Ausgabe 
21.10.1898 Zweites Blatt
 
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1775 ein Dienltag (welche» nach Zählung and Berechnung fitmmt), 2) der 8. Januar 1816 »ar ein Sonntag, 3) der S. August 1863 ein Montag, 4) der 19. Oktober 1781 ein Dienstag, 6) der 22. September 1780 auch ein Dienstag. Mithin fünf veweifr weniger für denomtnöfen* Tag.

3b* Selbstmord Grünenthal». Wie das ,RL Iourn.^ mittheilt, fall Grünenthal kurz vor feinem 8n6e ein volles Geständnife abgelegt haben. Er soll tm Jahre 1894 für kurze Zeit in den Besitz des Schlüssel» für den Kassenfchein- tiefor gelangt fein und eS scheint, daß er fich darnach einen Nachschlüssel unfertigen ließ, der auch später in seiner Woh­nung gesunden wurde. Diesen Nachschlüssel soll Grünenthal während der Jahre 189497 verschiedentlich zu Eingriffen in daS Depot für die macnlirten Kassenscheine benutzt haben, zuvor aber hatte Grünenthal bei den Prüfungen, die ver­eidigte Sachverständige mit den fertigen Kassenscheinen vor­nehmen, einen sehr schlauen Trick angewandt. Er mischte unter die macultrten Scheine solche von tadelloser Beschaffen­heit und legte fie unter die als gut befundenen Maeulaturen. Daheim in seiner Wohnung druckte er mit Gummistempel die fehlenden rothen Nummern nach und so gelangten die Scheine in den Verkehr. ES find biß jetzt Grünenthal'sche Scheine tm Betrage von 494000 Mark ungehalten worden, und die halbe Million dürfte wohl noch voll werden. In einem nachgelassenen Schreiben bittet Grünenthal Elly Golz und deren Angehörige flehentlich nm Verzeihungfür daS schwere Unglück, daS er über die Familie gebracht." Die zugleich mit Grünenthal angeklagte Tüy Golz soll fich auch mit Selbstmordgedanken tragen.

Znbilänm. Am 8. Oktober 1899 find 50 Jahre seit Eröffnung der Amthorscheu Handelsschule in Gera verflossen. Sie wurde begründet von dem, durch seine Werke über Sprach-, Real- und Merkantilwissenschaften, sowie als «lprnforscher rühmlichst bekannten Dr. Ed. Amthor. Ja Ertnaerung und Anerkennung soll der GründungStag einen Hellen Glanz und eine festliche Weihe erhalten und fich würdig anreihen an die Ehrentage, welche die Schule das Glück hatte, im Verlauf der Jahre zu begehen. ES wurde die Abficht auSgefprochen, eine besondere Ehrung erfolgen zu lassen. Allgemein äußerte man den lebhaften Wunsch, dem Begründer und langjährigen Leiter der Anstalt, Dr. Eduard Amthor, Ritter pp., ein sichtbare» Zeichen der Liebe und Dankbarkeit, für alle Zeiten in Form eines Denkmals zu widmen. Dieser Vorschlag sand freudige Zustimmung, uud eS wurde ferner beschlossen, wenn auS pekuniären Gründen aus­führbar, auch auf andere Ehrungen und Zuwendungen be­dacht zu fein. Der Aufruf wendet fich an alle ehemaligen Schüler, Freunde uod Gönner der Amthorschen Handelsschule und Handelsakademie, mit dem ergebenen Ersuchen, dahin zu wirken, daß die gestellte edle Aufgabe eine erfreuliche Lösung finde. Möge dies gelingen! Die nächste Besprechung soll in Kürze erfolgen. Daher wird um recht baldige Aeußetung dez der Betheilignng an der Jubelfeier gebeten, denn die trforderlichen Grundlagen für wettere Beschlüsse find natütlich rst bann an die Hand gegeben, wenn festgefiellt werden !ann, mit welchen Mitteln zu rechnen ist. Die Erklärung dez. der Betheiligung, hervorgehend auS alter, treuer Ge­sinnung, ist zu richten an Herrn M. Kolbe in Firma: Paul Strebel, Gera, Reuß j. L.

Zur (hinnernng. Die Rose, welche die Kaiserin Elisabeth auf dem lobtenbett in den gefalteten Händen gehalten, ist von ihrem Gefolge auS Genf nach Wien gr -rächt worden. Kaiser Franz Joseph liefe die Rose nach tlner neuen wissenschaftlichen Methode conferviren und unter Sla» und Rahmen zu immerwährendem Gedächtnife über einem Schreibtisch anbringen.

Ein grimmiger Feind bei Radfahren» ist der Kaiser von Marokko. Wie nämlich auS London gemeldet wird, Hat der genannte Monarch den Gebrauch des Fahrrades in 'einem ganzen Reich verboten.

Die älteste Radfahrerin der Welt ist wahrscheinlich iiine bei Dunmore la England lebende Frau. Sie zählt tt3 Jahre. Häufig unternimmt fie von ihrem Dorfe aus Wahrten auf ihrem Zweirad, um Einkäufe zu machen. Die mite meint, Gladstone hätte gewiß noch länger gelebt, wenn itr fich de» Radfahren» befleißigt hätte.

Hebet die Zahl der Fremden in Deutschland hat Paul Neur iot in dem Organ der Pariser statistischen Gesellschaft ilne umfangreiche Arbeit veröffentlicht. Daraus geht zunächst jervor, daß die Zahl der Fremden im Verhältniß zur Ge- ^ammtbeoölkerung in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bedeutend geringer ist. In Deutschland ist von 100 Einwohnern noch nicht einmal einer ein Ausländer, in Belgien und Frankreich dagegen fast 3 und in der Schweiz hogar beinahe 8. Indessen hat doch die Zahl der Fremden et Deutschland im letzten Vierteljahrhundert sehr stark zuge- tommen, nock weit bedeutender ab die Zahl der Gesummt- teDöltming. Ende 1871 wurden in Deutschland 206 755 Aus linder gezählt, in der letzten Zählung 1895 dagegen 486190. Ibbafe die Zunahme in dieser Zelt 135,2 pCt. betrug. In Frankreich wuchs die Fremdcnzanl in derselben Zeit nur um -0 pCt., nämlich von 740600 auf 1027 491. In Frankreich wie In den meisten Staaten hat man die Beobachtung ge- macht, daß die Zahl der Fremden am stärksten zunimmt, wenn die städtische Bevölkerung den stärksten Zuwuch» erhält. In Deutschland hat fich nicht immer dasselbe gezeigt. In fier Zelt von 1881 bis 1885 wenigstens nahm die städtische Bevölkerung in Deutschland am geringsten zu. und doch wuch« lüe Fremdenbevölkerung außerordentlich stark. Diese Thatsache findet ihre Erklärung in der Höchstzahl der Auswanderung h denselben Jahren, deren Folge eine vermehrte Einwanderung MS den Nachbarländern, besonders aus Rußland und Polen ar. Die Zahl der ruffischen Unterthanen in Deutschland mich» damals von 15 000 auf 26400, während fie später wieder abnahm und 1895 nicht höher war als 1880. Immer­hin hat fich aber auch in Deutschland ein deutlicher Zusammen- bmg zwischen der städtischen Bevölkerung und der Fremden- howölkerung gezeigt, indem die Großstädte verhältnißmäßig

. immer die größte Zahl von Fremden aufweisen. Auffallend ist die verhültnißwäßig geringe Fremdenzahl in Berlin; fie betrug 1895 nur 27 030. da» find rund 8000 weniger al» in Wien, 58000 weniger al» in London und gar 154000 weniger ab in Paris. Aber auch in Berlin hat die Zahl der Ausländer feil 1871 ganz besonders zugenommen; allein in den Jahren 1891 bis 1895 wuchs ihre Zahl von unter 18000 auf über 27 000. Das österreichisch-ungarische Ele­ment ist weitaus am stärksten in Deutschland vertreten, und zwar vorzugsweise da» österreichische; dazu zählen 223000 Per­sonen, beinahe die Hälfte sämmtlicher Fremden. Ihre Zahl hat fich feit 1871 beinahe verdreifacht. Besonder» zahlreich find sie natürlich in ben Grenzgebieten gegen Oesterreich, in Sachsen bilden sie z. B. den dritten Theil (säst 69000) sämmtlicher Fremden, in Bayern leben fast 64000, in Schlesien fast 24000 Oesterreicher. An zweiter Stelle stehen die Holländer, deren fich etwa 50000 auf deutschem Boden aufbalten; Schweizer glebl e» fast 45000, Dänen 28 000, Russen 26 560. Italiener 23000. Franzosen beinahe 20000, Engländer 15000, Luxemburger und Skandinavier gegen 11000 und Belgier 9000. Die übrigen europäischen Staaten find mit etwa» über 3000 Personen vertreten. Die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika genießen deutsche Gastlich­keit in etwa« größerer Zahl ab Engländer (gegen 16000). E» ist noch zu bemerken, daß im Gegensatz zu Frankreich da» weibliche Geschlecht unter den Fremden in Deutschland mehr zurücktritt, indem auf 100 männliche Ausländer nur etwa 80 weibliche gezählt werden.

Wissenschaft, Literatur und Aunst.

Katechismus der deutschen Sprachlehre von Dr. Kon­rad Michelfen. Vierte, verbesserte unb vermehrte Auflege heraus- gegeben von Friedrich Neddeiich. In Originalleinendand 2,50 Mk. Verlag von I. I. Weder in Leipzig. DaS nun schon in vierter Auflage vorliegende Buch will allen Freunden einer deutschen Mutter­sprache ein Wegweiser sein unb denjenigen besonder« zur Hand gehen, die nicht bloß richtig sprechen, sondern auch sich der Gründe bewußt sein wollen, weshalb fie so und nicht anders sprechen. Jedem Schüler, dessen Ziel in etwa« über da« gewöhnlichste Matz hinau«- gesteckl ist, wird hier der Weg gezeigt, wie er zu einem klaren Sprachbewutzisein gelangt, da« ihm vor Allem noth thut, zwiefach aber dann, roenn er mit Erfolg sich die Kenntnttz einer oder mehrerer fremden Sprachen anzueignen gedenkt. Die von Oberlehrer Friedrich Nedderich besorgte vierte Auflage erscheint im Gewände der neuen Rechtschreibung.__________________________________________________________

Nachrichten über den Saatenstand im (Hroßherzogthum Heffen

um die Mitte de« Monat« Oct ober 1898.

Zusammen gestellt bei der Großherzoglichen Oberen landwirthschaft- lichen Behörde.

I Ord.-Nr. II

Provinzen unb E r hebungSbezirke

Saatenstand 9Zott 1 ----- sehr guter, 2 guter, 3 --- mitt­lerer, 4 geringer, 5 = sehr geringer Stand

Ernte-Ertrag in 100 KUo per Hector

Kartoffeln

Klee (auch Luzerne)

Wiesen

Weinberge

5

a

c

Z

x JL

s

Z

Gerste

1

2 3

4 5

6 7

Prov. Starkenburg Krci« BenSbeim....

Darmstadt . . .

Dieburg ....

, Erbach.....

Groß-Gerau. . .

Heppenheim . . .

Offenbach. . .

CM 1 1 CM OJ 1 CO

2,5

2

2

2

3

| | to | to | CO

1*11111

22

20

22

10

23

18

18

23

20

24

13

16

18

24

22

20

11

25

; 14

1 18

Durchfchn. f. Starkenburg

2,4

2.3

2.3

4,5

19

19

19

8

9

10

11

12

13

Prov. Oberhessen.

K'eis Alsfeld.....

Büdingen....

Friedberg....

, Gießen.....

, Lauterbach . . .

Schotten ....

3

3

3

2

2,5

| | M | | |

1 1 1 1 1 1

24

25

28

20

18

20

1 1 1 1 1 1

16

24

22

16

16

Durchschn. f. Oberhessen

3

2,6

2

22

19

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

Prov. Rheinbeffen.

Landw. Der. ^Bez. Alzey . , Bingen . . .

, , Flonheim . .

, .Ingelheim . .

, , Mainz . . .

, , Nieder-Olm. .

, , Oppenheim . .

. Osthofen . . .

, PiedderSheim .

, , Wöllstein . .

, , Wörrstadt . .

, , Worms . . .

2,5 2

2

2,5

2

2

2,5

3

2,5 3

3,5

3

3

2,5

3 '

3,5

5

4

5

3,5 4

45

4

4

4

5

26

20

22

18

22

27

22

26

36

32

22

1 1 1 1 1 1 1 1 I 1 IS

26

23

26

26

22

20

35

26

28

35

37

23

Durchschn. f. Rheindessen

2.2

3

2 8

4.2

25

22

27

Durchschnitt f. d. Grotzh.

2,5

2.6

2,4

4,3

22

20

22

Bemerkungen. Der Ertrag an Winterweizen »st. wenn auch in den meisten Erhebuag«dezirkcn befriedigend, doch sehr ver­schieden. Während Erbach nur 1000 Kilo per Hcktar verzeichnet, schätzt man die Ernte im Bezrrk Wöllstein aus 3600 KUo. während der Durchschnitt für da« Grotzherzogthum 2200 Kilo beträgt. Der in diesem Jahre erzielte Strohertrag 'st außerordentlich hoch unb wird im E'hcdungSdezstk Dieburg al? d<r höchste bezeichnet, btr seither erzielt wurde. Der Körnerertrag ist dagegen etwa« zurückgeblieben, da vielfach Lageriruchtbildung staltgefund-n hatte. Die Gersten- Erträge schwanken zwischen 1100 (Bezirk Erbach) und 3700 Kilo per Hektar, während der DurchschoittSertrag für da» Grotzherzogthum ebenfalls zu 22(0 Kilo angenommen werden kann.

Der Stand der Weinberge ist sehr ungünstig.

In Folge der anhaltenden Trockenheit mutzte die Bestellung der Wintersaaten aut schweren Bösen sehr hinaus geschoben werden.

Sch iff> n a cb richten,

Norddeutscher Llood, in Gießen vertreten durch bk Agenten Earl LooS unb I. M. Schulhof.

Bremen, 19. Lctbr. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Doppelichraubcn-Postdampfer Königin Luise, Eapitän W. v. Schuck­mann, vom Norddeutschen Llopd in Bremen, ist gestern 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten in New-Kork angekommen.

Hottridienst in brr Synagoge.

Cam»tag den 21. Cctober 1898.

Vorabend 5 Uhr. Morgen» 9 Uhr. Nachnnttag» 8 Uhr edjrtftrrfUrung, Sadbathau»gang 6 * Uhr.

Gottesdienst brr israelitischen Keligiomgesellfchast.

Eabbalhfeier am 22. Octoder 1898.

Freitag Abend 4*» Ubr, CamStag vormittag 8» Uhr, Nach­mittag 3 Uhr, SabbathauSgang 6* Uhr

Nachmittag 2* Ubr LchriflerNLrung in der Synagoge.

Wochengottesdienst Morgend 7 Uhr, Abend» 5 Uhr.

Verfror. and VMf»tvirtbfd>aft,

»IwHi», 19. Ocloder. Fruchtmarkt. Nother

X 14,62, weißer Weizen X 14.20, Korn X 10 67, Gerste X 9 00, Hafer X &53.

Neueste Nachrichten.

Depesche» de» Bureau ,Heroll>'.

Berlin, 20. October. Dervosfischen Ztg.^ wirb en» Madrid telegraphtn: Officlell wird au» Manila vom Dienltag gemeldet, kah ein erbitterter Kampf zwischen den philippinischen Aufständischen unb ben Amerikanern statt- gefunden habe, weil die Amerikaner fich geweigert haben, ben Philippinen eine eigene Flagge zuzugestehen. Auf beiden Seiten sollen die Verluste bedeutend gewesen sein, viele philippinische Fahrzeuge seien in den Grund gebohrt. Weitere Einzelheiten fehlen noch.

Berlin, 20. October. Zwei in Lonfection»kreisen be­kannte Persönlichkeiten, der Kaufmann Ludwig öeinert und der Eonsul Leopold Auerbach wurden gestern von der Strafkammer wegen Betrüge» zu neun bezw. drei Monaten Gefängniß verurtheilt.

Hamburg, 20. October. Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge hat der in den letzten Tagen herrschende orkanartige Sturm zahlreiche Schiff»nnfälle auf hoher See zur Folge gehabt, wobei eine ganze Reihe von Schiffen total verloren ging unb viele Seeleute ertranken.

Bien, 20. October. Sämmtliche Blätter bestätigen, daß derTode»fall de» Klinik-Diener» Bartsch an indischer Pest nur durch zufällige Infektion erfolgt ist, fo daß diefer- halb keine Ursache zu einer weiteren Beunruhigung vorhanden ist, und daß Seiten» der Regierung entsprechend« Sicherheit»- maßregeln getroffen find.

Budapest, 20. Oclober. Einer hiesigen Blättermeldung zufolge hat da» hiefige deutsche Consulat an da» Unterrichts- Ministerium das Ersuchen gerichtet, hier eint deutsche Handelsschule -reichten zu dürfen.

Fiume, 20. October Ein furchtbarer, fünf Stunden anhaltender Wolkenbruch richtete in der ganzen Stadt und Umgebung enormen Schaden an. Da« ganze Telephonnetz ist zerstört. Drei Personen ertranken, viele Menschen werden vermißt. Durch die Unterwaschung dr« Eisenbahndamme» bei Dornegg ist die 6ifenbafei;linie Sanct Peter-Fiume unter­brochen. Ebenso ist der birectc Verkehr Abbazia-Wien gestört.

Paris, 20. Oktober. Die Zahl der a ulftänbtgen Grubenarbeiter in Lievin nimmt zu. Die Snikenden durchziehen die Straßen und besetzen die Wege zu ben Zechen, um die zur Arbeit ziehenden Leute zu be­stimmen, gemeinsame Sache mit ihnen zu machen. Die Gendarmen wußten die Demonstranten wiederholt auseinander- ticben. Gestern sand unter Borfitz de» Pariser soeialistischen Abgeordneten BaSlh eine Versammlung statt, in welcher eine Tagesordnung über die Erklärung des allgemeinen Ausstande» angenommen wurde.

Pari», 20. October. In der Revisionsfrage wird gemeldet, daß die Fälschung deS Obersten Henry nur von nebensächlicher Bedeutung sei. DaS neue Factum, auf welches der LassationShof fich stützen wird, ist die Gewißheit, dah da» Bordereau nicht von DrehfuS, sondern von Esterhazy verfaßt ist. ES verlautet, Präfident Faure werde im Ein­vernehmen mit dem Eabinet eine Botschaft an daS Parlament über die inneren und äußeren Fragen richten. Die gemeldeten kriegerischen Vorbereitungen in Toulon, Brest und Cherbourg haben hier eine gewisse Erregung hervorgerufeu.

London, 20. October. Da» englisch deutsche Abkommen, betreffend die chinesische Eisenbahn ist von England unter« zeichnet worden. England erhält da» ganze Urngtsethal, Deutschland die Provinz Schantung und den gelben Flufe. Beide Staaten bauen gemeinschaftlich die Hauprliuien Tientfiu- Ehinkiang von Norden nach Süden.

London, 20. October. Der ©lobe meldet, Prinz Hein­rich werde nach Berichten an» Shangai noch einmal nach Peking reifen und dort eine Znsammenkuu ft mit dem Reifer verlangen.

London. 20. October. Au« Shanghai wird gemeldet: Ein ruffische» Regiment, welches in der ruffischen Nieder­lassung in Niulschwang gelandet ist, habe die Forts an der Fluß-Mündung besetzt. Die» versetzte die Russen in die Lage, Niutscbwang vollständig zu bcherrfchen. Der chinesische General Simg-Tsching wurde von der Kaiserin mit seinen Truppe« nach Tientsin beordert, al» Gegengewicht gegen die fremden Truppen in Peking.

Warschon, 20. Oktober. Wegen socialistischer Um­triebe wurden in der vorletzten Nacht wiederum zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Die verhafteten find zumeist Techniker, Pr'vatbeamte und Studenten.

Kaneo, 20. Dctober. Die Admirale theilten ihren Re- giernngen mit, laß fie nach dem Abzug der türkischm Truppen und Beamten die proviforifche Verwaltung von Kreta übernehmen werden.

Kort-ontinopel, 20. October. Kaiser Wilhelm verlieh dem türkischen Groß- Bez ir den Schwarzen Adlerorde« unb dem Botschafter Frhrn. v. Marschall die Brillanten zum Großkreu; de» Rothen Adler-Orden».