w. erfreuten fich ihrer Zeit v'cht geringen Ansehen«. Bürger zählte nicht zu den eigrut- lichrn Mitgliedern, er «ar nur Buodesfreuud, aber er pflegte seine neuen Schöpsnugen tn den Bundesversammlungen vor- zutragrn, und die Abende, an denen rin Besuch und ein vor- nag de« .Amtmann«" aogekündigt war, bildeten hohe Feste i« Leden de« Hainbünde«.

Ludwig Heinrich Ehrtstoph Hölty ist eine der reinsten uub sympathischsten Erscheinungen de« Göttinger Dichter- kketse«. Am 21. December 1748 zu Mariensee im Hannoverschen al« Sohn eine« Prediger« geboren, soll er bi« in sein neunte« Jahr zum Bewundern schön gewesen sein, da wurde er in derselben Woche, tn der seine Muller an her Schwindsucht starb, von den Blattern befallen, so daß er 'n Gefahr schwebte, gänzlich zu erblinden, und erst nach

Liebig-Laboratorium irr Gietze«.

T DieEhemiker-Zeltung" erhält, obige« Lhema^betreffend, folgende Zuschrift: ZV__

Bereit« seit de« Herbste 1888 befindet fich da« Gießener chemische Univerfitätsladoratortum tn einem Neubau in der Röhr de« Uaiverfität«gebä2de«. Mittlerweile hat da« ehe­malige Laboratorium Liebig« verschiedenen Zwecken gedient. Rad) der Urberfitdelung de« Unioerfi'äi« Institute« in da« »tuerbaute Laboratorium erhielt Profestor Gaffkh den größten Thetl de« Ladoratorinm« von Justu« v. Liebig al« Lehrstätte sür Bakteriologie und Hyzieue, während da« ehe- «alige Auditorium sür «üchenzweck- der benachbarten Uni- verfilät«klinik eingerichtet wurde. Au« den Händen von Proseffor Gaffky ging die der chemischen Untersuchung ge­weihte Stätte in den Befitz de« Untersuchungsamte« der Provinz Oberheffen über. Gegenwärtig steht da« Labora- torium unter dem Direktorat von Proseffor Elb«, der dort sein physikalisch-chemisch-s P octicum nebst Vorlesungen abhält. Mit dem Frühjahr 1899 wird aber auch diese« Institut an« de« eiten Liebig'ichm Laboratorium scheiden und in eine« imposanten Neubau übersiedeln, den e« aUbonn mit de« physikalischen Institut theilen wird.

fBa« aber wird aus de« allen, auch tn seinem schmuck- losen Gewände ehrwürdigen Laboratottnm von Jnstu« v. Liebig, der hier al« Erster in Deutschland einen für die damalige Zett al« Musterfiätte gellenden Bau für den prae- scheu Unterricht tn der Ehemie schuf? Schon wird ein Thetl zu Süchenzwkckm verwendet. Soll nun auch da« ganze Gebäude der prosaischen Gegenwart zum Opfer fallen? Da« Haus selbst entspricht weder im Innern noch im Aenßeren der Neuzeit, e« wird daher wohl in nicht allzu langer Zeit dem Niederreißen geweiht sein, wenn nicht und darauf hinzowetsen, ist der Zweck dieser Zetlrn alle berufenen Brüste fich bei Zeiten regen und eine so denkwürdige historische Stätte vor dem Untergänge retten.

Al« Bauplatz für ein neue« Gebäude, al« Van selbst befitzt da« alte Lleblg'iche Laboratorium keinen nennenswerthen Geldwerth, al« daß nicht der Staat e« verschmerzen könnte, wenn dasselbe anderen Zwecken dienstbar gemacht wird. Roch gibt e« trotz de« Brande« vom Februar 1893 im neuen chemischen Laboratorium hinreichend Gegenstände, die von Justu« v. Liebig benutzt worden find, und die dazu geeignet find, den »asang zu bilden zur Einrichtung eine« Liebig- Museums. Und ficherllch findet fich noch da und dort Manche«, »a« an Liebig erinnert und in dem alten Laboratorium von Liebig eine Heimstätte finden würde, die e« vor dem Unter- gange bewahrt. Noch weilen Schüler von Liebig unter nn«, bie gern ihr Scherflein betsteuern werden, nm da« Grdächtniß

Ludwig Keinrich ßyristopy Kötty.

«in «rinnernngSblatt |* seine« 160. Geburtstage.

(21. December.)

Don Dr. Gruft Wilm«.

(Nachdruck verboten.)

Bor mir liegt ein littst«, dünne« Heftchen, e« ent- Mit Alle« wo« Hvl.y uns an Gedichten hioterlofftn hat. «in früher Tod raff.e den jugendlichen Barben dahin, ehe auch nur den geringsten Thetl seiner Poetischen P!äne hatte verwirklichen können. .Wenn mir nicht bald geholfen wird/ äußerte er in einem «riefe vom 2- Mat 1775, .so werde ich wohl in Mariensee meine Ruhestätte staden, nnd olle luftigen Träume von Traumb Idern und Nachrubm werden dahin fein.' Der bescheidene Jüngling hatte Unrecht - irldst da, Wenige, «as er geschaffen, 8,n®8t</ Nachruhm zu begründen und ihm eine unvergängliche Stillung ta der deutschen Literatur zu sichern. Neben Bürger und Voß tritt er al« der bedeutendste Sänger de« Göttinger Dichter- und Hainbünde- hervor, den eine so einflußreiche Wt'k-amkeit für die Entwickelung unserer Poesie auözeichuet nBb dessen Malen - Almanach unter «sie« und Bürger« Leitung lange Zeit das tonangebende Organ der deutschen Literatur bildete, bi« e« von Schiller« Horen gestürzt und abgelöst wurde.

Gewiß waren e« jugendliche Schwill »er, die fichi unter Bote« Führung in Göttingen zur gemeinsamen Begeisterung uub Arbeit vereinigten, die ihren Freudenreigen um Ätsche «chen schwangen, tn ländlicher Einsamkeit and tm Mond-

einer Beilage zumGießener Anzeiger" vom 23. Nov-mocr d. I., daß Absichten b st.hen, die einen gänzlichen Umbau bezw. eine Verlegung der Vahnhoisauloge in« Ange fass a. Nach dem daselbst vorgelegten Plane, der ja sicherlich alle Beachtung verdient, soll da« Liebig-Laboratorium völlig ver­schwinden. Um so wehr ist e« an der Zeit, dafür Sorge zu tragen, daß da« Liebig Laboratorium erhalten bleibt. Die an Stelle diese« und anderer anliegenden Geväude pro- jeetirten gärtnerischen Anlagen werden sicherlich dem htstor- tscheu Van seinen Platz auch weiterhin gönnen. Bei richtiger Ausführung ließe fich auch mit dem unscheinbaren Gebäude de« alten Liebig-Laboratorium« eine effictvolle Wirkung er­zielen. Jedenfalls thut aber Eile noth, um den Bestand de« Liebig-Laboratorium« auch für die Zukunft zu sichern.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 19. December. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin Victoria Melita geruhten am Samstag, da« unter dem Allerhöchsten Protektorate der Großherzogin eröffnete Atelier der htefigen Malerin F'äulei» Anna Becker mit Allerhöchstihretu Besuche auözuzeichnen. Se. Durchlaucht der Prinz Ludwig von Battenberg traf gestern aus England hier ein und wird vorausflchtttch bl« Anfang Januar hier bleiben. D. Z

Berlin, 19. December. von einem Briefe Kaiser Wilhelm«, den der deutsche Botschaster in Wien, Graf Eulenburg, in besonderer Audienz dem Kaiser F anz Josef Überreicht habe, wurde dieser Tage berichtet. J'tzt verlautet an« Wien Über den Inhalt diese« Schreiben«, dc ß die Inter- pellatiousantwort de» Grafen Thun, welche die Ausweisungen au« Schlesien betraf, zwischen beiden Monarchen eiörtett ist. Die entstandenen Verstimmungen sollen nunm.hr beseitigt sein.

Berlin, 19. Deeemder. Wie derReichsanzeiger" m.ldet, ist gegen den ordentlichen Proseffor an der hiesigen Universität Dr. Hau« Delbrück w.gen seiner Aeußerung im letzten Hefte der Preußischen Jahrbücher auf Grund de« § 2 de« Gesetze« vom 21. Juli 1852 über bie Dieustverseh.n bei nicht-richterlichen Beamten da« Discfplinar Verfahren ein- geleitet worden.

Berlin, 19. December. Die am 21. März 1897 über bie Insel Kreta verhängte Vlokude ist nunmehr auf Grund eine« Uebereinkommen« zwischen d-.n Regierungen von Frankreich, Großdritanuieu, Italien und Rußland auf­gehoben worden. Da« Einfuhr-Ve'bot für Waffen uub Munition bleibt indeß auch fernerhin bestehen.

Berlin, 19. December. Zu der Meldung derRöln. Volkszeitung", baß auf zehn R egi erungs-Präsidenten- Posten em Wechsel brvorstehe, schreibt die «Post" : Es könne

zwei Johren den vollen Gebrauch seine« Angeultchie« zurück- - erhielt. Trotzdem lag er mit S fer £ig und Nacht über den Büchern- da man ihm, nm ihn zu schoneu, Licht zum nächtlichen Studium verweigerte, constrnirte er fich aa» au«- gehöhlten Rüben Lampen eigener Erfindung, sür die er fich auch Del in hinreichende» Maße zu verschaffen wußte. Dabei zeigte er fich folgsam, gut, gefällig nnd fiom»; er liebte bamal« schon einsame Spaziergänge, auf denen er mit lauter Stimme la« und declamirte. Da« Bersemachen kam ihm schon srüh tn den Sinn- er brachte da« ABT in Reime, und eine Grabschrist aus einen Lieblingshund, die nn« au« seiner Knabeuzeit überliefert worden ist, darf wohl al« eine der Erstlinge seine« poetischen Schaffen« gelten. Sie lautet:

Allht-r aus dieser Stätte Liegt begroben Nette. Zu Horst ist er geborm, Za Startentee gestorben, Die« Grab hat er erworbe».

Den grundlegeuden U teer-cht empfing er von seine» Vater, von de» er auch Griechisch, Lateinisch, Hebräisch nab Französisch lernte. Nachdem er noch drei Jadre in Telle die Scknle besucht hatte, bezog er Ostern 1769 im Alter von 21 Jahren die Universität Göttingen, nm fich de» Stndiu» der Theologie zu widmen. Hier veröffentlichte er zuerst seine poetischen versuche, erregte dadurch die öffent­liche Aufmerksamkeit und machte Boies, Millers und Bürger« Bekanntschaft. Voß gesellte fich ebenfalls bald h uzn, Miller führte th» bei Hötth ein, den er in seinem zerrissen n Ge­wände und »eil er fich vollständig schweigend verhielt, für den Hausknecht ausah. «Nrch einiger Zeit," erzählt Boß, ,wünschte der Freund, daß Boß die neue Ballade hören möchte, und stehe, der HcmSkaecht ward Hölty der mit ver­klärtem Auge ,2eenbei" und ,3»«ene" vorlas.